Umstrittener E-Sport

17. März 2020 10:36; Akt: 18.03.2020 10:38 Print

«Ich gebe jährlich bis zu 4000 Fr. für ‹Fifa› aus»

von Riccardo Castellano - Nicht nur Übung macht den Meister. Wer in «Fifa» zu den Besten gehören will, braucht vor allem ein dickes Portemonnaie.

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Der E-Sport rund um die Fussballsimulation «Fifa» gehört wohl zu den umstrittensten virtuellen Sportarten überhaupt. Mehrere Profispieler beschwerten sich in der Vergangenheit über das Spiel. Im Februar hagelte es von Donovan «Tekkz» Hunt an einem Turnier Kritik: «Fifa 20» sei das «bisher undankbarste Spiel» der Serie. Tekkz gehört zu den besten Spielern der Welt, seine Stimme hat Gewicht. Die Glückselemente seien für ihn frustrierend. Laut der Community sind das nicht die einzigen Defizite, die den E-Sport rund um den jährlich erscheinenden Titel erschweren. «Das sind nur Symptome von fundamentalen Problemen», so Constantin Rittmann, «Fifa»-Experte bei der E-Sport-Agentur mYinsanity. Es sei ein am Kommerz orientiertes Spiel. Die Gamer können sich in «Fifa» durch kostenpflichtige Lootboxen (ein «Päckli» mit zufälligen Inhalten) virtuelle Spieler erkaufen. Je nach Rarität sind diese besser oder schlechter. Die glanzvollen Animationen fördern das Glücksspiel. Cristiano Ronaldo gehört zu den seltensten und besten Spielern im Game. Auch die Profis vom FC Basel müssen Jahr für Jahr die Kreditkarte zücken. «Ich gebe jährlich bis zu 4000 Franken für das Spiel aus», sagt FCB-Profi Luca Boller. Sein Teamkollege Leandro Curty weiss: «Ohne Geld ist es sehr schwierig, bei den Besten mitzuhalten.» Ein Lösungsansatz wäre es, statt jährlichen Neuerscheinungen «Fifa» regelmässig mit Updates zu verbessern. Gamer würden Geld sparen und der E-Sport wäre attraktiver. Doch davon sei man noch weit entfernt, heisst es aus der Community.

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Der E-Sport rund um die Fussballsimulation «Fifa» gehört wohl zu den umstrittensten virtuellen Sportarten überhaupt. Immer wieder kommt es vor, dass Profispieler sich entweder live oder auf Twitter negativ zum Game und dem Drumherum äussern.

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Einige Beispiele: Im Februar hagelte es von Donovan «Tekkz» Hunt an einem Turnier Kritik: «Fifa 20» sei das «bisher undankbarste Spiel» der Serie. Tekkz gehört zu den besten Spielern der Welt, seine Stimme hat Gewicht. «Es hat zu viel Glückselemente und ist frustrierend», sagte er, «so macht das keinen Spass.»

In einem Qualifikationsspiel für den Cup in Bukarest mussten zwei Profi-Gamer den Sieg mit Schere, Stein, Papier entscheiden. Der Grund: Die Server hatten technische Störungen und es war kein Repräsentant von EA verfügbar. «Ich kann nicht glauben, dass wir so etwas an einem offiziellen EA-Turnier tun mussten», sagte einer der beiden Spieler.

Kein Geld ist auch keine Lösung

Laut der Community sind das nicht die einzigen Defizite, die den E-Sport rund um das jährlich erscheinende Spiel erschweren. «Das sind nur Symptome von fundamentalen Problemen des Spiels», so Constantin Rittmann, «Fifa»-Experte bei der E-Sport-Agentur MYI Entertainment. Es sei ein am Kommerz orientiertes Spiel. Die Gamer können sich in «Fifa» durch kostenpflichtige Lootboxen (ein «Päckli» mit zufälligen Inhalten) virtuelle Spieler erkaufen. Je nach Rarität sind diese besser oder schlechter.

Die virtuelle Bundesliga in Deutschland setzt bei Turnieren eine Maximalgrenze für Spielerwertungen. So können auch Spieler mitmachen, die nicht ins Portemonnaie gegriffen haben. Aber: «Das Spielniveau ist ohne erkaufte Spieler viel langsamer und unattraktiver», sagt Rittmann. Es sei zwar zugänglicher, aber für E-Sportler eine abgemilderte Version des Spiels.

