Game-Hochburg Schweiz?

19. November 2011 14:03; Akt: 19.11.2011 15:59 Print

«Wir werden in Zürich grosse Spiele schaffen»

Den französischen Game-Giganten Ubisoft zieht es in die Schweiz. Studioboss Yann Le Tensorer sagt, was von der Spielschmiede hinter Blockbuster-Games wie «Assassin's Creed» künftig zu erwarten ist.

storybild

Der Spielexperte: Yann le Tensorer, Managing Director von Ubisoft Zürich, hat als 11-Jähriger sein erstes Spiel programmiert und arbeitet seit 1994 in der Gamebranche. (Bild: jag)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Schweizer Gameentwickler-Szene steckt noch in den Kinderschuhen und wird hauptsächlich von kleinen «Garagen-Firmen» dominiert, die Spiele für Smartphones und Tablet-PCs programmieren. Nun kommt mit Ubisoft allerdings einer der weltweit grössten Spiele-Entwickler nach Zürich. Die Franzosen betreiben weltweit 24 Entwicklerstudios in 16 Ländern von China bis Kanada. In der Schweiz soll die Expansion fortgesetzt werden.

Wieso hat sich Ubisoft entschieden, ein Studio in der Schweiz zu eröffnen? Yann Le Tensorer: Wir möchten in möglichst vielen Ländern präsent sein, da sich Videospiele mehr und mehr zu einem Massenmedium entwickeln. Da in der Schweiz die Sozialabgaben tiefer sind als in vielen andern Ländern, erhalten die Entwickler mit dem Lohn mehr Geld. Das macht das Studio attraktiv für gute Leute.

Ubisoft ist ein französisches Unternehmen. Wäre ein Standort wie Lausanne nicht näherliegend?
Das erste Studio in der Schweiz wollten wir im ökonomischen Zentrum des Landes eröffnen. Zürich verfügt über einen internationalen Flughafen. Zudem sind hier die ETH, das Gamedesign-Studium der Zürcher Hochschule der Künste und in der Nähe die Fachhochschule Nordwestschweiz angesiedelt.

Welche Art Spiele werden in Thalwil bei Zürich entwickelt? Unser Fokus liegt auf Webgames: Onlinespiele für Tablets, Smartphones sowie PCs, kurz auf allem, was einen Bildschirm hat und mit dem Internet verbunden ist.

Also sprechen wir von Browsergames? Nicht im herkömmlichen Sinne. Wir werden grosse Spiele entwickeln, die bildschirmfüllend funktionieren. Wir wollen innovative, noch nie dagewesene Games schaffen, bei denen die Leute sagen: «Wow!» Und wir wollen in diesem Bereich zum Marktführer werden.

Sehen Sie in den Webspielen die Zukunft der Gamebranche? Ich denke, dass wir in etwa einem Jahr die ersten ausgewachsenen Ergebnisse sehen werden. Technologien wie Flash und HTML entwickeln sich ständig weiter und bieten mittlerweile die Möglichkeit, 3D-Welten zu bauen.

Haben Sie schon erste Games entwickelt? Nein. Momentan sind wir noch in der Rekrutierungsphase und ich stelle ein kleines Kernteam zusammen.

Was muss jemand mitbringen, um sich bei Ihnen zu bewerben? Wir suchen Leute mit einer zwei- bis fünfjährigen Erfahrung in der Gameindustrie und guten Kenntnissen in Multiplayer-Technologien. Sie müssen sich mit Web-Programmierungssprachen wie Flash, Javascript und HTML oder Servertechnologien auskennen.

Die Schweiz hat eine wachsende Entwicklerszene. Suchen Sie auch dort? Wir suchen europaweit, denn der Schweizer Gameentwicklerszene fehlt es noch etwas an Erfahrung. Zürich erinnert mich diesbezüglich an Montreal, wo Ubisoft mittlerweile ein grosses Studio hat. Als wir dort vor etwa zehn Jahren anfingen, gab es nichts. Die meisten Gameentwickler vor Ort waren Amateure – kleine Garagenbetriebe. Mit der Zeit entwickelte sich Montreal zu einem zentralen Platz für Gamedesign. Andere Publisher folgten und eröffneten ebenfalls Studios. Das könnte durchaus auch in Zürich passieren. Ob dies tatsächlich geschieht, hängt jedoch auch vom Staat ab.

