Dumpf ist Trumpf

26. April 2014 13:22; Akt: 26.04.2014 13:29 Print

Gamen ist wie Heavy Metal hören

von Jan Graber - Dumpfbackig und dennoch befriedigend: Gamen und das härteste Musikgenre haben vieles gemeinsam. Nicht nur Gutes, findet unser Gameredaktor.

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Gamen ist wie Heavy Metal: Dumpfbackig, konservativ, adrenalinberauschend - und geil.

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Kürzlich beklagte ich mich bei einem Freund, dass sich die Gamewelt standhaft weigert, erwachsen zu werden. Zwar versuchen Entwickler mit Spielen wie «Beyond Two Souls» und «The Last of Us» ein erwachsenes Publikum zu finden. Dennoch verfallen auch diese Games immer wieder dem gleichen Hau-drauf-Muster. Hauptsache, der Gegner wird ausgeknipst.

Mein Freund, ein Musikjournalist, grinste. «Das ist wie im Heavy Metal», sagte er. Auch hier sei nicht die Vielfalt gefragt. Fans einer Band wollen von ihrer Truppe stets dasselbe hören – mit geringfügigen Variationen. Anders gesagt: Heavy-Metal-Fans sind stockkonservativ.

Mehr vom Gleichen

Dazu zwei Begebenheiten. Juni, 2006, Volkshaus Zürich, vor einem Motörhead-Gig. Um mich herum: erwachsene Männer mit Bierbäuchen und schütter werdendem Haar, viele stecken in abgetragenen Jeans-Gilets, die mit Stickern vollgepappt sind, es herrscht Club-Med-Stimmung. Die Band Motörhead bittet zum Ohrenbluten – und die Fans sehen aus, als hätten sie sich dem Wandel der Zeit gegenüber taub gestellt.

Beispiel Nummer zwei: Zu Beginn ihrer Reunion 2001 stellt die Schweizer Black-Metal-Combo Celtic Frost eine Demo-CD her, mit der sie dem Metal-Genre neue Impulse geben will. Auf der Scheibe befindet sich ein interessanter Mix aus knochenharten Riffs und elektronischen Elementen. Kein Schwein, sprich Label, interessiert sich dafür: CF-Fans wollen CF-Musik – knüppelharten Black Metal düsterster Sorte.

Was dies mit Gamen zu tun hat? Mehr als Sie denken. Zunächst einmal das Alter: In den frühen Siebzigern erblickten sowohl Metal wie auch Games das Licht der Welt. Während Black Sabbath von Gott und Teufel sangen und Led Zeppelin ihr viertes Album veröffentlichten, flitzten zuhause die ersten Pong-Pixel über die Bildschirme. Als die New-Wave-of-British-Heavy-Metal und die Thrash-Welle in den 1980er-Jahren die Welt überrollte, wurden auch Videogames salonfähig.

Von Allmachtsfantasien und Blutlust

Wie viele Games bedient sich auch der Heavy Metal Fantasiewelten: Bands wie Iron Maiden oder die Schweizer Eluveitie erzählen ebenso von alternativen Realitäten wie zum Beispiel das Spiel «Skyrim». Wenn im Metal zu harten Riffs Dämonen, Abgründe und Blutlust besungen werden, entspricht der emotionale Effekt einem Blutrausch im Zombie-Basher «Dead Island». Das Gefühl beim Hören von Metal und beim Berserkern gegen Feinde ist fast deckungsgleich: Hauptsache Adrenalinrausch.

Parallelen lassen sich auch beim Zielpublikum finden: Beide Genres richten sich vorwiegend an ein junges männliches Publikum. Allmachtfantasien, Gewalt und Kompromisslosigkeit gehören zum guten Ton. Mit fortschreitendem Alter wird die Intensität des Lebensgefühls allerdings durch die Erinnerungen daran abgelöst. Alternde Gamer ebenso wie Metal-Fans suchen deshalb die Wiederholung – die Bestätigung, dass immer noch alles so ist wie früher und sich eigentlich nichts geändert hat. Dann ziehen sie sich das Jeans-Gilet über und schwärmen von Spielen wie «Castle Wolfenstein».

