18. März 2008 10:28; Akt: 18.03.2008 11:42 Print

Volkiland: «iPhones» für 315 Franken

von Manuel Bühlmann - Obwohl Apple das iPhone in der Schweiz noch gar nicht vertreibt, stehen im Einkaufszentrum «Volkiland» die Kult-Handys zum Verkauf, inklusive Fälschungen aus China.

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Die Schweiz ist eines der letzten Länder, das noch noch auf die Einführung des iPhones wartet. Herstellerin Apple hat den Verkaufsstart des Mobiltelefons immer wieder verschoben. Entsprechend erstaunt war 20minuten.ch-User M. R. (Name der Red. bekannt), als er letzte Woche im Einkaufszentrum «Volkiland» in Volketswil iPhone-Handys in der Auslage eines Elektronikfachgeschäfts entdeckte. 20minuten.ch war vor Ort, um sich selbst ein Bild zu machen.

Und in der Tat, das Angebot kann sich sehen lassen. Das Original-iPhone mit dem 8 GB-Speicher steht für 999.80 Franken zum Verkauf, die speicherstärkere Version mit 16 GB kostet 1250.80 Franken. Die im Angebot stehenden iPhones sind auch in der Schweiz vollumfänglich funktionstüchtig. Dafür mussten sie zuvor mittels Software-Hack entsperrt werden. Da dadurch allerdings die Garantie-Ansprüche an Apple entfallen, bietet das Elektronikgeschäft laut Aussage des Verkäufers gleich selbst eine einjährige Garantie an.

Zum Verwechseln ähnliche Plagiate

Gleichzeitig werden aber auch Plagiate aus China angeboten. Diese sehen dem iPhone zum Verwechseln ähnlich und werden teilweise inklusive dem aufgedruckten Apple-Logo angepriesen. Obwohl die Menüführung auf den ersten Blick 1:1 vom Original abgekupfert wurde, hinken die Fälschungen in Sachen Leistung dem iPhone eindeutig hinterher. So ist der Zugriff auf E-Mails, Google-Maps oder YouTube nicht möglich. MP3-Player, Telefon und SMS sollen laut Produktbeschreibung allerdings einwandfrei funktionieren. Die chinesischen Plagiate gibt es ab 315 Franken zu kaufen. Auf die Frage, ob der Verkauf von Plagiaten denn nicht illegal sei, meint die Verkäuferin gegenüber 20minuten.ch, dass sich bis jetzt noch niemand beschwert habe.

Apple Schweiz will Rechtsabteilung einschalten

Bei Apple Schweiz ist man darüber wenig erfreut: «Wenn wir von Plagiaten Kenntnis erhalten, wird unverzüglich unsere Rechtsabteilung eingeschaltet», sagt Andrea Brack, Mediensprecherin bei Apple Schweiz, gegenüber 20minuten.ch. Gegen den Verkauf von Original-iPhones ist Apple allerdings machtlos: «Das iPhone wurde in der Schweiz noch nicht lanciert. Wenn jemand aus dem Ausland ein iPhone importiert und dieses mit dem passenden ausländischen Vertrag legal benutzt, ist dagegen nichts einzuwenden. Wenn jedoch User unautorisierte Programme zum Hacken installieren, verstossen sie gegen Lizenzbestimmungen, ein Garantieverlust ist in Kauf zu nehmen, falls das iPhone nach solchen Eingriffen oder nach der Installation von Apple Software-Updates nicht mehr funktioniert», so Brack weiter.

Händlern von Plagiaten drohen bis zu drei Jahre Haft

Bei «STOP PIRACY», der Schweizer Plattform gegen Fälschung und Piraterie, ist man sich der Problematik bewusst: «Wir konnten in der Schweiz in den letzten Jahren eine Zunahme von Plagiaten in der Unterhaltungselektronik feststellen» sagt, Felix Addor, Vizepräsident von STOP PIRACY und stellvertretender Direktor des Eidg. Instituts für Geistiges Eigentum. «Sollte es sich im vorliegenden Fall tatsächlich um Plagiate handeln, würde sich der Händler wegen Verstosses gegen das Markenschutzgesetz durch den Verkauf strafbar machen. Laut geltendem Recht drohen bis zu drei Jahre Freiheitsstrafe und eine maximale Geldstrafe von bis zu 1 080 00 Franken», so Addor.

Kauf von iPhone-Fälschungen nicht strafbar

Wer sich privat eine iPhone-Fälschung kauft, macht sich hingegen nicht strafbar. Allerdings müssen ab dem 1. Juli 2008 Besitzer von Plagiaten damit rechnen, dass der Zoll bei der nächsten Auslandreise das gefälschte Handy und auch jede andere Fälschung einzieht und vernichtet. Ein Bussgeld wird nicht ausgesprochen.