Alien Dalvik

09. Februar 2011 17:32; Akt: 09.02.2011 21:22 Print

Android-Apps gehen fremd

Dank der Zürcher Software-Firma Myriad Group sollen Android-Programme schon bald auf anderen Plattformen laufen. Kommt das zu spät für das krisengeschüttelte Nokia? (Update)

(Quelle: Youtube.com/myriadgroupmarketing)
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Von Android-Entwicklern kommt ein Programm für Nicht-Android-Nutzer. Damit können in Zukunft eigentlich für das Google-Betriebssystem entwickelte Apps auf anderen Plattformen genutzt werden. Möglich wird dies durch eine Virtualisierungssoftware: Sie macht Android-Apps kompatibel zu anderen mobilen Betriebssystemen. Ob die Android-Apps dereinst auch auf dem iPhone laufen, ist nicht bekannt.

Hinter der Entwicklung, die den Projektnamen Alien Dalvik trägt, steckt die Schweizer Softwarefirma Myriad Group – ehemals Esmertec AG. Das Unternehmen aus Dübendorf zählt zu den Gründungsmitgliedern der Open Handset Aliance (OHA), dem von Google lancierten Zusammenschluss der Android-Entwicklerfirmen.

Photoshop und Schach

In einem Video demonstrieren die Programmier, wie die neue Virtualisierungssoftware funktioniert. Auf einem Nokia N900 laufen Android-Apps wie Adobe Photoshop Mobile, Twitter, Google Maps und ein Schach-Programm – mit dem Betriebssystem Maemo.

Die erste öffentliche Präsentation ist für nächste Woche am World Mobile Congress in Barcelona angekündigt. Die Anwendungen und Spiele sollen ähnlich schnell laufen wie auf regulären Android-Smartphones, heisst es. Im Laufe des Jahres werde Alien Dalvik für Meego fertiggestellt. Aus Anwendersicht sei die Virtualisierungssoftware «komplett transparent» ins System integriert. Das heisst, die Android-Applikationen erscheinen wie gewöhnliche Programme auf dem Bildschirm und können ohne Aufwand installiert werden.

Für Plattformbetreiber, Hersteller und Betreiber von Softwareshops ergibt sich dank Alien Dalvik der Vorteil, dass sie den Kunden deutlich mehr Apps zur Verfügung stellen können. Damit dürfte die unaufhaltsam wachsende Android-Fangemeinde weiteren Zuwachs erhalten. Der Programmname stammt übrigens von Androids Betriebssystem ab; darin gibt es eine Java Virtual Machine namens Dalvik.

Zukunft ungewiss

Bislang hat Myriad Group noch nicht bekanntgegeben, welche Partnerfirmen die Virtualisierungssoftware auf ihren Geräten vorinstallieren werden. Vor allem für das in Entwicklung befindliche Meego wäre dies ein Vorteil. Nokia steht mit seinem bisherigen, in die Jahre gekommenen Betriebssystem Symbian, das als nicht mehr wettbewerbsfähig gilt, gehörig unter Druck. Die iOS-Konkurrenz aus dem Hause Apple sowie Googles Android haben ihm arg zugesetzt.

Die Zukunft des von Nokia und Intel vorangetriebenen Unix-Projekts Meego ist ungewiss. Seit längerem kursieren Gerüchte, dass Nokia mit einem Konkurrenten zusammenspannen werde. Im Gespräch ist Microsoft mit dem mobilen Betriebssystem Windows Phone 7. Der Nokia-Chef Stephen Elop soll sein Unternehmen kürzlich in einem Memo als «brennende Ölplattform» bezeichnet haben, wie golem.de berichtete.

Update:
Einer aktuellen Meldung vom Mittwoch zufolge hat der finnische Handy-Konzern zurzeit kaum noch Hoffnung auf Erfolg mit dem eigenen neuen Betriebssystem Meego. Die Nachrichtenagentur Reuters will aus unternehmensnahen Kreisen erfahren haben, dass die Entwicklung des ersten Meego-Smartphones, Nokia N9, eingestellt werden soll, wie golem.de berichtet.

(dsc)