Klicken statt Kicken

15. Januar 2016 12:25; Akt: 15.01.2016 12:32 Print

Schule ersetzt Turnen durch Game-Unterricht

von P. Stirnemann - Sportmuffel aufgepasst: In Norwegen können Jugendliche erstmals E-Sport in der Schule lernen. Gehört Gaming auch in den Schweizer Lehrplan?

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Eine Oberstufenschule in Norwegen will Schüler zu «Counter Strike»-Profis ausbilden. Jugendliche ab 16 Jahren können ab kommendem August an der Garnes Vidaregåande Skule E-Sport, also kompetitives Gamen, als Schulfach wählen. Dabei soll Gaming den herkömmlichen Turnunterricht ersetzen. Auf dem Lehrplan stehen neben Zocken auch die Schulung von Reflexen, Krafttraining und Ernährungsberatung.

Umfrage
Würden Sie Gamen als Schulfach wählen?
47 %
37 %
14 %
2 %
Insgesamt 4193 Teilnehmer

Gamen statt Fussball: Der neue Lehrplan sieht fünf Lektionen E-Sport pro Woche vor. Ausgebildet werden die Schüler in den bekanntesten E-Sport-Titeln «Dota 2», «League of Legends», «Counter Strike: Global Offensive» und «Starcraft II». Als Lehrer sehe die Schule Profigamer aus der nationalen und internationalen Szene vor, wie Petter Grahl Johnstad von der Garnes Skule auf Anfrage von 20 Minuten sagt. «Wir wollen für jedes der Games einen eigenen Lehrer haben», so der für das neue Schulfach verantwortliche Lehrbeauftragte.So wirbt die Garnes Vidaregåande Skule in Bergen für den E-Sport-Unterricht. (Video: Youtube/Garnes Vidaregåande Skule)

Auch in der Schweiz?

Könnte ein solches Unterrichtsmodell auch hierzulande Schule machen? «E-Sport als Ersatz für ‹richtigen› Sport wird es in der Schweiz sehr schwer haben», ist Alexander Repenning von der Pädagogischen Hochschule Nordwestschweiz in Brugg-Windisch (FHNW) überzeugt. In den USA beispielsweise sei das eine andere Geschichte, da viele Schulen dort gar keinen Turnunterricht anbieten würden, so der Leiter Informatische Bildung an der FHNW.

Games als Schulstoff findet Linda Nussbaumer von der Stiftung Schtifti durchaus sinnvoll: «Wir sind klar der Meinung, dass es richtig ist, in der Schule mit neuen Medien zu arbeiten, denn so findet Schule in der Lebenswelt der Jugendlichen statt», sagt die Pressesprecherin zu 20 Minuten. Die Schtifti stärkt mit ihrem Gesundheitsförderungsprogramm Gorilla das Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen mittels Freestylesport. Allerdings setze sich die Schtifti dafür ein, dass sich die junge Generation mehr bewege. «Daher können wir nicht befürworten, dass Bewegung keinen Platz mehr an einer öffentlichen Schule findet», so Nussbaumer.

Kontroversen programmiert

Vinzenz Kögler bezweifelt, dass das «E-Turnen» in der Schweiz in absehbarer Zeit auf den Stundenplänen der Oberstufenschüler stehen wird: «Es dürfte noch etwas zu früh sein, E-Sport auf die gleiche Stufe der Anerkennung wie herkömmlichen Sportunterricht zu heben», so der Präsident der Schweizer E-Sport-Vereinigung SESF.

Auch für ihn soll kompetitives Gaming nicht traditionelle Sportlektionen ersetzen, sondern wenn, dann ergänzend als Schulfach angeboten werden. «Die körperliche Fitness darf nicht vernachlässigt werden, da sie eine wichtige Rolle für die geistige Fitness spielt.» Selbst wenn der E-Sport-Unterricht ergänzend physisches Training enthalte, bleibe das so, sagt Kögler. Für ihn ist klar, dass «dieser gewagte Schritt» der norwegischen Schule noch einige Kontroversen auslösen wird.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Martin am 15.01.2016 12:50 Report Diesen Beitrag melden

    Nur ergänzend

    Als ergänzendes Schulfach völlig okay, aber als Ersatz für den normalen Turnunterricht absolut falsch.

    einklappen einklappen
  • BillyK am 15.01.2016 12:44 Report Diesen Beitrag melden

    Counterstrike

    Grundsätzlich finde ich das eine gute Idee. Denn professionelles Gaming gibt es heute auch als Beruf und man kann viel Geld damit verdienen. Somit bereitet die Schule die Schüler auf die Berufswelt vor. Nur finde ich sollte es nicht zwingend das Turnen ersetzen. Entweder als Freifach oder dann sollte es Gesangsunterricht o.ä. ersetzen. Physische Bewegung sollte immer noch im Lehrplan erhalten sein.

    einklappen einklappen
  • Tobias N. am 15.01.2016 12:47 Report Diesen Beitrag melden

    So ein Quatsch

    Auch wenn ich selbst gerne Videospiele spiele, sollte in der Schule der NORMALE Sport bestehen bleiben, ist nur gesund für die Kinder, die sonst keinen betreiben.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • skeptiker am 08.02.2016 22:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    gefährlich

    der teambildende aspekt ist sicher interessant, aber solche shooting spiele wie im Beitrag gezeigt, sollten verboten werden.

  • Pro Gamer am 05.02.2016 09:17 Report Diesen Beitrag melden

    gute Idee

    Es ist nicht die Aufgabe der Schule dafür zusorgen, dass die Kinder auch sport betreiben. Solage mann wählen kann zwischen normalem Sport und E-Sport finde ich die Idee super. Wäre gerne dort in die Schule gegangen.

  • k/d-9000 am 19.01.2016 15:25 Report Diesen Beitrag melden

    Sport + eSport

    Im Artikel steht der eSport soll den herkömmlichen Turnunterricht ersetzen, aber Krafttraining sei trotzdem Bestandteil des Wahlfachs. Wenn z.B. von 4 Lektionen im Monat nur 1 auf körperliche Betätigung fallen würde, fände ich das zu wenig. Gerade heute wo es schon den Jugendlichen an Bewegung mangelt. Ergänzend: Ja, ersetzend: Nein Man weiss das viele Pro-Teams der eSport Szene regelmässig Fitness betreiben, um genügend Ausdauer für die eSport-Turniere zu haben.

    • ohne worte am 20.01.2016 08:28 Report Diesen Beitrag melden

      Wenn dann richtig

      Ja wenn e-Sport als Fach dann richtig. Sprich bei 4 Lektionen sind 2 Training und 2 Kraft/Ausdauer Training. Machen die E Sportler nicht anders. Denn E-Sport ist nicht wie viele meinen nur Zocken. Da geht es auch um Team Fähigkeit etc. Wer da ein Einzel Kämpfer ist kommt nicht weit. Genau gleich wie im Fussball ja auch.

    einklappen einklappen
  • Pascal Zweiffel am 19.01.2016 09:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    super Idee

    Ich als Esport Fan finde dies eine geniale idee, sollte aber entweder als zusätzliches Fach oder im Sport Unterricht inbegriffen sein und nicht einfach den Sport komplett ersetzen!

  • Dani am 18.01.2016 13:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kompromiss

    Naja den Sportunterricht abschaffen finde ich den falschen Weg. Lieber Französisch streichen, braucht eh kaum einer, denn die ganze Welt spricht englisch heutzutage, willkommen im Internetzeitalter.

Sudoku
Kreuzwortraetsel
Bubble Shooter