Top oder Flop

10. Januar 2016 12:02; Akt: 11.01.2016 15:33 Print

Für Cyberbrillen wird 2016 zum Schicksalsjahr

von Ill-FiL - Dieses Jahr soll Virtual Reality voll durchstarten. CS-Analyst Uwe Neumann prophezeit der Technologie aber einen holprigen Start.

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Cyberbrillen sind mehr als nur eine Spielerei: Ein Besucher des Institute of Movement Sciences testet Anfang 2016 in Marseille eine Simulation zur Stressbewältigung. Google will laut US-Medien ebenfalls mit einer eigenen Brille in den Virtual-Reality-Markt einsteigen. Mit der Cardboard-Brille hat Google bereits einen günstigen Einstieg in die virtuelle Realität im Angebot. Die neue Cyberbrille soll aus Plastik sein und ebenfalls nur zusammen mit einem Smartphone funktionieren. Die Innovationskraft von Virtual Reality ist unbestritten. Gameentwickler wie etwa Brianna Wu betonen die Vorteile der Cyber-Headsets. Mit keiner anderen Technologie könne man besser Geschichten erzählen, findet die Giant-Spacekat-Mitgründerin. Allerdings überlegen sich seit dieser Woche viele Gamer, ob sie sich tatsächlich eine VR-Brille kaufen sollen. Oculus VR hat nämlich den Preis der Cyberbrille Oculus Rift bekannt gegeben. Sie ist für happige 600 US-Dollar zu haben. Das dürfte vielen zu teuer sein, zumal nur die allerwenigsten PCs die für die Brille nötige Leistung bringen. Doch nicht nur Preis und Systemanforderungen der VR-Brillen könnten zum Problem werden. Die Headsets weisen bisher noch ganz andere Mankos auf. So kritisiert etwa Game-Entwickler Cliff Bleszinski («Gears of War», «Unreal», «Bullet Storm»), dass die Linsen schnell durch Fettspuren vom Gesicht des Trägers verschmieren. Uwe Neumann ist Analyst bei der Credit Suisse: «Da zur idealen Nutzung der neuen VR-Brillen die Anschaffung eines neuen, teuren PCs gehört, sind wir eher vorsichtig und liegen mit unserer Erwartung bei etwa zwei Millionen verkaufter Brillen in diesem Jahr.» Apropos hohe PC-Systemanforderungen: Wer wissen will, ob sein Heimcomputer die für VR nötige Power besitzt, kann vom offiziellen Blog das Oculus-Kompatibilitäts-Tool herunterladen. Auch im Bereich VR gilt dasselbe (ungeschriebene) Gesetz wie bei der Lancierung jeder neuen Game-Peripherie: Bis die ersten wirklich guten Spiele erscheinen, dauert es seine Zeit. Auch das könnte mit ein Grund sein, warum die Cyberbrillen dieses Jahr wohl noch nicht voll durchstarten. Vielversprechend ist aber sicher der zum Oculus-Launch im März erhältliche Space-Shooter «Eve: Valkyrie». Für die Oculus Rift sollen dieses Jahr über 100 Titel erscheinen, darunter auch das Weltraum-Game «Adr1ft». Der Titel wird auch für HTC Vive und Playstation VR erhältlich sein. Ebenfalls ein Cyber-Game-Highlight der ersten Generation dürfte der Shooter «Bullet Train» von «Gears of War»-Entwickler Epic Games werden. Der Actiontitel wird exklusiv für Oculus Rift veröffentlicht. In die Welt des Gangster-Epos «London Heist» werden hingegen nur Playstation-VR-Zocker abtauchen können. Auch unkonventionelle Games, wie etwa das Knobelspiel «I Expect You to Die», in dem man aus einem mit Sprengsätzen und anderen Fallen gespickten Auto entkommen muss, ... ... oder der «Job Simulator» (Rift, Vive, PS VR) gehören zu den interessantesten für VR-Brillen angekündigten Spielen.

