Chris Bergstresser

26. Mai 2019 11:33; Akt: 26.05.2019 11:33 Print

«Schweizer Games sind weltweit eine Inspiration»

von J. Graber - Er hat dem Schweizer Gamedesign Türen geöffnet: Der Amerikaner Chris Bergstresser ist Präsident des Ludicious Zürich Game Festival und Fan von Schweizer Games.

(Video: JAG/20M)
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Mitte April, einer der ersten warmen Tage des Jahres. Ein Café in der Nähe des Hauptbahnhofs Bern. Chris Bergstresser blinzelt in die Sonne, er sieht müde aus. Er ist soeben von einer Gamemesse in Kroatien zurück – die Reise nach Dubrovnik war nur eine unter vielen: Der Amerikaner, der mit seiner Familie in der Nähe von Neuchâtel lebt, jettet rund um die Welt, von Game-Event zu Game-Event. Er ist schwer zu fassen – ihn für ein Interview zu gewinnen, dauerte mehrere Wochen.

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Bergstresser ist so etwas wie eine stille Naturgewalt hinter der Schweizer Gameentwickler-Szene – eine mystische Figur, die überall dort anzutreffen ist, wo die Schweizer Designer einen wichtigen Auftritt haben. Ohne ihn wäre die Schweizer Szene nicht da, wo sie heute ist: Bergstresser ist ein alter Hase der Gameindustrie. Er hat bei Atari, Sega und Konami gearbeitet und ist weltweit so gut verknüpft wie kaum ein anderer. Seine Verbindungen halfen mit, die Schweizer Gamedesigner ins internationale Scheinwerferlicht zu rücken.

Der Brückenbauer

«Etwas vom Ersten, was ich machte, als ich vor acht Jahren in die Schweiz zog, war herauszufinden, was die hiesige Szene zu bieten hat», sagt er. Als Vizepräsident des Mobile-Game-Unternehmens Miniclip war er in die Schweiz gekommen, er wollte in die hiesige Community eintauchen. Für ihn sei dies der beste Weg, eine Kultur zu verstehen. Er nahm Kontakt mit Pro Helvetia und dem Gameförderungsprogramm auf und bot seine Dienste an.

Bergstresser brachte die Schweizer Entwickler mit internationalen Investoren zusammen, baute für sie Brücken, öffnete Türen und sorgte dafür, dass die Designer von der internationalen Gameindustrie wahrgenommen wurden. Er förderte sie darin, in sogenannten Pitches zu bestehen und etwas vom amerikanischen Just-do-it-Spirit aufzunehmen. «Während die Amerikaner es verstehen, Mist in Gold zu verpacken, sind die Schweizer zu bescheiden», sagt er.

Insipration für andere

Verstecken müssen sie sich nämlich nicht. Früher seien zwar viele experimentelle Games für ein eher nerdiges Publikum entstanden und die Szene sei fragmentiert gewesen. Mittlerweile hätten die Designer aber riesige Fortschritte gemacht: Die Szene ist zusammengewachsen und es entstehen Spiele, die auf Gamefans zugeschnitten sind. Die Kombination aus technologischem Wissen, experimenteller Innovationskraft und gutem Design seien Stärken, die sich nutzen lassen. «Ich sehe sehr starke Games», sagt er und spielt auf Titel wie «First Strike», «Nimbatus» und «FAR: Lone Sails» an. Die Entwickler seien heute auch eher mal bereit zu scheitern.

Mittlerweile geniessen die Schweizer Gamedesigner laut Bergstressser international einen hervorragenden Ruf und gelten als Inspiration für viele andere. Einen nicht zu unterschätzenden Anteil daran habe neben der Kulturstiftung Pro Helvetia mit ihrem Förderprogramm vor allem das Gamedesign-Studium der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK). «Die Schule bietet eine der besten Gamedesign-Ausbildungen der Welt», sagt Bergstresser, der auch als Präsident des Ludicious Zürich Game Festival tätig ist und in seiner wenigen freien Zeit einheimische Gameentwickler mentoriert und berät. «Ich liebe ihren Sinn für innovative Ideen», sagt er, nimmt einen Schluck Tee und blinzelt dabei in die Sonne.