Wohltuende Dumpfheit

Aber auch jüngere Gamer sind konservativ: Viele wollen stets mehr vom Gleichen und nichts, das die Erwartungen enttäuscht. Denn es geht ums Grundgefühl beim Spielen; wehe, wenn die Gamebranche etwas Neues wagt! Ein Beispiel? Während sich die Egoshooter-Ausführungen der «Halo»-Reihe über 50 Millionen Mal verkauften, fand das Strategiegame «Halo Wars» gerade mal 2,4 Millionen Abnehmer.

Kurz: Meine Hoffnung, dass die Gamewelt jemals erwachsen wird, hat sich in Luft aufgelöst. Vielleicht ist das gut so: Gamen ist eine emotionale Beschäftigung, die mit Sentimentalitäten und – in einer immer komplexer wirkenden Welt – viel mit der Suche nach einer wohltuenden Dumpfheit zu tun hat. Oder wie es Lemmy Kilmister sagt: «We are Motörhead. We play Rock’n’Roll.» Dasselbe schmucklose Credo gilt auch fürs Gamen. Mehr braucht es nicht.

Lesen Sie hier demnächst unsere musikalische Typologie der Games. Wir vergleichen Rollenspiele mit Art-Rock, suchen nach den Gegenstücken von Hip-Hop und Techno und verraten, welche Games wie Volksmusik sind.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Guran G. am 27.04.2014 13:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Metal/Rock ist vorbildlich

    Aufgewachsen mit Hip Hop später auch in der Hardstyle-Szene und nun auch Alternative Metal und Rock. Sorry seit 2005 läuft nur Müll im Radio. Auch Rock und Metal können Gefühle wie Liebe und Pain ansprechen. Besser als der ganze Goa-Minimal mist. Übrigens ist die Metal-Szene die anständigste und hilfsbereiteste von allen. Beim Frauenfeld wirst du gleich ausgenommen. Beim Greenfield wird Alkohol geteilt und stets mit Respekt miteinander umgegangen. Selbst bei den harten Tänzen nimmt jeder auf jeden Rücksicht und zieht einen gefallenen Kameraden sofort hoch. Selbst ich als dunkler Secondo habe nie den Hauch von Rassismus erlebt.

  • Philipp H. am 27.04.2014 11:44 Report Diesen Beitrag melden

    Hausaufgaben nicht gemahct

    "Gamen" wird wohl in diesem Artikel wieder einmal nur auf sämtliche Baller- / Hack n' Slay-Spiele reduziert, was ich persönlich sehr schade finde. Auch in Sachen "Heavy Metal" werden 2 bis 3 Bands stellvertretend für eine ganze Stilrichtung genannt, was für Gamer welche (unter anderem auch) Heavy Metal hören eine gröbere Beleidigung darstellt. Die Gamewelt als Ganzes dann auch noch als "unerwachsen" zu bezeichnen finde ich die Krönung des insgesamt ziemlich fragwürdigen Artikels.

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  • Tüpflischisser am 26.04.2014 14:21 Report Diesen Beitrag melden

    Dumpfbackig?

    Man sollte sich erstmal mit dem Genre auseinandersetzen, anstatt einfach zu urteilen. Metal ist alles andere als dumpfbackig. Meist sind die Texte sehr tiefgründig und halt nicht beim ersten hören gleich für jedermann verständlich. Auch die Abwechslung kommt nicht zu kurz. die Spanne von Heavy Metal über Death oder Folk Metal bis hin zu Black Metal ist an Abwechslung nicht zu überbieten. Dumpfbackig kann man Justin Bieber, Miley Cirus, Pitbull & Co. betiteln, oberflächlich und kommerziell ausgerichtet und jedes Lied so wie das andere.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Guran G. am 27.04.2014 13:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Metal/Rock ist vorbildlich

    Aufgewachsen mit Hip Hop später auch in der Hardstyle-Szene und nun auch Alternative Metal und Rock. Sorry seit 2005 läuft nur Müll im Radio. Auch Rock und Metal können Gefühle wie Liebe und Pain ansprechen. Besser als der ganze Goa-Minimal mist. Übrigens ist die Metal-Szene die anständigste und hilfsbereiteste von allen. Beim Frauenfeld wirst du gleich ausgenommen. Beim Greenfield wird Alkohol geteilt und stets mit Respekt miteinander umgegangen. Selbst bei den harten Tänzen nimmt jeder auf jeden Rücksicht und zieht einen gefallenen Kameraden sofort hoch. Selbst ich als dunkler Secondo habe nie den Hauch von Rassismus erlebt.

