Früh übt sich

01. April 2013 13:37; Akt: 01.04.2013 22:39 Print

«Schon Kleinkinder können von Apps profitieren»

von Olivier Marti - Smartphones und Tablets ziehen bereits Zweijährige in ihren Bann. Kinderpsychologe Allan Guggenbühl warnt vor der Suchtgefahr. Trotzdem hält er ein Verbot für kontraproduktiv.

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: Eine simple kleine Piano-App, die sehr farbenfroh und mit grossen Tasten daherkommt. Wecken Sie den Chopin in Ihrem Kind! : Diese App zeigt eine Reihe von Tieren, Fahrzeugen und Alltagsgegenständen. Tippt der Spross ein entsprechendes Bild an, sagt ihm die App, um was es sich handelt und es ertönt das passende Geräusch dazu. : «Rattle» richtet sich an den sehr jungen Nachwuchs. Es erscheinen abstrakte Formen und Farben, welche mit einem Fingerzeig beeinflusst werden können. : Ähnlich wie «Baby Touch and Hear» werden auch bei dieser App Tiere dargestellt. Deren typische Geräusche werden beim Antippen abgespielt. : Wiederum eine sehr simple Applikation, die ideal für die ganz Kleinen ist. Mit dem Finger werden kleine Blasen erzeugt, die auch wieder zum Platzen gebracht werden können. : Auf diversen Hintergründen werden Formen erzeugt, die lustige Töne erzeugen. Kam bei unserer 16-monatigen Testerin am besten an. : Eine Art Klavier, wobei in dieser App der gesamte Bildschirm als Tastatur gebraucht wird. Egal wo das Kind drauftippt, es erklingt ein Ton. Ideal für die ersten Ursache-Wirkung-Gehversuche. : Mit diesem Tool können die Kleinkinder spielerisch Farben kennenlernen. Es muss dabei die richtigen farbigen Ballone, die ihm vorgesagt werden, zum Platzen bringen. : Ein interaktives Wimmelbild. Was man berührt, erwacht zum Leben und erfreut mit lustigen Tönen und Animationen. : Fiete ist schon etwas komplexer, aber immer noch genügend simpel für die Kleinen. Sie begleiten Fiete, den Kapitän, bei allerlei simplen Abenteuern, die gänzlich mit dem Finger gesteuert werden.

Zum Thema
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Herr Guggenbühl, bei einem Kleinkind, lässt sich eine grosse Neugierde feststellen, wenn Erwachsene mit einem Smartphone hantieren. Woran liegt das?
Allan Guggenbühl: In diesem Alter sind die Kinder sehr stark auf die Aufmerksamkeit der Erwachsenen sensibilisiert. Wenn nun diese Aufmerksamkeit von solch einem Gerät absorbiert wird, löst dies eine grosse Neugierde im Kind aus. Es möchte wissen, was da vor sich geht, was den Erwachsenen so beschäftigt, ähnlich wie dies beispielsweise bei einem Fernseher der Fall ist.

Umfrage
Sind Apps für Kleinkinder sinnvoll?
8 %
34 %
41 %
17 %
Insgesamt 2239 Teilnehmer

Macht es Sinn, das Interesse des Kindes dem Gerät gegenüber zu befriedigen und es mit dem Smartphone spielen zu lassen?
Ein Smartphone ist heutzutage Teil unserer Kultur und unsere Kinder werden von uns in diese Kultur eingeführt. Insofern müssen wir Kindern, ab einem gewissen Alter, in die uns umgebenden Gebräuche heranführen, das lässt sich nicht verhindern. Es wäre hingegen nicht sinnvoll, es einem Kind aufdrängen zu wollen, welches kein Interesse aus eigenem Antrieb daran entwickelt.

Ab welchem Alter können Smartphones für Kinder sinnvoll sein?
Das hängt stark mit der persönlichen Entwicklung des Kindes, und der Art und Weise wie das Kleinkind das Medium nutzt, zusammen. Es gibt ja beispielsweise sehr simple Arten von Spielen, wo man nur ein wenig die Hand bewegen muss und welche somit sehr harmlos sind. Hier kann die Nutzung schon sehr früh beginnen. Wenn das Interesse des Kindes da ist, kann man dies auch zulassen. Problematisch würde es hingegen, wenn ein Kind aufgrund dessen andere Erfahrungen nicht mehr machen könnte.

Können Sie das genauer ausführen?
Falls beispielsweise die motorischen Fähigkeiten nicht mehr genügend gefördert würden, weil das Kind nur noch mit dem Smartphone in der Hand herumsässe. Aber dies ist ja nicht der Fall. Ein Kind will auch laufen, klettern und spielen. Aber im Rahmen einer ergänzenden Lernerfahrung haben Smartphones durchaus auch ihre Berechtigung.

