Überstunden und Mobbing

11. Mai 2019 19:46; Akt: 11.05.2019 19:46 Print

«Schlampen» und «Morphs» in Gamestudios

Das Bild vom Traumjob in der Game-Industrie gerät immer mehr ins Wanken. Bei Riot Games wird gestreikt, bei Netherrealm grassiert der Sexismus.

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Miese Löhne, massenhaft Überstunden, offen ausgelebter Sexismus, schlechte Stimmung, Mobbing: Die Schreckensmeldungen über die Arbeitsbedingungen in der Game-Industrie häufen sich derzeit. Und just nachdem der US-Streamingdienst Netflix eine vielbeachtete Dokumentation zum Thema programmiert hat, dreht die Negativspirale weiter.

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Im Mittelpunkt steht diesmal das kalifornische Studio Riot Games. Laut «Los Angeles Times» haben gegen 200 Mitarbeiter beim «League of Legends»-Entwickler die Arbeit niedergelegt. Sie protestieren mit der Aktion gegen eine Klausel in ihren Verträgen, die verhindern soll, dass Angestellte gegen die Firma juristisch vorgehen können. Beschwerden müssen stattdessen konsequent aussergerichtlich geregelt werden.

Delikater Hintergrund

Diese Klausel hat einen durchaus delikaten Hintergrund, denn Riot Games will sich so wohl juristisch absichern, nachdem im Sommer letzten Jahres bekannt wurde, dass beim «League of Legends»-Entwickler ein tendenziell sexistisches Arbeitsklima herrscht. Frauen wurden demnach systematisch benachteiligt, gleichwertige Leistungen von weiblichen Mitarbeitern wurden weniger geschätzt, und Beförderungen gingen bevorzugt an Männer.

Nach der Veröffentlichung des Berichts entschieden sich mehrere Mitarbeiter dazu, den Milliardenkonzern (2500 Mitarbeiter an 20 Standorten weltweit) zu verklagen. Riot Games versuchte darauf, die Klagen zweier weiblicher Angestellter zu verhindern – mit Verweis auf ebenjene Vertragsklausel, dass man sich aussergerichtlich einigen müsse.

Der Streik hat jedenfalls seine Wirkung nicht verfehlt. Das Studio sicherte zu, dass neue Angestellte zumindest für den Tatbestand der sexuellen Belästigung die umstrittene Klausel nicht länger unterschreiben müssen. Welche Angebote man der Belegschaft machen kann, will das Unternehmen erst erklären, wenn die laufenden Verfahren abgeschlossen sind. Die Streikenden geben sich damit aber nicht zufrieden: Bis nächste Woche solle Riot seine Absichten erklären. Sonst komme es zu weiteren Massnahmen.

Stunk bei Netherrealm

Auch im Studio von «Mortal Kombat XI»-Entwickler Netherrealm gibt es Unstimmigkeiten. Bei der Entwicklung des neuen Beat 'em Up-Blockbusters sollen brutale Arbeitsbedingungen vorgeherrscht haben. Das US-Magazin «Variety» schreibt von massiven Überstunden, Unterbezahlung von freien Mitarbeitern und Sexismus sowie Mobbing am Arbeitsplatz. Die Rede ist von 60- bis 70-Stunden-Wochen, die mehrere Monate lang andauerten. Andere ehemalige Mitarbeiter berichten gar von 100-Stunden-Wochen, die schon vor «Mortal Kombat 11» gang und gäbe gewesen seien.

Damit hat das Studio, das zum Mediengiganten Time Warner gehört, mit ähnlichen Vorwürfen zu kämpfen wie seinerzeit Rockstar Games im Umfeld des «Red Dead Redemption 2»-Release. Sogenannte «Crunch»-Zeiten mit bis zu 100 Arbeitsstunden in der Woche sind offenbar üblich, vor allem wenn grosse Game-VÖ anstehen. In den USA, wo sich viele Studios befinden, gibt es deswegen schon lange Bemühungen, eine Gewerkschaft für die Gamebranche zu schaffen. Bislang allerdings vergeblich.

