Zürcher Game-Entwickler

13. Mai 2014 20:22; Akt: 18.03.2015 15:08 Print

Das Duo, das die Welt in die Luft sprengt

von Jan Graber - Mit «First Strike» hat das Zürcher Studio Blindflug eine der erfolgreichsten Schweizer Game-Apps geschaffen. 20 Minuten traf die beiden Köpfe hinter der Game-Schmiede.

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Es ist ein ungleiches Duo, das sich den Interviewfragen stellt: Jeremy Spillmann blickt den Journalisten offen an und überlegt. Moritz Zumbühl blickt derweil zum x-ten Mal auf sein Handy – es ist unklar, ob er Mails liest oder eine Info sucht. Der 31-Jährige Zumbühl wirkt zappelig auf seinem Stuhl. Der 32-Jährige Spillmann ist die Ruhe in Person – und antwortet auf die Frage, wie es zur Zusammenarbeit kam: «Als Erstes spielte ich Feuerwehrmann bei Feinheit.»

Um das zu verstehen, braucht es einen Rückblick: Jeremy Spillmann macht eine Lehre als Chemielaborant, kann mit dem Beruf aber nichts anfangen. Er absolviert die technische Berufsmittelschule, beginnt ein Diplomstudium als Informatiker, fliegt hochkant raus, jobbt an der Migroskasse, verkauft bei PC-Joy Games und überlegt sich, was er mit seinem Leben anfangen soll. Er hört von einem Gamestudium an der Zürcher Hochschule der Künste (ZhdK), steigt ein, arbeitet danach an der ETH mit Serious Games sowie beim Schweizer Studio Bitforge und entschliesst sich dann zu einem Master-Studium, ebenfalls an der ZHdK.

Die Nerdgarage

Auch Moritz Zümbuhl fliegt von der Schule, wird aus dem Gymnasium geschmissen, macht eine Lehre als Applikationsentwickler, würde aber ebenso gerne Geschichte studieren. Er spielt «Civilization» und Zweiter-Weltkrieg-Spiele bis zum Abwinken und organisiert LAN-Partys. Ihn fasziniert, was man durch Games lernen kann und was sie bewirken. «Leute haben wegen mit einem Städtebaustudium begonnen», sagt er. Mit Games könne man Dinge vermitteln, die mit anderen Medien nicht möglich seien. Er sagt: «Ich wollte immer schon selbst Spiele machen.»

Zunächst aber gründet er mit Partnern die Agentur Feinheit, die sich gemäss einem «Tages-Anzeiger»-Artikel selbst als «Nerdgarage mit Kampagnenabteilung» bezeichnet und vor allem Aktionen im NGO- und im sozialen Bereich gestaltet. Nach ein paar Jahren werden Games ein fester Bestandteil der Agentur; mit dem Spiel «Pingwin» sorgt Feinheit erstmals für Aufmerksamkeit. Doch dann folgen schwierigere Projekte: «Meet the Street», das die Aufmerksamkeit im Verkehr thematisiert und «Born to Run», ein Spiel über Doping. Zumbühl und sein Team sind mit der Umsetzung überfordert.

Just zu diesem Zeitpunkt kreuzen sich die Wege von Jeremy Spillmann und Feinheit. Ein Mitarbeiter von Feinheit sieht Spillmanns Zeichnungen in seinem Atelier, es kommt zum Gespräch, und zum eingangs erwähnten Feuerwehreinsatz. Es ist September 2012, für Moritz Zumbühl steht bereits fest, dass ein eigenes Gamestudio gegründet werden soll – und mit Jeremy Spillmann ist der richtige Mann da, um den gemeinsamen Traum zu erfüllen.

«First Strike» hebt ab

«Wir ergänzen uns ideal», sagt Spillmann. Beide interessieren sich für Comics, für Zumbühl sind aber stets auch die Politik und soziales Engagement mit im Spiel. Spillmann hingegen faszinieren fiktive, grosse Welten, die aus unterschiedlichen Winkeln erfahrbar sind. Doch auch er interessiert sich für reale Probleme wie beispielsweise das mittlerweile fast vergessene nukleare Potenzial grosser Nationen.

Aus diesem Zusammenspiel entsteht als Erstes das Blindflug-Projekt «First Strike», ein Game, das den Atomkrieg thematisiert. Offiziell wird das Gamestudio Blindflug zwar erst im April 2014 abheben – mit Spillmann und Zumbühl als Co-Geschäftsführern. «First Strike» wird im März 2014 aber bereits unter diesem Label veröffentlicht. Und es wird zu einer der erfolgreichsten Gameapps der Schweizer Geschichte: Das Spiel erreicht Platz 1 in der Schweiz, Platz 3 in Deutschland und schafft es selbst in den USA auf den 13. Platz. Rund um die Welt hat sich «First Strike» mittlerweile rund 25'000 Mal verkauft – notabene bei einem Preis von 4 Franken pro Spiel.