Gibt es gute Applikationen für Kleinkinder?
Es gibt hier einige sehr spielerische Applikationen, bei welchen die Kinder eine für uns erstaunliche Geschicklichkeit entwickeln können. Dies hängt aber auch damit zusammen, dass wir Kleinkinder häufig in ihrer Entwicklung unterschätzen. Da können Erwachsene ins Staunen kommen, was ein zwei bis dreijähriges Kind bereits für eine Intelligenz besitzt und welcher Forschertrieb in ihm steckt.

Kleinkinder können also in ihrer Entwicklung dank Apps gefördert werden?
Durchaus können diese davon profitieren. Dies kommt aber natürlich immer auf die jeweilige Applikation an. Sie lernen dabei unmittelbar den Kontakt mit elektronischen Medien und somit wächst hier eine Generation heran, die einen viel leichteren und besseren Umgang mit solchen Geräten besitzt. Im Gegensatz zu beispielsweise älteren Menschen, welchen Smartphones in ihrer Entwicklung nicht zur Verfügung standen. Zudem können auch logische Zusammenhänge und wichtige Lernerfahrungen vermittelt werden.

Gibt es eine zeitliche Begrenzung, die beim Spielen mit einem Smartphone von Kleinkindern nicht überschritten werden sollte?
Wie bei allem kann auch hier ein Suchtcharakter entstehen. Hier sind die Eltern in der Pflicht, die Bedürfnisse ihres Kindes wahrzunehmen und auch Alternativen in Form anderer Beschäftigungen wie Kinderbücher, Erkundungen und auch Spielen mit anderen Kindern zu schaffen. Grundsätzlich neigen aber Kleinkinder zu einer relativ kurzen Aufmerksamkeitsspanne, womit hier ein begleitetes Spielen und eine gesunde Achtsamkeit dem Kind gegenüber, der Suchtgefahr entgegenwirkt.

Also kann man grundsätzlich sagen, dass Apps für Kleinkinder durchaus Sinn machen können?
Absolut. Wir neigen dazu, dass wir unsere eigene Kindheit und die Dinge, die uns damals zur Verfügung standen, idealisieren. Jede Kinderwelt ist aber anders und mit einer technologischen Weiterentwicklung gehen hier ganz neue Möglichkeiten einher, die uns früher nicht zur Verfügung standen. Ein grundsätzliches Verbot oder eine künstliche Einschränkung wären kontraproduktiv.

Die zehn besten iPhone-Apps für Babys und Kleinkinder finden Sie in unserer Diashow.

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Bin selber Papi einer 1 Woche alten Tochter. Meine Meinung: Die Kinder kommen sowieso früher oder später in Kontakt mit Medien und entsprechenden Geräten. Da macht es in meinen Augen Sinn, wenn das von Eltern gesteuert wird als, dass die Kinder unvorbereitet damit konfrontiert werden. Kenne drei Familien die iPad's mit Kindern "nutzen". Alle drei zeigen weder Suchterscheinungen und bevorzugen nach wie vor das Spielen mit anderen Kindern / draussen. Was ich dem Bericht noch anfügen möchte: 1. Bei Kleinkindern den Flugmodus einschalten (Strahlung) / 2. Auf iOS "geführter Zugriff" einschalten. – Hene Pesche

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Luigi am 01.04.2013 23:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Expertentum

    Na wenns der Giggenbühl sagt...

  • Müller Rolf am 03.04.2013 12:30 Report Diesen Beitrag melden

    Zoodles

    Auch ich bin Vater einer 2,5 jährigen Tochter. Ich habe Zoodles auf meinem Android Tablet installiert. Bei dieser App, kann man mehrere Kinder "Name Geburtsdatum" erfassen. Es werden Spiele und Filme dem alter entsprechend angeboten. Ich als Vater kann die Gewaltstufe, das Zeitlimit und viele andere Einstellungen vornehmen. Jede Woche erhalte ich eine Auswertung in der ersichtlich ist, was meine Tochter interessiert und was weniger. Ich kann ebenfalls einstellen ob sie mehr Sozialwissenschaften oder eher Kognitive tätigkeiten erleben soll. Das Program beenden kann sie ebenfalls nicht selber.

  • nein, ich bin nicht konservativ am 01.04.2013 14:28 Report Diesen Beitrag melden

    Unsere Gesellschaft verblödet

    Was ist das wieder für eine Diskussion. Mir reicht es schon, dass ich Kinder (Schweizer-Kinder!) kenne, welche nicht Schweizer-Deutsch sprechen sondern nur hochdeutsch. Woher das kommt? Kleinkinder vor den Fernseher gesetzt und Ruhe hat man zuhause. M.E. erübrigt sich deshabl eine Diskussion zu Kleinkindern und Handy!!! Zudem: hätten wir weniger Psychologen etc. , hätten wir weniger kranke Kinder (wann schaltet sich endlich wieder der normale Verstand ein?)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Müller Rolf am 03.04.2013 12:30 Report Diesen Beitrag melden

