Spiele-Heftli im Test

14. Dezember 2011 21:26; Akt: 14.12.2011 23:18 Print

Der langsame Tod der Game-Magazine

von Jan Graber - Die einst beliebten Zeitschriften für Gamer verkaufen sich immer schlechter. Einer der Gründe: Die meisten Hefte schreiben seit Jahren am Publikum vorbei. Eine Bestandsaufnahme.

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Game-Magazine gibt es fast so viele wie Pixel in einem «Space Invaders»-Spiel. Viele werden nicht überleben. Wir haben eine Auswahl der wichtigsten Titel unter die Lupe genommen und machen das, was die Magazine mit Games tun: Wir bewerten sie. Die Profis: Mit einer Auflage von 200 000 ist «GamePro» eines der grössten Magazine. Billiges Papier, schlechte Bilder, plumpe Sprache, viele Tests und Previews mit ausführlichsten Bewertungen. Ein Heft für Hardcore-Zocker. Schulnote: 3. GameStar: Aus der gleichen Schmiede wie «GamePro» aber für PC-Spieler. Noch nerdiger, noch techniklastiger, null Stil, null Klasse. Schulnote: 3. «Gamers Plus» nennt sich Deutschland unabhängigs Spielemagazin. Zumindest was das Design angeht, triffts zu. Schöne aufgeräumte Grafik, gutes Papier, schöne Bilder, ein einfaches Bewertungsssysten. Kurz: ein Heft für alle. Note: 4,5. «M!»: Nein, keine Stadt, die einen Mörder sucht, sondern ein Gameheft-Klassiker. Knalliges Cover, witzige Ideen, aber auch sehr viel Hardcore-lastiges, das keinen Menschen interessiert. Note: 4,5. Aus dem Riesenverlag Springer stammt «Computer Bild: Spiele». Auf billigstem Papier gedruckt, die Texte zwischen plump, amüsant und süffisant. Thematisch uninspiriert, vor allem Pre- und Reviews. Ein Heft für die Masse. Note: 4. «PC Games» ist eines der grössten deutschsprachigen Spielmagazine. Aufgeräumtes Layout, gutes Papier, vor allem aber auch ausführliche Pre- und Reviews. Note: 5. Die Perle: «GEE - Games, Entertainment, Education». Das derzeit schönste Gamemagazin mit gut geschriebenen Tests und Vorschauen, aber vor allem auch ungewöhnnlichen Artikeln zur Gamekultur im weitesten Sinne. Schönes Layout, exzellentes Papier. Note: 6.

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Eigentlich müsste die Welt rosig aussehen – zumindest diejenige der Videospiel-Magazine: Immer mehr Menschen verbringen ihre Freizeit mit Games, das Interesse an Berichten über die Pixeluniversen wächst. Die Verkaufszahlen der Magezine sollten abheben wie Super Mario mit seinem Deltasegler im neusten «Mario Kart 7». Doch das Gegenteil ist der Fall, die Branche verliert ständig Leser.

Das Netz ist schneller

In den letzten Jahren sind die Verkaufszahlen der Game-Zeitschriften so zuverlässig eingebrochen wie die Treppen unter Nathan Drakes Füssen im Spiel «Uncharted». In den letzten zehn Jahren sind die Auflagen um rund 40 Prozent gesunken. Woran liegts?

«Zu viele Magazine, die über dasselbe schreiben», konstatiert Moses Grohé, Chefredakteur des Spielmagazins GEE. Und fährt fort: «Das was viele Magazine bieten – Previews , Zahlen, Test, Wertungen – findet man heute viel schneller und aktueller im Netz.»

Ein Blick in die neusten Ausgaben der wichtigsten Magazine bestätigt Grohés Ansicht: Fast ausschliesslich Vorschauen und Tests gespickt mit Zahlen füllen die Spalten von Magazinen wie «GameStar», «GamePro», «M!Games» und Co.

Zur wichtigsten Zielgruppe werden offensichtlich Hardcore-Gamer gezählt. Oder wie der ehemalige stellvertretender Chefredakteur von «GameStar», Christian Schmidt, in einem Spiegel-Artikel süffisant schrieb: «28 Jahre nachdem sie mit den Happy-Computer-Zeitschriften ernsthaft begann, ist die deutsche Spielekritik in einem traurigen Zustand, nämlich im Grossen und Ganzen im gleichen wie vor 28 Jahren.»

