Netflix-Doku

13. April 2019 17:39; Akt: 13.04.2019 17:39 Print

Albtraumjob mit gnadenlosen Arbeitszeiten

Die Netflix-Doku «Playing Hard» blickt hinter die Kulissen der Game-Industrie und zerstört dabei so manch romantische Vorstellung.

Die Netflix-Dokumentation «Playing Hard» zeigt die Entstehung des Games «For Honor». (MC 2)
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Wer davon träumt, irgendwann als Game-Entwickler seine Vorstellung von einem Traumjob auszuleben, dürfte sich das nach diesem Film zweimal überlegen. Denn die neue Netflix-Dokumentation «Playing Hard» wirft einen ungeschönten Blick hinter die Kulissen der Game-Industrie. Und zeichnet ein Bild, das die jüngsten Meldungen über horrende Überstunden, Burn-outs und Massenentlassungen unterstreicht.

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Im Zentrum stehen die Entwicklung des Mittelalter-Spektakels «For Honor» und das Team dahinter. Die Protagonisten sind Jason VandenBerghe, Creative Director des Titels, sowie der Produzent Stephane Cardin und der Brand Manager Luc Duchaine. Alle hatten während der vierjährigen Entwicklungszeit des Blockbuster-Games mit etlichen Rück- und persönlichen Tiefschlägen zu kämpfen.

Vom Traum zum Albtraum

Dass die Filmemacher beim Dreh von Publisher Ubisoft nicht zensuriert wurden, ist eine der Stärken des Films. So sieht man Duchaine, wie er trotz gesundheitlicher Probleme weiter und unter Dauerdruck an dem Projekt arbeitet. Cardin hingegen hat Probleme, Privatleben und Arbeitswelt unter einen Hut zu kriegen. VandenBerghe schliesslich wird als melancholischer Mann porträtiert, dem Konflikte sehr nahegehen.

Freud und Leid der Macher liegen in den über vier Jahren Drehzeit immer wieder ganz nahe beieinander. Oft stossen VandenBerghe und Duchaine an die Grenzen ihrer Möglichkeiten. Vor allem der immense Druck und die gnadenlosen Arbeitszeiten zerstören dabei das romantische Bild vom gut bezahlten Game-Designer, der seine Kreativität unter Google-artigen Arbeitsbedingungen ausleben kann. So wirkt der vermeintliche Traumjob in der Game-Industrie bald wie das Gegenteil.

Drama mit Happy End

Letztlich bietet Netflix mit der Dokumentation einen Einblick in die knochenharte Entwicklung von AAA-Games. Das Produzententeam konnte die Macher von «For Honor» begleiten, ohne dass Ubisoft Einfluss auf die Produktion nahm. Allerdings wurde dem Filmteam die Drehgenehmigung vorübergehend entzogen und später wieder erteilt. Dennoch: In einer oft sektiererisch wirkenden Branche ist es keine Selbstverständlichkeit, ohne Auflagen filmen zu können. Und so ist «Playing Hard» zu einem Zeitdokument geworden, das nicht nur Gamefans ansprechen wird.

Tatsächlich sind Themen wie Massenentlassungen, schlechte Arbeitsumstände und Crunch Time, also Hochdruckphasen, um ein Spiel bis zur Deadline fertigzustellen, brandaktuell. So war zuletzt immer wieder von vielen Überstunden und einem immensen Druck auf die Mitarbeiter die Rede, zuletzt etwa bei der Entwicklung von Biowares «Anthem» oder auch beim Rockstar-Megahit «Red Dead Redemption 2». In den USA hat es deshalb immer wieder Bemühungen gegeben, Gewerkschaften auch in der Gameindustrie zu etablieren. Bislang ist das allerdings am Widerstand der Hersteller gescheitert.

Ein depressives Drama ist «Playing Hard» dennoch nicht geworden. Neben all den Schattenseiten zeigt der Film auch den Humor, mit dem in der Branche agiert wird, sowie die ungebrochene Begeisterung, für ein cooles Game alles in die Waagschale zu werfen. Immerhin, so Jason VandenBerghe, «sind Kreativität und Kunst das beste Mittel, um dem Hass und der Gewalt in der Gesellschaft etwas entgegenzusetzen».

(srt)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dä Jesus am 13.04.2019 17:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geldgeil und Ahnungslos.

