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20. Juli 2014 13:51; Akt: 20.07.2014 13:52 Print

Moderne Gametrailer sind ganz grosses Kino

von Jan Graber - Gametrailer transportieren heute ähnlich starke Emotionen wie Vorschauen auf die grossen Hollywood-Blockbuster. Ein Filmwissenschaftler erklärt die Parallelen.

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Wie auf Celluloid: Die Filmszene aus dem Videospiel «The Division» vermittelt Gefühle von Tragik und Verlust. Gametrailer gleichen immer mehr Filmvorschauen.

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Manche bezeichnen sie schlicht als Lügen: die Trailer, mit denen Videogames vor ihrer Veröffentlichung beworben werden. Nicht erst seit der kürzlich durchgeführten Messe E3 in Los Angeles investieren die Game-Vermarkter viel Zeit in die auf Hochglanz polierten Teaserfilme. An der diesjährigen Messe wurde indessen eine neue Qualität erreicht: Gametrailer, die den Vergleich mit Filmtrailern von Hollywood-Blockbustern kaum mehr scheuen müssen.

Eine Beobachtung, die der Filmwissenschaftler Simon Spiegel teilt: «Die Ästhetik von Filmen und Games nähert sich immer mehr an», sagt er. Viele Games seien visuell und akustisch kaum mehr von Filmen zu unterscheiden. Die Verwandtschaft wird mit den Trailern noch stärker betont. Als Beispiel nennt er den Trailer des Actionspiels «Tom Clancy’s the Division», das 2015 erscheinen soll. «Bei diesem Clip könnte es sich genauso gut um einen Trailer für einen Kinofilm handeln», sagt Spiegel. Mit dem Resultat, dass der Spieler eigentlich gar nicht erkenne, was seine Aufgabe im Spiel sein wird.

Hier spielt die Musik

Eine zunehmend wichtige Rolle in Gametrailern spielt die Musik. Bereits Trailer wie beispielsweise jener für «Gears of War 3» (2010) wurde mit dem Stück «Mad World» unterlegt, was im Kontrast zu den Bildern starke emotionelle Momente schuf. Die jüngsten Trailer wie etwa für «Dragon Age: Inquisition» oder «Assassin’s Creed Unity» setzen oft auf melancholische Musik. «Die Musik ist eines der wichtigsten Mittel zur Beeinflussung der Publikumsemotionen», sagt Spiegel. Das gilt für Film- ebenso wie für Gametrailer.

Solch stimulierende Gametrailer werden indessen nur für sogenannte AAA-Games hergestellt – Spiele, die sich millionenfach verkaufen. Denn die Herstellung von Gametrailern ist teuer: Für die zwei- bis dreiminütigen Clips müssen spezielle Filmsequenzen entwickelt, programmiert, designt und gerendert werden, hinzu kommen die Kosten für Musik und Musikrechte. Die Herstellung kann schnell mehrere hunderttausend Franken verschlingen.

Möglichst viel zeigen – aber auch nicht alles

Die Aufgabe eines Filmtrailers sei es, dass sich der Zuschauer nach dem Betrachten ähnlich befriedigt fühle, wie wenn er den ganzen Kinofilm schon gesehen hätte, sagt Spiegel. Allerdings muss die Lust, den vollen Film sehen zu wollen, bestehen bleiben. Dasselbe lässt sich auch für die Gamewelt sagen: Mit dramaturgisch eindrücklichen Gametrailern wird eine emotionelle Intensität geschaffen, die beim Betrachten ein Gefühl der Befriedigung auslöst.

«Die implizite Botschaft ist, dass es sich nicht um ein Spiel, sondern um einen interaktiven Film handelt», sagt der Filmwissenschaftler. Verstärkt werde dies bei «The Division» durch die Off-Stimme, welche die emotionelle Komponente betone und Gefühle wie Verlust und Tragödie vermittle. Etwas, das sich in einem Game aber nur schwer transportieren liesse, wie Spiegel betont.

Ausnahmen bilden zwar Games wie «The Last of us» und «Beyond Two Souls» – notabene Spiele, die stark mit filmischen Mitteln arbeiten. Die Erwartung wird indessen oft enttäuscht, weil gespielte Sequenzen diese Emotionalität nicht vermitteln können. Weshalb Gametrailer manchmal eben auch als Betrug bezeichnet werden.

