Natur pur

01. Dezember 2018 21:53; Akt: 01.12.2018 21:53 Print

Schweizer Simulation ist das Anti-«Fortnite»

Bauern statt Ballern: Der «Landwirtschafts-Simulator» setzt auch in der Ausgabe 2019 auf Entschleunigung – ein echtes Zeitgeist-Phänomen.

Entspannen in Felsbrunn: «Landwirtschafts-Simulator 2019». (Giants)
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Eines vorweg: Wer beim «Landwirtschafts-Simulator 19» bahnbrechende Innovationen oder aufregende neue Spielmodi erwartet, hat das Spielprinzip nicht verstanden. Gut, ein paar neue Möglichkeiten, das Feld zu bestellen, gibt es. Auch die Maschinen des US-Herstellers John Deere sind erstmals mit dabei und dürften in der Fangemeinde für Begeisterung sorgen. Aber sonst bietet der «LS 19» das Gleiche wie seine Vorgänger: Entschleunigung pur.

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Damit eroberte Giants Software zuletzt alle zwei Jahre die Verkaufscharts. Beim «LS 17» sorgte man sogar für Schlagzeilen, weil man vorübergehend den Shooter-Blockbuster «Battlefield 1» von der Chartspitze verdrängte. Tatsächlich ist das vom Schweizer Entwickler konzipierte Game für PC und Konsolen ein Zeitgeist-Phänomen. Während in der Gameindustrie ein knallharter Wettbewerb um immer schnellere und spektakulärere Spiele stattfindet, setzt die Simulation aufs Gegenteil. Nicht umsonst wurde sie von US-Kritikern als «Anti-Fortnite» angepriesen.

Spannende Landwirtschaft

Das ist nicht zu weit hergeholt. Wer lieber bauert als ballert, ist bei diesem Spiel an der richtigen Adresse. Hektik ist verpönt, hier geht es um die Entdeckung der Langsamkeit. Doch nur Natur pur geniessen ist nicht: Als Agrarökonom muss man entscheiden, wie man seinen Hof führt. Man kann das Feld für die Aussaat vorbereiten. Man kann aber auch im Wald Bäume fällen und verladen. Wer keine Lust auf körperliche Arbeit hat, darf auf dem Viehmarkt Ausschau halten – oder im Feld Kornkreise für Ufo-Freaks mähen. Die Sim ist tatsächlich ein Anti-Shooter.

Inhaltlich ist der «LS 19» vor allem Wirtschaftssimulation. Maschinen, Geräte oder Futter sind nicht gratis. Auf der anderen Seite kann man mit seinen Produkten Geld verdienen. Schliesslich kennt die Bank bei Darlehen keinen Spass. Wer erfolgreich anbaut, kann Geld verdienen und mehr Land kaufen. Ob man als virtueller Bauer das Budget für Traktoren, Vieh oder Felder ausgibt, muss jeder selber entscheiden. Vor allem im Singleplayer-Modus lässt einem dieses Open-World-Erlebnis alle Freiheiten.

Simulationen im Trend

Im Grundspiel stehen diesmal das bayrische Felsbrunn (im Video) sowie das US-Dorf Ravenport zur Verfügung. Als dritte Map wird Estancia Lapacho aus dem «LS17» als kostenlose Mod nachgereicht. Alle Karten verfügen über riesige Äcker zum Bewirtschaften. Neu kauft man aber nicht nur Felder, sondern auch das Umland, denn erstmals darf man Gebäude kaufen und platzieren, aber nur auf eigenem Boden.

Beeindruckend ist auch der originalgetreue Fuhrpark. Der «LS 19» enthält über 300 landwirtschaftliche Geräte – sie sind die eigentlichen Stars des Spiels. Doch letztlich lässt einen der «Landwirtschafts-Simulator 19» den ganzen Bauernalltag erleben. Und wer einmal gespielt hat, weiss: Es hat etwas ungemein Beruhigendes, Felder zu bewirtschaften. Neulinge werden sich vielleicht über das gemächliche Tempo wundern, doch genau das ist der Sinn der Sache.

Der Erfolg von Simulatoren gehört schon seit längerem zu den Phänomenen in der Gameindustrie. Fast alles kann man mittlerweile nachspielen: vom Staubsauger über Ziegen bis hin zum Lastwagenfahrer oder Piloten. In einer zusehends virtueller werdenden Welt stehen solche Spiele für das Alltägliche. Wer der Überforderung seiner Sinne entfliehen will, greift deshalb besser nicht zu «Battelfield V» oder «Fortnite», sondern zum «Landwirtschafts-Simulator 2019».

(srt)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ben am 01.12.2018 22:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pädagogisch wertvoll

    Ich bin seit vielen Jahren schon begeisterter LS Gamer. Ich spiele mit meinem Sohn (9) zusammen. Neben dem Entschleunigen ist vor allem der pädagogische Faktor sehr hoch. Mit 9 Jahren kennt er bei allen Fruchtarten die Abfolge vom sähen bis zum Ernten und welche Maschinen dafür eingesetzt werden.

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  • LS-farmer am 02.12.2018 01:28 Report Diesen Beitrag melden

    160 Stunden

    ich betreibe meinen Bauernhof in LS17 nun über 160 Stunden. Wirtschaftssimulation umschreibt es gut. Man baut Feldfrüchte an, erntet und verkauft diese und das spiel beginnt wieder von vorne. Ich vermisse die zeit mit dem 3-Meter Grubber, deswegen werde ich im LS19 gerne noch einmal neu beginnen. Übrigens eine schweizer Erfindung. Auf einmal interessiert man sich als Stadtmensch für die Geräte die an den Traktoren befestigt sind.

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  • Dumby am 02.12.2018 04:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum Fortnite Vergleich?

    Wieso der Vergleich mit Fortnite? Soll damit gesagt werden, das eine sei besser als das andere?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Penumbra Noctis am 12.12.2018 14:00 Report Diesen Beitrag melden

    C64-Version

    Mein Highlight ist die C64-Version des Landwirtschaftssimulators. Grossartige Idee und fuer 8-Bit eine sehr gute Umsetzung.

  • René Stamer am 06.12.2018 20:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geniale Entwickler

    Ein paar neue?! Mit LWS19 hat Giants so dermassen vieles hinzugefügt und richtig gemacht! Die Jungs dort haben es im Vergleich zu den grossen Publishern geschafft ihr international gefeiertes Spiel erneut zu verbessern und dabei oft auf die Community gehört. Ich kann es jedem nur empfehlen zu kaufen und das Landleben zu geniessen! Ist halt Quality made in Switzerland :)

  • Dr. Logos am 04.12.2018 18:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vintage Is the New Old

    Den FarmSimulator 17 gibts übrigens auch für den C64 :)

  • Roman am 04.12.2018 08:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nicht komplett

    gibt es da auch Subventionen?

    • Muotaman am 05.12.2018 21:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Roman

      Nein!! Weil die Produkte und Erzeugnisse zu einem Kostendeckenden und fairen Preis verkauft werden koennen.

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  • DonkeyKong am 03.12.2018 13:07 Report Diesen Beitrag melden

    "schweizerisch"

    Ausser der Steueroptimierung ist da nicht viel schweizerisch. Die Entwickler sind alle im Ausland.

    • Oscar Wendt am 03.12.2018 14:48 Report Diesen Beitrag melden

      Typisch

      immer negativ sein bravo, einfach mal für andere freuen und die Leistung anerkennen

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