Gamer in Ekstase

21. Mai 2012 11:57; Akt: 24.05.2012 10:15 Print

Verliebt in «Diablo» oder Apples iPhone

von Jan Graber - Apple ist der Meister darin, doch auch Spiele wie «Diablo 3» lassen ihre Fans im Kollektiv hyperventilieren. Was hinter einem solchen Hype steckt? Ein Mix aus Exklusivität und Hormonen.

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Der Hyperhype: Wegen des Hack'n'Slay-Abenteuers «Diablo 3», das am 15. Mai veröffentlicht wurde, haben zahllose Gamer freigenommen. So viele, dass nicht nur das Spiel im Nu ausverkauft war, sondern die Spiel-Server sich gleich auch verabschiedeten. Spiel der Begierde: Lara Croft kehrt in einem der wohl am heissesten erwarteten Action-Adventures auf die Konsolen zurück: «Tomb Raider». Ins binäre Nirvana befördert der Superschuss ihre Feinde voraussichtlich ab März 2013 auf PS3 und Xbox 360. Als der Spielpublisher Activision am 1. Mai den ersten Gametrailer zu «Call of Duty: Black Ops 2» veröffentlichte, stieg der Internet-Buzz laut Nielsen Incite an einem Tag um 400 Prozent. Das Spiel erscheint am 12. November für PS3, Xbox 360, PC, Wii und DS. Bereits der Vorgänger «GTA IV» hatte zu einem der am meisten gehypten Games gehört, als das Action-Adventure 2008 erschien. Der Nachfolger soll im März 2013 für PS3 und Xbox 360 erscheinen und wird mindestens so heiss gehandelt. Nachdem mit «Bioshock» und «Bioshock 2» zwei Kracher des Egoshooter-Genres erschienen waren, ist die Spannung, mit dem der Nachfolger «Bioshock Inifite» erwartet wird, entsprechend gross. Das Spiel soll im Februar 2013 für PS3, Xbox 360 und PC erscheinen. Ausgaben von «Resident Evil» sorgen regelmässig für Hypes, seit die Survivalhorror-Games meistens Bestnoten erhalten hatten. Mir «Resident Evil 6» erscheint am 1. Oktober 2012 der nächste Teil für PS3 und Xbox 360. Die PC-Version soll im Januar 2013 folgen. Von den Machern von «Shadow of the Colossus» und «Ico» kommt das Spiel «The Last Guardian». Nachdem die früheren Games als schönste und kunstvollste Games in die Geschichte der Videogames eingegangen sind, sind die Erwartungen für «The Last Guardian» entsprechend hoch. Das Spiel soll noch 2012 für die PS3 erscheinen. Bei manchen Games macht bereits der Titel neugierig: Das Endzeit-Abenteuer «The Last of Us» gehört dazu. Grosse Erwartungen schürt das Action-Adventure aber vor allem wegen des Entwicklers: Naughty Dog ist nämlich verantwortlich für die «Uncharted»-Reihe. Das Spiel soll noch 2012 für die PS3 erscheinen. Ebenfalls mit Spannung erwartet wird dieses Jahr eine neue Spielhardware - die Wii U. Sie soll im Oktober 2012 auf den Markt kommen. Der Meister kehrt zurück: Im Spiel «Halo 4» zieht der Masterchief erneut gegen die Aliens los. Die Games der «Halo»-Reihe brachen bei Verkaufsstart regelmässig Rekorde. «Halo 4» lässt Masterchiefs ab dem 6. November auf der Xbox 360 auf die Aliens los. Als «Far Cry» 2004 erschien, wurde Egoshooter-Geschichte geschrieben: Nie zuvor hatte ein Shooter so gut ausgesehen und war vergleichbar gut ausbalanciert. Erste Einblicke in «Far Cry 4» sorgen bereits jetzt fürs Zucken im Abzugsfinger von Ballermännern. Das Spiel erscheint am 5. September für PS3, Xbox 360 und PC.

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Der letzte ist erst ein paar Tage her: Letzte Woche gab es einen Hype. Doch diesmal standen nicht Apple-Jünger Kopf, sondern die Game-Community. Der Auslöser für die millionenfache Synchron-Hysterie: Das PC-Spiel «Diablo 3». Über zehn Jahre mussten Fans auf das neue Abenteuer warten. Als es erschien, kam die Veröffentlichung einem Heilsversprechen gleich.

