Internet-Riese im Visier

29. April 2012 11:28; Akt: 29.04.2012 11:56 Print

Google hat bewusst nach Daten gefischt

Mit den Street-View-Autos hat Google haufenweise WLAN-Informationen eingefangen. Ermittlungen in den USA haben nun ergeben, dass dies mit Absicht geschah.

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In Miami wurde eine junge Frau vor der eigenen Haustür «erwischt». Google reagierte und liess die hüllenlosen Bilder verwischen. Diese junge Mutter weiss sich zu wehren. Kaum ist Street View Mitte November 2010 in 20 deutschen Städten an den Start gegangen, ist dieser Schnappschuss aufgetaucht. Im Oktober 2010 machte dieses Foto aus dem irischen Ballintyre Hall Schlagzeilen. Ein Passant drückt unmissverständlich aus, was er von Street View hält. Im Oktober 2010 sollen laut gizmodo.com.br diese beiden Leichenbilder aus Rio de Janeiro und... ... Belo Horizonte zu sehen gewesen sein. Im August 2010 machte dieses Bild einer vermeintlichen Leiche am Strassenrand Schlagzeilen. Dabei handelte es sich allerdings um Azura Beebeejaun aus dem britischen Worcester, die sich zufällig während eines Spiels wie tot auf die Fahrbahn gelegt hatte. Im britischen Hawes, Yorkshire, wurde dieses Bild gemacht, bei dem die Kamera wohl nicht ihren besten Tag hatte. Mit Street View auf dem Strich. In Cradley, westlich von Birmingham, haben sich riesige Kneifzangen aufs Bild geschlichen. Offenbar hat der Google-Fahrer an der Kamera herumhantiert und vergessen, sie dabei auszuschalten. Diesem Snowboarder passt es nicht, dass Google die Pisten in Whistler Mountain abfotografiert hat. Immer wieder macht Street View von sich reden. Zum Beispiel wegen dieses Mannes, der wohl beim Verrichten seiner Notdurft fotografiert wurde. Zum Beispiel, wenn ein Reh vor eines der Google-Fahrzeuge springt ... ... oder wenn die Street-View-Kameras spektakuläre Unfallbilder einfangen. Erwischt beim ersten Kuss. 20-Minuten-Online-Leser Arnaud Zehnder fotografierte dieses Street-View-Fahrzeug heute Morgen in Genf ... ... und Leser Pascal Mathys bekam eines der Google-Autos in Bern vor die Linse. Natascha Bürge schickte 20 Minuten Online dieses Bild aus Dübendorf. Mobile-Reporter Thomas Hegglin sichtete dieses Google-Earth-Auto in Oberwinterthur - mit eingeklappter Kamera. La Neuveville BE, von Fabian Küng. Beim Glattzentrum in Wallisellen entdeckte Zafer Akin ein Google-Auto. Bertrand Kolb schickte uns diesen Schnappschuss.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Das Abgreifen von WLAN-Informationen durch Googles Street-View-Autos hatte 2010 für einen Aufschrei in Europa und den USA gesorgt. Jetzt geht aus US-Ermittlungen erstmals hervor, dass ein Mitarbeiter die Software mit Absicht so programmiert haben soll.

Er habe gedacht, dass mit Hilfe von Informationen wie zum Beispiel Suchanfragen möglicherweise die Internet-Suche verbessert werden könne, geht aus dem am Wochenende von Google offengelegten Bericht der amerikanischen Telekom-Behörde FCC hervor. Bisher ging man davon aus, dass die Daten durch einen Fehler im Software-Code abgegriffen wurden.

Die Kameraautos, die Aufnahmen für den Google-Strassenatlas Street View machten, registrierten auch die Position von WLAN-Stationen, um später den Google-Anwendern eine genauere Ortung zu ermöglichen. Dabei fing die Software von 2008 bis 2010 auch unverschlüsselte Informationen aus diesen Netzen selbst ab. Dies geschah auch in der Schweiz, wie Google Anfang 2011 im Interview mit 20 Minuten Online bestätigte.

