Effiziente Verkehrsführung

08. März 2011 15:49; Akt: 08.03.2011 16:22 Print

Google Maps macht teure Navis überflüssig

von Manuel Bühlmann - Der Routenplaner für Android-Handys warnt neu auch vor Staus. Smartphone-Kunden werden rechtzeitig umgeleitet. Schweizer müssen sich noch gedulden.

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Intelligente Navigationslösungen erkennen Staus frühzeitig.

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Google Maps für Android-Smartphones wird täglich für rund 56 Millionen gefahrene Kilometer verwendet. Damit die Kunden nicht unnötig Zeit in Verkehrsstaus verbringen, werden sie ab sofort rechtzeitig umgeleitet, teilt Google in einem offiziellen Blogeintrag mit. Dafür werden neben der aktuellen Verkehrssituation auch zurückliegende Stauinformationen berücksichtigt. So kommt es immer wieder an den gleichen Knotenpunkten zu den gleichen Zeiten zu Verkehrsüberlastungen. Dieser Erfahrungswert fliesst neu in die individuelle Routenplanung ein, damit die Nutzer von Google Maps schneller ans Ziel finden. Um von der Stauumleitung zu profitieren, müssen Android-Kunden nichts unternehmen, die Änderung wird ab sofort wirksam.

In Europa funktioniert der Staumelder aber erst in Frankreich, Grossbritannien, Italien und Ungarn. Google ist daran, die Verkehrsdaten auch in weiteren Ländern zur Verfügung zu stellen. In einem Google-Hilfeforum schreibt ein Mitarbeiter: «Wir arbeiten an einer Version des Verkehrslayers für Deutschland. Die Daten von Android alleine reichen nicht für eine Darstellung auf Desktop Maps.» Deshalb werde beispielsweise in Frankreich mit externen Datenanbietern zusammengearbeitet.

Der Service ist kein Novum. So wertet Navi-Anbieter TomTom schon seit Längerem die Bewegungsdaten der Kunden aus. Aus den anonym übermittelten Informationen können so in Echtzeit die Verkehrsverhältnisse analysiert und Staus erkannt werden. Kunden, die sich vor dem betroffenen Streckenabschnitt befinden, werden umgeleitet.

Noch nicht in der Schweiz verfügbar

Herkömmliche Navigationslösungen, die für Smartphones in Form von Apps angeboten werden, bieten den Vorteil, dass das gesamte Kartenmaterial auf das Gerät runtergeladen wird. Bei Google Maps ist dies nur beschränkt möglich. Wer sich beispielsweise die Strecke Zürich-Mailand per Routenplaner anzeigen lassen will, kann sich diese zwar vorgängig über ein WLAN komplett runterladen. Wird von der vorgeschlagenen Strecke abgewichen, muss das zusätzlich Kartenmaterial allerdings übers Mobilfunknetz runtergeladen werden. Und das kann teuer werden, gerade im Ausland.

Ob und ab wann der Staumelder hierzulande eingeführt wird, wurde noch nicht mitgeteilt. Auf Anfrage von 20 Minuten Online sagt ein Unternehmenssprecher: «Momentan haben wir nichts anzukündigen.»

TomTom & Co geraten in Bedrängnis

Für klassische Navi-Anbieter wie TomTom, Garmin und Navigon könnte die Luft langsam aber sicher dünn werden. Sie erzielen den Grossteil der Einnahmen durch den Verkauf von eigenen Satellitennavigations-Geräten. Diese werden aber in Hinblick auf die Navi-Offensive der Handyhersteller über kurz oder lang überflüssig. TomTom und Navigon haben deshalb die Flucht nach vorne angetreten und bieten etwa fürs iPhone eigene Programme an, die im App Store gekauft werden können. Sie machen damit aus Apples Smartphone ein hochwertiges Navigationsgerät. Ein Vergleichstest von 20 Minuten Online zeigte, welches der zwei Unternehmen mit ihrer iPhone-Navi die Nase vorn hat.

Auch Apple bald am Start?

Auch Apple plant ins Navi-Geschäft einzusteigen. Im vergangenen Oktober ist bekannt geworden, dass Apple bereits im Juli den Kartenanbieter PlaceBase übernommen hatte. Firmengründer Jaron Waldman wurde Chef eines internen Geo-Teams. Computerworld-Blogger Seth Weintraub vermutete schon damals, dass Apple sich dank des Kartenmaterials von PlaceBase von Google Maps befreien will, welches das Unternehmen auf iPhone und iPod touch nutzt. Apple hat sich bislang nicht öffentlich zum Thema geäussert.