Die prägendsten Schweizer Games

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Andy am 26.05.2019 12:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Na ja

    Als Hardcoregamer finde ich die Schweizer Gamelandschaft ähnlich ätzend und langweilig wie die CH Movies. Wie man gute Games macht lernt wohl eher nicht auf dieser hohen Schule. Sonst gäbe es ja viel mehr Spitzengames made in ch....oder sind hier die furchtbaren Handygames mit der jeweils ungenauen Touchscreensteuerung gemeint?

  • e-Bauer am 26.05.2019 15:02 Report Diesen Beitrag melden

    Erstaunlich die Berichterstattung hier

    Dieses Medium bringt erstaunlicherweise immer wieder Artikel über die Schweizer Game-Szene und lobt sie - aus meiner Sicht - überschwänglich. Warum eigentlich? Ausser dem Landwirtschaftssimulator ist mir kein einziges international erfolgreiches Spiel aus der Schweiz bekannt. Dieser LS ist aber ohne Hr. Bergstressser und seine Networks und ohne all die vielen Pro Dingsbums-Fördergelder zustande gekommen. Was bedeutet das nun? Ich behaupte: Die Game-Idee muss einem echten Bedürfnis entsprechen. Dann muss sie natürlich technisch hochstehend umgesetzt und auch ständig aktualisiert werden.

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  • Igel am 26.05.2019 12:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Action

    Spiele Hauptsächlich von Bethesta Ubi Soft oder ähnlichen. Da ist Action dahinter Fallout Serie, Hitman, Skyrim und so weiter. Farmerspiele kann ich jeden Tag live sehen. CH Softspiele für Kinder OK.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Der Koch... am 27.05.2019 10:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    am zoggn..

    Also ich bin aufgeschlossen ggüber Games aus der Schweiz. Aber erst wenn man die Games auch anschauen kann ohne Augenkrebs zu kriegen und sie durchaus spannend sind Und Tiefgang haben.. Dann werd ich mit Freude schweizer Studios unterstützen mit Microtransactions Vorbesteller Editionen usw. Aber so wie es momentan ist.. Nö..

  • Weiter denken am 26.05.2019 23:09 Report Diesen Beitrag melden

    Brie-Simulator

    Konzentrieren auf Schweizer Werte! Ich finde, es sollte mehr Spiele mit Brie als Thema geben. Vielleicht könnte man ein DLC für LaWiSim oder Nimbatus Sim machen, wo man Milchwirtschaft betreibt und es dann in die Käserei liefert. Es gab doch auch diesen Goat Sim, aber Ziegenmilch mögen weniger viele Leute.

    • Word am 27.05.2019 17:17 Report Diesen Beitrag melden

      Brie Larsen Simulator

      Ich dachte da zuerst an eine andere "Brie". Aber das Spiel wäre dann "nichts für Männer".

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  • Hermann ze German am 26.05.2019 20:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ödland Schweiz

    Schweizer Games? Da kann ich nur lachen... Wir haben weder ein Studio wie Piranha Bytes das sich mit 30 Leuten mit den Grossen misst, noch haben wir ein CD Projekt Red das sich mit 3 Spielen zu nem so riesen Studio entwickelt hat das selbst Spiele von den grössten In den Schatten stellt. Wir haben Indie Spiele die keiner spielt , die nicht geupdatet werden und noch den Landwirtschaftssimulator... das ist keine Gaminglandschaft sondern das Ödland der Gameentwickler. Um uns herum sind Länder die das alle auf die Reihe gekriegt haben (Ubisoft Frankreich, Deutschland Piranha Bytes, Crytek usw) aber wir hinken schlimmer hinterher als Russland und das soll doch mal was heissen. Liebe Gameentwickler denkt euch ein Game aus das jeder will und geht halt crowdfunden shenmue,bloodstained, waroftheoverworld habens vorgemacht. Aber lasst diesen Mist mit Indiegames und den Handyspielen die keiner will weil es eh schon zuviele 0815 Zeugs darauf gibt.