Offenbar kein Versehen

Der Suchmaschinen-Riese Google sprach zunächst von einem Versehen, bei dem nur Datensplitter gespeichert worden seien. Bei einer ausführlichen Prüfung wurden aber teilweise auch E-Mails und andere Inhalte in den gespeicherten Daten gefunden.

Nach Erkenntnissen der FCC (Federal Communications Commission) soll der Software-Entwickler sich auch mindestens einmal gesammelte Daten angesehen haben, um nach oft besuchten Websites Ausschau zu halten. Erst als ihm ein Mitarbeiter des Suchmaschinen-Bereichs gesagt habe, solche Informationen hätten für Google keinen Wert, habe er die Idee aufgegeben.

Interne Kontrolle in Frage gestellt

Der Bericht wirft vor allem die Frage auf, wie es passieren konnte, dass ein einzelner Mitarbeiter unbehelligt seine streitbare Idee umsetzte, ohne dass irgendwo im Konzern die Alarmglocken läuteten. Der Software-Entwickler soll demnach zwei weiteren Mitarbeitern - darunter auch einem Verantwortlichen - von seinem Plan berichtet haben.

Der betroffene Software-Entwickler selbst verweigerte eine Aussage in der FCC-Untersuchung, um sich nicht zu belasten. Er gehörte dem Bericht zufolge nicht zum Street-View-Team, sonder arbeitete nur nebenbei daran mit. Jeder habe die Software verändern können, ohne Rechenschaft darüber abzulegen, hiess es.

Busse nur wegen Behinderung der Ermittlungen

Die FCC hatte Google vor rund zwei Wochen mit einer Strafe von 25'000 Dollar belegt. Allerdings nur weil der Internet-Konzern die Ermittlungen behindert habe. Der Mitschnitt der WLAN-Daten selbst verstiess nach Auffassung der Behörde nicht gegen das Gesetz.

Google veröffentlichte den Bericht der Behörde nun mit geschwärzten Namen, nachdem US-Datenschützer aus dem Electronic Privacy Information Center einen Antrag auf Einsicht des Dokuments gestellt hatten.

(sda)

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Ich finde es ja komisch, dass Google überhaupt damit argumentiert, dass das Datenfischen ausversehen geschah... Jedem sollte doch klar sein, das Software NICHTS ausversehen macht bzw gar nicht machen KANN, das nicht explizit so in den Code geschrieben wurde. – Frau Müller

Wer sein WLAN unverschlüsselt verwendet oder ohne SSL im Netz unterwegs ist, ist selber schuld wenn die Vertraulichkeit seiner Daten nicht gewährleistet ist. Wenn ich lauthaus meine Bankdaten aus meinem Fenster schreie, kann ich nachher meine Nachbarn oder der vorbeifahrende Lieferwagenfahrer auch nicht verklagen, weil sie es mitbekommen haben. Jeder Nutzer ist selber verantworlich, seine Daten so zu Übermitteln, dass es nicht trivial ist mitzuhören. – Andreas P.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • torsten am 29.04.2012 11:50 Report Diesen Beitrag melden

    lieb

    das wissen wir ja längst. google gehört nicht zu den "lieben" typen. da geht es nur um money. viele behörden profitieren von den gesammelten daten und deshalb wird google auch geschützt. vereint gegen den "bösen" bürger.

