«Duke Nukem Forever»

12. Mai 2011 13:13; Akt: 12.05.2011 14:17 Print

Titten, Gewalt und markige Sprüche

von Oliver Wietlisbach - «Ich hab Eier aus Stahl!» - Duke Nukem kehrt nach 15 Jahren zurück. Was besorgte Eltern die Playstation wegsperren lässt, ist für Gamer eine gelungene Parodie von Macho-Helden.

Nach 15 Jahren ist der Duke zurück. Dumpfe Gewalt und sexistische Szenen ärgern die Killer-Spiel-Gegner. (Quelle: YouTube)
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Blonder Bürstenschnitt, Zigarre im Mundwinkel und stets eine wummernde Knarre in der Hand – das ist Duke, das von Testosteron triefende Muskelpaket mit Sonnenbrille. Gewisse Ähnlichkeiten mit Arnold Schwarzenegger aus den Neunziger-Jahre-Actionfilmen sind unverkennbar. Duke Nukem ist der wohl bekannteste Pixel-Macho und Kult-Hero der gleichnamigen Computer- und Konsolen-Spiele: Badass Duke pinkelt immer im Stehen, zerdrückt rülpsend Bierdosen und reisst Aliens die Köpfe ab. Der letzte grosse Auftritt des Dukes liegt 15 Jahre zurück, doch nun ist die Videospiel-Ikone der Neunziger-Jahre wieder da.

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Erfolgsrezept: Nackte Haut und literweise Blut

Am Erfolgskonzept «Titten, Waffen und reichlich derbe Sprüche» haben die Entwickler nichts geändert. Fans der alten «Duke-Nukem»-Titel werden es mit Genugtuung quittieren und Kritiker von Video-Spielen werden alle ihre Vorurteile bestätigt sehen.

Bereits ein Monat vor dem Verkaufsstart sorgt der in «Duke Nukem Forever» zelebrierte Sexismus für rote Köpfe. Bei der Präsentation des Spiels rief eine angedeutete Oralsex-Szene des Dukes mit zwei jungen Mädchen in Schuluniform noch heiteres Gelächter hervor (siehe obiges Video). Inzwischen laufen Feministinnen und der konservative US-Sender «Fox» allerdings Sturm gegen die Entwickler-Firma.

«Capture the Babe»

Besonders umstritten ist ein «Capture the Babe» genannter Mehrspieler-Modus. Es geht darum eine Frau des gegnerischen Teams zu entführen und ins eigene Lager zu bringen. Wenn das auf dem Rücken getragene Entführungsopfer zu zappeln beginnt, soll es per Mausklick mit einem «beschwichtigenden Klapps» ruhiggestellt werden, schreibt das «Official Xbox Magazine». Für solch «kreative» Ideen hat der Berner SP-Präsident und «Killer-Spiel»-Gegner Roland Näf überhaupt kein Gehör: «Das Frauen- und Männerbild, das in solchen Games vermittelt wird, finde ich nicht nur abstossend, sondern inakzeptabel. Es wird sich bei Jungen auf das Verhalten gegenüber Mädchen auswirken», warnt er.

Adrian Fuertes von der Vereinigung GameRights sieht im Spieleheld «Duke Nukem» eine Karikatur von Macho-Actionhelden wie Arnold Schwarzenegger. Bei «Capture the Babe» handle es sich um einen Scherz, der «eine Übertreibung der Frauenrolle aus den Actionfilmen des späten zwanzigsten Jahrhunderts darstellt», so Fuertes. «Die Rolle des Dukes, das unterwürfige Verhalten der Babes und die dargestellte Gewalt sind derart überzeichnet, dass es als harmlose Satire einzustufen ist», erklärt er gegenüber 20 Minuten Online. Ganz anders sieht dies «Killer-Spiel»-Gegner Näf. «Wäre es ebenso harmlose Satire, wenn die entführten Babes zur Beruhigung noch vergewaltigt würden? Auch in diesem Fall sprächen einzelne Gamer noch von Satire. Besonders jugendliche Gamer identifizieren sich mit dem Helden Duke Nukem, der Babes mit Gewalt erobert. Keine Frau möchte mit Gewalt erobert werden. Die meisten jungen Gamer nehmen ihr sexistisches und gewalttätiges Handeln nicht als satirisch wahr», so Näf.

