Unter Kontrolle

12. Juni 2014 13:40; Akt: 12.06.2014 13:40 Print

Datensammler am Handgelenk

Sensorbestückte Armbänder können Schritte zählen, den Schlaf kontrollieren, Kalorien berechnen und manches mehr. Bei einem Selbstversuch zeigen sie allerdings auch ihre Schwächen.

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Vivofit von Garmin: Hat mit einer Akku-Lebensdauer von einem Jahr den längsten Atem, aber am wenigsten Funktionen unter den verglichenen Fitness-Armbändern. Vivofit kann zwar als Distanzmesser beim Sport verwendet werden - für hilfreiche Trainingsdaten benötigt man jedoch genauere Distanzangaben und einen zusätzlichen Brustgurt, der den Puls misst. Jawbone Up24: Protokolliert auch den Schlaf und zeigt sämtliche Werte wie Schritte, Distanz, Schlafdauer etc. in der dazugehörigen App an. Die zusätzliche App Up Coffee überwacht zudem den Koffein-Haushalt im Körper. Die Jawbone-App ist übersichtlich und mit Grafiken versehen. Der Schritzähler ist aber auch bei diesem Band etwas ungenau. Bei Sonys Smartband lässt sich der Sensor herausnehmen und beispielsweise in der Hosentasche verwenden, wenn man kein Plastik-Armband ans Handgelenk schnallen will. Das Sony-Armband ist zusammen mit der Lifelog-App ein eigentliches digitales Tagebuch, mit dem nicht nur Körperwerte gemessen werden, sondern beispielsweise auch die Zeit, die man mit Surfen im Internet, mit Filmeschauen verbringt, oder die registriert, wo und wann welche Fotos gemacht wurden und welche Musik man gehört hat. Für Handgelenk-Phobiker: Der Fitbit One lässt sich bequem in den Hosensack stecken oder via Clip an der Gürtel schnallen. In der Nacht kann der Tracker dennoch mit einem Band am Arm getragen werden. Gemessen werden Schritte, überwundene Stockwerke oder auch der Schlaf. Visualisiert wird das mit einer wachsenden Pflanzen auf dem kleinen Display. Kostenpunkt: 119 Franken.

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Quantify yourself: Mit smarten Armbändern lassen sich Daten über das eigene Leben sammeln, abspeichern und auch noch in die Cloud hochladen. Was für Datenschützer ein Graus ist, ist für viele andere ein Trend, dem man mit den neusten Gadgets auf sehr einfache Weise folgen kann.

Zu den Standardfunktionen gehören ein Schrittzähler, der daraus die zurückgelegten Distanzen – und nach Eingabe von Geschlecht, Gewicht und Körpergrösse – auch noch die dabei verbrauchten Kalorien berechnet. Die Armbänder lassen sich via Bluetooth mit dem Smartphone verbinden – beziehungsweise mit der dazugehörigen App.

Ungenaue Schrittzähler

Eine Schrittfunktion kann man per App zwar auch mit jedem Smartphone verwenden. Doch ist das Armband immer dabei und zählt jeden Schritt, auch wenn das Handy mal auf dem Tisch oder in der Tasche bleibt. Gemeinsam ist praktisch allen Schrittzählern, dass sie zu viele Schritte zählen. Bei jedem Testgerät wurden beim längeren Sitzen am Computer zwischen 50 und mehrere Hundert Schritte registriert.

Wer ein solches Armband für Trainingszwecke verwenden möchte, wird enttäuscht sein. Eine Sportuhr mit Pulsmesser bietet da weit mehr und nützlichere Trainingsfunktionen als die Armbänder. Zudem war im Test das GPS-Tracking mit der Trainingsuhr Suunto Ambit deutlich genauer.

UP24 von Jawbone

Das Jawbone-Armband gibt Auskunft über die Schlaf- und Essgewohnheiten seiner Benutzer. Praktisch an dem dünnen, je nach Grösse 19 oder 23 Gramm leichten Armband ohne Verschlussmechanismus ist, dass es einen eingebauten Wecker enthält, der einen durch sanftes Vibrieren geräuschlos weckt.