Mit Games Gutes tun

Nicht alles Geld fliesst aber zurück zu den Machern. Zum Grundprinzip von Blindflug gehören nämlich nicht nur Spiele mit politischem und sozialem Hintergrund (Zumbühl: «Sie müssen dennoch Spass machen!»), sondern auch, dass ein Teil des Ertrags an wohltätige Organisationen geht. Im Fall von «First Strike» wird ein Viertel des Nettoertrags an die International Campaign to Abolish Nuclear Weapons sowie an Greencross gespendet.

Bereits im Sommer will Blindflug mit der Entwicklung des nächsten Spiels beginnen. Ziel sei es, pro Jahr ein bis zwei Games zu veröffentlichen. «Um sich einen Namen aufzubauen braucht vier bis fünf Spiele», weiss Spillmann, schaut den Journalisten wieder direkt in die Augen, während Zumbühl bereits wieder auf dem Handy rumtippt. Kurz schaut er aber auf und sagt: «Wir wollen beweisen, dass man mit Games etwas bewegen kann.»


Gametrailer zu «First Strike»

(Quelle: Youtube)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Daniel D. am 13.05.2014 21:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hut ab!

    Ich als klassicher Applikationentwickler muss meinen Respekt diesen jugem Startup für Ihr Engagement aüssern! Ihr seid klasse.

  • Chregi F am 14.05.2014 00:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Daumen hoch

    und viel Erfolg. Nie aufgeben im Leben

  • Pascal K am 13.05.2014 21:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Cool!

    Geile Nummer! Gratulation wenn man in dem Business soweit kommt!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Chris am 15.05.2014 13:14 Report Diesen Beitrag melden

    Gut gemacht

    Doch verstehe ich den Hype um First Strike nicht, stammt die Gameidee doch von Nuclear War aus dem Jahre 1989 (Amiga). Aufgepeppt mit den Möglichkeiten aus dem Jahr 2014. Aber das es endlich einmal Schweizer Gamedesigner gibt, finde ich super! :-) Weiter so, irgend einmal wird der grosse Wurf schon noch kommen!

  • Chregi F am 14.05.2014 00:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Daumen hoch

    und viel Erfolg. Nie aufgeben im Leben

  • Mathias am 13.05.2014 22:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    2014

    Da ist von März/April 2014 die Rede... Ist das schon vorbei oder geht meine Uhr so falsch?

    • Reto am 13.05.2014 23:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Natürlich ist das schon gewesen.

      Nochmal den Artikel lesen. Das Spiel ist im März herausgekommen und das Studio öffnete offiziell im April. Selbstverständlich ist das schon vergangen, der Artikel berichtet von Dingen die bereits geschehen sind. Oder hast du Wahrsagerei erwartet...?

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  • P.K. am 13.05.2014 21:47 Report Diesen Beitrag melden

    Blubb

    Hat jemand das Spiel schon im Google Play Store entdeckt? Möchte sie gerne 1. für das interessante Spiel, 2. für ihren Mut und 3. für ihr Engagement unterstützen :-)

    • P.S. am 13.05.2014 22:21 Report Diesen Beitrag melden

      nicht kompatibel

      Bei mir steht (im Desktop Browser), das Game sei nicht kompatibel zu meinem Nexus 5. Wieso das?

    • Stefan Meier am 13.05.2014 22:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Iphone

      iPhone kaufen und das Problem hat sich erledigt

    • Cédric Meier am 13.05.2014 23:10 Report Diesen Beitrag melden

      Ja, klar...

      Es ist ein Spiel für Tablets - da kannst du auch dein iPhone vergessen.

    • Cplay am 13.05.2014 23:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Kein iShrot kaufen

      first strike gibts im normalen app store als download oder sonst in anderen stores

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  • Pascal K am 13.05.2014 21:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Cool!

    Geile Nummer! Gratulation wenn man in dem Business soweit kommt!

    • patrick h. am 14.05.2014 15:01 Report Diesen Beitrag melden

      übertreiben

      Ja die sind Meilenweit gekommen... 75'000.- verdient mit dem Game, Wow, entspricht einem Mittelmässigen Jahressalär in irgendeinem Job. Ich kenne kein einziges dieser, sorry, ich kann das nicht "Games" nennen das tut meinem Gamerherz weh. Ist ja schön und gut was die machen aber von weit gekommen ist übertrieben.

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