  • yannick am 30.04.2012 14:53 Report Diesen Beitrag melden

    Absurd

    Beschafft sich ein Gigant wie Google irgendwelche Daten fordert man eine Strafe von 25000 Dollar wegen Ermittlungsbehinderung, ein Betrag welcher durch die Einnahmen in 0.000000001 Sekunden gedeckt ist. Saugt sich irgend ein 15 Jahr alter teenie ein Britney Spears Song runter werden Millionen von Schadenersatz gefordert. Sowas nennt man Gerechtigkeit? Unter dem Strich ist sowieso jeder selbst verantwortlich dafür was er im Internet über sich selbst veröffentlicht

  • Marc Meier am 29.04.2012 22:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Daten

    Man sollte sich eine Frage beim benutzen von Facebook, Google, Yahoo, Bing und co stellen,diese Dienste sind nicht gratis sie sind kostenlos. Man bezahlt nicht mit Geld sondern mit seinen "Daten". Diese werden für Werbung, neue Produkte usw verwendet. Nichts was kostenlos ist umsonst!!!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • ich suche am 30.04.2012 15:37 Report Diesen Beitrag melden

    Nur ein Mitarbeiter

    ohh. Es war doch kein versehen. Wie kann jemand nur glauben es war eins. Ein Mitarbeiter nur. Und der hat sich die Daten auch angesehen. Und er ist bestimmt kein NSA angestellter. Nein nein Google beschäftigt keine NSA Leute. Das steht in deren Verträgen und die werden garantiert eingehalten oder vielleicht mal aus versehen nicht. Ich meine, wer kontrolliert das bei Goggle schon..

  • yannick am 30.04.2012 14:53 Report Diesen Beitrag melden

    Absurd

    Beschafft sich ein Gigant wie Google irgendwelche Daten fordert man eine Strafe von 25000 Dollar wegen Ermittlungsbehinderung, ein Betrag welcher durch die Einnahmen in 0.000000001 Sekunden gedeckt ist. Saugt sich irgend ein 15 Jahr alter teenie ein Britney Spears Song runter werden Millionen von Schadenersatz gefordert. Sowas nennt man Gerechtigkeit? Unter dem Strich ist sowieso jeder selbst verantwortlich dafür was er im Internet über sich selbst veröffentlicht

  • scarry cat am 30.04.2012 14:09 Report Diesen Beitrag melden

    angst angst angst

    das war ja von anfang an klar wieso haben die amerikaner wohl den patriot act?? keine geheimnisse für niemanden wieso?? genau weil die amerikaner so verängstigt sind das ihnen alle mittel recht sind immer mit dem ach die werden uns sicher attackieren keine rechte für niemanden aber eben wer seine daten nicht verschlüsselt ist selber schuld darum immer 2 pc`s bereit haben ;)

  • Silvio Foiera am 30.04.2012 13:28 Report Diesen Beitrag melden

    Wer eine Fahne hisst..

    ...muss damit rechnen dass jemand anders sie sieht. Genau so verhält es sich mit Funknetzwerken. Ist ja schliesslich prinzipbedingt, an der Funktechnik, dass was von einem Ort gesendet wird an einem anderen Ort empfangen werden kann. Wenn ich nicht möchte dass unbefugte mithören, dann muss ich den Inhalt halt verschlüsseln. Aber davon abgesehen, die Annahme, dass Google im vorbeifahren den eigenen PC ausliest und vertrauliche Informationen bezieht ist falsch. Das sind bestenfalls Fragmente von dem, was just in dem Moment gesendet wurde und kaum sinnvolle Daten.

  • Urs Kurz am 30.04.2012 10:00 Report Diesen Beitrag melden

    Wer kann profitieren

    Ich vermute, dass Google die Wlan Standorte für den US Geheimdienst gesammelt hat und Google läst sich diesen "Dienst" dann auch noch versilbern. Google kann nichts mit Wlan Standorten anfangen.

    • Silvio Foiera am 01.05.2012 12:14 Report Diesen Beitrag melden

      Google kann nichts mit Wlan Standorten anfangen

      Natürlich kann Google mit WLAN Standorten etwas anfangen. Genau wie jeder Handyhersteller. Oder wie denkst Du weiss dein Handy beim einschalten de WLAN gleich wo Du bist? Google hat nur diese Standorte selbst erfasst, statt sie von Dritanbietern wie z.B. Skyhook zu kaufen.

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