Scharf drauf

15. Juli 2014 21:09; Akt: 18.03.2015 15:03 Print

Die Gamedesigner, die die Welt erobern wollen

von Jan Graber - Sie haben den Publikumsaward der Startupfair gewonnen und wollen gross herauskommen: das Gamedesignteam ShardLine. Klotzen, nicht kleckern, lautet die Devise.

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Ambitionierte Gameentwickler (von links): Martin Egger (31), Céline Schoch (25), Christina Amstad (25) und Yury Schicker (29) - das Kernteam des Gameentwickler-Kollektivs ShardLine. (Bild: Jan Graber)

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Die Schweiz ist ein kleines Land. Oft auch, was die Mentalität betrifft – es fehlt der Mut zur Grösse. Das gilt auch für die Gameentwicklerszene: Zwei, drei begnadete Gamedesigner schliessen sich zu einem Garagen-Studio zusammen und brüten ein Game aus – eine grafische und spieltechnische Perle, die aber oft nicht einmal die Entwicklungskosten einspielt. Das finanzielle Risiko bleibt damit zwar gering, aber es führt auch zu nichts Grossem.

Das Gamedesignerkollektiv ShardLine will einen anderen Weg gehen und setzt von Beginn weg auf Grösse. Das Kollektiv besteht schon jetzt aus 24 Köpfen – noch bevor überhaupt ein Spiel erschienen ist. Die Mitglieder stammen ebenso aus der Schweiz wie aus den USA, Ungarn und Deutschland. Gegründet wurde das Kollektiv von Martin Egger und Christina Amstad.

Amerikanischer Geist

Doch von Anfang an: Martin Egger und Christina Amstad absolvieren eine kaufmännische Lehre. Amstad untersucht in ihrer Abschlussarbeit die Gameindustrie. Egger wird darauf aufmerksam und merkt, dass sie gleich ticken. Sie überlegen sich, wie es in der Schweiz um den Gamemarkt steht und stellen fest, dass sie hier zwar einen fruchtbaren Boden vorfinden, aber auch, dass es neue Wege braucht, um etwas zu erreichen – den Willen, übers kleine Gärtchen hinauszudenken.

Zu klotzen und nicht zu kleckern lernt Egger an der amerikanischen Full Sail University, wo er nach dem KV studiert und den American Spirit kennenlernt: die Ziele hochstecken, aber die Risiken abwägen und sie eingehen. Egger und Amstad suchen Gleichgesinnte und finden sie im Gamedesigner Yury Schicker, der Finanzexpertin Céline Schoch und dem Produzenten Loris Haas. Sie entwickeln ein gemeinsames Ziel: ein Cloud- und Streaming-Game für PCs und Konsolen namens «Identity Crisis».

Selbst ist der Investor

Mit dem Spiel zielen sie bewusst nicht auf den Tablet- und Smartphonemarkt. «Auf dem Mobilemarkt tummeln sich bereits zu viele», sagt Egger. Sie setzen dagegen auf eine Nische: die Episoden-Abenteuer. Nach dem Vorbild des amerikanischen Publishers Telltale Games («The Walking Dead») wollen sie ihr Action-Adventure-Game in Kapiteln veröffentlichen. Mehr noch: Sie könnten sich vorstellen, eines Tages zu den europäischen Telltales zu werden. Think big.

Noch ist es nicht soweit, erst einmal muss «Identity Crisis» erscheinen. Ein erstes spielbares Demo ist für den Herbst geplant. Gleichzeitig werden Investoren gesucht, Crowdfunding sei derzeit kein Thema. «Momentan sind wir noch unsere eigenen Investoren», sagt Céline Schoch, die die Finanzen im Griff hält. Bis auf die zwei amerikanischen Mitdesigner arbeiten alle gratis und franko und von zuhause aus.