    Das Problem ist halt, dass Leute die keine Ahnung haben die Release Termine setzten. Es währe wesentlich entspannter, wenn man es macht wie CD Project Red und den Release auf das Datum legt, an dem es fertig ist oder besser gesagt, it's done, when it's ready. Die grossen Publisher werden aber von Krawattenträgern diktiert, welche offensichtlich keine Ahnung haben, was für ein Aufwand das ist und den Release einfach mal so auf kurz vor Weihnachten setzten. Ob das genug Zeit ist, ist denen egal, hauptsache der Profit stimmt. Darum nimmt die durchschnittliche Qualität bei Games auch rapide ab, denn das Wichtigste für die ist, dass ein neues Call of Duty (ist so ein tolles Beispiel) zu Weihnachten im Laden liegt. Wie gut oder wie neu es wirklich ist, ist dem Krawattenständer eigentlich total egal.

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  • Denker am 13.04.2019 18:01 Report Diesen Beitrag melden

    Hohe Belastung / Stress in der IT

    Ich würde behaupten die Arbeitsbelastung und der Druck/Stress in der IT ist generell hoch...

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  • Software engineer am 13.04.2019 18:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Naja...

    Habe 3 Jahre lang bei Rockstar North als Animation programmer gearbeitet und man hat zwar Druck aber man hat dennoch genügend Zeit für die Familie. Netflix versucht es immer dramatischer zu machen als es in Wirklichkeit ist. Sonst würde es ja niemand schauen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Dani am 16.04.2019 07:45 Report Diesen Beitrag melden

    Free to play muss weg

    Was ich noch viel schlimmer finde ist, dass ein Team komplett von einer Lobby aufgebraucht wird, und dann das Spiel wegen dem Zeitdruck nicht dem Anspruch der Spieler genügt. Ich konnte noch zu einer Zeit meine Spiele genießen, als keine Patches möglich waren. Da musste das Spiel fertig sein, oder es war so miserabel dass es niemand kaufte und die Firma Konkurs ging. Contentpatches gab es nicht, und so gab es dafür mehrere Teile eines Spiels. Alles hat seine Vor und Nachteile. Aber am wichtigsten ist es, dass das System von "Free to Play" ZWINGEND komplett aussterben muss.

    • marko 34 am 16.04.2019 15:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Dani

      Schrecklich

    • Andi am 17.04.2019 12:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Dani

      PoE hat ein super f2p system, aber ja 99% ist f2p p2w oder einfach Abzocke.

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  • gogg am 14.04.2019 18:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Halbfertige Spiele

    Dass die Spiele bei Release immer weniger fertig sind, oft verbuggt sind und sich einfach nicht mehr toll anfühlen, verwundert da natürlich nicht. Insbesondere bei Ubisoft. Ich warte gern länger auf ein Spiel, wenn die Mitarbeiter dafür normal arbeiten können, dafür deren Leistung auch zwangsläufig nicht abnimmt, und am Ende ein tolles Spiel herauskommt. Nennen wir mal The Witcher, Super Mario, Zelda und Metroid Prime. Neue Titel erscheinen selten. Die sind dafür dann aber fertig, spielen sich hervorragend, und fühlen sich vom 1. Tag an toll an. Weniger ist eben doch mehr.

  • Michi am 14.04.2019 16:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht nur in der Game-Entwicklung so...

    Ich habe bereits für Ubisoft gearbeitet und werde im Sommer wieder Vollzeit für diese Firma beschäftigt sein. Was in dieser Doku gezeigt wird darf nicht als Norm gedeutet werden. Hier werden auch viele persönliche Probleme gezeigt die nichts mit der Firma Ubisoft zu tun haben. Es ist stressig und man kommt an seine Grenzen, genau gleich kann dies bei einem Architekturbüro oder einer Agentur auch sein. Jason ist ein super Beispiel für seine genialität in der Entwicklung von "For Honor" und die Angst davor seine Vision jemand anderem zu übergeben, sie abzuschliessen und damit zu verlieren.

  • Robi Dog am 14.04.2019 13:27 Report Diesen Beitrag melden

    wie in Hollywood

    bei viele Filmen sieht man die Zielgruppenorientierung. Es geht nicht darum einen guten Film zu drehen, sondern darum die hohen Kosten plus Gewinn zu erwirtschaften. Bei den Games sind wenigstens die Zielgruppen nicht so durchmischt. Ich lese gerne Bücher. Da setzt sich jemand hin und erzählt eine Geschichte.

  • huschmie am 14.04.2019 10:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Games braucht es nicht

    Games braucht es sowieso nicht. Wenn sie denn etwas nützliches entwickeln würden..

    • Tetris-Legende am 14.04.2019 14:28 Report Diesen Beitrag melden

      ja genau

      die Welt braucht mehr Emojis. Games sind meiner Meinung nach enorm wichtig. Eine friedliche Art zu Jagen, zu Kämpfen und zu Sammeln. Ich glaube es ist wichtig für unsere natürlichen Triebe...

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