Der Hype um «Diablo 3» ist indessen nur einer in einem sich stets wiederholenden Spiel: Jedes Jahr bringen Gamepublisher mehrere heiss ersehnte Titel auf den Markt, die bereits Monate vor der Veröffentlichung in Fankreisen zum sogenannten «Buzz» führen: dem Twittern, Chatten und Bloggen über das Spiel. Jedes kleinste Detail wird gierig aufgesogen. Damit der Hype just zur Veröffentlichung kulminiert, wird zudem eine massive Marketingmaschinerie angeworfen. Doch was braucht es, damit die kollektive Begeisterung für ein «simples» Produkt entflammt?

Auf der Suche nach dem Kick

«Die Menschen lieben emotionale Achterbahnfahrten», sagt Karin Frick, Forschungsleiterin im Gottlieb Duttweiler Institut, einer Organisation, die sich mit Trends auseinandersetzt. Die Suche nach dem sich stets wiederholenden Kick sei eine der Hauptursachen für Hypes. «Wir sind gefühlsgesteuerte Wesen», sagt die Forscherin. Eine Form von Alltagsflucht will sie dahinter nicht sehen, sondern vielmehr die Lust auf die stetige Stimulation.

Mit dem Internet und den Social-Media-Netzwerken ist der Kreislauf der Hype-Zyklen zudem schneller geworden. «Die härteste Konkurrenz für einen Hype ist der nächste Hype», sagt Frick. Social-Media-Plattformen würden die sozialen Prozesse beschleunigen.

Apple und H&M zelebrieren den Hype

Hypes lassen sich bei allen Bereichen feststellen, die eine Gemeinschaft von Liebhabern finden. Für ein neues iPhone campen Fans stundenlang vor dem Shop, eine limitierte Designer-Edition von H&M führt ebenso zu Schlangen vor dem Laden. Zusätzlich angeheizt wird das Fieber mit Lancierungspartys und Mitternachtsverkäufen, wo sich Fans die Füsse plattstehen, um an ein begehrtes Exemplar zu kommen.

Den schärfsten Liebespfeil, den Marketingprofis im Köcher haben, heisst Verknappung. Gibt es von einem Produkt nicht genügend Stück, wird die Begehrlichkeit erst recht geweckt – so sehr, dass der Preis für manche Konsumenten keine Rolle mehr spielt. Viel wichtiger ist es, dass sie zu den Ersten gehören, die das Produkt in den Händen halten. Es geht um Status: Wer zuerst ist, erhofft sich die Anerkennung durchs Umfeld.

Das Tal der Enttäuschung

Marketing alleine reicht dazu allerdings nicht. Nur wenn ein Game bereits eine treue Fangemeinde hat, kann der «Buzz» entstehen. So führte die Lancierung des ersten Gametrailers von «Call of Duty: Black Ops 2» zu einer Vervierfachung der Suchanfragen, Blogeinträge und Social-Media-Messages, weil die frühen «Call of Duty»-Spiele bereits eine eingeschworene Shooter-Gemeinschaft gefunden hatten.

Ebenso schnell wie ein Hype entsteht, kann er kippen. In der Trendforschung spricht man hierbei vom «Tal der Enttäuschung» - etwa, wenn das Produkt die Erwartungen nicht erfüllt oder gravierende Mängel aufweist. Beispiel «Diablo 3»: Weil zum Spielstart wegen dem immensen Ansturm die Server abrauchten, konnten unzählige das Game am Anfang nicht spielen. Prompt droschen die Enttäuschten auf den Entwickler Blizzard ein. Ihrem Ärger machten sie Luft, indem sie «Diablo 3» in Bewertungssystemen wie auf Amazon mit nur einem von fünf Sternen bewerteten.