Lauter werden

Die Aufmerksamkeit der Branche und möglicher Geldgeber hat ShardLine schon geweckt. So hat das Kollektiv den Publikumsaward der Zürcher Startup-Messe Startupfair gewonnen. Dies hat das Gamestudio Epic, deren Entwicklersoftware ShardLine nutzt, aufhorchen lassen. Und mögliche Investoren sind ebenfalls auf die Jungunternehmer aufmerksam geworden. Nicht zuletzt, weil ShardLine aus unterschiedlichen Köpfen besteht – vom kreativen Designer über die produktive Skriptwriterin bis zu den wirtschaftlichen Visionären – könnte aus den Plänen also durchaus echte Grösse entstehen.

«In der Schweiz hat es viel Potenzial, aber die Risikofreude fehlt», sagt Yury Schicker. Und Martin Egger schliesst mit einem aufgeschnappten Zitat eines Branchen-Profis: «Wir müssen lauter werden.»

www.shardline.com

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Stevie am 15.07.2014 21:55 Report Diesen Beitrag melden

    Viel Glück

    Ich drück die Daumen, dass die Herrschaften ihr ambitioniertes Ziel erreichen das nötige Know-How und den Ehrgeiz haben sie immerhin!

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  • Dani am 15.07.2014 22:56 Report Diesen Beitrag melden

    weiter so!

    bin gespannt. empfehle auf jedenfall den Anschluss an Steam zu finden; ich persönlich kaufe fast nur noch Spiele da, wie viele andere auch. Mit Steam Greenlight kann man sich auch gut crowdfunden und gleichzeitig alpha/beta tester finden.

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  • Sven am 15.07.2014 22:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Top

    Weiter so, freue mich mal ein Schweizer Spiel zu kaufen!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Zombie am 16.07.2014 21:35 Report Diesen Beitrag melden

    Virus Zombie

    Wie wärs mit einem Zombie shooter gemacht aus bern ch? Schaut mal bei rein. ist halt nur ein one man studio:)

    • DinVater am 20.07.2014 21:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Wo?

      Wo sollem wir reinschauen?? :/

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  • Chällerchind am 16.07.2014 16:32 Report Diesen Beitrag melden

    Und Morgen? Na da werd ich Gamedesigner

    Andere sitzen jahrelang an ihren Projekten im Keller und die haben noch keine Zeile Code aber schon so grosse Töne.. na die werden noch auf die Welt kommen, ich kann auch n Team aus 50 Leuten zusammenstellen.. was dabei rauskommt ist aber ne andere Sache.. Wer nicht selbstständig n brauchbares Spiel auf die Beine bringt hat in der Gamebranche nix zu suchen.. schon gar nicht in den Gründungszeiten eines solchen Kollektivs..

  • Gamer am 16.07.2014 12:55 Report Diesen Beitrag melden

    Steam Early Acess

    Muss das im Auge behalten, sobal man es testen kann werde ich es ausprobieren. Wünsche der Firma viel erfolg, bringt was inovatives Geiles auf dem Markt :-)

    • Martin am 16.07.2014 21:40 Report Diesen Beitrag melden

      Danke

      Danke und das hoffen wir auch :)

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  • Bürger Chris am 16.07.2014 12:45 Report Diesen Beitrag melden

    Welt erobern wollen, wie viele auch

    Ja, die Vier möchten wie viele tausende und aber tausende anderen Menschen die Welt erobern. Viel Glück & Erfolg dabei! :-)

    • Martin am 16.07.2014 21:40 Report Diesen Beitrag melden

      Danke

      Hey, Danke können wir gebrauchen!

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  • Gamer und Cryengine kenner am 16.07.2014 12:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    cloud gaming

    AMD Arbeitet momentan auf cloud basierten game systemen, z.b die wellen bei bf4 werden mit amd cloud graphics berechnet und an den user geschickt. Oder onlive ist auch ein gutes gamestreamdienst, dass ebenfalls mit amd cloud gaming zusammen arbeitet. Also ich würde empfehlen bei advanced micro devices anzufragen, die werden in naher zukunft mit cloud gaming viel zu tun haben. Die ersten grafikkarten sind schon auf dem markt so weit ich das weiss...

    • Martin am 16.07.2014 21:41 Report Diesen Beitrag melden

      Cloud Gaming

      Ja für uns ist die Arbeit von AMD sicher etwas interessantes, aber wir beobachten auch die Gaikai Integration von Sony. Danke für den Hinweis.

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