Gamescom 2019

24. August 2019 07:26; Akt: 24.08.2019 07:26 Print

«Die Anzahl der Schweizer Studios ist explodiert»

An der diesjährigen Gamescom präsentieren Schweizer Studios ihre neuesten Titel. Ein Interview mit Sylvain Gardel von der Kulturstiftung Pro Helvetia.

Roboteradoption, Terraforming oder ein segelndes Fahrzeug: Die SwissGames Delegation bietet an der Gamescom in Köln Einblick in die vielfältige Schweizer Gameszene.
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Sylvain Gardel, was verspricht sich die SwissGames Delegation von ihrem Auftritt an der Gamescom?
Die Herausforderung an einer solch riesigen Messe ist es, die passenden Kontakte herzustellen und daraus nachhaltige Geschäftsbeziehungen zu schmieden. Deshalb nehmen die Teilnehmer der Schweizer Delegation an kuratierten Matchmaking-Formaten teil, die sie mit den internationalen Vertretern zusammenbringen. Die Gamescom ist neben der Game Developers Conference GDC in San Francisco die wichtigste Messe für Spielentwickler. Im Businessteil des Messegeländes lassen sich im SwissGames-Pavillon 15 Schweizer Games anspielen. Publisher, Investoren und Plattform-Holder werden die Spiele unter die Lupe nehmen, und auch die Fachpresse wird sich bei den Schweizer Entwicklern umschauen.

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Was für ein Bild soll dem internationalen Publikum von der Schweizer Gameszene vermittelt werden?
In der Industrie werden die Schweizer Spiele heute als innovativ wahrgenommen. Im Bereich der für Games relevanten Technologien sind wir schon länger ganz vorne dabei, davon zeugen unter anderem drei Tech-Oscars. Schweizer Spiele stammen von kleinen Studios, unsere Game-Industrie ist auch jünger als jene in den Nachbarländern, aber sie ist bekannt für ihre Qualität. Davon zeugen über 150 Preise an allen relevanten Messen und Festivals weltweit. Auch ist der Frauenanteil in Schweizer Studios im direkten Vergleich mit dem Ausland sehr hoch.

Wie hat sich die Schweizer Gameszene in den letzten Jahren entwickelt?
In den letzten Jahren gab es eine regelrechte Explosion von Schweizer Gamestudios, in 10 Jahren hat sich die Zahl quasi verzehnfacht – von 12 auf 120 Studios. Schweizer haben zwar bereits früher als Creative Director oder Lead Artist an Spieletiteln wie «World of Warcraft» oder «Spore» mitgearbeitet, aber stets im Ausland. Der Braindrain war früher die Normalität. Dieser Trend ist heute gestoppt.

Bietet die Schweiz sowohl für künstlerische als auch kommerziell orientierte Gamedesigner gleich gute Bedingungen und welche langfristige Strategie verfolgt Pro Helvetia?
Im aktuellen Vorschlag für die neue Kulturbotschaft 2021–2024 sieht der Bundesrat eine Erhöhung der Mittel vor. Schweizer Spiele sind durchs Band Independent Games von Studios, die ihren Weg in eine globale Nische dieser riesigen Industrie suchen. Beim Landwirtschaftssimulator hätte 2008 kaum jemand gedacht, dass er einer der erfolgreichsten europäischen Spieletitel würde. Auch anspruchsvolle Titel wie «FAR: Lone Sails» oder «Kids» von Playables können sich in diesem kompetitiven Umfeld behaupten. Nach der Aufbauphase sind wir an der Schwelle zu einer Wachstumsphase, das zeigt auch die Verdreifachung der Umsätze in den letzten drei Jahren, die die SGDA ausweist.

Welches sind Ihre persönlichen Highlights der SwissGames-Delegation?
Das ist ein wenig wie mit den eigenen Kindern. Sie wachsen einem alle ans Herz. Besonders gespannt bin ich aber auf die neuen Titel von Studios, die das erste Mal dabei sind wie «Kukulcan» von Black Spoon Games, «Alan» von AlanCode oder «Terraformers» von Asteroid Lab – vielleicht ist eines dieser Spiele ja der Gamechanger für die einheimische Spieleindustrie.