Noch deftiger sind allerdings Meldungen über das sexistische Klima bei Netherrealm. So sollen weibliche Entwickler «Schlampen» genannt und ein transsexueller Mitarbeiter immer nur als «Morph» betitelt worden sein. Diese Art von sexistischem Mobbing soll bei Netherrealm üblich gewesen sein.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Alex Keller am 11.05.2019 20:32 Report Diesen Beitrag melden

    Chef spielen, Chef sein

    Nur weil man den Titel eines Teamleiters oder eines Bereichsleiters besitzt, heisst das noch lange nicht, dass man einer auch ist. In diesem Fall hätte der Leiter proaktiv eingreifen müssen. Dies wurde nicht getan, das Resultat kann man im Bericht nachlesen. Ergo, diese Studios haben ein Führungsproblem! Lösung: die Verantwortlichen austauschen,

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  • Ephraim Lercher am 11.05.2019 21:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    bitte

    Völlig normal, wenn es zu Time Warner gehört, darum heisst es ja so. Höhöhö!

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  • BisBald am 12.05.2019 01:09 Report Diesen Beitrag melden

    Schweizer Gratiszeitungen auch betroffen

    Dank den Spermien Labore gibt es bald keine grusigen sexistischen Menschen mehr. Nach der Zombie Apokalypse die vor der Tür steht und auf den richtigen Moment wartet..

Die neusten Leser-Kommentare

  • Michi am 06.06.2019 13:09 Report Diesen Beitrag melden

    Such den Witz nicht an der Wand

    Netflix hat eine Doku programmiert .. soll das jetzt witzig sein ?

  • Mr. Robot am 13.05.2019 22:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Klausel?

    Was ist denn bitte an der Klausel schlimm? Jeder von denen wird wohl lesen können und weiss worauf er/sie sich damit einlässt oder? und wenn man halt nicht zufrieden ist mit dem was im Vertrag steht, dann darf man den auch abgeändert unterschreiben und noch eine Unterschrift von denen auf seine eigene version fordern. Und ganz ehrlich ansonsten muss man sich eine andere stelle suchen, als Entwickler wird es daran wohl nicht mangeln...

  • t.t. am 13.05.2019 12:53 Report Diesen Beitrag melden

    Kein wunder

    Und die meisten Entwickler können kaum etwas dafür. Da kommt irgendein Anzugtragender Manager des Publishers vorbei, setzt irgendeine komplett unrealistische Deadline was in enormen Druck endet. In solch einem Arbeitsklima möchte ich nicht arbeiten. Würde man die Verantwortung den Entwicklern überlassen, dann kämen auch wieder innovative und vor allem fertige Spiele heraus. Paradebeispiel wäre CD Project Red.

    • Philoswiss am 13.05.2019 14:57 Report Diesen Beitrag melden

      @t.t.

      Überlässt man die Führung den Entwicklern wird ein Spiel nie fertig, siehe Star Citizen und wann Cyberpunk kommt steht auch noch in den Sternen. Es gibt immer was zum verbessern oder auszubauen. Jemand muss Projektleiter sein und eine Deadlines setzen, aber halt realistisch. Aber ich stimme ihnen zu, dass oft Manager keine Ahnung haben was es heisst ein Spiel zu programmieren und nur ihre Verkauszahlen sehen.

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  • Herbert am 12.05.2019 22:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Blödiane von Riotgames

    Die Blödiane von Riotgames sollen sich die Palme auf Miss Fortune oder Sona wedeln. Aber nicht die armen Mitarbeiterinen begrabschen. An alle League of Legends Spieler quittet League und SPIELT FORTNITE. Herbert peace out

    • Joschwa am 13.05.2019 10:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Herbert

      sicher die bei Fortnite sind ja sicher so enorm viel besser ... wer s glaubt. mal davon abgesehen ist Fortnite ein zu gehyptes Game, so gut wie der Hype darum gross ist, ist das Game aber leider nicht. Zudem wieso sollte man ein Game das man mag nicht mehr zocken nur weil etwas in der Zeitung steht von dem man nicht selber 100% weiss ob es stimmt und wie es genau ist. Ebemso wenn man ein Spiel gerne spielt, dann ist das wegen dem Spiel, nicht wegen der Firma die es produzierte.

    • Roesti Krokette am 13.05.2019 14:10 Report Diesen Beitrag melden

      toll

      vorallem ist hat Fortnite ja nix mit League of Legends gemein, das es als Ersatz dienen könnte. Völlig anderer Spieltyp! Gut, vieleicht die Kiddys und möchtegern Pros, die gibts bei beiden spielen ;)

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  • Herbert am 12.05.2019 22:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mein Name ist Herbert

    Bei Riot Games läuft so einiges schief, merkt man daran das Master Yi noch nicht generf ist und das seit Jahren!!!! Darum habe ich auch kein Mitleid mit den Mitarbeitern/innen. Herbert Out

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