02. März 2006 04:45; Akt: 01.03.2006 22:28 Print

Nostalgie für Nerds

Längst hat die Spiele-Industrie das kommerzielle Potenzial von Retro-Games entdeckt – doch meist enttäuschen die wiederveröffentlichten Videospiele.

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In ihrer Sentimentalität gleichen alternde Gamer den Vinyljunkies: Während die Schallplattenpuristen ein wohliger Schauer durchläuft, wenn die Nadel durch die Rillen gleitet, schwelgen Spieler zwischen 30 und 40 Jahren gerne in den Zeiten von anno dazumal, als Spiele wie Space Invaders sie ins Universum der Pixel entführten. Oder anders gesagt: Wer jemals den C64-Joystick mit Spielen wie den Summer Games ruiniert hat, gedenkt gerne der guten alten Zeit.

Das Potenzial, das im Vermarkten der Erinnerung an die verlorene Jugend steckt, haben auch Spiele-Entwickler wie Namco oder Midway entdeckt. Indem sie Sammlungen mit Arcade-Klassikern herausbringen, verhelfen sie nicht nur Games wie Dig Dug oder Joust zu einem zweiten Leben, sondern schlagen aus der Wehmut Profit. Mit Erfolg: «Es handelt sich zwar um Nischenprodukte», sagt Sandra Kaufmann, Leiterin des Software-Einkaufs bei Ex Libris, «aber als solche verkaufen sich die Kollektionen sehr gut.» Besonders Retrofans würde zugreifen.

Ein Geschäft mit der guten alten Zeit – und mit der Illusion: Gamer-Oldies sind vom nochmaligen Erleben der Jugend in der Regel schnell enttäuscht. Denn mit der Technologie hat sich auch die Wahrnehmung weiterentwickelt; die Spiele wirken oft so veraltet, wie sie tatsächlich sind. Dass sie überdies meistens schwieriger zu meistern sind als die heutigen Spiele – und wohl auch als erwartet –, hilft ebenfalls nicht. Kommt hinzu, dass sich Namco & Co. wenig Mühe geben, echte Sammlerstücke herzustellen. Ein Blick über den Zaun in den Garten der Popmusik würde nicht schaden: Hier werden Werkschauen eines Interpreten oft als schön gestaltete Boxen mit viel zusätzlichem Bonusmaterial veröffentlicht. Eine Ausnahme bildet die Capcom Classic Collection: Neben vielen alten Spielen und einer gelungenen Menüführung werden hier auch spannende Hintergrundinfos zu den Retro-Games geliefert.

Es verwundert deshalb wenig, dass die in den Achtzigern Geborenen mit den Kollektionen wenig anfangen können. «Alte Gammelspiele sind durch und durch öde, so etwas will heute doch kein Mensch mehr zocken!», mokiert sich etwa ein User auf Golem.de über die Namco Museum Battle Collection. Wer nicht damals von der Pixelwelt verzaubert wurde, kann die Faszination der alternden Gamergarde kaum nachvollziehen. Dass sich diese wiederum von der jugendlichen Überheblichkeit im Innersten getroffen fühlt, überrascht ebenfalls nicht. «Geh mit deiner Xbox 360 spielen und halt den Rand!», lautete prompt die erboste Antwort eines weisen, in Würde ergrauten Nerds.

Jan Graber

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