Aggressionen in Games

05. Mai 2012 23:10; Akt: 05.05.2012 23:10 Print

Endgegner töten fördert das Wir-Gefühl

von Jan Graber - Kooperativ statt aggressiv: Eine neue Studie zeigt auf, dass Gamen den Gemeinschaftssinn fördern kann – zumindest innerhalb des Spiels. Wer zu aggressiv zockt, verliert hingegen meistens.

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Im Angesicht der Übermacht: Sehen sich Teams aus Online-Rollenspielern einem Bossgegner gegenüber, hilft nur koordiniertes Angreifen. Die Gemeinschaft wird gefördert.

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Wenn es um die Effekte geht, die Games auf die Spielenden und das reale Leben haben können, bilden sich in der Regel schnell zwei diametral gegenüberliegende Lager: Die eine Seite sieht Games und insbesondere Egoshooter als Lehrstätten für potenzielle Killer und Amokläufer, die andere Seite hebt dagegen die positiven Lerneffekte, die Schulung von Reflexen und flexiblem Denken sowie die sozialen Kompetenzen hervor, die durch Games gefördert werden.

Nicht nur gut und böse

Beide Seiten haben die gleiche Prämisse: Dass sich im Spiel Erlebtes tatsächlich auf die Realität übertragen lässt. In der Wissenschaft wird dies als «Transfer» bezeichnet. Viele Studien, welche die Effekte von Spielen untersuchen, gehen von diesen Transfers aus – und sie betrachten Gamen unter den Aspekten gut und böse.

Nicht so eine Studie der schwedischen Universität Götheborg, die im März veröffentlicht wurde: Zwar lässt auch sie die Möglichkeit eines Transfers bestehen, betont aber auch, dass man sich seit über hundert Jahren Forschung nicht darüber einig sei, wie und unter welchen Umständen ein Transfer tatsächlich stattfinde.

Wer gemeinsam spielt, siegt

Dessen ungeachtet haben sich die Wissenschafter auf etwas fokussiert, dass zwar Auswirkungen auf die reale Welt haben kann, aber nicht muss: Wie verhalten sich Spieler zueinander, wenn sie im Massive Multiplayer Online Game «The Lord of the Rings Online» während einem sogenannten Raid einen Bossgegner besiegen wollen.

Hierzu wurden willkürlich zusammengestellte Teams beobachtet, in denen sich die Mitglieder nicht kennen. Untersucht wurde, mit welchen Methoden sie die sehr schwierig zu meisternden Bosskämpfe bestanden. Die Wissenschafter stellten fest, dass durch die Bosskämpfe der Gemeinschaftssinn gefördert wurde. Indem sich die Spieler gegenseitig absprechen und aufeinander einstellen mussten, kam es – oft unausgesprochen – zu einem Einverständnis, welcher Spieler welche Rolle übernehmen sollte. Das Resultat leuchtet ein: Wer kooperativ spielt, hat die besseren Chancen, den Gegner zu besiegen. Teams, deren Mitglieder sich zu unbedachtem, einzelgängerischem Handeln verleiten liessen, schlugen sich hingegen schlecht.

Aggression führt nicht zu Aggression

Eine weitere Erkenntnis der Studie nimmt Killerspiel-Kritikern ihre Munition: Die Forscher kamen zum Schluss, dass die in den Games dargestellte Aggression und Gewalt nicht automatisch zu einem aggressiven Verhalten der Spieler führt, sondern im Gegenteil zu überlegtem «Aggro-Management». Die Teams entwickelten Strategien, um die Aggression eines Bossgegners gezielt zur richten, zum Beispiel auf einen bestimmten Spieler, so dass die anderen Teammitglieder den Boss von hinten angreifen konnten. Wer in der vom Spiel erzeugten, aggressiv aufgeladenen Stimmung einen kühlen Kopf bewahrte, war erfolgreicher.

Ob sich dieses Verhalten auf die reale Welt übertragen lässt, wird von den Forschern indessen aus eingangs beschriebenen Gründen in Frage gestellt. Dass sich der Aggressionstransfer nicht auszahlt, können hingegen Vielspieler bestätigen: Jeder, der aus Spielfrust über einen zu schwierigen Level schon einmal ein Gamepad zertrümmert hat, weiss, dass Destruktivität nie zum Ziel führt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ivan Huber am 07.05.2012 06:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Typisch Wissenschaft

    Ständig diese Wissenschaftliche Untersuchungen. Ein Amokläufer wird auch AMOK ohne Egoshooter durchführen. Aber blöderweise findet man meistens solche Spiele bei denen zu Hause ( wie fast in jedem Haushalt ) und zieht dann eine falsche Schlussfolgerung. Ich game solche Spiele seit 16 Jahre off- sowie online. Toller Nebeneffekt: Meine Reaktion ist immer noch schnell und präzise.

