Google Stadia

31. März 2019 19:59; Akt: 31.03.2019 19:59 Print

Damit sieht die Gamewelt plötzlich völlig anders aus

von Jan Graber - Die Zukunft des Gamens heisst Cloudgaming. Mit Stadia hat Google das Rennen um den besten Dienst eröffnet. Doch wird Google auch vorneweg fahren?

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Die Ankündigung kam zum richtigen Zeitpunkt. Erfolgreich werden heute Filme, Serien und Musik über Netflix, Spotify und Co. konsumiert. Doch Gamestreaming, respektive Cloudgaming, kam bisher kaum vom Fleck. Sony hat mit Playstation Now zwar einen funktionierenden Streaming-Dienst am Laufen, Nvidia befindet sich mit Geforce Now seit längerem in der Betaphase und Microsoft will an der Gamemesse E3 Grosses zu xCloud verraten. Ein Freudenfeuer hat Gamestreaming bisher aber nicht entfacht.

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Die Präsentation de Cloudgaming-Diensts Stadia wirkte wie ein Weckruf: Plötzlich stand da einer, der das Geschäft aufzumischen droht. Eindrücklich erklärte Google, wie Youtube und Gamen ineinander übergehen sollen, wie Spiele sich mit einem Klick in wenigen Sekunden starten und über mehrere Plattformen spielen lassen. Wie aufwendige Games flüssig auf Geräten, auf denen sich Chrome installieren lässt, laufen. Wie Multiplayerspiele ohne eine Verzögerung (und ohne Cheater) laufen. Ein Heilsversprechen.

Flaschenhals Internet

Kann es erfüllt werden? Als das kalifornische Unternehmen OnLive vor zehn Jahren mit dem ersten Gamestreaming-Dienst vorpreschte, scheiterte der Dienst, weil die Internetleitungen zu langsam waren. Ruckler sind der Spasskiller per se. Mittlerweile versprechen Glasfasernetze Datenübertragungen auch bei hohen Datenmengen. Entsprechend hat Google sein Netzwerk mit weltweit über 7500 Zugangspunkten und die Zusammenarbeit mit Internet-Providern betont. Ein eigener Controller, der über WLAN direkt mit den Servern verbunden ist, soll die Reaktionszeit auf ein Minimum bringen. Gamen soll mit 4K und 60fps Bildwiederholungsrate möglich sein. Später sollen daraus 8K und 120fps werden.

Diese Zahlen beeindrucken. Sie täuschen aber über etwas hinweg, was selbst die coolste Präsentation nicht wegwischen kann: Nur ein verschwindend kleiner Teil der Menschen hat derzeit einen Internetanschluss, der diese Geschwindigkeiten auch bis in die eigene Stube trägt. Laut Engadget.com verfügen 70 Prozent in den USA über keinen Glasfaseranschluss.

Glaubwürdigkeit und Loyalität

Mit diesem Problem sehen sich alle Cloudgaming-Anbieter konfrontiert. Googles Gegenspieler – Playstation & Co. – haben dem Internetriesen jedoch anderes voraus: Erfahrung im Gamegeschäft, einen Gamekatalog und Glaubwürdigkeit. Viele Gamer sind im Grunde emotionelle, loyale Sentimentalisten. Sie bleiben ihren Spielmarken treu. Sie bilden eng verknüpfte Communitys, die sich gegenseitig befeuern: Sie kommentieren, kritisieren – und kreieren. Zum Beispiel neue Gameinhalte aufgrund von Modifikationen.

Es half auf jeden Fall nicht, als Google-CEO Sundar Pichai an der Präsentation zugab, kein Gamer zu sein. Ob es deshalb reicht, gestandene Game-Profis wie Phil Harrison (Microsoft) und Jade Reynolds (Ubisoft) an Bord zu holen, ist auch nicht sicher. Dass Google ein eigenes Gamestudio ins Leben ruft, weist auf ein weiteres Problem hin: Publisher wie EA oder Activision werden es sich gut überlegen, ob sie ihre Spiele über Stadia laufen lassen und ihre Fans der Datensammelwut des Internetriesen aussetzen wollen.