«Ein Kniefall von dem Hardcore-Gamer»

Die Inhalte wurden den Gelegenheitsspielern und den Menschen, die im Medium vor allem gute Unterhaltung sehen, nicht angepasst. Da viele der ursprünglichen Leser den Hardcore-Schuhen entwachsen sind, fallen sie als Konsumenten weg. Schmidt im selben Artikel: «Als Computerspiele noch eine Domäne von Hobbyisten waren - über viele Systeme zersplittert, experimentierfreudig und häufig von mieser Qualität - leistete die junge Spielkritik mit ihren einordnenden Empfehlungen einen wertvollen Dienst.»

Heute interessieren sich aber nur noch die am härtest gesottenen Hardcore-Spieler für Framerates und Texturen; Begriffe, ohne die ein «ernsthafter» Game-Journalist indessen nicht auszukommen scheint. Christian Schmidt: «Es ist ein Kniefall vor dem Hardcore-Gamer, der Laientum wittert, wenn im Test nicht erwähnt wird, dass die Gegner bei Beschuss mit Glock-Pistolen manchmal nach links umfallen statt nach rechts.»

Selbsternannte Journalisten-Koryphäen

Für seine Kritik wurde Schmidt umgehend des Verrats bezichtigt. Die Gilde beschützt sich damit vor allem selbst: Analog zu anderen Fachthemen wie Auto, Wein oder Kunst ist auch die Welt des Game-Journalismus besetzt von selbsternannten Koryphäen, die ihre Existenzberechtigung einzig aus ihrem hochspezialisierten Fachwissen beziehen. Was zählt, ist nicht das Interesse der Leser, sondern das Demonstrieren der eigenen Fähigkeiten. Das Resultat: Schwindendes Interesse, schwindende Verkäufe.

Nur wenige Marken wagen es, das Muster zu durchbrechen. Eine der wenigen deutschsprachigen Ausnahmen bildet das Heft GEE, eine Game-Magazin, in dem immer auch ungewöhnliche Themen Platz finden und das sich durch ein unaufgeregtes, stilvolles Design vom Rest abhebt. Ausgerechnet GEE aber hat entschieden, sich aus dem Printgeschäft weitgehend zurückzuziehen und vor allem aufs iPad zu setzen: Monatlich erscheint «GEE Display» als iPad-App. Ganz auf den Print wird nicht verzichtet: «Die Printversion ist als Best-of von je zwei bis drei iPad Ausgaben zu sehen», sagt Chefredakteur Moses Grohlé.

Mehr Kurzfutter

Die Zukunft des Game-Journalismus sieht Grohlé einerseits im Kurzfutter: «Es wird sich in die Richtung von kurzen Buch- und Filmrezensionen entwickeln, die einfach zu konsumieren sind und nur kurze Kaufempfehlungen abgeben.»

Als neue Magazine könne er sich höchstens solche vorstellen, die, ähnlich wie GEE, Nischen abdecken. Ganz verschwinden würden die Fachzeitschriften mit ausführlichen Gametests dennoch nicht. Aber: «Es werden mit Sicherheit noch einige der aktuellen Magazine eingehen.»

20 Minuten Online hat einige deutschsprachige Game-Magazine in der obenstehenden Bildstrecke einem Check unterzogen. Welches Heft ist Ihr Favorit? Und welche Themen wünschen Sie sich im Game Channel von 20 Minuten Online?

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • pcgames abo am 15.12.2011 12:14 Report Diesen Beitrag melden

    pcgames

    habe die PCGames nun seit Jahren abonniert und bin sehr zufrieden damit. Ich schau mir Tests und Previews lieber in einem Heft an als in den meist unübersichtlichen Internet Angeboten.

  • misch am 15.12.2011 12:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    gute seite 

    wenn es um pc news geht,geht meiner meinung nach nichts über computerbase.verfügt auch über ein sehr gutes forum.für spielnews sorgt bei mir pcgh.immer das neuste von spielen,mods etc.ausserdem hab ich noch den pctipp als zeitschrift abonniert.