Inwiefern? Indem wir viel Geld in den Aufbau des Zürcher-Studios stecken, gehen wir ein Risiko ein. Wir schaffen aber Stellen, zahlen Steuern und investieren in einen Ort, wo Zukunftstechnologien entstehen. Wir hoffen, dass der Staat einen Teil der Investition mitträgt, unter anderem auch mit Steuerbegünstigungen. Dies schafft auch für andere Anreize, hier in die Zukunft der Videospiele zu investieren.

Wie viele Leute stellen Sie ein? Wir sind derzeit noch am Evaluieren, der Aufbau geht Schritt für Schritt voran. Die Büroräume bieten Platz für rund 20 Personen. Wenn alles stimmt, könnte das Studio sehr gross werden.

Wann werden die ersten Resultate zu sehen sein? Ich denke, dass wir etwa in einem halben Jahr erstmals über Projekte von Ubisoft in Thalwil sprechen werden.

Letzte Frage: Wo können sich Gameentwickler bewerben? Wir haben eine Seite eingerichtet unter zurich-jobs-ubisoft.com.

(jag)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Christoph Geiser am 19.11.2011 16:06 Report Diesen Beitrag melden

    Verpennt

    Die Schweiz ist ein verpenntes Land. Als ich vor 20 Jahren Spieleprogrammierung erlernen wollte, wurde ich von allen ausgelacht und runtergemacht. Wir machen hier seriöses, blablabla. Was soll's, Ubischrott kommt auch nur wegen den Steuern her. Spiele kaufe ich von denen keine mehr.

  • mirco am 19.11.2011 18:15 Report Diesen Beitrag melden

    Der Staat soll finanzieren..

    Komisch, die Unternehmen kommen nur wenn der Staat das ganze mitfinanziert. Unter dem Strich bleibt dann eher ein Minus.

  • daddy am 05.12.2011 16:48 Report Diesen Beitrag melden

    Gehts noch?

    die Schöpfer von Gran Turismo und Forza Motorsport haben bewiesen, dass die Schweiz ebenfalls ein attraktives Land für Gameentwicklung ist. Nun stösst Ubisoft dazu. Jetzt fehlt nur noch EA dann sind wir komplett :)

Die neusten Leser-Kommentare

  • unbekannter entwickler am 08.03.2012 13:25 Report Diesen Beitrag melden

    unbekannt

    Ich habe keine Interesse für Ubisoft zu arbeiten, da meine eigene spiele besser sind.

  • daddy am 05.12.2011 16:48 Report Diesen Beitrag melden

    Gehts noch?

    die Schöpfer von Gran Turismo und Forza Motorsport haben bewiesen, dass die Schweiz ebenfalls ein attraktives Land für Gameentwicklung ist. Nun stösst Ubisoft dazu. Jetzt fehlt nur noch EA dann sind wir komplett :)

  • Gregor B am 28.11.2011 09:12 Report Diesen Beitrag melden

    comment & conquer

    In der Schweiz wird alles schlecht geredet, egal um was es geht. Keine Ahnung haben, aber einfach mal was schreiben. Wir sollten froh sein um jede Firma die Hier was auf die Beine stellen will. Ubisoft eröffnet hier kaum eine Firma wegen Steuern. Die haben soviele Firmen in zwei dutzend anderen Ländern, mit 1000en von Mitarbeitern und einem Jahres Umsatz von kapp einer Milliarde $. Wenn die Seutern sparen wollten hätten die hier schon früher eine Firma gemacht, oder? Und 2-5 Jahre Erfahrung sind normal. Diese kann man auch hier haben, ich kenne genug die sie haben, mich eingeschlossen.

  • Marc N am 22.11.2011 12:31 Report Diesen Beitrag melden

    Naja... ich bin dann mal skeptisch

    Alles schön und gut, auch dass die Herren von Ubisoft was auf die Beine stellen wollen. Aber ein fader Nachgeschmack bleibt schon bei Aussagen wie, "Steuerbegünstigungen" und "Leute mit zwei- bis fünfjähriger Erfahrung", die hat hier bei uns keiner, da Gamedesign an den Hochschulen in der Vergangenheit leider stiefmütterlich behandelt wurden.

  • learningbydoing am 21.11.2011 08:23 Report Diesen Beitrag melden

    von wegen Studium

    Ich habe kein Studium abgeschlossen im Gamedesign und trotzdem (vor Jahren) ein Jobangebot von EA bekommen (Kein Witz!!). Jedoch habe ich abgelehnt, weil es für mich selbst mehr unprofitabel ist und ich ins Ausland auswandern müsste und mit tieferem Lohn auskommen müsste... ausserdem mag ich EA nicht...

Sudoku
Kreuzwortraetsel
Bubble Shooter