#MeToo-Moment

06. September 2019 20:27; Akt: 06.09.2019 20:27 Print

Vergewaltigungsvorwurf gegen Game-Komponist

Kriegt nun auch die Gamebranche ihre #MeToo-Bewegung? Eine Spieldesignerin erhebt deutliche Anschuldigungen gegen einen Komponisten.

Schwere Vorwürfe gegen den Soundtrack-Komponisten des Fantasy-Games «Skyrim». (YT)
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Sexuelle Übergriffe und Belästigungen in der Gamebranche? Lange Zeit war dieses Thema ein Tabu. Ausser dem Fall des berüchtigten Atari-Gründers Nolan Bushnell wurden nur sehr wenige Namen publik. Bis jetzt. Denn in den vergangenen Tagen wurde gleich mehreren bekannten Videospielentwicklern vorgeworfen, dass sie sexuellen Missbrauch in irgendeiner Form begünstigt oder selber ausgeübt haben sollen.

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Den Stein ins Rollen gebracht hat die Kalifornierin Nathalie Lawhead. In einem Blogeintrag mit der Überschrift «Calling Out My Rapist» («Meinen Vergewaltiger benennen») gab sie an, vom erfolgreichen Soundtrack-Komponisten Jeremy Soule (unter anderem Musik für Games wie «The Elder Scrolls», «WoW», «Skyrim») vergewaltigt worden zu sein. Der Vorfall soll sich im November 2008 ereignet haben.

Angst vor Konsequenzen

In ihrem Bericht gab Lawhead an, dass sie jetzt öffentlich machen wolle, was sie in den vergangenen Jahren durchgemacht habe. Es sei ihr egal, «was sie mir antun werden oder was die juristischen Folgen sein werden. Es ist zu schwer, nichts zu sagen, ich halte das nicht länger aus. Und ich hoffe, andere Frauen vor ihm schützen zu können, indem ich meine Geschichte öffentlich mache», schreibt sie.

Wie Lawhead berichtet, nahm sie vor elf Jahren einen Auftrag eines kanadischen Studios an, den sie als Türöffner in die Gameindustrie betrachtete. Das Projekt sei jedoch schlecht gemanagt worden, was ihren Arbeitsaufwand deutlich gesteigert habe. Dennoch blieb sie an Bord, weil ihre Karriere laut eigenem Empfinden von diesem Job abhängig war.

In ihrem Eintrag erzählt sie weiter, wie sie Soule nach einer Weihnachtsfeier in der Branche kennen gelernt habe und mit ihm ihr Leid habe teilen können. Sie habe ihm aber von Anfang an klar gemacht, dass sie nur an einer Freundschaft interessiert sei. Doch dann habe der Komponist begonnen, ihre Position in der Firma zu bedrohen und ihr Angst zu machen. Als Lawhead ihn abwies, habe Soule sie vergewaltigt. Die mehrfach ausgezeichnete Gamedesignerin berichtet, wie sie danach Angst gehabt habe, ihren Job zu verlieren, wenn sie sich gegen den bekannten Komponisten zur Wehr gesetzt hätte. Auch nach dem Vorfall soll Soule sie weiter belästigt haben. Als Beweise teilte die Designerin mehrere E-Mails auf ihrem Blog.

Kein Einzelfall

Das Outing blieb nicht ohne Folgen. Andere Entwicklerinnen berichteten über eigene Erfahrungen in der Branche. Einige Frauen beschrieben, wie sie begrapscht wurden. Andere schilderten, wie Männer versucht hätten, sie mit dem Versprechen, ihnen Jobs zu vermitteln, in Hotelzimmer zu locken.

Angeprangert wurde unter anderem Designer und Komponist Alec Holowka, und das nicht ohne Konsequenzen. Die Entwickler des Indie-Hits «Night in the Woods» trennten sich von Holowka, der das Spiel mitentwickelt hatte. «Wir haben viele Nachrichten bekommen, viele davon voller Schmerz und Wut», begründete Ko-Entwickler Scott Benson den Schritt. Wenig später gab auch der Entwickler von «Towerfall» bekannt, man habe die Kooperation mit Holowka beendet. Der Komponist hatte die Musik für das Spiel gemacht. Diese Woche hat der Fall jedoch eine dramatische Wendung genommen, indem sich Alec Holowka das Leben genommen hat. Laut den Aussagen seiner Schwester litt er an einer psychischen Erkrankung.

(str)

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