Entwickler: «Wollen nicht schockieren»

Randy Pitchford, Präsident der Entwickler-Firma Gearbox, versteht die Aufregung nicht: «In «Duke Nukem Forver» werden keine Frauen geschlagen oder vergewaltigt», stellt er auf Anfrage klar. Der «Capture the Babe»-Modus sei lediglich Duke Nukems respektlose Version des traditionellen «Capture the Flag»-Spiels - gestaltet im überdrehten, politisch unkorrekten Geiste der gesamten Duke-Nukem-Marke. Den Duke charakterisiert er als «unflätigen Macho und überspitztes Beispiel des ultimativen Alpha-Männchens.» Der Humor des Spiels sei zu vergleichen mit Filmen wie «The Hangover» oder «American Pie».

«Es ist nicht unser Ziel, die Menschen zu schockieren, aber ich denke, es gibt ein paar Inhalte, die ein wenig gewöhnungsbedürftig sein könnten», wird Gearbox-Chef Pitchford auf «Spiegel Online» zitiert. Ein Blick auf die Website des Spiels vermittelt ein Gefühl, was auf uns zukommen wird. Ein Trailer zeigt Szenen, in denen der Duke mit Fäkalien um sich wirft - in der Tat «ein wenig gewöhnungsbedürftig.»

«Diese Art des Humors ist nicht für jedermann und eindeutig an ein älteres und reiferes Publikum gerichtet», meint Fuertes von GameRights. Deshalb sei es wichtig und richtig, dass das Spiel nicht an Kinder und Jugendliche verkauft wird, ergänzt er. Für Näf, der sogenannte «Killer-Spiele» verbieten möchte, sind die Altersempfehlungen der Industrie Augenwischerei. Altersbeschränkung seien hierzulande bedeutungslos, da es keinen wirksamen Jugendschutz gebe: «Niemand macht sich strafbar, wenn er einem Siebenjährigen nächsten Monat «Duke Nukem Forever» schenkt», betont Näf.

Bei der «Swiss Interactive Entertainment Association», die die Interessen der Spiele-Industrie vertritt, will man sich nicht explizit zu «Duke Nukem Forever» äussern. «Der Verband äussert sich grundsätzlich nicht zu einzelnen Titeln, solange sich diese im gesetzlichen Rahmen bewegen», teilt ein Verbands-Sprecher mit.

Die Duke-Nukem-Sage

Der Ursprung des Dukes geht auf das Jahr 1991 zurück. Ein kleines Game-Studio programmierte ein unscheinbares Ballerspiel. Ein weltweiter Millionenerfolg wurde erst fünf Jahre später der Nachfolger «Duke Nukem 3D». Das Spiel gilt als Meilenstein seines Genres. Zum Erfolg beigetragen haben nicht zuletzt die unverwechselbare Stimme des Dukes, gesprochen vom US-amerikanischen Radiomoderator Jon St. John und seine legendären Sprüche: So ist «Damn, you're ugly» eine Referenz an den Alien-Actionfilm «Predator» mit Arnold Schwarzenegger in der Hauptrolle.

Bereits Ende der Neunziger-Jahre stiegen jedoch die Ansprüche an einen Ego-Shooter. Die Spieler liessen sich nicht mehr mit stupiden Ballerorgien abspeisen. Sogenannte Taktik-Shooter mit teils cineastisch erzählten Storys punkteten bei den Gamern. Aktuelle Titel wie «Portal 2» verzichten gar komplett auf gewalttätige Monster oder Aliens und überzeugen alleine durch die innovative Spielidee.

Die Suche nach dem perfekten Spiel

Angesichts der aktuellen Genre-Vertreter, die auf durchdachte Handlungen und pompöse Grafik setzen, wirkt der Duke im Jahr 2011 etwas angegraut – was kaum verwundert. So war die Fortsetzung bereits für 1998 angekündigt worden. Was in den nächsten 13 Jahren allerdings folgte, gilt wohl als grösstes Trauerspiel der Computer-Spiel-Geschichte.

Die Softwareschmiede 3D Realms vertröstete die wartenden Fans ein ums andere Mal. Es sollte das perfekte Spiel werden. Sobald sich das Projekt jeweils nach mehreren Jahren Arbeit der Fertigstellung näherte, war die Grafik indes bereits veraltet. Die Konkurrenz hatte in der Zwischenzeit neue Referenz-Shooter auf den Markt gebracht und 3D Realms musste nachbessern, wollten sie die Krone der Ego-Shooter zurückerobern. Dieses Spielchen zog sich über ein Jahrzehnt hin. Alle paar Jahre tauchte ein neues Video auf, das die Spieler auf die Rückkehr des Dukes heiss machen sollte.

Nach 13 Jahren Trauerspiel zog Geldgeber Take-Two die Notbremse. Der Game-Publisher brachte die zu perfektionistisch veranlagten Programmierer vor Gericht und stoppte die Finanzierung. 3D Realms musste die Entwicklung von «Duke Nukem Forever» abbrechen und entliess mehrere Mitarbeiter.

