Swiss Games

03. September 2011 13:01; Akt: 18.03.2015 15:33 Print

Schweizer Games kommen ins Rollen

von Jan Graber - Geri Oester entwickelt mit seiner Firma Games2Be Spiele für das iPhone und iPad. Ohne staatliche Gameförderung der Pro Helvetia wäre dies unmöglich.

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Die Geschichte beginnt wie in einem Traum: Geri Oester, 34 Jahre alt, Absolvent der Studienvertiefung Game Design an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK), liegt am Strand in Korsika und zeichnet in sein Ideenbuch. Darin sammeln sich zahllose Skizzen und Zeichnungen zu Gameideen. Oester lässt den Gedanken freien Lauf, pro Tag finden vier bis fünf Ideen ins Buch. Oester hat einen der steinigsten Wege in der hiesigen Arbeitswelt eingeschlagen: er ist Schweizer Gameentwickler.

Umfrage
Soll der Staat Schweizer Gameentwickler fördern?
73 %
21 %
6 %
Insgesamt 453 Teilnehmer

Wunschtraum Gamedesigner

Geri Oester wusste seit seiner Kindheit, dass er Spiele entwickeln wollte. Er stand jedoch vor einem Problem: In der Schweiz fehlten Ausbildungsplätze, der Studienlehrgang Game Design an der ZHdK musste erst noch erfunden werden. Also verschickte er Bewerbungsbriefe in der ganzen Welt, auf der Suche nach einer Lehrstelle. Tatsächlich kam eine Antwort: Das deutsche Studio Sunflowers wollte ihn einstellen. Da verliess ihn der Mut. «Es war für mich zu früh, um wegzugehen», sagt Oester.

Der Samen jedoch war gepflanzt. Oester absolvierte die Kantonsschule Wohlen, begann ein Informatikstudium an der ETH, brach es ab (Oster: «Zu abstrakt»), entdeckte die Kunst und seine Vorliebe für die Zusammenarbeit mit Menschen. Er wurde Sekundarlehrer, wusste aber, dass er in diesem Beruf nicht alt werden wollte. Er widmete sich verstärkt der Malerei – als der ZHdK-Studiengang Game Design ins Leben gerufen wurde. Oesters Chance war gekommen.

Zuwenig Arbeitsplätze

Er bewarb sich um einen Platz und absolvierte als einer der ersten ein Gamestudium in der Schweiz. Und stand somit bereits vor der nächsten Hürde. «Die Schweiz bietet Gamedesigner nicht genügend Arbeitsplätze», sagt Oester. Eigentlich gar keine, denn grosse Studios gibt es hierzulande nicht. Einzig für Handy- und Flashgame-Programmierer gäbe es Jobs, die meisten davon in der Werbung.

Oester wollte jedoch mehr: Er wollte richtige Spiele entwickeln. Er fand seinen ersten Arbeitgeber in Deutschland: Gameforge. Die Firma bestand damals aus 150 Entwicklern und drei Gamedesignern, sollte aber rapide wachsen, denn das Unternehmen ritt auf einer Erfolgswelle. Im Nu zählte Gameforge 370 Angestellte und 30 Gamedesigner – und Oester fand sich in der Rolle eines Managers wieder, der drei Gamedesignern und 15 Entwickler leitete. In dieser Stellung kam er aber nicht mehr dazu, selber Spiele zu entwickeln. Oester wollte aber Spiele von Grund auf selber erstellen.

20 000 Downloads reichen nicht

Bei Gameforge hatte er zudem Max Keilbach kennengelernt. Noch bei Gameforge hatten sie begonnen, neben der Arbeit ein Spiel zu entwickeln. Keilbach und Oester verstanden sich blendend und entschlossen sich, eine eigene Firma zu gründen: games2be. Das brauchte zwar Mut, aber Oester hatte ein wenig Geld zur Seite gelegt.

Bald darauf erschien das iPad- und iPhone-Game «Spoing», ein simples, aber süchtig machendes Plattformspiel (siehe Kasten). Mit 20 000 anfänglichen Downloads startete das Game solide auf dem Markt. Dennoch schaffte es die kritische Masse nicht, um für genügend Aufmerksamkeit zu sorgen und zum Selbstläufer zu werden. Nur die wenigsten Games schaffen dies, Spiele wie «Tiny Wings» oder «Angry Birds».

Harte Konkurrenz

Das Problem: Auf dem Markt buhlen Tausende von Kleinstunternehmen wie games2be mit abermals Tausenden von Games um die Gunst der Spieler. Wessen Spiel hier nicht gleich zu Beginn in die Hitparadenplätze aufsteigt, verschwindet nach wenigen Wochen in der hinteren Rängen der Downloads – dort wo es niemanden mehr interessiert.

