Umstrittene Studie

02. Juli 2014 14:18; Akt: 02.07.2014 14:19 Print

Facebook droht wegen Psycho-Experiment Klage

Eine englische Behörde überprüft eine Klage gegen Facebook. Das Experiment mit den Gefühlen von Nutzern soll gegen das britische Datenschutzrecht verstossen.

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Die heimliche Manipulation von Emotionen der Facebook-Nutzer könnte rechtliche Konsequenzen haben. (Bild: Keystone/AP/ben Margot)

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Der Versuch, die Emotionen der Facebook-Nutzer zu beeinflussen, könnte Mark Zuckerberg noch viel mehr Ärger einbringen. Der britische Datenschutz überprüft laut der englischen Zeitung «The Register» eine Klage gegen die Social-Media-Plattform. Die zuständige Behörde ICO bestätigte am Mittwoch Ermittlungen gegen das weltgrösste Online-Netzwerk.

Geprüft wird demnach, ob das Unternehmen rechtswidrig gehandelt hat. Anlass ist eine wissenschaftliche Untersuchung aus dem Jahr 2012, die fast 700'000 Facebook-Nutzer betraf. Diese waren über das Vorhaben aber nicht informiert worden.

ICO könnte hohe Strafe verhängen

Laut der amerikanischen Zeitschrift «Forbes» hat Facebook die rechtlichen Bestimmungen für die Verwendung der Daten erst im Mai 2012 in ihre AGB eingeführt. Der Satz «für interne Prozesse, u. a. Fehlerbehebung, Datenanalyse, Tests, Forschung und Leistungsverbesserung» wurde also erst vier Monate nachdem die Daten für das Experiment gesammelt wurden in die AGB aufgenommen. Mit den rechtlichen Hinweisen in den AGB versuchen sich die Unternehmen vor Klagen durch Nutzer zu schützen.

Noch sei unklar, gegen welche konkreten Gesetze Facebook verstossen haben könnte, zitierte die «Financial Times» einen Sprecher der Behörde. Die Datenschützer von ICO können Geldstrafen von bis zu 500'000 Pfund (rund 860'000 Franken) verhängen und Unternehmen zur Änderung des Geschäftsgebarens zwingen.

Auch Jugendliche bei Studie dabei

Beim Aufnehmen der Daten für das Emotions-Experiment wurde kein Altersfilter verwendet. Facebook hat nicht nur die Daten von Erwachsenen verwendet, sondern auch die der 13- bis 18-jährigen User, schreibt «Forbes».

Im Internet regten sich viele Nutzer über die heimliche Manipulation auf. Ein Experte zweifelte zugleich die Aussagekraft der Studie an, weil das Programm die Stimmung nicht immer korrekt zuordnen könne.

Facebook betonte, bei der Studie seien keine Daten gesammelt worden, die einzelnen Nutzern zugeordnet werden könnten. Kramer erklärte, es sei die tiefstmögliche Zahl von Nutzern für statistisch relevante Ergebnisse beteiligt gewesen. Seit dem Experiment Anfang 2012 sei auch die Aufsicht über solche Studien verbessert worden.

Mit Material der SDA

(ale)