  • 3D Animation Engineer am 26.05.2019 15:47 Report Diesen Beitrag melden

    Naja....

    Hier wird ja nur von den Designern gesprochen aber die Entwickler haben den schwierigeren Job. Wir verleihen dem Design leben und wir müssen 3 bis 5 Jahre Informatik studieren und uns mit der höheren Mathematik auseinandersetzen. Und die Schweizer Szene ist ein Witz. Hab während dem Studium noch nie gehört ich will Schweizer games entwickeln. Wenn wir games entwickeln wollen gehen wir alle ins Ausland zu Ubisoft, Rockstar und Co.

    • ScriptKiddie am 26.05.2019 19:24 Report Diesen Beitrag melden

      Andere Meinung

      Aus eigener Erfahrung: Früher (vor 20 Jahren) mag das noch zutreffen. Heute jedoch nicht mehr. Ich habe noch Kontakt zu Leuten die in der Branche tätig waren, tätig sind oder nach dem Studium tätig werden wollten. Fazit: Viel Mathe braucht es nicht mehr. Heute verwendet man vorwiegend Engines und fertige Frameworks. Aus Kostengründen, Qualtitätsaspekten und alleine schon um die verschiedenen Plattformen zu unterstützen. Auch weil das "Expertenwissen" nicht so verbreitet ist. Im Vergleich zu "früher" ist es heute echt easy. Die Frage ist halt was man unter "höherer Mathematik" versteht.

    • 3D Animation engineer am 26.05.2019 21:52 Report Diesen Beitrag melden

      @ScriptKiddie

      Geometry, Nodes, Edges, Graphs, Vectors usw verwende ich tagtäglich. Die in Computerspielen verwendete Physik verwendet Vektoren. Beispiele: Was ist (1,2,3) + (3,2,1)? Was ist 10x (9,5,2)? Was ist die Länge von (4,2,4)? Habe an einer Uni in England studiert. Wir hatten fast nur Mathe. Habe mich auch in AI und Machine Learning spezialisieren lassen. Jedenfalls was ich sagen will ist, im Studium setzt man sich mit hoher Mathe auseinander. Vieles braucht man beim arbeiten nicht aber dennoch muss man es lernen. Im game design nicht aber dafür verdienen die um einiges weniger.

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  • e-Bauer am 26.05.2019 15:02 Report Diesen Beitrag melden

    Erstaunlich die Berichterstattung hier

    Dieses Medium bringt erstaunlicherweise immer wieder Artikel über die Schweizer Game-Szene und lobt sie - aus meiner Sicht - überschwänglich. Warum eigentlich? Ausser dem Landwirtschaftssimulator ist mir kein einziges international erfolgreiches Spiel aus der Schweiz bekannt. Dieser LS ist aber ohne Hr. Bergstressser und seine Networks und ohne all die vielen Pro Dingsbums-Fördergelder zustande gekommen. Was bedeutet das nun? Ich behaupte: Die Game-Idee muss einem echten Bedürfnis entsprechen. Dann muss sie natürlich technisch hochstehend umgesetzt und auch ständig aktualisiert werden.

    • Mike am 27.05.2019 10:33 Report Diesen Beitrag melden

      @e-Bauer

      Es gibt noch Train Fever und die Fortsetzungen Transport Fever. Beide Firmen haben Entwickler von der ZHdK und aus dem Pro Dingsbums Förderprogramm übernommen. Ohne Grundlagen gibt es halt auch keine Profis. Von daher sind wir noch immer Jahre hinterher aber immerhin auf dem richtigen Weg.

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