Vor zwei Jahren galt das Projekt als gestorben. Richtig überrascht waren die Wenigsten, da kaum mehr jemand an die Veröffentlichung des nächsten Duke-Abenteuers glaubte. Bis im letzten Jahr das Game-Studio Gearbox den Duke unter ihre Fittiche nahm und das Unmögliche anscheinend wahr machte. Am Spielprinzip hat sich in all den Jahren kaum etwas geändert. Im neuen Abenteuer bedrohen einmal mehr fiese, ausserirdische Monster unseren Heimatplaneten. Als die Alien-Rüppel beginnen die Frauen zu entführen, gibt ihnen der Duke mit Pumpgun, Raketenwerfer und Schrumpfkanone Saures. «Warum müssen die auch immer die heissen Frauen kidnappen?», so der genervte Duke.

Duke Nukem kehrt am 10. Juni 2011 zurück, um der Alienbrut ein letztes Mal in den Arsch zu treten. Das Datum sollte als ungefährer Schätzwert verstanden werden.

Systeme: PC, PS3, Xbox 360 und eventuell iOS.

Video: Die Duke-Nukem-Geschichte
(Quelle: ign)

Video: Der erste «Duke-Nukem-Forever»-Trailer von 1998
(Quelle: NUKEMDAVE/YouTube)

Video: «Duke Nukem 3D» von 1996
(Quelle: Forsete/YouTube)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Klaus Kleber am 18.05.2011 17:21 Report Diesen Beitrag melden

    alle anti-gamer haben keine argumente

    ausser "Attentate". Jeder Mörder trug Socken, Ergo, fahre ich täglich mit pot. Psychopathen Zug... Ernsthaft, von den Antigamern wird ja nur das Wandern/NordicWalking akzeptiert... Wenn man Ballergames sperrt aufgrund des Gewaltpotential, muss man das Internet zuerst sperren (Mobilisierungspotential für Massengewalt, Bombenbau, Selbstmordhilfen, Magersucht-Seiten etc). Gamen führt m.E. nach bei normalem Konsum (nicht über 15Std/Woche) nie und nimmer zu Realitätsverlust, hilft einem aber wie eine gute CD zum ausklinken und die Sau raus lassen. Mit dem Maschinengewehr!:) So schöööön....

  • Dareos am 12.05.2011 16:34 Report Diesen Beitrag melden

    Endlich!

    Hail to the King! Endlich! Ich kanns kaum erwarten! Es muss Ewigkeiten her sein... Unfassbar, dass es doch noch kommt, habe schon nicht mehr damit gerechnet!

  • TheDuke am 12.05.2011 13:40 Report Diesen Beitrag melden

    Näf, geh doch nach Hause.

    Näf soll sich endlich aus Dingen raus halten für die er 1. zu alt ist und 2. einfach schlicht NICHT versteht. Der Duke ist eine Parodie eines Feindbildes wie es sich Leute wie Näf wünschen. Politisch unkorrekt in einer nach perfektion strebenden Welt. Ein "Nein Danke!" an die herrschende versnobte Gesellschaftsstruktur. Er holt die Leute vom hohen Ross mit beissendem und schwarzem Humor. Der Duke ist ein Klassiker, will Näf ihn uns wegnehmen, betreibt er kulturelle Zensur wie's die Nazis einst taten. In diesem Sinne lieber Näf - Hail to the King, baby!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Mac_forever am 14.06.2011 09:22 Report Diesen Beitrag melden

    Ist es wirklich schon 15 Jahre her??

    Wie lange habe ich darauf gewartet. Die Rückkehr einer Kultfigur meiner Kindheit. War zu erwarten, dass dieses Spiel die Diskussionen um "Killer-Games" (ich hasse diesen Ausdruck) wieder anheizen würde. Wenn ich so zurückdenke müsste ich heute ein blutrünstiger Psychopath sein, denn bin ich mit einigen der brutalsten Spielen aufgewachsen. Carmaggedon 2, Postal (später auch Postal 2), Quake, Doom und eben auch Duke Nukem 3D. Aber das Gegenteil ist der Fall. Ich verabscheue Gewalt im realen Leben und wenn ich mir die Community solcher Spiele anschaue, sehe ich dort auch keine Amokläufer.