Davon lassen sich Oester und sein Partner indessen nicht abschrecken. Nach einem Intermezzo mit einer Feuerwerksimulation namens «Firecraft» – notabene mit 300 000 Downloads – bringen sie pünktlich zum Animationsfilm- und Gamefestival Fantoche ihr neuestes Werk heraus. «Jump N Roll» für das iPad und iPhone ist eines von sieben von der Gameförderung der Pro Helvetia prämierten Spielen (20 Minuten Online berichtete).

Überleben dank Förderung

Ohne die staatliche Föderung wäre es eng geworden für das Game. «Der Beitrag hat uns Luft verschafft», sagt Oester, «Wir konnten damit ein Spiel herstellen, das potenziell erfolgreich ist.» Einfach so kamen sie jedoch nicht zum Geld: Neben einem Spielprototyp musste ein handfester Businessplan eingereicht werden, danach entschied eine Jury über Sein und Nichtsein.

Mit dem Beitrag können games2be und manch anderes Schweizer Gamestudio von der Aufmerksamkeit, die das Fantoche-Festival geniesst, profitieren. «Wir können uns keine grosse Werbekampagne leisten», sagt Oester.

Es geht weiter

Bereits hat games2be ein weiteres Spiel mit dem Arbeitstitel «Plop» im Köcher – ein Spiel mit Suchtpotenzial, das Ende Jahr erscheinen soll. Bis Oester und Keilbach aber vom Gamedesign werden leben können, dürfte weiterhin ein langer Atem notwendig sein. Bis dahin wird Oester weiterhin im Nebenjob unterrichten müssen und an einem Strand am Meer viele weitere Spielideen in sein dickes Buch schreiben.

Eine ausführliche Review zu «Jump’n’Roll», das am 6. September im App Store erscheint, lesen Sie nächste Woche in 20 Minuten und auf 20 Minuten Online.

Das neue Spiel von games2be: «Jump'n'Roll»
Quelle: YouTube

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Rolf Karlen am 04.09.2011 02:53 Report Diesen Beitrag melden

    Stoerend

    Wieso soll gerade die iPhone Gameindustrie subventioniert werden, warum nicht andere Wirscahftszweige die es in der Schweiz nicht oder nur sehr begrenzt gibt, zum Beispiel stellen wir keine Autos her, es gibt keine Schweizer Fernseher, Videospielkonsolen, keine Schweizer Internetsuchmaschinen, Autopneus, keine Bambusproduktion oder Tablet PCs, kein Schweizer Stahlproducktion. Sollten wir die alle unterstuetzen? Wenn eine Firma ein Produkt herstellt dass auf dem Weltmarkt mithalten kann dann braucht es keine Subventionen, und wenn nicht, dann brauchen wir es nciht zu unterstuetzen.

  • Angela Bühler am 06.09.2011 14:01 Report Diesen Beitrag melden

    Gemeinsam für eine junge Branche

    Pro Helvetia leistet wertvolle Arbeit. Während sie sich aber auf Kunst konzentriert und das Betriebswirtschaftliche, Unternehmerische vernachlässigt, wird der Umstand gefestigt, Spieleproduktion sei Fronarbeit. Kleine professionelle Spielhersteller die für ihre Spiele Markt und Kunden haben offerieren derweil Stellen für professionelle Entwickler. Würden in der Schweiz Interessensbereiche anstatt sich schon im Ursprung zu verzetteln stärker zusammenarbeiten und geeinter auftreten wäre einer jungen Branche inkl. Talenten mit einem professionellen Brancheneindruck geholfen.

  • D.Fasel am 04.09.2011 13:37 Report Diesen Beitrag melden

    Let's do it!

    Das Problem ist Leute zu finden, die in erster Lienie nicht das Geld, sondern das Projekt und die Gründung eines Teams oder Firma im Vordergrund sehen. Da mir niemand eine Game Design Ausbildung bezahlt, und ich selber auch nicht die Mittel dazu habe, lernte ich in den letzten 4 Jahren, Game Design in eigener Ausbildung. Das Hauptproblem ist nun, geignete Leute zu finden, die bereit sind alles zu geben um eine Firma oder Team zu gründen. Ich denke, dass vielen Leuten einfach der Mut dazu fehlt und sie darauf warten, in ein bestehendes Unternehmen aufgenommen zu werden.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • studi am 18.09.2011 04:22 Report Diesen Beitrag melden

    böööö

    Sieht ganz nach einem Sonic/Mario - Mash-up aus...

