Hanspeter Thür

24. Februar 2011 17:42; Akt: 24.02.2011 17:54 Print

«Street View ist nur ein Pilotfall»

von Daniel Schurter - Der Schweizer Datenschützer sagt den «nicht-autorisierten» Bildern im Internet den Kampf an. Sollte er gegen Google gewinnen, wären die Auswirkungen enorm.

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Der Eidgenössische Datenschützer Hanspeter Thür will am Beispiel von Googles Dienst «Street View» die Frage klären lassen, ob man ungefragt im Internet abgebildet werden darf. (Bild: Keystone)

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Der Schweizer Datenschützer wünscht sich ein Grundsatzurteil, das weitreichende Folgen haben könnte – nicht nur für Google, sondern für verschiedene Internet-Firmen. Die höchsten Richter des Landes sollen verbindlich klären, ob Fotos ohne das Einverständnis der abgebildeten Personen ins Internet geladen werden dürfen. Würde das Veröffentlichen solcher nicht-autorisierten Bilder grundsätzlich verboten, müssten zahlreiche Online-Dienste angepasst werden. Wie stark auch Facebook und andere populäre Plattformen betroffen wären, ist nicht klar.

Weitere Fälle sollen folgen

«Googles Street View ist nur ein Pilotfall», bestätigt der Datenschützer gegenüber 20 Minuten Online. Sollte das Gericht seiner Argumentation folgen, hätte dies Auswirkungen, die noch nicht abgeschätzt werden können. «Was für Google gilt, gilt für alle», sagt Hanspeter Thür. Und weiter: «Wenn der grosse Fall gelöst ist, könnten weitere Fälle folgen.» Das hänge schliesslich von den Internetnutzern ab, sagt der Datenschützer. Sollte sich jemand zu einer gerichtlichen Klage entschliessen, weil sein Konterfei ohne Erlaubnis ins Internet gestellt wurde, hätte er dank dem Grundsatzurteil gute Karten - und würde vom Datenschützer wenn nötig unterstützt. Das heisst, es müssten sich in Zukunft auch andere Firmen warm anziehen, die User-Bilder im Internet veröffentlichen.

«Zu wenig zuverlässig»

Allein in einem kleinen Land wie der Schweiz würden Millionen von Bildern aufgeschaltet, gibt der Datenschützer zu bedenken. Da sei es für den einzelnen User nicht zumutbar, dass er selber aktiv werden müsse, um nicht-autorisierte Bilder aus dem Internet zu löschen. Vielmehr stünden die Anbieter solcher Dienste in der Pflicht. Sie müssten von sich aus gewährleisten, dass die Persönlichkeitsrechte der Menschen nicht verletzt werden.

Probleme verschärfen sich

Hanspeter Thür sieht den Schutz der Privatsphäre in Zukunft noch stärker bedroht. «Die technische Entwicklung wird die Probleme massiv verschärfen.» Der Datenschützer hat die automatische Gesichtserkennung im Sinn. Dank spezieller Software lassen sich Fotos scannen und abgebildete Gesichter einer Person zuordnen, indem im Internet nach dem gleichen Gesicht gesucht wird.

Google versichert zwar, dass auch in Zukunft auf Gesichtserkennung verzichtet werde. Doch das scheint den Datenschützer nicht zu beruhigen: «Was Google nicht tut, macht jemand anders.» Die neue Technologie, die es schon heute gebe, werde sich durchsetzen, ist er überzeugt. Dem gelte es frühzeitig Rechnung zu tragen und die gesetzlichen Bestimmungen anzupassen.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Reto am 24.02.2011 18:20 Report Diesen Beitrag melden

    Schutz vor Missbrauch persönlicher Daten

    Street View im Zusammenhang mit Informationen über Gundbucheinträge hinsichtlich Eigentum, Mieter, (Luxus) Autos vor Garagen, Grösse der Liegenschaften und deren Umschwung wie Lage lassen Rückschlüsse auf Personen, deren Lebensweise und deren Besitz- und Eigentumsverhältnisse zu, die nicht zu vereinbaren sind mit den Grundrechten SR 101 Art. 13 Schutz der Privatsphäre: 1 Jede Person hat Anspruch auf Achtung ihres Privat- und Familienlebens, ihrer Wohnung sowie ihres Brief-, Post- und Fernmeldeverkehrs. 2 Jede Person hat Anspruch auf Schutz vor Missbrauch ihrer persönlichen Daten.