«Gears of War 3»

«The Division»

«Assassin’s Creed Unity»

«Metal Gear Solid: Phantom Pain»

«Rise of the Tomb Raider»

«Dead Island 2»

«Dragon Age: Inquisition»

«Far Cry 4»

«Call of Duty: Advanced Warfare»

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ronny am 20.07.2014 14:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kunst, ja oder nein ?

    Moderne Spiele sollten schon lange als eine Kunstform angesehen werden, sie vereinen Musik, Film, Literatur, Architektur, Skulpturen und Malen ( z.B. artbooks ) in einem. Jeder soll über Videospiele denken was er will, aber bei einem Spiel kann man selbst Entscheidungen treffen, man bestimmt das Tempo und den Spielverlauf. Man sitzt nicht nur 1-2 da und schaut ein paar überbezahlten Menschen zu ( wie im Kino ). Finde aber sowohl Kino auch als Videospiele gut ;)

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  • defari am 20.07.2014 16:02 Report Diesen Beitrag melden

    The Witcher

    Ihr habt den besten Trailer vergessen: The Witcher 3 - Pre-E3 Trailer

  • Zyniker am 20.07.2014 14:59 Report Diesen Beitrag melden

    Mit fällt eher auf...

    ... dass heute quasi alle AAA-Games erst ab 18 sind. Die Spielerschaft und die Entwickler sind schon lange erwachsen geworden, Games machen Milliardenumsätze.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • H4d3s am 24.07.2014 14:26 Report Diesen Beitrag melden

    Trailers

    Ich geniesse Trailers zu schauen, es macht teils sogar mehr Spass als das spiel selbst. Hier noch einige sehr gute Trailer die mir auf die schnelle einfallen: mortal kombat x (E3 Trailer) Star wars the old republic (gibt mehrere Cinematic Trailers) Dark Souls 2 Announcement Trailer Transformers war for cybertron Assassin's Creed 3 (E3 Trailer) und mein favourite "Diablo 3 Akt 4 cinematic Trailer)

  • Zaluster am 23.07.2014 21:27 Report Diesen Beitrag melden

    what the f

    was soll das wieder mit einer Zerpflückung des Sinns ? Ein Trailer soll ein Game präsentieren, den Zuschauer dazu bringen es zu kaufen, punkt fertig. Gott ich vermisse die guten, alten, simplen Zeiten.

  • Ohne mich am 23.07.2014 17:11 Report Diesen Beitrag melden

    EA und Co..

    Tolle Trailer. Nur was bringts wenn die Games nicht mehr spielenswert sind. Da geben die Millionen für nen Trailer und Werbung aus, aber was Spielspass heisst weiss niemand mehr...

  • Dani am 22.07.2014 13:30 Report Diesen Beitrag melden

    Hollywood Müll

    Aber auch die Spiele machen immer häufiger die gleichen Fehler wie Hollywood. Die Trailer sind leblose Zusammenschnitte der spektakulärsten Szenen, und vermögen in den seltensten Fällen Spannung oder Neugierde zu wecken. Die Trailer vor einigen Jahren waren da anders. Das Storytelling leidet aber sowieso immer mehr. Gerade mal eine handvoll Spiele im Jahr vermögen noch zu berühren.

  • Nicolas am 22.07.2014 12:54 Report Diesen Beitrag melden

    CG-Trailer =/= Gameplay...

    Schöner Artikel, jedoch würde ich Trailer bei Games nicht als Betrug bezeichnen. Wer sich auf CG-Trailer verlässt, ist doch eh selbst Schuld. Man weiss ja nicht, worauf man sich einlässt, also sollte man auch nicht gleich «gehyped» werden. Eine andere Geschichte ist die Watch_Dogs-Sache, da könnte man noch eher von Betrug sprechen. Anm.: «Gears of War 3» enthielt den Song «Heron Blue» von Sun kil Moon. Gary Jules' «Mad World» wurde im ersten Trailer von «Gears of War» (2007) gespielt.

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