Recht auf Vergessen

04. Juli 2014 10:52; Akt: 04.07.2014 12:15 Print

Google muss 267'000 Einträge löschen

Der Internet-Riese wird mit Löschanträgen überhäuft: Nur wenige Wochen nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs sind bei Google bereits zehntausende Gesuche eingegangen.

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Seit dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs sind bei Google zahlreiche Löschanträge eingegangen. (Bild: Keystone/Oliver Berg)

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In den letzten Wochen sind bei Google über 70'000 Anträge auf die Entfernung von Suchergebnissen eingegangen. Insgesamt wollen Bürger aus ganz Europa mehr als 267'000 Links streichen lassen, wie Google bekannt gab.

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hatte den Weg für die Löschgesuche frei gemacht. Er entschied Mitte Mai, dass Europas Bürger von Suchmaschinen wie Google verlangen können, Links zu unangenehmen Dingen aus ihrer Vergangenheit aus den Suchergebnissen verschwinden zu lassen. Google müsse die Links aus seiner Ergebnisliste entfernen, wenn die Informationen das Recht auf Privatsphäre der Betroffenen verletzen.

Das trat eine Welle von Löschanträgen los, die nun von Google bearbeitet werden. Dabei geht es nur um die Ergebnisse, die bei der Suche nach Personen angezeigt werden. Google begann vor einer Woche mit dem Entfernen von Links. Wie vielen Anträgen bereits stattgegeben wurde, konnte ein Google-Sprecher nicht sagen.

Auch 20 Minuten hat bei Google einen Löschantrag gestellt. Er ist derzeit noch hängig. Seit der Veröffentlichung des entsprechenden Artikels am 30. Mai erscheint der zu löschende Eintrag (ein Youtube-Clip mit dem Titel: «Ill-FiL joke TV») bei der Google-Suche gar an oberster Stelle. Davor befand er sich noch auf der fünften Position.

Nicht alles wird gelöscht

Google löscht im Zusammenhang mit dem Gerichtsentscheid zum «Recht auf Vergessen» mehrere Verlinkungen zur britischen Zeitung «Guardian» nun doch nicht. Der US-Konzern nahm am Donnerstag seine frühere Entscheidung nach Protesten der Zeitung wieder zurück. Das zeigte Googles Probleme, das vom Europäischen Gerichtshof (EuGH) gestärkte «Recht auf Vergessen» umzusetzen. Aktuell ging es um Berichte der Zeitung über einen Schiedsrichter, der im Zusammenhang mit einer Entscheidung in einem Fussballspiel gelogen hatte. Wer den Antrag auf Löschung stellte, war unklar.

Andererseits stellte Google Verweise zu einem Bericht des britischen Senders BBC über die Entlassung des früheren Merrill-Lynch-Chefs E. Stanley O'Neal nicht wieder her. O'Neal hatte nach Milliarden-Verlusten der Bank seinen Hut nehmen müssen.

(tob/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mary am 04.07.2014 11:20 Report Diesen Beitrag melden

    Wieso wohl?

    Wie ich gelesen habe, sind es eigentlich nur Politiker, die solche Gesuche gestellt haben sollen. Wieso wohl?

  • Jammer am 04.07.2014 11:20 Report Diesen Beitrag melden

    von wegen löschen

    Gelöscht wird mit Sicherheit mal gaar nichts !! Es wird vielleicht nicht mehr ersichtlich sein ja, aber die Amis behalten die Infos trotzdem, da gehe ich jede Wette ein.

    einklappen einklappen
  • Bruder Motzi am 04.07.2014 11:33 Report Diesen Beitrag melden

    Google traue ich nicht

    über den Weg, die finden bestimmt Hintertüren...

Die neusten Leser-Kommentare

  • xy am 04.07.2014 13:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Datenbank

    Es gibt eine Datenbank mit zu "löschenden" Links, welche nicht angezeigt werden sollen. So funktioniert das.

  • Tom - Bern am 04.07.2014 12:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einträge löschen

    Vielleicht macht Google es ja so, dass sie eine Seite erstellen auf der die gelöschten Einträge vermerkt werden- wäre doch was :-))

  • Sa Tan am 04.07.2014 12:25 Report Diesen Beitrag melden

    ja ja ...

    mag sein, dass sie in den Suchresultaten nicht mehr auftauchen, aber gelöscht sind sie sicher nicht

  • James am 04.07.2014 12:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Linke Geldvernichtung

    Das ganze kostet Unsummen und bringt nichts. Einfach google.com benutzen.

  • Sini am 04.07.2014 12:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super Urteil

    1. Google löscht nur den Index in der Suchmaschine. Nicht im Internet! 2. Google löscht nur auf Europäischen domains. Das bedeutet so viel wie es ändert sich garnichts. Den findet man auf google.de nichts oder .ch nichts. Auf google.com findet man es ;). Durch das urteil hat man google dazu ermächtigt auch eigenwillig Daten zu löschen. Was sie vorher in dem Umfang nicht durften. Jetzt hat man im Grunde google noch mehr macht gegeben und hat es wohl nicht einmal gemerkt... Google kann jetzt von sich aus löschen und zensieren was das Zeugs hält und jetzt auch noch offiziell und legal!