06. November 2007 13:00; Akt: 06.11.2007 13:32 Print

iPhone: Pro und Contra

Offenbar lässt das iPhone nur die Wahl zwischen zwei Extremen: Entweder man schwärmt davon - oder man empört sich darüber, dass alle Welt davon schwärmt.

Fehler gesehen?

Eine nüchterne Betrachtung hat es schwer. So wird es jetzt auch in Deutschland der Markt sein, der ab Freitag das entscheidende Urteil zur iPhone-Euphorie abgeben wird.

Wie dieses wohl ausfallen wird, darüber mag Apple Deutschland vorher noch nichts sagen. Beim Apple-Partner T-Mobile blickt man dem Start jedenfalls optimistisch entgegen, ohne sich aber mit dem Verkaufserfolg in den USA vergleichen zu wollen. Dort wurde das iPhone seit dem 29. Juni mehr als 1,4 Millionen Mal verkauft. «Wir gehen davon aus, dass das Gerät eine sehr gute Aufnahme am Markt finden wird», sagt T-Mobile-Sprecher René Bresgen. Zur Kritik an den bei 49 Euro im Monat beginnenden Tarifen erklärt er, dies bewege sich auf dem marktüblichen Niveau für Telefon- und Datendienste. Überlegungen zu einer späteren Senkung der Nutzungsgebühren seien bislang spekulativ.

Das erste Handy der Firma mit dem angebissenem Apfel, zu einem Preis von 399 Euro, ist zwar innovativ, technisch aber gerade mal so auf der Höhe der Zeit. Das iPhone kann sich nicht ins UMTS-Netz einklinken, sondern nutzt mit der EDGE-Technik lediglich ein getuntes GSM-Mobilfunknetz: Statt der mit UMTS beim Datenempfang möglichen Geschwindigkeit bis 384 Kilobit pro Sekunde stehen maximal 220 KBit/sec zur Verfügung.

In den USA wird geklagt, dass die EDGE-Verbindung im AT&T-Netz ziemlich langsam ist - bis eine Webseite oder eine E-Mail auf dem Bildschirm ist, dauert es manchmal ein paar Minuten. Der Apple-Slogan vom «Internet in der Tasche» wird also erst bei einem WLAN-Anschluss daheim oder im Cafe Wirklichkeit. Auch andere technische Ausstattungen sind eher in der Mitte als am oberen Ende der gegenwärtig verfügbaren High-Tech-Ausstattung angesiedelt, etwa die Kamera mit einer Auflösung von zwei Megapixel.

Es gibt auch von Nokia, Sony-Ericsson, Samsung, Motorola oder Sharp nett aussehende Smartphones, die Telefon, Musik, Video und Internet in einem Gerät verbinden. Warum schlägt nur das iPhone so hohe Wellen? Die Antwort lautet Design. Und da macht neben der Gestaltung der Form vor allem das Design der Benutzerführung den Unterschied aus. Das iPhone hat auf seiner Vorderseite einen einzigen Knopf. Dieser bringt immer das Startmenü zum Vorschein, das die Funktionen der 17 bei Auslieferung integrierten Programme bereithält, darunter in der untersten Zeile die Hauptfunktionen Telefon, Mail, Browser und iPod.

Ansonsten findet die Bedienung nur auf dem berührungsempfindlichen Display statt, abgesehen von dem seitlichen Schalter für die Lautstärke und der darüber liegenden Stummschalttaste sowie einer Standby-Taste am oberen Rand. Informationen und Anwendungen sind auch während eines Telefongesprächs zugänglich. Die Symbole für die Schaltflächen auf dem Display befreien den Handy-Nutzer von den komplizierten Menüs der klassischen Handy-Navigation.

So ist zwar das vom Hersteller als «Multimedia-Computer» bezeichnete Nokia N95 in mancher Hinsicht leistungsfähiger als das iPhone - zu seinem Preis von rund 700 Euro ohne Vertrag. Aber auf der Vorderseite gibt es 13 Tasten. Davon bringen gleich zwei Tasten den Nutzer ins Hauptmenü. Das N95 ist wie ein Schweizer Taschenmesser: Um die Tastatur zum Vorschein zu bringen, wird das Display nach oben geschoben. Schiebt man es nach unten, werden die Kontrolltasten für das Abspielen von Musik und Filmen sichtbar.

Das Team um Apple-Chefdesigner Jonathan Ive folgte hingegen der Linie, die Anzahl an unterschiedlichen Bedienungsmöglichkeiten so klein wie möglich zu halten. Ausserdem wird eine möglichst visuelle und intuitive Bedienung angestrebt. Dazu passt das flotte Navigieren mit dem Finger in Adresslisten und Musikverzeichnissen ebenso wie der Bewegungssensor, der das iPhone von der senkrechten Display-Stellung in eine waagrechte Position bringt.

Der Wunschzettel für die nächste iPhone-Generation ist schnell geschrieben. Neben einem schnelleren Netz und einer höher auflösenden Kamera würde sich das iPhone auch mit GPS-Empfänger gut machen - ohne diesen kann das Apple-Handy zwar die Google Maps aufrufen, aber nicht den aktuellen Standort anzeigen. Nachbesserungsbedarf gibt es auch bei dem tiefliegenden Kopfhöreranschluss, der bislang nur die mitgelieferten Apple-Kopfhörer zulässt. Ebensowenig möglich ist die Nutzung eines drahtlosen Kopfhörers. Die Standby-Dauer des integrierten Akkus wird mit bis zu 250 Stunden, also mehr als zehn Tagen angegeben. Aber auch bei geringer Nutzung berichten iPhone-Besitzer in den USA, dass sie ihr Gerät mindestens alle drei Tage aufladen müssen. Und schliesslich könnte die nächste Generation auch etwas mehr Speicher vertragen als die jetzt ausgelieferten acht Gigabyte. Aber an solchen Kleinigkeiten werden sich die richtigen iPhone-Schwärmer kaum stören.

(ap)