  • Klaus Kleber am 18.05.2011 17:21 Report Diesen Beitrag melden

    alle anti-gamer haben keine argumente

    ausser "Attentate". Jeder Mörder trug Socken, Ergo, fahre ich täglich mit pot. Psychopathen Zug... Ernsthaft, von den Antigamern wird ja nur das Wandern/NordicWalking akzeptiert... Wenn man Ballergames sperrt aufgrund des Gewaltpotential, muss man das Internet zuerst sperren (Mobilisierungspotential für Massengewalt, Bombenbau, Selbstmordhilfen, Magersucht-Seiten etc). Gamen führt m.E. nach bei normalem Konsum (nicht über 15Std/Woche) nie und nimmer zu Realitätsverlust, hilft einem aber wie eine gute CD zum ausklinken und die Sau raus lassen. Mit dem Maschinengewehr!:) So schöööön....

  • thomas ark am 16.05.2011 15:06 Report Diesen Beitrag melden

    der staat muss durchgreifen!

    warum dürfen brutale computer- und videospiele nicht an den pranger und kritisiert werden? seit ihr süchtig nach diesem schrott? das gejammere der so genannten volljährigen gamer ist ja schrecklich und peinlich. wisst ihr das leben nicht zu schätzen oder wieso hockt ihr stundenlang vor der flimmerkiste und beschäftigt euch mit dem töten? wie lange noch wollt ihr die game-industrie in schutz nehmen?

    • Fabian Mint am 16.05.2011 17:51 Report Diesen Beitrag melden

      Unbedingt! PEGI gesetzlich verankern!

      Solange es offensichtlich nötig ist die Industrie zu schützen. Sprechen sie der Gameindustrie die selben Rechte und Pflichten wie der Filmindustrie zu. Dann sind wir einen Schritt weiter.

    • killerspieler na und? am 17.05.2011 00:15 Report Diesen Beitrag melden

      warum immer gegen gamer?

      gute idee dan gehe ich rambo gucken oder ich gehe ins schützeverein oder ich besaufe mich! nein ernsthaft was ist das problem es sind nur computerspiele und das töten gibts überall z.b im filmen oder büchern sogar im theater was wollen sie bewirken mit dem kommentar das wir gamer ausgerottet gehören? wachen sie auf sie haben ein falsches feindbild und sie glauben sicher wenn mann killerspiele verbietet ist die welt wieder ein paradis? Duke is back!! und nicht mit durchgreifen von staat das ist albern und zeitverschwendung denn es gibt schlimmeres!

    • michael regner am 17.05.2011 23:05 Report Diesen Beitrag melden

      der staat muss nicht durchgreifen

      warum können menschen wie sie nicht einfach erwachsenen menschen selber überlassen welchen hobbys sie nachgehen? was mich an meinungen wie ihrer stört, ist diese engstirnigkeit. nach dem motto: "ich find es blöd, doof, unnütz und krank sich vor einen fernsehr respektive monitor zu hocken und zu daddeln... also müssen das alle anderen auch scheisse finden und dürfen keinen spass dran haben" ich kann z.b. auch nix mit den ganzen horror/splatterfilmen anfangen, aber mir würde nicht mal ansatzweise in den sinn kommen anderen menschen vorzuschreiben was sie zu tun und zu lassen haben.

    • Miki Ljubo am 23.05.2011 16:17 Report Diesen Beitrag melden

      Epic Fail

      Ich glaube er spielt nur Monopoly und in der Zwischenzeitl lässt sich sein Frau von einem richtigem Mann, der Killergames liebt bangen.

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  • Jamc am 14.05.2011 18:06 Report Diesen Beitrag melden

    Es nimmt mich wunder

    wieviele von den Juso DNForever kaufen werden.

    • Michael am 20.05.2011 15:14 Report Diesen Beitrag melden

      informieren

      Warum? Die Jusos sind ja explizit gegen irgendwelche Verbote. Zuerst informieren...

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  • Old Gamer am 13.05.2011 20:25 Report Diesen Beitrag melden

    Politiker Aufklähren

    @Politiker: ich erklähre ihnen gerne alles über spiele gleich welcher art. bin über 40ig und habe alles von anfang an mitgemacht was Home Computer/PC Games betrifft. ich wurde durch zwei tolle eltern erzogen die mir die grenzen gezeigt haben. habe ich mal einen "seich" gemacht wurde ich zur rechenschaft gezogen und wusste dann, bis hier und nicht weiter. es gibt gesetze/regeln werden die eingehalten/respektiert, wächst man als normaler mensch auf und ist sich bewust wo die grenzen sind. also, wer nur pro oder contra sieht und sich nicht informiert, hat auch kein recht über andere zu richten.

    • Klaus Kleber am 18.05.2011 17:22 Report Diesen Beitrag melden

      jawohl

      eben: NICHT DIE GAMEINDUSTRIE BÜSSEN, sondern die Eltern, welche nicht wissen, welche Werte sie ihren Kindern wie mitzugeben haben...

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