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Seit die Firma Oculus VR im Jahr 2012 die Kickstarter-Kampagne zur ersten Virtual-Reality-Brille lancierte, ist die neue Technologie überschwänglich mit Lob überhäuft worden. Für viele wird sie den Game-Markt revolutionieren. Erste Kundenversionen von 3-D-Headsets, die mit Smartphones als Display funktionieren, sind bereits erhältlich. Die technologischen Vorreiter wie Oculus Rift, HTC Vive oder Sony VR sollen in den kommenden Monaten auf den Markt kommen.

Die grosse Frage ist, ob Virtual Reality (VR) den Weg in den Mainstream finden wird. Einen ersten Dämpfer mussten VR-Interessierte diese Woche mit dem Vorverkaufsstart der Oculus Rift hinnehmen. Nicht nur, weil das Gerät stattliche 600 US-Dollar kostet und somit teurer als jede Next-Gen-Konsole ist.

Ein Prozent aller PCs bringen genug Leistung

Vielmehr war bisher davon ausgegangen worden, dass die Pionier-Cyberbrille nicht nur zu PCs mit den Betriebssystemen Windows und Linux, sondern auch zu Macs und der Xbox One kompatibel sein würde.

Pustekuchen: Wie diese Woche bekannt wurde, funktioniert die Oculus Rift (zunächst) nur mit Windows-PCs. Auch ein weiteres VR-Flaggschiff, die HTC Vive, dürfte ab Launch im April lediglich mit PCs harmonieren.

600 Dollar – plus ein neuer PC

Die technischen Anforderungen für die Brillen sind enorm: Nur 1 Prozent der am Markt verfügbaren Computer sei aktuell leistungsstark genug, um die neuen VR-Brillen richtig nutzen zu können, sagt Uwe Neumann, Analyst bei Credit Suisse zu 20 Minuten.

Die meisten PC-Gamer, die auf den VR-Zug aufspringen wollen, müssen sich also neben dem Headset auch noch eine neue Grafikkarte oder sogar einen neuen Computer kaufen. Das wird viele Interessierte davon abhalten, sich noch dieses Jahr eine Cyberbrille zu kaufen. «Unsere Erwartung: In diesem Jahr werden rund zwei Millionen Cyberbrillen verkauft», so Neumann.

«Es geht um mehr als Gaming»

Obwohl VR im Game-Bereich für Neumann nur «sukzessive, aber langsam eine wachsende Bedeutung erlangen wird» und sich «in den kommenden zwei bis drei Jahren auch nur auf diesen Sektor beschränken wird», rechnet der CS-Analyst in den kommenden zehn Jahren mit einer Gesamt-Marktgrösse von 400 bis 600 Millarden US-Dollar. «Der Markt wird auch andere Bereiche unseres Lebens erobern, wie etwa den Reise-, Werbe-, Ausbildungs- oder den Kommunikationsmarkt. «Es geht definitiv um mehr als Gaming», so der Analyst.

VR wird sich also durchsetzen, wenn auch nur mithilfe des Potenzials in den anderen Märkten. Für den Gaming-Sektor gilt indes: Die grossen Player (Facebook beziehungsweise Oculus VR, HTC, Valve, Sony, Samsung) müssen sich als Partner eines sich etablierenden Zweigs der Unterhaltungsindustrie und nicht als Konkurrenten sehen. Nur wenn sie gemeinsam nach Lösungen suchen und VR für alle erschwinglich und erlebbar machen, wird die Technologie tatsächlich zum neuen Gaming-Trend.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ankerkette am 10.01.2016 12:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    VR

    Klingt interessant, aber auch einfach noch zu teuer.

  • der gamer am 10.01.2016 12:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    angespannt

    weiss man schon wie teuer das Produkt von Sony sein wird?

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  • Th3reN am 10.01.2016 12:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mehr Zeit..