Verliebte Gamer

Mit der tatsächlichen Qualität des Games haben die schlechten Bewertungen kaum etwas zu tun. Vielmehr geht es um pure Emotionen. «Hypes sind vergleichbar mit dem Verliebtsein», weiss Frick. Eine Untersuchung habe gezeigt, dass bei Hypes dieselben Hormone im Spiel sind wie bei Frischverliebten. Bezeichnend ist deshalb, dass der Ärger über technische Mängel meist schnell wieder verfliegt. Die Liebe ist stärker, genauso wie bei Frischverliebten, die die negativen Seiten ihrer Partner so lange ausblenden, bis die Phase der Verliebtheit vorbei ist. Aber Gamefans fiebern bis dahin sowieso bereits wieder dem nächsten Must-have-Game entgegen.

Gametrailer «Diablo 3»

Quelle: YouTube.com

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dylan Brisacher am 21.05.2012 15:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fehler?

    far cry 4? wohl eher 3 und wo ist Assassin's Creed 3!!!!

  • Benjamin Buchegger am 21.05.2012 12:35 Report Diesen Beitrag melden

    (un)exklusiv

    Das Iphone ist ja mal sehr (un)exklusiv.Wenn es etwas gibt was es mit dem Sand am Strand an Zahlen aufnehmen kann ist es ganz sicher das Iphone.Sogar Kinder habe schon welche.

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  • Marie am 21.05.2012 12:08 Report Diesen Beitrag melden

    Kann damit nichts anfangen

    Ich kann mit solchen Hypes absolut nichts anfangen. Weder mit iPhone noch mit Spielen wie Diablo, welche Folge auch immer. iPhone ist für mich eine Spionageabteilung mit Abzockermanier. Was da alles über einen gesammelt wird, geht auf keine Kuhhaut. Ich brauche ein Natel zum Telefonieren, nicht zum Spielen und "genetische Abdrücke" hinterlassen. Und Diablo? Mein Mann hat das III gekauft, aber ich finde es so hirnrissig wie alle anderen auch. Ich verstehe nicht, wie man sich für sowas Destruktives begeistern kann. Ich lebe lieber in der Realität. Aber jedem das Seine.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • T.C. am 24.05.2012 09:16 Report Diesen Beitrag melden

    blizzard - die hype factory =)

    ...und blizzard is meister im 'hypen' =) wer erinnert sich noch an den launch von ersten WOW addon the burning crusade? da sind die leute regelrecht ausgeflippt und ich glaube es gab noch nie einen solchen ansturm auf mitternachtsverkäufe wie damals *gg*

  • Jd am 21.05.2012 23:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Egal wegen einloggen

    Sorry aber diablo 3 ist nur genial! Und nur weil ein man halt ca 30 min bis 2 stunden gewartet hat ist doch egal! Habe lange drauf gewartet und es ist genial! Das ist doch normal bei spielen mit solch einem Hype resp wartezeit!

  • Der Michel am 21.05.2012 18:13 Report Diesen Beitrag melden

    Server

    Die Server sind nicht abgeraucht, abgestürzt oder was auch immer. Blizzard hat von Anfang an den Zugang limitiert um ein Abstürzen der Server zu verhindern. Somit konnten viele, aber nicht alle spielen. Ein Serverabsturz bei Blizzard hab ich schon lange nichtmehr erlebt.

  • Becks am 21.05.2012 17:31 Report Diesen Beitrag melden

    Blizzard FTW

    Bezogen auf alle Blizzard Titel sind ganz klar die filmartigen cinematic Trailer ein grosser Ankurbler des Hypes. Blizzard verpackt in weniger als 5 Minuten mehr Spannung und Mystisches als Hollywood in einem ganzen Film.

  • Hans Meier am 21.05.2012 16:15 Report Diesen Beitrag melden

    Online Pflicht völlig überflüssig

    Die Entrüstung ist nicht durch die unerreichbaren Server entstanden, den dies ist sowieso normal bei einem Online Game Start, die Entrüstung entstandt weil man überhaupt einen Onlinezugang benötigt, was bei neuen Spielen immer pflicht wird und föllig unnötig ist

    • Karl am 21.05.2012 23:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Eben richtig

      Der grund dafür war das in d2 die leute hacks und cheats benutzten auch im open battlenet. Finde das eine gute lösung auch zum schutz der spieler!

    • Hell Zocker am 22.05.2012 12:35 Report Diesen Beitrag melden

      völlig notwendig

      Ich finde das auch kein Problem, die Online-Pflicht. Wer will schon geduppte Items wie in D2? Ich nicht!

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