Stimme für Indies

03. Juli 2014 21:17; Akt: 18.03.2015 15:04 Print

Das neue Schweizer Fenster auf Indiegames

von Jan Graber - Per Zufall entdeckt ein Chemielaborant, dass die Webadresse Indiegames.ch frei ist. Er nutzt die Chance. Seitdem hat die Schweiz eine Medien-Plattform für Independent Games.

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Der Experte für kreative und vielfältige Games: Patrick Seibert von Indiegames.ch. (Bild: Jan Graber)

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Es ist ein magischer Moment und gleichzeitig der Zeitpunkt, an dem er sich entscheiden muss: Als Patrick Seibert aus reiner Neugier im Internet nachschaut, ob die Webadresse Indiegames.ch noch zu haben ist, stellt er zu seinem Erstaunen fest, dass sie tatsächlich frei ist. In diesem Moment weiss er: jetzt oder nie! Er reserviert sich die URL, überlegt sich, wie eine Website über Independent-Games aussehen müsste und startet das Portal Indiegames.ch – eine Plattform, die sich ausschliesslich den Erzeugnissen der Independent-Game-Schmieden widmet. Dabei ist er gar kein Gamejournalist, sondern Chemielaborant.

Spiele haben es dem 25-Jährigen jedoch von klein auf angetan. Früh stellt er aber auch fest, dass ihn die grossen Spiele zu langweilen beginnen. Beim Spielen des Survivalabenteuers «Alan Wake» hat er eines Tages die Erleuchtung: Er merkt, dass ihn die Szenen, die bei Tag spielen und das actionfreie Durchstreifen der Spielwelt erlauben, stärker ansprechen als die nächtlichen, actiongeladenen Horrorszenarien.

Suche nach Abwechslung

Daraufhin macht er sich auf die Suche nach Alternativen zu den Blockbusterspielen und findet sie in den Independent Games. Er entdeckt Spiele wie «Dear Esther», den Actiongamer schnöde als Walking-Simulator abtun, taucht ein in die erotisch-angstvolle Welt von «Catherine» und macht sich auf die Suche nach versteckten Perlen wie «Sriggy Moggful». Auch Schweizer Spiele wie «First Strike» finden den Weg in seine Spielesammlung. «Mich müssen Spiele vor allem emotional bewegen», sagt Seibert. Herkömmliche Kriegsshooter würden nicht die emotionale Tiefe bieten, wie zum Beispiel das Erster-Weltkrieg-Spiel «Valiant Hearts». «Ich suche die Kreativität und den Abwechslungsreichtum in Games», sagt er.

Die Suche nach Informationen zu Indiegames erweist sich indessen als aufwendig. Er schaut sich Youtube-Videos an und konsultiert englische und amerikanische Websites und Blogs. Im deutschen Sprachraum gibt es keine Plattform mit nützlichen Indie-Infos, er muss sich die News mühsam zusammenkratzen. Und er erkennt: Wer das Englische zu wenig beherrscht, ist auf Informationen aus dritter Hand angewiesen. Diese dritte Hand will Patrick Seibert mit Indiegames.ch sein. «Momentan erstelle ich einen Artikel pro Tag», sagt er. Vorerst ist Seibert noch eine One-Man-Show; die Spiele schaut er sich in seiner Freizeit an und schreibt darüber. Er könnte das Portal noch viel intensiver betreiben, sagt er, nur fehle ihm die Zeit.

Nicht für den Profit

Mit der Plattform möchte Seibert auch das Bewusstsein der Gamefans für alternative Spiele wecken. «Viele junge Spieler wie zum Beispiel mein 14-jähriger Bruder interessieren sich nur für Spiele, die sie aus der Werbung kennen», sagt er. Indiegames sind ihnen fremd. Es sei ihm ein Anliegen, den Indiegames eine Plattform im deutschsprachigen Raum zu geben, auch, um sie zu fördern. «Indiegames haben einen wichtigen Einfluss auf die Industrie», sagt er.

Damit Indiegames.ch eine relevante Plattform für die alternativen Spiele wird, hat er von Beginn weg Kontakte in die Szene geknüpft und bekommt die Spiele jeweils auch gratis zum Testen. Geld verdient Seibert mit Indiegames.ch allerdings nicht, trotz eingebautem «Spenden»-Button. Das will er aber auch nicht: «Mir reicht es, wenn die Server und Unterhaltskosten gedeckt sind», sagt er.

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