Daten-Skandal

18. Mai 2010 07:08; Akt: 18.05.2010 07:46 Print

«Ein Versehen? Das erstaunt uns»

von Manuel Bühlmann - Google hat heimlich private Daten aus ungesicherten WLAN-Netzen abgefangen. Der eidgenössische Datenschützer bezweifelt, dass dies unwillentlich geschah.

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Der Eidgenössische Datenschutzbeauftragte Hanspeter Thür. (Bild: Keystone)

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Am späten Freitagabend beichtete Google in einem Blog-Post, dass bei Foto-Fahrten mit Street-View-Fahrzeugen auch E-Mails und angesteuerte Internetseiten aus ungesicherten WLAN-Netzen abgegriffen worden seien (20 Minuten Online berichtete). Laut Google soll dies unabsichtlich geschehen sein. Noch Ende April hatte der Suchmaschinenriese versichert, dass lediglich die MAC-Adressen und Namen (SSID) der Funknetze gespeichert werden. 20 Minuten Online wollte von Hanspeter Thür, dem Eidgenössischen Datenschutzbeauftragten, wissen, wie er zu Googles öffentlicher Entschuldigung steht und ob er rechtliche Schritte einleiten wird.

Sind Sie über Googles Beichte erstaunt?
Hanspeter Thür: Uns erstaunt, dass Google diese Daten aus Versehen gesammelt haben soll. Schliesslich handelt es sich hier um ein bedeutendes internationales Unternehmen mit unzähligen hoch qualifizierten Fachleuten, denen eine solche Panne eigentlich nicht unterlaufen sollte.

Hat sich Google durch das Eindringen in private Datennetze strafbar gemacht?
Das Strafgesetz (Art. 143 bis) verbietet zwar das unbefugte Eindringen in ein Datenverarbeitungssystem, doch nur wenn dessen Betreiber besondere Sicherheitsvorkehrungen getroffen hat. Es dürfte für die Betreiber der von Google aufgezeichneten WLAN-Netze wohl relativ schwierig werden, dies nachzuweisen.

Werden Sie erneut Klage einreichen?
Wir stehen in Verbindung mit den Datenschutzbehörden Europas und werden anhand der Informationen, die wir von diesen erhalten, beurteilen können, ob und wie wir vorgehen werden.

Bruno Baeriswyl, Präsident der Vereinigung der Schweizer Datenschutzbeauftragten, fordert strengere Kontrollen. Wie könnten diese konkret aussehen?
Meiner Meinung nach sollten die Anbieter von Produkten und Diensten, welche die Persönlichkeitsrechte gefährden können, im Voraus nachweisen, dass der Persönlichkeitsschutz respektiert wird. Diese Idee habe ich vor einiger Zeit in der Rechtskommission des Nationalrats eingebracht.
Insbesondere sollten die Dienstleistungen von Beginn an so eingestellt sein, dass ein maximaler Schutz gewährt wird. Heute ist es jedoch häufig so, dass derjenige, der mehr Privacy will, von sich aus tätig werden muss. Dazu muss er sich durch die allgemeinen Geschäftsbedingungen mühen, welche sich zudem immer wieder ändern können. Das ist für den User eine Zumutung, mit den heutigen gesetzlichen Regeln aber konform.

Ist Google für Sie noch vertrauenswürdig?
Die Frage des Vertrauens stellt sich aufgrund der Vorfälle der letzten Zeit tatsächlich.

In den vergangenen Wochen wollten Sie abklären, ob die Erfassung von WLAN-Netzwerken legal ist. Haben Sie inzwischen eine Antwort darauf gefunden?
Das Erfassen und Auflisten von LAN-Sendestellen, die eigentlich von jedermann empfangen werden können, ist nicht das eigentliche Problem. Problematisch ist vielmehr, wenn Google Daten aufzeichnet, die darüber versendet wurden. Wir werden den Fall nun in Zusammenarbeit mit den europäischen Datenschutzbehörden genauer abklären.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bitte informieren am 18.05.2010 09:46 Report Diesen Beitrag melden

    Bitte informiert euch doch!