    Zoodles

    Auch ich bin Vater einer 2,5 jährigen Tochter. Ich habe Zoodles auf meinem Android Tablet installiert. Bei dieser App, kann man mehrere Kinder "Name Geburtsdatum" erfassen. Es werden Spiele und Filme dem alter entsprechend angeboten. Ich als Vater kann die Gewaltstufe, das Zeitlimit und viele andere Einstellungen vornehmen. Jede Woche erhalte ich eine Auswertung in der ersichtlich ist, was meine Tochter interessiert und was weniger. Ich kann ebenfalls einstellen ob sie mehr Sozialwissenschaften oder eher Kognitive tätigkeiten erleben soll. Das Program beenden kann sie ebenfalls nicht selber.

  • Mama am 02.04.2013 19:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Im Mass

    Ich denke es ist wie immer eine Frage des Masses.Unser 8jähriger Sohn darf zeitlich begrenzt mit dem Smartphone spielen und TV schauen.Wenn er Besuch von "Gspännli"hat will er aber lieber drinnen oder draussen mit denen spielen.Einzelne Freunde die zuhause weder fernsehen noch sonstige technische Spielzeuge haben dürfen,wollen dann meist nur eben dies tun.Deshalb lieber begrenzt erlauben,ansonsten tun sies heimlich.

  • Sepp am 02.04.2013 14:49 Report Diesen Beitrag melden

    Es ist schon langsam krank...

    Die Kinder mit Tablets und "Einschlafapps" ruhig stellen, reine Bequemlichkeit der Eltern... Dabei zeigt es sich heute schon, dass Kleinkinder wegen dem Sch**** Einschlafstörungen zeigen und sich die Entwicklung des 3 dimensionalen Sehens und der Fähigkeit, Entfernungen abzuschätzen schon deutlich nachlässt. An die Eltern, die es betrifft: Pfui schämt euch!

    • Neindanke am 02.04.2013 19:40 Report Diesen Beitrag melden

      Wir brauchen keine...

      Dogmatiker!

    • Bless Gerhard am 03.04.2013 01:26 Report Diesen Beitrag melden

      Neue Medien annehmen und sinnvoll nutzen

      Solche Hasstiraden gegen technische Neuerungen bringen uns nicht weiter. Es ist halt wie immer: Neues zu verteufeln und zu verbieten ist einfacher und bequemer als sich zusammen mit den Kindern mit dem Neuen zu beschäftigen. Schade.

    • Dorli am 04.04.2013 06:29 Report Diesen Beitrag melden

      Alles Neu, alles gut

      @Bless Gerhard. Aber klar doch. Alles, was Neu ist, ist auch gut und gesund. War beim Asbest auch mal so. Aber ist halt einfacher, etwas Neuses zu bejubeln, als sich mit den möglichen Risiken auseinander zu setzen.

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  • Phil am 02.04.2013 14:39 Report Diesen Beitrag melden

    Je früher desto besser

    Man kann nicht früh genug beginnen. Meiner schwangeren Frau habe ich ein iPhone mini gegeben, das sie dann gegessen hat. Jetzt wissen wir immer, wo sich das Kind aufhält und wenn's ihm langweilig wird, so kann es spielen. Ein Leben ohne Geräte geht doch nicht, man könnte der Realität und fremden Menschen begegnen....

    • angel21 am 02.04.2013 17:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      You!

      Made my Day! :D

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  • Ramo am 02.04.2013 13:52 Report Diesen Beitrag melden

    ich finds gut!

    Ich (20/m) finds supi wen man die kleinen mit Apps ruhig stellt. Hab selber 3 Kinder und hab Ihnen immer zum 1sten Geburtstag ein Ipad geschenckt. ihr hättet das strahlen der Kinderaugen sehen sollen :) da weiss ich, dass ich dass richtige tue als junger Vater Meine Kinder sollen mit Ipads und iPhones etzetra aufwachsen!

    • Insalate am 02.04.2013 14:21 Report Diesen Beitrag melden

      Handy strahlt auch ;-)

      Strahlen in den Kinderaugen? Ja, aber das Strahlen der Handy-Antenne nicht vergessen, das strahlt noch mehr.. ;-)

    • hase am 02.04.2013 15:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      ihre kinder tun mir leid

      waaas? die armen kinder :(

    • Mutter am 02.04.2013 15:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      übertrieben

      ich finde es, bis zu einem gewissen grad OK, dass die Kinder mit Smartphone Tablet usw. in Berührung kommen. Aber was ich nicht gut finde, dass man solche Sache zum ruhig stellen benutzt. Kinder können sich auch anders beschäftigen, mit legos, Bücher, autos, usw. finde ein Tablet für ein 1 jähriges Kind voll übertrieben.

    • Mister M am 02.04.2013 16:39 Report Diesen Beitrag melden

      Ironie

      Die Ironie ist köstlich :-)

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