«Cloud Chasers»

02. Oktober 2015 20:51; Akt: 02.10.2015 20:51 Print

«Das Game ist bewusst unfair»

von Jan Graber - Mit «Cloud Chasers» thematisiert das Schweizer Gamestudio Blindflug das Flüchtlingsdrama. Produzentin Tabea Iseli über die Schwierigkeit des Games.

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Als die Idee entstand, waren die aktuellen Flüchtlingsströme noch weit von Europa entfernt. Mit «Cloud Chasers» wollte das Schweizer Gamestudio Blindflug, das bereits mit «First Strike» weltweit für Aufsehen gesorgt hatte, die Themen Flucht, Armut und ungerechte Verteilung in ein Spiel packen. Wie heiss die Thematik jedoch werden würde, konnten die Macher nicht abschätzen.

Tabea Iseli, worum geht es in «Cloud Chasers»?
Das Spiel handelt von der Flucht und der Immigration. Der Fokus des Spiels liegt auf dem, was auf einer Flucht passieren kann. Die Figuren, ein Mann und seine Tochter, müssen auf ihrem Weg durch die Wüste überleben. [Siehe Infobox.]

Wie entstand die Idee?
Im Sommer 2014 wollten wir ein Spiel über Immigration machen, um wenig beleuchtete Aspekte eines solchen Dramas aufzuzeigen. Zu dritt [Tabea Iseli, Jeremy Spillmann und Moritz Zumbühl, Anm. d. Red] zogen wir uns für zwei Tage zurück, lasen Zeitungsartikel, hörten Radiosendungen, schauten Dokfilme und liessen uns von den Schicksalen inspirieren. Am zweiten Tag entwickelten wir die Spielidee. Anfang 2015 begannen wir mit der konkreten Umsetzung.

Gab ein bestimmtes Ereignis Anstoss zum Game?
Wir fragten uns damals, wieso die Mexikaner in die USA flüchten wollten und fanden als Grund einerseits die Korruption und andererseits die Unmöglichkeit der Bauern, gegen die Konkurrenz der Farmen der benachbarten USA bestehen zu können. Die Bauern können in Mexiko nicht überleben. Das lieferte uns die Grundlage für die Story.

Das Studio Blindflug ist bekannt für Spiele, die Themen setzen. Was soll mit «Cloud Chasers» vermittelt werden?
Wir machen zwar Spiele mit Real-Life-Themen, wollen aber keine politische Botschaft vermitteln. «First Strike» war zwar ein Spiel gegen die nukleare Rüstung; alle sind sich aber einig, dass ein Atomkrieg eine Katastrophe wäre. In «Cloud Chasers» suchen wir hingegen einen respektvollen Umgang mit dem Schicksal einer Flucht, ohne mit dem Zeigefinger auf Missstände hinweisen zu wollen.

Was möchtet ihr mit «Cloud Chasers» bewirken?
Als Erstes sollen die Spieler Freude am Game haben. Vielleicht werden sie sich als Zweites auch mit dem Thema auseinandersetzen.

Das Spiel ist schwierig zu meistern und unfair: Stirbt einer der Charaktere, muss das Game von vorne begonnen werden. Eine bewusste Entscheidung?
Wir hielten das Game gewollt unfair, um eine Metapher dafür zu schaffen, welchen Gefahren bis hin zum Tod sich Flüchtlinge aussetzen. Oft braucht es auch in der Realität mehrere Anläufe und viele schaffen es nicht, ans Ziel zu kommen. Wir wollen, dass die Spieler mit den Gegenständen, die sie finden, haushälterisch umgehen und sich Gedanken dazu machen, ob sie sich zum Beispiel für ein allenfalls nützliches Objekt auf eine mögliche Gefahr einlassen wollen.

«First Strike» war ein grosser Erfolg für Blindflug. Wie hoch war der Druck, ein entsprechendes Spiel nachzuliefern?
Der Druck war nicht hoch, weil wir versuchten, unsere Erwartungen realistisch zu formulieren. Wir sind uns bewusst, dass «First Strike» ein Überraschungserfolg war, und deswegen sind wir glücklich, wenn wir es nochmals schaffen. Ein Ziel ist es aber nicht, das wäre illusorisch, denn der Appstore gleicht einem Glücksspiel.

