Künstler gegen Gamer

09. Dezember 2011 17:21; Akt: 09.12.2011 17:22 Print

Futterneid unter Schweizer Künstlern

von Jan Graber - In der Kulturszene tobt der Verteilkampf um die Gelder vom Bund. Suisseculture, der Verband der etablierten Künstler, will nun den jungen Game-Entwicklern den Hahn zudrehen.

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Wurde von der Pro Helvetia im Rahmem von GameCulture gefördert: Das kunstvolle und international renommierte Spiel «Feist» aus der Schweizer Spielschmiede von Florian Faller und Adrian Stutz.

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Kaum aus der Taufe gehoben, soll die staatliche Förderung der Schweizer Game-Entwickler bereits wieder abgeschossen werden. Dies zumindest hat Hans Läubli, Geschäftsleiter des Dachverbands der Kulturschaffenden, Suisseculture, in einem Gespräch mit der NZZ gefordert. Die Begründung: Die Pro Helvetia, die Schweizer Spiele-Entwickler finanziell unterstützt, solle nicht aus Eigeninitiative fördern, sondern nur Anträge von Seiten der Kunstschaffenden prüfen und allenfalls dann fördern.

«Suisseculture hat Angst um ihre Gelder»

Die Forderung von Suisseculture hat den Schweizerischen Verband der Spielentwickler (IGDA) aufs Tapet gerufen: Matthias Sala, Verbandspräsident des IGDA, vermutet hinter dem Angriff von Suisseculture Futterneid: «Suisseculture hat Angst um ihre Gelder», sagt Sala.

Um sehr viel Geld geht es indessen nicht. Das GameCulture-Programm zur Unterstützung der heimischen Spiele-Entwickler ist vorerst auf drei Jahre angelegt. Für diese Zeit wurde ein Budget von 1,5 Millionen gesprochen – eine halbe Million pro Jahr. Insgesamt kann die Pro Helvetia pro Jahr über 34 Millionen Schweizer Franken für Kulturförderung verfügen. Die Vermutung liegt deshalb nahe, dass es auch um eine Generationenfrage geht.

Auf Anfrage von 20 Minuten Online relativiert Hans Läubli seinen Angriff auf die Game-Entwickler in der NZZ: «Games können Kultur sein und es ist richtig, dass man sie fördert», sagt der Direktor des Dachverbandes der Kulturschaffenden. Und führt aus: «Wenn Gamedesigner mit einem Förderungsantrag an die Pro Helvetia treten, soll ihr Antrag wie bei anderen Künstlern geprüft und gegebenenfalls gefördert werden.»

Verband der Game-Entwickler wehrt sich

In einer offiziellen Stellungnahme zuhanden von Bundesrat Didier Burkhalter weist der Verband der Game-Entwickler die Kritik von Suisseculture als realitätsfremd zurück. International würden Videospiele als wichtiges Kulturgut betrachtet – die Unesco anerkennen die Rolle von Spielen zur Förderung kultureller Vielfalt ebenso wie der Grand Palais Paris, das Museum of Modern Art New York und weitere namhafte Kulturinstitutionen. Die Nationale Stiftung für Kunst (NEA) – eine Institution der US-Regierung – hat im Mai 2011 Games offiziell als Teil des Kunstbetriebs anerkannt.

«Unser Verband ist irritiert, dass Suisseculture das Spiele-Förderungsprogramm GameCulture kritisiert, da hier eine junge Generation von kreativen Kulturschaffenden getroffen wird, die weder durch Suisseculture repräsentiert wird noch regelmässig von der öffentlichen Hand subventioniert wird», führt die IGDA aus. Der Verband der Spiele-Entwickler unterstreicht die künftige wirtschaftliche Bedeutung der Branche mit Verweis auf die neusten Entwicklungen.

So setze die Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH) mit dem Disney Research Lab einen Schwerpunkt im Bereich Computerspielanimation und mit Ubisoft habe eines der international erfolgreichsten Computerspiel-Unternehmen die Schweiz als Standort wegen ihrer Kreativität und den exzellenten Hochschulen gewählt.

Pro Helvetia ist irritiert

Pius Knüsel, Direktor der Stiftung Pro Helvetia, kommentiert den Angriff von Suisseculture diplomatisch: «Die Reaktion ist ein Beitrag zur öffentlichen Debatte, die wir mit GameCulture auslösen wollten. Insofern ist die Stellungnahme wichtig.» Ihn irritiere aber der aggressive Ton des Papiers von Suisseculture, nachdem man wenige Tage zuvor noch mit den Präsidenten der angeschlossenen Verbände zusammengesessen sei. «Gerade von Künstlern hätte ich erwartet, dass sie zukunftsorientiert denken und die Gamedesigner einladen, Mitglied von Suisseculture zu werden», sagt Knüsel.

Vorerst keine Änderung

Ein Vorschlag, den auch der Gameentwickler-Verband macht: «Statt der reflexartigen Abwehrhaltung des etablierten Kulturbetriebes wünschen wir uns eine konstruktive Zusammenarbeit.»

In der näheren Zukunft wird sich für die Game-Entwickler indessen nichts ändern: «Das Programm GameCulture ist beschlossen und wird gemäss Plan zu Ende geführt», sagt Knüsel. Ausgestanden dürfte der Kampf um die Pfründe und die Deutungshoheit über Kunst und Kultur damit aber noch lange nicht sein.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Max Müller am 10.12.2011 10:28 Report Diesen Beitrag melden

    Künstler ohne Verständniss ?