«Es geht seit ‹Fifa 18› bergab»

Wenn ein E-Sport derart vom Zufall regiert wird, gibt das zu denken. Auch die Profis vom FC Basel müssen Jahr für Jahr die Kreditkarte zücken. «Ich gebe jährlich bis zu 4000 Franken für das Spiel aus», sagt FCB-Profi Luca Boller. «Ich sehe es als Investition, darum ist es in Ordnung.» Normalen Spielern rät er davon ab. Auch sein Teamkollege Leandro Curty weiss: «Ohne Geld ist es sehr schwierig, bei den Besten mitzuhalten.»

Die FCB-Spieler geben dem «Fifa»-Profi Tekkz betreffend der aktuellen Situation recht. «Der Fun-Faktor geht seit ‹Fifa 18› bergab», so Boller. Curty ergänzt: «Es ist ein frustrierendes Jahr für jeden ‹Fifa›-Pro.»

Ein Lösungsansatz wäre es, statt jährlichen Neuerscheinungen «Fifa» regelmässig mit Updates zu verbessern. Gamer würden Geld sparen und der E-Sport wäre attraktiver. Titel wie «Rocket League» machen es vor. Mit solchen Vorschlägen stösst man bei Entwickler EA aber auf taube Ohren. «Gewinn steht über dem E-Sport», heisst es aus der Community.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Castro_1021 am 17.03.2020 10:48 Report Diesen Beitrag melden

    Hass-Liebe

    Jeder der Ultimate Team spielt weiss ganz genau dass es sich nur noch um Geld handelt. Das Spiel wird schlechter, die Server nicht der Rede wert. Hauptsache die Fifa Points funktionieren und es gibt in einer Stunde bis zu 14 Mio. Dollar beim Team of the Year. Mann hasst das Spiel aber man liebt es auch. So einfach ist es.

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  • fifa spieler am 17.03.2020 11:07 Report Diesen Beitrag melden

    Glückspielerei

    Ultimate Team ist das reinste online casino. Solange das Kaufen von Points möglich ist wird fifa ein schlechtes spiel bleiben. EA interessiert nicht wie gut das Spiel etc. Hauptsache das Geld fliesst.

  • Klaus Klomann am 17.03.2020 11:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Macht doch nicht mit

    Nicht jammern das man ausgenommen wird. Besser lernt ihr das man eine solche Abzocke einfach nicht unterstützt. Nur so lernen es die Firmen und sind gezwungen das Spielerlebnis wieder zu verbessern.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Anue'Nue am 18.03.2020 12:58 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn Games.. dann richtig

    Beschissenes Spiel... Noch schlechteres Pay-to-Win !!

  • Michi81 am 18.03.2020 12:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Investiert bei mir

    Bei mir gibt es für 4000.- 5 Ohrfeigen. Und einen Top ViP Arschtritt. Da habt ihr was davon.

  • Win67 am 18.03.2020 09:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ESport

    Volksverblödung pur.

    • Mira am 18.03.2020 11:38 Report Diesen Beitrag melden

      Ach ja?

      Und Umwelt-verpestender resp. Strom-verschwendender Motorsport ist dann besser?

    • Rozario am 18.03.2020 12:45 Report Diesen Beitrag melden

      jaaa..

      @Mira ja, da dies zumindest der technischen Weiterentwicklung beiträgt.

    • nerd am 18.03.2020 19:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Rozario

      Die Game Industrie hat massgeblich zur Verbesserung der Grafikkarten beigetragen. Nicht technisch?

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  • Boykottieren am 18.03.2020 06:08 Report Diesen Beitrag melden

    Aber heutzutage

    Will halt niemand mehr auf etwas verzichten, letztendlich sind die Gamer selber schuld, aber wie so oft sind immer die anderen schuld....

    • Andre O. am 18.03.2020 09:18 Report Diesen Beitrag melden

      kein Herz für EA

      Seh ich auch so. Jeder der den Mist spielt unterstützt damit EA und die Politik/Philosophie dahinter. Und wer auch jedes Jahr aufs neue, das fast selbe Spiel kauft, dem ist wohl nicht mehr zu helfen...

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  • Sepp Bl. am 18.03.2020 05:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    FIFA

    und UEFA sind wohl die grösseren Glünggi als Al Capone und die Comorra zusammen. Aber die fetten Funktionäre wollen noch mehr einheimsen. Saubande.

    • Naja am 18.03.2020 06:12 Report Diesen Beitrag melden

      Ohne Konsumenten

      Keine Moneten, weil die Leute nicht verzichten können sind natürlich die Firmen schuld, scheinbar haben die Leute keinen eigenen Willen mehr, ein regelrechtes Armutszeugnis.

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