Kampf der Realitäten

09. April 2015 18:41; Akt: 09.04.2015 18:41 Print

Microsoft lanciert den Brillen-Krieg

von Ill-FiL - Angriff auf die Cyber-Konkurrenz: Kudo Tsunoda von Microsoft betont in einem Interview die Vorteile von Augmented gegenüber Virtual Reality.

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Nachdem die erste VR-Headset-Welle der 1990er-Jahre ziemlich schnell abgeebbt war, machten sich erste Unternehmen bereits in der ersten Dekade dieses Jahrtausends wieder daran, Cyberbrillen zu entwickeln. Hier der Prototyp eines Headsets mit Fast-360-Grad-Sichtfeld von Toshiba aus dem Jahr 2006. Die derzeit wohl bekannteste Cyberbrille ist die Oculus Rift von Entwickler Valve. Das Potenzial von 3-D-Headsets hat auch Mark Zuckerberg erkannt . Da Oculus VR allerdings Vorreiter der aktuellen 3-D-Brillen-Bewegung ist, wirkt die im Headset verbaute Technologie im Vergleich zum einen oder anderen Konkurrenzprodukt fast schon etwas veraltet - obwohl das Headset noch gar nicht offiziell verkauft wird. Eine technisch vielversprechende 3-D-Brille ist . Das Headset soll 2016 erscheinen. Im Bild: 20-Minuten-Gameexperte Ill-FiL an der Gamescom 2014 beim Hands-on mit Project Morpheus. Erst kürzlich präsentierte Sony eine überarbeitete Version von Project Morpheus mit Full-HD-Display-Auflösung, 100-Grad-Sichtfeld und einer Frequenz von 120 Bildern pro Sekunde. Zudem sollen neun LED-Tracker die Position des Nutzers genauer feststellen und sie im virtuellen Raum verankern. Die derzeit wohl fortschrittlichste Cyberbrille ist . Das ausgeklügelte Tracking-System (die sogenannte Lighthouse-Technologie) ermöglicht eine exakte Positionierung des Spielers im Game. Microsoft hat mit der . Wie der Name schon verrät, projiziert das Headset Hologramme (dreidimensionale, digitale Bilder) in die echte Umgebung. Usens hat vor wenigen Tagen mit der Impression Pi eine vielversprechende 3-D-Brille vorgestellt, die mit Gesten gesteuert wird. Derzeit versucht das Unternehmen, die Entwicklung der Pi durch eine Crowdfunding-Kampagne auf Kickstarter zu finanzieren (siehe Video im Artikel). Wird dieses Exemplar das coolste VR-Headset auf dem Markt? Die Avegant Glyph kann als Kopfhörer ... ... und Cyberbrille verwendet werden. Ob sich die Glyph beim Publikum durchzusetzen vermag, bleibt abzuwarten. Die OSVR von Razer bietet in Sachen Funktionalität in etwa dasselbe wie die Oculus Rift. Auch sie setzt auf Open Source und unterstützt das Betriebssystem Linux. Zahlreiche Hersteller entwickeln Cyber-Headsets, die mit Smartphones funktionieren. So zum Beispiel . Auch die von könnten böse Zungen als «stylish designten Handyhalter» bezeichnen. Das Headset ist sicher eines der bestaussehenden VR-Geräte und hat dementsprechend den diesjährigen IF-Design-Award gewonnen. Klobig wirkt hingegen die Archos-VR-Brille. Auch sie setzt auf Smartphones als Bildschirm. Auch im Tiefpreissegment gibt es einige vielversprechende 3-D-Brillen für Smartphones - wie beispielsweise die . Aussen Low-Budget, innen High-Tech. ist ebenfalls ein Handy-Halter, und dazu erst noch einer der umweltverträglichsten. Und auch die an der diesjährigen CeBIT in Hannover vorgestellten Vroggles dürften das Herz von so manchem Karton-Bastler höherschlagen lassen. Immerhin: Das Landeskriminalamt Thüringen setzt Vroggles gemäss Futurezone.at bei Tatortbesichtigungen ein. In die Sparte «Skurriles aus der Cyberwelt» fällt der View-Master von Mattel. Die Brille zum Anschauen stereoskopischer Fotos ist eigentlich schon 75 Jahre alt. Der Barbie-Hersteller hat jetzt aber mit Google zusammengespannt, um die zugegeben etwas angestaubte Technologie mit Smartphones und Virtual Reality kompatibel zu machen. Nicht minder abgefahren mutet dieses Headset an. Die Firma Immersight hat das eher sperrige Gerät entwickelt. Es stellt VR-Versionen von Innenräumen dar, damit Kunden beispielsweise virtuelle Hausbesichtigungen machen können. Noch schnell zurück zu den «herkömmlichen» Cyberbrillen: Erste Firmen haben begonnen, Erweiterungen für die 3-D-Headsets zu entwickeln - wie beispielsweise . Ausserdem verfügt die Erweiterung über einen Gischt-Ausdünster sowie Ventilatoren, die dem Nutzer Wind ins Gesicht blasen. Der FeelReal-Aufsatz ist mit verschiedenen Cyberbrillen kompatibel.

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«Nichts gegen Virtual Reality, aber unsere HoloLens ist einzigartig.» Mit diesen markigen Worten hat sich Kudo Tsunoda von Microsoft zum Thema Virtual und Augmented Reality (VR bzw. AR) geäussert. Der Corporate Vice President sieht den Vorteil der auf AR basierenden HoloLens von Microsoft im Vergleich zu klassischen VR-Brillen (Oculus Rift) in der Vermischung von Realität und Virtualität. Dies sagte Tsunoda in einem Interview mit dem Magazin Game Informer.

Für den Microsoft-Vize bietet AR viel mehr Möglichkeiten als klassisches VR, das den Nutzer lediglich in digitale Welten eintauchen lassen kann. «Geht es um Games, kann man [mit der HoloLens] die echte Welt zum integralen Bestandteil der Erfahrung machen. Das ist etwas total anderes, als man von einer VR-Brille geboten bekommt.»

Kommt nach dem Konsolen- der Realitäten-Krieg?

Tsunodas Äusserung ist weniger als Seitenhieb auf Cyber-Vorreiter Oculus VR denn als Frontalangriff auf den ewigen Konsolen-Konkurrenten Sony zu werten. Die Japaner entwickeln derzeit an einer eigenen 3-D-Brille (Project Morpheus), die nächstes Jahr erscheinen soll. Morpheus setzt im Vergleich zur HoloLens auf klassisches VR.

Lachender Dritter im von Microsoft neu lancierten Brillen-Krieg könnten Google und das vom Suchmaschinen-Giganten unterstützte Unternehmen Magic Leap sein: Beide werkeln nämlich schon an Technologien, die bei der Schaffung neuer Spiel- und Cyber-Erfahrungen die beiden Varianten miteinander kombinieren. Googles Chef-Game-Designer Noah Falstein bezeichnet die Kombination von AR und VR als Transmogrified Reality («verwandelte Wirklichkeit»).


In der Bildstrecke finden Sie eine Zusammenstellung der vielversprechendsten Cyber-Brillen.

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