  • Martin.S am 15.12.2011 13:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gamestar

    Ich bin seit Jahren treuer Gamestar leser und bleibe es weiterhin! Alles andere ist nur Beilage :-)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Bruno Meier am 18.12.2011 10:06 Report Diesen Beitrag melden

    Zu teuer

    Ich kaufe auch keine Hefte mehr. Die Preispolitik welche in der Schweiz betrieben wird, ist einfach nur eine frechheit. Ausserdem kann ich im Internet gleichwertige Infos bekommen ohne tief in die Tasche greifen zu müssen. Wenn eine Zeitschrift in D 5 kostet, wird in der CH gerne mal 12.-- bis 15.-- sFr. verlangt. Mir ist auch klar dass hier noch Transportkosten und sonstige Logistik zum Kaufpreis dazu kommt, aber trozdem finde ich das überteuert. Ausserdem sind die Konsumenten der Gamezeitschriften keine Grossverdiener und werden daher auch zweimal überlegen so viel Geld aus zu geben.

  • SpaceInvaders am 16.12.2011 06:51 Report Diesen Beitrag melden

    Wenig Ahnung von vielem....

    Ob der Einstufungen kann man nur lachen. Natürlich braucht's für "Pausenfüller" wie AngryBirds und ähnliches keine professionellen Tests und Vergleiche, genauso wenig wie es für selbst ins Netz gestellte YouTube-Filmchen eine Filmkritik braucht. Obwohl Gamestar vor Fehlern auch nicht gefeit ist, bringt das Magazin immer wieder Artikel zu Themen und Spielen, die im unverbindlichen Mainstream des ansonsten vorherrschenden Beliebigkeitsjournalismus (..."das muss jeder für sich entscheiden"....) untergehen. Immer wieder lustig, solche Werbetexte...

    • Duderio am 17.12.2011 08:21 Report Diesen Beitrag melden

      Werbetext

      genau deine Meinung!

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  • Thomas P. am 15.12.2011 22:27 Report Diesen Beitrag melden

    Befangen

    Gott sei Dank gibt es Hefte wie PCG Hardware, Gee, Edge etc. Gamestar war noch nie gut. Offensichtlich war vor allem bei der deutschen Presse dass sie für deutsche Entwicklungen immer befangen waren. Ghotic 3 war so verbugt und schlecht, und dennoch schaffte es Gamestar und Co nicht das Spiel zurecht zu zerreissen. Einfach weil es auf deutschen Landen stammte. Benotungen von Spielen, etwas emotionalem und individuellem wie Spielerfahrung kann man nicht benoten, sind so 90er Stil.

    • Tenpenny am 16.12.2011 07:02 Report Diesen Beitrag melden

      Etwas gar einseitige Kritik...

      Das mit Gothic 3 ist teilweise korrekt, deswegen dem meistverkauften Games-Magazin "GameStar" zu unterstellen, es sei "...noch nie gut..." gewesen ist hingegen völlig unsachlich. Würden gleiche Massstäbe bei allen anderen Magazinen - inkl. Online - angewandt, würde wohl keines über das Urteil "katastrophal" hinauskommen. Im übrigen sind Gothic und andere "verbuggte" Spiele - auch aus deutschen Landen - im kritisierten Magazin sehr scharf kritisiert worden. Die "Vorschau" dagegen war wohl etwas zu euphorisch. Aber eben, an diesem Umstand gleich alles aufhängen zu wollen, ist etwas einseitig.

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  • Jamc am 15.12.2011 22:18 Report Diesen Beitrag melden

    Zwei adressen :

    gamespot.com und gamerankings.com ... was will man mehr ?

  • Isch zogge! am 15.12.2011 18:22 Report Diesen Beitrag melden

    Gamestar ftw

    Ich verstehe die schlechte Note für Gamestar nicht. Die Artikel sind hervorragend recherchiert, in meinen Augen angemessen kritisch, und sehr Stilsicher dargestellt. Dass ein Reporter eine Fachzeitschrift als nerdig betitelt, lässt auch schon erahnen, wie ernst man den Artikel nehmen darf. Gamestar ist seit Jahren einer der sicheren Werte, was das Erkennen der Essenz von Spielen anbelangt. Ich zumindest freue mich wenn meine neueste Ausgabe im Briefkasten bereit steht.

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