  • frank siegenthaler am 18.09.2011 01:16 Report Diesen Beitrag melden

    0 inovation

    Inovativ ist der Name und das Spielkonzept nicht. Gabs schon auf dem Amiga, eifach mal nach Jump n Roll gogeln und schon taucht ein Video von dem uralten Spiel auf...

  • andreas marty am 06.09.2011 22:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kontakte

    ja, hier in der schweiz ist es sehr schwer leute zu finden.. habe ca 2jahre bei der bekanntesten deutschen hl2mod als leveldesigner mitgeholfen. leider aber wurde die mod aufgelösst weil viele keine zeit mehr hatten und vor allem da die teamleader nichts im griff hatten. es solle doch mal wenigstens ne plattform im internet geben wo sich die schweizer hobbyentwikler zusammenschliessen könnten und wer weis, vieleicht würde da sogar im besten fall ein gamestudio draus entwikeln... ich kenne keinen schweizer der in solchen bereichen zu tun hat..

    • Gian.S am 07.09.2011 07:31 Report Diesen Beitrag melden

      Plattform im Internet

      Das Problem kenne ich nur zu gut. War vor paar Jahren auch an einer HL2-MOD aktiv. Die meisten waren auch aus Deutschland und leider kein einziger Schweizer, da es fast unmöglich ist jemanden zu finden. Eine Plattform im Internet gab es glaub einmal wo Hobbyentwickler aus der Schweiz ihre Projekte vorgestellt hatten, keine Ahnung wie die hiess.

    • Goo Gle am 28.09.2011 15:18 Report Diesen Beitrag melden

      Networking

      Wenn ihr auf der Suche nach solchen Kontakten seid, dann schaut mal bei Networkingplattformen wie z.b Xing nach. Habe dort bei eigener Recherche schon einige Gruppierungen gefunen. Sonst startet halt euche eigene. Denke in der CH ist dies noch eine Marktlücke ;).. Übrigens: mein Kollege und ich sind auch daran interessiert ein Game zu lancieren. Was denkt ihr, Budget 4-6000.- ausreichend? Inkl. Leveldesign und Audios. Kleines Spiel mit In-Game Kaufmöglichkeit!

    • Milez Jones am 03.01.2012 14:43 Report Diesen Beitrag melden

      Professionalität

      Ich glaube es liegt nicht an einer Marktlücke, dass keine Schweizer Games zustande kommen. Seht euch doch mal um: schon hier sind wahrscheinlich die meisten daran interessiert, ein Videospiel zu entwickeln. Es liegt ganz einfach daran, dass jeder eine fantastische Game-Idee hat aber keinen findet, der sie mit ihm umsetzt es fehlt an Professionalität. Wenn ihr wirklich eine fantastische Game-Idee habt, dann überzeugt die Leute davon und sie werden euch helfen diese auch umzusetzen.

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  • Anonymus am 06.09.2011 17:17 Report Diesen Beitrag melden

    Steuergeldverschwendung

    Prinzipiell sollten nur Gamestudios von CH Steuergeldern subeventioniert werden, die in CH Arbeitsplätze schaffen und auch ausbilden. Zudem sollte die Plicht bestehn die SW multiplatform konform zu coden und nicht ausschliesslich für die pseudo-elitären Fallobst Produkte. Finde es erschrecken für was hier Geld zum Fenster rausgeschmissen wird.

    • Ben Tarini am 18.09.2011 00:24 Report Diesen Beitrag melden

      Wo denkst du den hin

      Jungchen was denkst du? Programmierern vorschreiben, in welcher Sprache sie schreiben sollen? Kennste freie Marktwirtschaft und so? Willst du das alle Spiele für Android, Apple, OVI, WP7 und noch kleinere Marktanteile entwickelt werden? Ich schreibe übrigens Games für Android und WP7, benutze persönlich ein iPhone und ein Android (Nexus 1). Subventioniert sollte aber wirklich nur in der Schweiz werden.

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  • Angela Bühler am 06.09.2011 14:01 Report Diesen Beitrag melden

    Gemeinsam für eine junge Branche

    Pro Helvetia leistet wertvolle Arbeit. Während sie sich aber auf Kunst konzentriert und das Betriebswirtschaftliche, Unternehmerische vernachlässigt, wird der Umstand gefestigt, Spieleproduktion sei Fronarbeit. Kleine professionelle Spielhersteller die für ihre Spiele Markt und Kunden haben offerieren derweil Stellen für professionelle Entwickler. Würden in der Schweiz Interessensbereiche anstatt sich schon im Ursprung zu verzetteln stärker zusammenarbeiten und geeinter auftreten wäre einer jungen Branche inkl. Talenten mit einem professionellen Brancheneindruck geholfen.

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