Durch das Aufzeichnen der Schlafdauer kann es auch mal vorkommen, dass Up24 seinem Benutzer rät, etwas früher ins Bett zu gehen. Um allerdings das Schlafprotokollierungssystem richtig nutzen zu können, muss man das Band immer tragen beziehungsweise jeden Abend und jeden Morgen melden, wann man ins Bett geht und aufsteht. Preis: 179 Franken. Die dazugehörige App gibt es für iOS- und Android-Geräte.

Garmin Vivofit

Etwas weniger Funktionen hat Vivofit von Garmin. Dieses Smartband informiert über die Anzahl Schritte, die zurückgelegte Distanz und verbrauchte Kalorien. Damit man weiss, ob man das tägliche Bewegungs-Soll absolviert hat, zeigt ein roter Balken auf dem Display den aktuellen Status an. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, täglich 10'000 Schritte zu gehen. An einem normalen Tag im Büro erreicht man dieses Soll bei Weitem nicht – ausser, man schwingt dabei ständig mit dem Arm.

Positiv an Vivofit ist, dass das Gadget mit einem energiesparenden E-Ink-Display ausgestattet ist und auch wegen seiner eingeschränkten Funktionalität wenig Strom verbraucht. Somit lässt sich das Fitnessband während eines ganzen Jahres benutzen, ohne es aufladen zu müssen, wie es in der Beschreibung heisst. Ebenfalls praktisch: Das wasserdichte Armband muss zum Duschen oder Schwimmen nicht ausgezogen werden.

Die Koppelung mit dem Smartphone und der entsprechenden App (Garmin Connect, verfügbar für Android und iOS) klappt im Test erst beim zweiten Versuch. Sind Benutzerkonto, App und Armband aber einmal konfiguriert, funktioniert die Kommunikation gut. Als zusätzliche Funktion kann auch die Herzfrequenz angezeigt werden. Um diese zu messen, muss man allerdings einen kompatiblen Brustgurt tragen, der die Daten per ANT+-Standard an das Armband senden kann. Preis: 149 Franken, mit Brustgurt 189 Franken.

Sony Smartband

Am meisten Funktionen und somit die grösste Datensammlung bieten das Armband und die dazugehörige Lifelog-App von Sony. Das digitale Tagebuch misst neben dem Schlafverhalten auch die Online-Zeit mit dem Smartphone oder weiss, wann wo welche Fotos gemacht wurden. Zudem weiss die App auch, welche Musik man wann gehört hat oder wie viele Schritte man pro Jahr macht.

Das Smartband meldet sich auch per Vibration, wenn auf dem Smartphone ein Anruf oder ein SMS reinkommt. Da das Herzstück des Armbandes, also der Sensor mit Akku und Sender, aus dem Band herausgenommen werden kann, lässt sich das Gadget auch in der Hosentasche verwenden – praktisch für Leute, die kein Plastikband am Handgelenk tragen wollen. Preis: 99 Franken, kompatibel mit Android-Smartphones.

Fitbit One

Für alle, die ihre Handgelenke nicht behängen wollen, gibt es andere Lösungen – etwa den Fitbit One. Der kleine Tracker lässt sich bequem im Hosensack verstauen, um den Hals tragen oder mit einem Clip am Gürtel anbringen. Der Tracker misst neben Schritten auch die zurückgelegte Strecke und die dabei mutmasslich verbrannten Kalorien. Auf dem kleinen Display wird dies anhand einer Blume visualisiert. Je schneller die Pflanze wächst, desto aktiver ist man.

Mit dem Tracker bekommt man auch eine Mitgliedschaft bei Fitbit.com, wo man Aktivitäten, konsumierte Lebensmittel, Wasseraufnahme, Körpermasse, Gewicht und Schlaf aufzeichnen und dies alles auch mit Freunden teilen kann. In der Nacht kann der Fitbit One mit einem Band am Arm getragen werden. Die Angaben beim One sind zwar realistisch, aber dennoch mit Vorsicht zu geniessen: Im Test kam es vor, dass das Gadget über Nacht Schritte registrierte – Schlafwandel kann hier ausgeschlossen werden. Der Akku machte in unserem Test nach knapp sechs Tagen schlapp. Kostenpunkt: 119 Franken. Kompatibel mit Android- und iOS-Geräten sowie OS X und Windows.

(ray/tob)