Android

07. März 2011 20:40; Akt: 10.03.2011 22:16 Print

«iBoobs» geht fremd

Vor zwei Jahren sorgten die iBoobs auf dem iPhone für Aufruhr – bis Apple die hüpfenden Brüste aus dem App Store schmiss. Nun dürfen Besitzer von Android-Handys ihre Geräte befummeln.

Die Brüste-App für Pubertierende findet ihren Weg auf Android-Handys.
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Vor zwei Jahren waren «Brüste-Apps» der grosse Renner auf dem iPhone – bis Apple hart durchgriff und «iBoobs», «Wobble iBoobs» und Konsorten aus dem App Store verbannte. iBoobs liess den Nutzer interaktiv weibliche Brüste wackeln und verzeichnete - nicht ganz überraschend - regen Zuspruch im App Store. Jetzt ist die App zurück, allerdings nicht mehr auf dem iPhone, sondern beim freizügigeren Konkurrenten Google im rasch anwachsenden Android Market.

Die iBoobs Entwicklerfirma Mystic Game Development feiert die Rückkehr der iBrüste im Android Market wie folgt: «Geniesse die nächste Generation der Brüste-Hüpf-Technologie auf Deinem Android Smartphone und zeige die App Deinen iPhone-Freunden, die seit Jahren darauf gewartet haben – erinnere sie daran, dass iBoobs nicht auf ihrem iPhone erscheinen wird.» Natürlich existierten schon vorher mehrere erfolgreiche iBoobs-Klone auf Android-Handys, doch nun sei die Original-Boobs-App zurück, behauptet der Entwickler vollmundig.

Wie üblich ist die abgespeckte Lite-Version gratis, während für die Kaufversion 1,95 Franken fällig werden. Die Gratisversion lässt die Touchscreen-Unterstützung vermissen, dafür lässt sich beispielsweise die herrschende Gravitationskraft regeln, die sich auf das Brust-Hüpfverhalten beim Schütteln des Smartphones auswirkt. In der Kaufversion gibt es zudem 15 Belohnungen freizuschalten; was kann Mann sich mehr wünschen?

Apple verbannt Schmuddel-Apps

Auf dem Kreuzzug gegen nackte Tatsachen löschte Apple vor über einem Jahr rund 5000 Applikationen (20 Minuten Online berichtete). Die Entrüstung bei vielen Entwicklern war gross, da ihre Apps meist ohne Vorwarnung aus dem App Store gekippt wurden. So wurde «Wobble iBoobs» erst nach Monaten entfernt, als die App bereits 970 000 Mal runtergeladen worden war. Gegenüber der «New York Times» sagte Apples Marketing Chef Phil Schiller damals, dass sie sich aufgrund sich mehrender Beschwerden zahlreicher Frauen und Eltern zu diesem Schritt entschieden haben. Ob Apple tatsächlich der Jugendschutz am Herzen liegt, scheint indes fragwürdig, zumal Steve Jobs’ Konzern die Playboy-App unbehelligt im App Store liess. Will Apple konsequent sein, dürfte ihr Safari-Browser auch keine sexistischen Inhalte mehr anzeigen.

Mit dem Rausschmiss von Schmuddel-Apps wie iBoobs ging es Apple wohl primär um den Schutz des sauberen Firmen-Images. Dafür nimmt der US-Konzern schmerzhafte finanzielle Einbussen in Kauf. Auf fünf Milliarden Franken schätzen die Marktforscher von Gartner den Umsatz mit Apps im vergangen Jahr, im laufenden Jahr sollen es gar 15 Milliarden werden. Da Apple an jedem App-Verkauf 30 Prozent mitverdient, würden Erotik-Apps Millionen in die Kassen spülen.

Apple kontrolliert, Google reagiert

Der Zulassungsprozess für Apps unterscheidet sich bei Apple und Google grundlegend. Während Apple strikt kontrolliert und zensiert, steht der Android Market grundsätzlich allen Entwickler offen. Google lässt Apps zu, ohne sie zuvor in einem Review-Prozess zu prüfen. Programme oder Spiele werden erst genauer unter die Lupe genommen, wenn Nutzer sich darüber beschweren. Sollten sich die gemeldeten Probleme bestätigen, wird die App aus dem Angebot gelöscht.

Die grossen Freiheiten haben indes auch ihre Schattenseiten. Ohne vorgängige Kontrolle ist der Anteil «Junk-Apps» im Android Market extrem hoch, wie die Tech-Seite zdnet.com bemängelt. Die Müll-Apps «verstopfen» den Market und die wahren Perlen zu finden, wird zunehmend schwieriger.

Vor zwei Jahren gab auch Apple erstmals einige Details zum Aufnahmeprozess für Applikationen in den App Store preis. So erhalte man pro Woche etwa 8500 neue Apps und Updates für bereits erhältliche. Apple beschäftigte damals nach eigenen Angaben 40 Mitarbeiter für die App-Evaluation, von denen jeweils zwei eine Applikation kontrollieren. Rund 20 Prozent der kleinen Programme würden nicht so zugelassen, wie sie eingeliefert wurden. Die meisten würden wegen Qualitätsmängeln abgelehnt. Ihre Entwickler erhielten aber technisches Feedback, so Apple.

Inzwischen dürfte sich der Aufwand für den Reviewprozess massiv erhöht haben, da der App-Boom unvermittelt anhält und bereits über 350 000 Applikationen im App Store auf Kunden warten. Entwickler müssen sich daher in aller Regel ein bis zwei Wochen gedulden, bis ihre Apps im Store auftauchen. Die Prüfungszeit hängt unter anderem ab von der Komplexität der App und ihren Inhalten, da teils zusätzlich rechtliche Fragen zu prüfen sind.

(owi)