Tabea Iseli stellt «Cloud Chasers» am 26. Oktober im Rahmen der Veranstaltungsreihe «In Between Stages: Stories & Interaction» an der Zürcher Hochschule der Künste im Kino Toni, Ebene 3, Toni-Areal vor. Ab 18 Uhr, Eintritt frei.

Gametrailer «Cloud Chasers»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fantomas am 03.10.2015 12:08 Report Diesen Beitrag melden

    Ist schon komisch,

    dass man diesen Unsinn kommentieren darf, nicht aber die Nachricht über 4400 Flüchtlinge, die allein im September in die Schweiz eingereist sind.

  • Rafael am 03.10.2015 09:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    genau

    weil studierte game Designer aus der Schweiz, beide Seiten der Medaille kennen

  • D-Fens am 03.10.2015 18:43 Report Diesen Beitrag melden

    Also...

    ...bewusst unfair kann in der Regel eh kein gutes Game sein, sorry. Herausfordernd, schwierig, gerne auch mal komplex, aber immer fair, das motiviert den Spieler es weiter zu versuchen, das sind gute Games. Siehe Dark Souls. Künstliche erzeugte Unfairness lässt den Spieler nur angewidert das Pad weglegen. Aber bei dem Game hier geht es wohl mehr um eine bestimmte politische Agenda, nicht um das eigentliche Gameplay. Naja, Schweizer Tüftler und ihre Indygames halt

Die neusten Leser-Kommentare

  • D-Fens am 03.10.2015 18:43 Report Diesen Beitrag melden

    Also...

    ...bewusst unfair kann in der Regel eh kein gutes Game sein, sorry. Herausfordernd, schwierig, gerne auch mal komplex, aber immer fair, das motiviert den Spieler es weiter zu versuchen, das sind gute Games. Siehe Dark Souls. Künstliche erzeugte Unfairness lässt den Spieler nur angewidert das Pad weglegen. Aber bei dem Game hier geht es wohl mehr um eine bestimmte politische Agenda, nicht um das eigentliche Gameplay. Naja, Schweizer Tüftler und ihre Indygames halt

  • Fantomas am 03.10.2015 12:08 Report Diesen Beitrag melden

    Ist schon komisch,

    dass man diesen Unsinn kommentieren darf, nicht aber die Nachricht über 4400 Flüchtlinge, die allein im September in die Schweiz eingereist sind.

  • Rafael am 03.10.2015 09:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    genau

    weil studierte game Designer aus der Schweiz, beide Seiten der Medaille kennen

  • ein Spieler am 02.10.2015 23:55 Report Diesen Beitrag melden

    Flucht & Immigration?

    Also nach dem Spiel und Text zu urteilen geht es lediglich darum, Wasser zu sammeln... Ich würde es eher so interpretieren, dass das Wasser im Spiel in der realen Welt für Geld steht. Dann könnte ich es ja noch verstehen.

  • DäCapo am 02.10.2015 23:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Medaille

    Solange es den Leuten eine Neue Sichtweise vermittelt, finde ich solch ein Game eine gute Sache. Schliesslich sollte ein Jeder erst beide Seiten der Medaille betrachten, bevor er ein Urteil fällt. Es kann einem das Thema auf spielerische Weise näherbringen.

    • OrdoAbChao am 03.10.2015 11:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Schon gewusst?

      Was, wenn ich dir sage, dass "beide Seiten" (geo)politisch instrumentalisiert werden, damit die Mächtigsten dieser Welt NOCH mächtiger werden? Ordo ab Chao, Ordnung aus dem Chaos=totale Kontrolle bei den reduzierten und ausgelaugten Völkern

    • DäCapo am 03.10.2015 12:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @OrdoAbChao

      Und was hat das jetzt genau mit "unseren" Problemen zu tun? Wenn wir mal den ganzen Verschwörungskram beiseite lassen, können wir uns mit dem Hier und Jetzt auseinandersetzen. Denn da können auch wir etwas bewirken.

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