    ..Ich bin damals etwas auf der VR Welle mitgeritten und habe die Oculus DK2 bestellt. Mein ganzes Umfeld hat sie ausprobiert. 80% der Leute verspüren nach 5-10 Minuten übelkeit und unwohlsein. Keine Ahnung ob die Technik noch nicht soweit ist oder der Körper die Grenzen setzt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Nialori am 11.01.2016 17:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    fair für Amis

    Ich finde $600 egtl mehr als fair für so eine top Technologie! Das Problem das ich dabei sehe, vor allem als Europäer, ist das zu dem Preis noch zusätzlich Versand und natürlich der währungsunterschied hinzu kommt

  • Mirco Waldmeister am 11.01.2016 13:40 Report Diesen Beitrag melden

    Weiterer fail

    VR wird 2016 auf keinen Fall durchstarten! Zum einten sind die Brillen viel zu teuer, da um diese zu nutzen ein PC der höchsten Klasse gebraucht wird. MINDEST Anforderungen sind 16Gig Ram, eine Gtx 970/80 und ein Prozessor der neuesten Generation. Ein kleiner Prozentsatz der Gamer spielt auf solchen Kisten, laut Steam Statistiken gerade mal knappe 10-20%. Zum anderen gibt es eine winzige Auswahl an Spielen dazu (drei) und der touch Controller kommt wohl erst frühestens Mitte des Jahres heraus. Bis dieses System wirklich "durchstartet" vergehen noch ein paar Jahre.

    • Leon am 11.01.2016 14:39 Report Diesen Beitrag melden

      Sony

      Zum Glück gibt's da noch eine von Sony für die PS4, da braucht man auch keinen neuen PC dafür.. Da muss man sich um Leistung oder fehlende Spiele keine Sorge machen (200 bestätigte PS4-VR Spiele in den nächsten ca. 2 Jahren)

    • Simon am 11.01.2016 16:14 Report Diesen Beitrag melden

      @Leon

      Freu dich da lieber nicht zu früh, es hat sicher einen Grund, dass für die Oculus Rift solche Anforderungen gestellt werden. Die PS4 hat eine schlechtere Leistung, weshalb es ganz sicher irgendwo Abstriche geben wird, vermutlich in der Grafik. Ich hoffe trotzdem, dass die Brille von Sony was wird und freue mich drauf :)

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  • terra am 11.01.2016 12:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wird ein rohrkrepierer.

    Wird leider nix mit dieser Technik. So wie schon Ps Move oder Kinect ist der Preis zu hoch für die Anzahl Spiele die so das Erlebnis verbessern werden. Ein Minecraft müsste komplett andere steuerung eingebaut bekommen um es für die Brillen lohnenswert zu machen. Die Sony Vr Brille wird laut insidern noch teurer. (knapp 1000.- wenn ich mich recht erinnere)

  • Interessierter am 11.01.2016 11:37 Report Diesen Beitrag melden

    Gesundheitliche Folgen?

    Mich würde mal der gesundheitliche Aspekt interessieren. Ist es nicht schädlich einen Bildschirm so nahe an den Augen zu haben?

  • Das Brot am 11.01.2016 11:27 Report Diesen Beitrag melden

    Meiner Meinung nach...

    ... wird VR erstmal ernsthaft in Simulationen Einzug halten. - Seien dies nun Flug- Renn- oder Spacesimulatoren - Hauptsache man sitztz in seinem Vehikel. - Mit der Zeit werden einige spiezielle Spiele kommen und gehen, einige vllt. sogar bleiben. - Bei Shootern u.Ä. wird das Ganze wohl (erstmal) nur sehr begrenzt zum Einsatz kommen, da es meist wohl eher ein Nach- denn ein Vorteil ist. - Interessant find ich auch den Gedanken an VR-Filme - Ganz nach dem Motto: Mittendrin statt nur dabei.

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