  • Bond, James Bond am 06.05.2012 12:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die sache mit dem transfer

    ...übertragen lässt. In der Wissenschaft wird dies als «Transfer» bezeichnet. ... Aha in der "wissenschaft" wird das als transfer bezeichnet. Hahahhaha Wir transferieren ja sonst nie was...

  • M.N. am 06.05.2012 14:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Immer die selbe Leier

    Diese Diskussionen führen doch eh zu nichts. Man sollte einfach spielen wenn man Lust hat und dabei Sport und andere Tätigkeiten nicht vernachlässigen. Verstehe weder 24-Stunden-Zocker noch empörte Nicht-Gamer...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Killerspieler am 07.05.2012 16:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Killergamer

    Das einzige Negative am Gamen ist dass man sich den Finger verstauchen kann oder dass die Wiimote aus der Hand rutscht und einen teuren Schaden anrichtet:)

  • Klaus am 07.05.2012 13:32 Report Diesen Beitrag melden

    Rage gehört dazu

    Ich raste oft aus bei Egoshootern oder anderen Teamspielen, rage halt. Kennt jeder. Fern vom PC bin ich der ausgeglichenste, friedlichste und toleranteste Mensch der Welt. All diese Forschungen und Untersuchungen sind absolut für die Katz. Fragt mal lieber die Gamer selber. Und zwar die echten.

  • Steve Blaser am 07.05.2012 10:53 Report Diesen Beitrag melden

    Rankeds in LoL

    Also wer wirklich lernen will mit Random Mates interagieren und umgehen zu müssen, soll mal Solo-Queue Rankeds in League of Legends spielen. Da wird sich jeder Kommunikationsforscher die Zähne ausbeissen.

    • Firee am 07.05.2012 11:11 Report Diesen Beitrag melden

      LoL FTW!

      Kann ich nur zustimmen. Aber nicht nur in Ranked, sondern auch in Normalen Spielen wird Teamfähigkeit, Kommunikation, Aufmerksamkeit, Taktisches Denken und Kompromissbereitschaft gefordert, jedoch nicht ganz so viel.

    • Karl M am 07.05.2012 13:25 Report Diesen Beitrag melden

      LoL Soloque

      Nope, ich mag soloque, liegt vl daran das ich auf 2,2 spiele

    • Kely am 07.05.2012 16:29 Report Diesen Beitrag melden

      True Stroy, Bro

      Das ist mit Abstand der beste Kommentar den ich hier gerade gelesen habe. Ich musste extrem lachen, weil es einfach die absolute Wahrheit ist. Die einzige Kommunikation dort ist "Mid or feed" oder "buy wards you noob!". Achja League of Legends macht soviel Spass manchmal.

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  • Ivan Huber am 07.05.2012 06:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Typisch Wissenschaft

    Ständig diese Wissenschaftliche Untersuchungen. Ein Amokläufer wird auch AMOK ohne Egoshooter durchführen. Aber blöderweise findet man meistens solche Spiele bei denen zu Hause ( wie fast in jedem Haushalt ) und zieht dann eine falsche Schlussfolgerung. Ich game solche Spiele seit 16 Jahre off- sowie online. Toller Nebeneffekt: Meine Reaktion ist immer noch schnell und präzise.

  • Neue Technik am 06.05.2012 22:21 Report Diesen Beitrag melden

    Faszinierd nunmal

    Ich selbst bin Spieler seit ich 7 bin ich Spielte dazumal Doom Barbarian Wolfenstein einfach alles jetzt bin ich 32 zocke immer noch gerne im Team mit Taktik z.B.Flugsimulatoren etc was gibts schöneres und zur Gewalt in Spielen wie gesagt Spielte ich als Kind Spiele die in Deutschland verboten waren hier in der CH nicht.Bisher kein eintrag im Strafregister u.s.w. früher warens Bücher dan Pop Rock Jetzt Spiele als nächstes die bösen Apps oder wie?Zur Gewalt ich Spiele Killerspiele um Aggresionen abzubauen nicht aufbauen genauso höre ich böse Satansmusik.Bin ich jetzt ein Terrorist????

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