    Besser In Games investieren (die evtl. sogar einmal das Geld wieder reinholen) als in irgendwelche Filme, welche dann nie erscheinen oder andere Dinge welche ein weitaus kleineres Publikum ansprechen. Kunst ist schwer zu definieren aber genau deshalb sollten die Künstler selbst ein wenig offen gegenüber anderen Kunstrichtungen sein, auch wenn sie neu sind ... oder gerade deswegen.

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  • Ralf Macchio am 10.12.2011 04:00 Report Diesen Beitrag melden

    Games? nur immer Games!

    Die Leute sollten sich unabhängig machen und nicht ständig von irgendwelchen Tantiemen leben. Ich habe Respekt vor dieser Kunst aber noch mehr Respekt habe ich vor den Leuten die keine finanzielle Hilfe in Anspruch nehmen wollen. Die Demoszene der Schweiz ist das beste Beispiel, die gibt es seit über 25 Jahren und was die geschaffen haben ist wirklich Kunst. Schade wird in den Medien fast nur über Games berichtet nicht aber über die Demoszene:

  • Massimo Frieri am 09.12.2011 20:55 Report Diesen Beitrag melden

    Eifersucht

    Die Künster sind nur neidisch weil sie sehen dass es Interaktive Kunst gibt wie zum beispiel "Feist", "Braid" oder "Rayman Origins" die ihnen die show stielt. Wir sind nicht mehr im 15. Jahrhundert! Die Luft ist einfach raus bei der Kunst, oder kennt ihr ein Gemälde aus der Neuzeit? ;-)

Die neusten Leser-Kommentare

  • someone am 12.12.2011 11:10 Report Diesen Beitrag melden

    Sorry aber...

    Jemand der nur etwas schnell auf ein Stück Papier hinkritzelt ist für mich kein Künstler. Kunst muss viel Detail enthalten und viel Arbeit (100+ Stunden) in Anspruch nehmen, was die meisten (leider) nicht hinkriegen... Graffiti ist stylishe Kunst.

  • Sky captain am 12.12.2011 04:59 Report Diesen Beitrag melden

    Geld für wichtigeres einsetzen

    Es ist doch irrsinnig das unsere Steuergelder für so einen Mist verschleudert werden. Kultur subvenzionieren ist nun wirklich keine Aufgabe des Staates. Wenn Kultur den Bedürfnissen der Leute entspricht braucht die keine finanziele Hilfe. Ich finde es krass da kein Hahn danach schreit was da für Geld verpulvert wird während der Staat bei sicherheitsrelevanten Dingen die uns jeden Tag betreffen zu wenig Geld investiert.

    • nile am 12.12.2011 10:47 Report Diesen Beitrag melden

      naja

      also es gibt da andere bereiche wo mehr geld verschwendet wird. siehe asylwesen.

    • Heinz am 12.12.2011 12:35 Report Diesen Beitrag melden

      Mainstream und Kultur widersprechen sich

      Mit der Kultur verhält es sich wie mit der Kunst: Neue Ideen und Ansätze halten am Leben. Würde Kultur den "Bedürfnissen" der Leute entsprechen wäre dies reiner Populismus. Man vergleiche mit der Musik: Die Tatsache dass viele Leute die Lieder in der Hitparade mögen (bzw. bestimmen) garantiert noch lange nicht qualitativ hochstehende Musikstücke - im Gegenteil: der Drang zu Popularität verleitet viele Künstler dazu, vorgegebene Stile nachzuträllern und mit möglichst wenig Aufwand möglichst viele Titel zu veröffentlichen. Fazit: Innovation geht nicht ohne Förderung.

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  • Benny Toggbühler am 11.12.2011 13:32 Report Diesen Beitrag melden

    Nichts arbeiten und noch Wünsche haben..

    So ist es halt: Je mehr nicht mehr arbeiten wollen, desto weniger bleibt für den Einzelnen übrig. Ich als Künstler hätte wohl auch Angst, eines schönes Tages doch wieder arbeiten gehen zu müssen

    • Hans Bauer am 12.12.2011 17:01 Report Diesen Beitrag melden

      Künstler arbeiten sehr wohl

      Ein Game zu entwickeln braucht sehr viel Arbeit und Zeit, Kreativität und eine gute Grundidee. Wenn die Entwickler nicht finanziell unterstützt werden kann es auch nicht zu einem grossartigen Spiel kommen. Und verpulvert ist das Geld auch nicht sondern investiert. schaut doch nur mal die Einnahmen von Activison an. Die Spieleindustrie ist nicht zu unterschätzen.

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  • DAve am 10.12.2011 23:54 Report Diesen Beitrag melden

    Subventionitis

    Die Subventionitis nimmt langsam ueberhand. Warum Kunst und die Gameindustrie unterstuetzen aber nicht die (noch nicht existierende) schweizer Autoindustrie? Wer entscheidet denn welche industrie subventionierungswuerdig ist, welche nicht? Der Witz ist doch das die meisten Schweizer Kunestler die was draufhaben doch schon laengst ausgewandert sind, was soll denn noch unterstuetzt werden.

    • Hans B. am 12.12.2011 14:54 Report Diesen Beitrag melden

      Weils um...

      ...Kulturförderung geht. Die Autoindustrie hat wenig bis gar nichts mit Kultur am Hut.

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  • Num Lock am 10.12.2011 19:33 Report Diesen Beitrag melden

    Zusammenarbeit

    Warum arbeiten die Entwickler und Künstler nicht zusammen? Die Künstler erarbeiten konzepte, machen die Grafik. Die Entwickler schreiben den Code dazu. Leute werdet innovativ! Genug mit "ich bin zu gut um nur für Games zu malen" oder "mit solchen Leuten kann ich nicht arbeiten".

    • Pascal W am 11.12.2011 12:41 Report Diesen Beitrag melden

      Gibts schon..

      :)

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