Trotzdem: Mit Stadia hat Google eine kleine Bombe gezündet, die die anderen Player ziemlich aufgeschreckt haben dürfte. Mit dem Resultat, dass diese ihren Effort wohl verstärken werden, um im Rennen ums Cloudgaming nicht ins Hintertreffen zu geraten.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • jeff b. am 31.03.2019 20:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    typisch Google

    zuerst eine Riesenankündigung, dann eine halbherzige Umsetzung und nach 1-2 Jahren wird def Dienst eingestellt. Siehe Google Plus, Allo.....

  • Herr Max Bünzli am 31.03.2019 20:11 Report Diesen Beitrag melden

    genau

    das ist Schrott, keine guten Pingzeiten da.

    einklappen einklappen
  • Jo West am 31.03.2019 20:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Naja.

    Google sollte sich mal zuerst befassen, das etwa 70% der Staaten nicht gute Verbindungen haben. Klar gibt es in Hochtechnologie- länder wie Japan, China, Korea (meistens in Grossstädten von der Rest der Welt) eine gute Verbindung. Und in der Schweiz kann es sich wohl auch Etablieren...wenn man intresse hat.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Willy am 01.04.2019 18:18 Report Diesen Beitrag melden

    Top!

    Ich bin mit der Shield am gamen und staune, wie gut das ganze läuft, auch wenn es noch Beta ist! Weiter so.

  • Alumdria841 am 01.04.2019 18:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Treuer Playstation Zocker

    Ich freue mich mehr auf die Ankündigung der PS5 :-)

  • Ronny C. am 01.04.2019 12:33 Report Diesen Beitrag melden

    Lokale Kiste oder Cloud ?

    Es gab schon grosse Gaming-Cloudanbieter wie OnLive, die wurden aufgefkauft (in Fall von OnLive von Sony) oder sind versandet. Als Gamer mag ich mich nicht mit lags im Singleplayer-Mode oder mit Komprimierungs-Artefakten rumschlagen. Da ist mir eine Konsole (oder PC) zuhause doch noch lieber. Sound oder Videos kann man locker streamen, aber interaktive Medien wie Actiongames laufen bei mir lokal.

  • Dani86 am 01.04.2019 12:18 Report Diesen Beitrag melden

    hahaha

    Bei mir im Haus gehen Youtube Videos am Samstag morgen und Sonntag abend nicht richtig. Weil das Netz überlastet ist. Aber fürs Gamen solls gehen? das ich nicht lache. Mich würde Interessieren wenn EA mit ihrem ingame Loot wahn mitaufspringt. bezahlt man dan abokosten und ingame äufe und Thats it? Oder bezahlt man mit mehr? (Ausser seiner Seele bei EA)

  • Oldie am 01.04.2019 10:48 Report Diesen Beitrag melden

    Abo, Game as a Service, etc.

    Gaming steht langsam am Abgrund. Entweder man steht vor der Paywall für Inhalte, muss zwischen etlichen Shops/Clients wechseln oder darf sich mit unfertigen Müll abgeben welcher über Jahre zurecht gepfuscht wird. Etliche DLC's und Lootboxen in ansonsten leeren Spielwelten sind eine Frechheit. Das Basisspiel kostet schliesslich immernoch um die 70.-, wenn man Inhalte will darf man mehrmals 50.- blechen. Wenn das als Streaming-Abo losgeht indem man jedes Modul einzeln mit Raten zahlen muss wird's langsam pervers.

    • Opa Fritzl am 01.04.2019 20:47 Report Diesen Beitrag melden

      Ach herje

      War bei uns auch schon, mit den Frauen. Dürfte heute aber nicht anders sein.

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