  • Nonym am 27.04.2014 12:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jeder Musikstil wird kritisiert

    Ist schon seltsam wie man sich aufregen kann, wenn jemand den lieblings Musikstil angreift. Die Heavy Fraktion fühlt sich sofort auf die Gitarre getreten. Nunja, der EDM Stil wird um vielfaches mehr durch den Schmutz gezogen und wenn man genau liest, könnte man EDM anstatt Metal in den Artikel einsetzen mit den gleichen bösen Anspielungen lassen. Ich game sehr viel, höre nie metal, schalte Musik der Games (ausser bei GTA Vice City) immer aus und höre auschliesslich seit 1982 nur EDM!!!

  • Philipp H. am 27.04.2014 11:44 Report Diesen Beitrag melden

    Hausaufgaben nicht gemahct

    "Gamen" wird wohl in diesem Artikel wieder einmal nur auf sämtliche Baller- / Hack n' Slay-Spiele reduziert, was ich persönlich sehr schade finde. Auch in Sachen "Heavy Metal" werden 2 bis 3 Bands stellvertretend für eine ganze Stilrichtung genannt, was für Gamer welche (unter anderem auch) Heavy Metal hören eine gröbere Beleidigung darstellt. Die Gamewelt als Ganzes dann auch noch als "unerwachsen" zu bezeichnen finde ich die Krönung des insgesamt ziemlich fragwürdigen Artikels.

    • Andy S. am 27.04.2014 14:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Stimmt zwar, aber..

      Wenn man von den Verkaufszahlen ausgeht macht es keinen Unterschied: Sich wiederholdende Games verkaufen sich weit besser als innovative Spiele. Bsp. für erfolgreiche Wiederholugen: God of War, Halo, Call of Duty, Battlefield, Mario Bros-Spiele (2D), Fifa, pokemon... Innovativere Spiele: Mario 64, Mario Galaxy, Pikmin, Shadow of the colossus, fire emblem

    • xxx am 27.04.2014 21:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Stimmt teilweise

      naja von den verkaufszahlen mag das stimmen. Wobei dies bei der Qualität der spiele nicht undbedingt übereinstimmt. Z.b. das neue God of War war von mir aus ein rechter flopp, wobei the last uf us eines der besten Spiele des letzen Jahres war.

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  • X.H. am 27.04.2014 11:29 Report Diesen Beitrag melden

    Flascher Denkansatz

    Grundsätzlich ist solch ein Artikel reine Selbstbefriedigung. Aber dennoch ein kleiner Denkanstoss meinerseits: Metal, was ein einzelnes Musikgenre ist darf man gerne mit einem einzelnen Gamegenre vergleichen, aber doch bitte nicht mit allen. Sonst könnte man genauso gut sagen "Egoshooter sind immer das gleiche", was auch in sofern stimmt, dass man in der Egoperspektive herumläuft und es oftmals in erster Linie keine Rätselspiele sind. Ensprechend sagt dieser Artikel aus "Metal ist immer dasselbe: Metal". Gratulation zu dieser Erkenntnis und viel Erfolg beim nächsten Job.

  • mr. x am 27.04.2014 11:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ka

    wie kann man sich selbst nur so trollen. er zock selber hat aber ka von metal. und zocken soll dumpf sein? also hat er auch keine ahnung von zocken hmm also ich kenne 100 spiele und die sind alle unterschiedlich. meine oma die nicht mal weiss was gamen ist könnte einen sinnvolleren artikel über games schreiben als du.

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