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  • IT Professional am 25.02.2011 19:30 Report Diesen Beitrag melden

    Danke Herr Thür

    endlich ein kompetenter Datenschützer, der diese Bezeichnung auch verdient! Leider scheinen viele User hier sich nicht bewusst zu sein, wozu die gesammelten Daten ausser zum Zeitvertreib sonst noch so verwendet werden könnten.

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  • Aizen am 24.02.2011 18:54 Report Diesen Beitrag melden

    Rückwärtstrend

    Willkommen in der Steinzeit

Die neusten Leser-Kommentare

  • B. Kerzenmacher am 26.04.2011 17:01 Report Diesen Beitrag melden

    Gefährlich wird es wenn persönliche

    Dokumente wie Betreibungsauszug, Lohnabrechnungen, Passportkopien, Privatkorrespondenzen etc. durch BfM/BVG fremden, dazu unbefugten Drittpersonen zugestellt werden per Post! Dazu noch Steuerdaten telefonisch herausgegeben werden durch das Steueramt, ohne die Bewilligung des Betroffenen einzuholen.(Erfahren per Zufall). Wenn man dann Strafanzeige einreicht, dann erhält man 1 Jahr noch nicht mal Antwort, nicht mal auf diverse Beschwerden. Auch stört es niemanden wenn dem Straftatenopfer die ganze Reputation und Integrität deshalb draufgeht bis hin zum Arbeitsplatzverlust und Kosten von 735000Fr

  • Toni am 12.04.2011 13:13 Report Diesen Beitrag melden

    Paranoid

    Diese Diskussion um die Datensicherheit geht mir auf die Nerven. Sind wir jetzt alle paranoid!?

  • Willi aus Bremgarten am 04.04.2011 16:55 Report Diesen Beitrag melden

    Vielen Dank Herr Thür!

    Zum Glück gibt es noch Menschen die sich Gedanken über die Zukunft machen und weiter als über die eigene Nasenspitze schauen. Wie heisst das Sprichwort? "Wehret den Anfängen!" "....denn Sie wissen nicht, was man damit tun kann...!" könnte man heutzutage noch hinzufügen. Es ist genau so! Wenn heute mal was im Internet veröffentlich wurde kann man es fast nicht mehr zu 99,99999% wieder löschen und entfernen. Und was mit gespeicherten Informationen in ein paar Jahren alles machbar ist, übersteigt des Otto-Normalverbrauchers Vorstellungskraft! Leider ist nun das mal so!

  • V. Erwaltung am 28.02.2011 10:48 Report Diesen Beitrag melden

    Rechtfertigungsaktionitis

    Wir haben zu viele Stäbli, Büröli und entsprechende Verantwortliche in diesen Pöstli. Preisüberwacher UND Wettbewerbskomission, die intern in Konkurrenz stehen, Datenschützer auf Bundesebene und Kantonsebene, die Liste liesse sich beliebig verlängern. Gerade vor Wahlen und in Zeiten von Spardruck legen diese Bürohengste dann eine Aktionitis an den Tag, um irgendwann mal wieder Presseaufmerksamkeit zu erlangen.Schafft einfach 50% der Verwaltung ab, und dann besserts auch wieder: Dann fokussiert man wieder auf echte Probleme!

  • martha am 26.02.2011 23:02 Report Diesen Beitrag melden

    Google

    Google Street View ist super! Ich habe mich schon sehr oft verirrt und habe den Weg wieder gefunden! Tolle Idee! Ist doch wirklich egal, ob man fotorgrafiert wird, man macht ja als anständiger Mensch nichts schlimmes. Und wenn eine Frau ihr Auto vor einem Call-Boy-Haus stehen lässt, muss sie nunmal damit rechnen, dass per Zufall ihr Ehemann dieses sieht...! Sowieso wer googelt schon Stunden lang, bis er endlich jemanden erkennt?