(flu)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Insider am 24.08.2019 09:01 Report Diesen Beitrag melden

    Die Wahrheit ist

    In der Schweiz sind die Kosten zu hoch um Konkurrenzfähig Videogames produzieren zu können. Deshalb lagerte die Firma Giants, bekannt durch den Landwirtschaftssimulator, nach Deutschland und Tchechien aus.

  • Death Parade am 24.08.2019 08:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    joah

    naja leider sind das nur irgendwelche indie titeln keines der schweizer spiele spricht mich an. (hab nichts gegen indie spiele gibt schon paar gute) was der schweiz fehlt ist ein studio wie z.b. cd projekt red

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  • Lars Emrich am 24.08.2019 17:44 Report Diesen Beitrag melden

    genau

    Die Anzahl der Schweizer Domina Studios ist auch explodiert

Die neusten Leser-Kommentare

  • 123 Figg dich is Chnü am 30.08.2019 10:00 Report Diesen Beitrag melden

    Ehre genommen

    Die Schweiz kann einfach nix. Es gibt keine Promis, keine bekannte spiele, Filme usw.. Man muss gar nicht erwarten, dass es etwas gutes wird.

  • N. B. am 26.08.2019 10:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Falsches Präsentstionsmanagement

    Die Aussage mit den Studios mag zwar stimmen, weshalb verstecken sich die Studios aber nur im Businessbereich, als dass sie sich auch den wirklichen Endbenutzern in einer Halle präsentieren? Ich möchte gerne die schweizer Games auch an der Gamescom als Endbenutzer probespielen können.

    • Tremor am 26.08.2019 19:51 Report Diesen Beitrag melden

      Ein Schelm ist ...

      Denen geht's halt nur ums Business. Wenn die im Entertainment-Bereich wären, müssten sie das selber bezahlen und organisieren. Viel einfacher ist es, das Ganze von Pro Helvetia sponsern zu lassen und einen auf Professionell zu machen. Ausländische Investoren und Publisher sorgen dann dafür, dass die von schweizer Steuerzahlern finanzierten Projekte genau dann das Lager wechseln, wenn es finanziell interessant wird. Und Pro Helvetia unterstützt die dann weiter, obwohl z.B. eine Portierung auf die Switch eigentlich Sache des (deutschen) Publishers wäre.

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  • King Stucki am 26.08.2019 10:34 Report Diesen Beitrag melden

    Wie wäre es mal mit neuen Ideen?

    Neue Ideen wie einem "Schwingsimulator", einem "Alphorn-Simulator" oder "Jodelsimulator"? Bei letzterem wäre das Cosplay quasi schon Teil der Idee. Alles wäre urschweizerisch und tatsächlich würdig von einer Kulturstiftung wie Pro Helvetia subventioniert zu werden.

  • Tremor am 25.08.2019 19:28 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Platz für Tiefgang

    Die Fördergelder von Pro Helvetia gehen an Studios, die bereits kommerziell erfolgreich sind - selbst wenn sie bereits eine Million auf dem Konto oder einen deutschen Publisher haben. Deshalb findet man auch jedes Jahr wieder die gleichen Namen auf der Förderliste. Und auch die Presse zieht es vor, sich an bekannte Gesichter zu halten, die gefällig und unkontrovers den immer gleichen oberflächlichen Seich verzapfen. Konservativ und kapitalistisch, so mag man's halt.

  • Fredo am 25.08.2019 13:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Urban Games

    Urban Games aus Schaffhausen hat mit Transport Fever ein international erfolgreiches Spiel auf dem Markt mit einer grossen Community die Inhalte über den steam Workshop publiziert inklusive YouTube channels. Ende des Jahres kommt Transport Fever 2 auf den Markt. Sie haben es genau richtig gemacht und sind in eine Marktlücke gesprungen. Diese ganzen Indy games sind meiner Meinung nach nicht wirklich zukunftsträchtig. Hier ist nur Masse statt Klasse für ein kurzweiliges Vergnügen. Damit kann man aber keine Community kreieren. Wenn man nicht schnell genug finanziell erfolgreich wird und einen grossen Titel landet, ist es schnell aus.

    • Insider am 27.08.2019 16:57 Report Diesen Beitrag melden

      @Fredo

      Urban Games hat sich Transport Fever via holländischer Crowdfunding Plattform sponsern lassen. Die Schweiz ist einfach zu teuer für Spiele Entwicklung.

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