    Google bricht da nicht ein sie sammeln auch nichts! Google hört bloss Öffentliche WLAN ab um diese wie in anderen Ländern im Google Maps einzutragen! Sehr praktisch übrigens! So sind öffentliche WLANs schnell und einfach ersichtlich. Es werden keine Emails gelesen oder in Computer eingebrochen sondern lediglich hingehört... Zitat (von oben): "...doch nur wenn dessen Betreiber besondere Sicherheitsvorkehrungen getroffen hat." Plädoye beendet! Da stehts ... schwarz auf weiss!

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  • Matthias am 17.05.2010 14:20 Report Diesen Beitrag melden

    Tja, liebe Android-Fanboys...

    ...das ist mal eine tolle Nachricht. Da kann man sich ja denken, mit welchen Absichten Google das Betriebssystem Android lanciert hat. Muss ein tolles Gefühl sein, wenn Google über alles Bescheid weiss - und noch toller ist es, wenn man weiss, dass die amerikansichen Geheimdienste Zugang zu den Google-Auslesealgorithmen haben, da Auskunftspflicht gegenüber der NSA im Namen der sogennanten Terrorabwehr besteht.

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  • Chris Juon am 17.05.2010 12:52 Report Diesen Beitrag melden

    Das ist nicht einmal strafbar...

    Wenn ich mich in ein offenes Netzwerk einlogge und so an ungeschützte Daten komme, dann mache ich mich nicht mal strafbar, (Hab deswegen extra einen Juristen gefragt, der suchte 15 min in seinen dicken Bücher und zeigte mir den Paragraphen, dass es nicht strafbar ist!!!) denn wenn mein Nachbar sein Fenster und Vorhänge offen hat, darf ich auch hinein schauen! Also wer Fenster und Vorhänge offen lässt ist selber schuld. Wenn ich nicht will, dass der Nachbar mich oder meine Frau nackt sieht, dann muss ich nun mal die Vorhänge ziehen!! Macht ja jede/r

Die neusten Leser-Kommentare

  • Klara Äther am 21.05.2010 13:40 Report Diesen Beitrag melden

    Im Äther ist öffentlich

    Das ganze Gestürm erstaunt mich sehr. Was im "Äther" ist, ist per se öffentlich zugänglich. Und dass weder E-Mail noch http-Abfragen verschlüsselt sind, wenn man nichts dazu tut, sollte unterdessen jedem klar sein. Wer Privates über solche Kanäle übermittelt, muss damit rechnen, dass es in unbeabsichtigte Hände gelangt.

  • Urs Meisterhans am 19.05.2010 18:46 Report Diesen Beitrag melden

    CIA

    Mich würde nicht erstaunen, wenn Google auch mit dem amerikanischen Geheimdienst CIA zusammenarbeiten würde.

  • ToM am 19.05.2010 17:42 Report Diesen Beitrag melden

    Facebook & co

    sicherlich diejenigen die sich bei facebook exibitionieren schreien nun am lautesten wie schuetzenswert ihre daten doch sind :))) naiv ist wer sein netz unverschluesselt laesst, nicht nur im hinblick auf google...

  • Alexander Keller am 18.05.2010 20:53 Report Diesen Beitrag melden

    Fakt

    Solange solche Firmen börsenkotiert sind, bleibt der Datenschutz auf der Strecke, weil Ihr Hauptjob ist es, die Aktien in höhere Sphären zu schiessen um die Nutzniesser freundlich zu stimmen.

  • heizim am 18.05.2010 20:32 Report Diesen Beitrag melden

    Aufgeblasen ist auch schoen

    Ich habe den Eindruck, hier blaest sich der Datenschuetzer mit einem Problemchen auf. Klar der muss doch seinen Job rechtfertigen, so wie der Rassimusraecher, der Freidhofsverwalter, der Busseneintreiber, der Tieranwalt, der Heimatschuetzer...... alles plustern sich moeglichst auf um ihre Wichtigkeit zu demonstrieren. Als ich damals den Kommentar des Thür gelesen hatte wegen Gentests bei Vaterschaft ja/nein, wars mir klar. Jetzt auch wieder, der Mann versteht nichts und quasselt, dass es moeglichweise illegal sei etc. Nur warme Luft, mehr nicht.