«Das kleinere Übel»

08. Mai 2012 08:51; Akt: 08.05.2012 08:52 Print

Videospiele statt Strassenkämpfe

von Abdi Guled, ap - Nach der Vertreibung der Islamisten können auch die Kinder in Mogadischu am Computer spielen. Aus blutjungen Kämpfern werden friedliche Stubenhocker.

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Somalische Jugendliche in einem «Spiele-Laden» in Mogadischu. Computerspiele waren lange Zeit ein Tabu. (Bild: Keystone/AP/Farah Abdi Warsameh)

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In einem heissen, vollgestopften Raum in der somalischen Hauptstadt Mogadischu sitzen zehn Kinder auf Holztischen, wie sie auch in Schulen zu finden sind. Die Kinder sind aber nicht zum Lernen hier, sie starren auf einen kleinen Fernsehbildschirm und halten Controller fest in der Hand. Videospiele sind jetzt der Hit bei den Kindern in Mogadischu, wo in grossen Teilen der Stadt während der Herrschaft der Taliban jahrelang jede westliche Unterhaltung verboten war.

Die islamistische Al-Shabab-Miliz wurde im vergangenen Jahr von Truppen der Afrikanischen Union und somalischen Einheiten aus der Stadt vertrieben. Seitdem hat sich viel verändert. Es gibt wieder neue Restaurants, an den Strand ist das Leben zurückgekehrt, das Theater hat wieder geöffnet, es gibt Videospielläden.

Schulschwänzer

Dass es jetzt wieder solche elektronischen Unterhaltungssysteme gibt, hat positive und negative Aspekte. Einige Eltern sind froh, dass ihre Kinder «von der Strasse» sind. Das verringert die Gefahr, dass sie von Islamisten rekrutiert werden. Anderseits schwänzen aber einige Kinder auch die Schule, um sich vor ein Videospiel zu setzen. «Ich verbringe den halben Tag hier. Die Spiele sind faszinierend», sagt der 16-jährige Abdirizak Muse, der seit Anfang 2011 nicht mehr in der Schule war - die Islamisten hatten dort Schützengräben ausgehoben.

Mittel gegen Gewalt

Mohamed Deq Abdullahi, Vater von zwei Kindern, sah seinen Söhnen kürzlich zu, wie sie an einem sonnigen Tag ein Fussball-Videospiel spielten. Er sieht das neue Hobby als gute Entwicklung. «Da haben sie den ganzen Tag was zu tun. Ich will nicht, dass sie sich langweilen und in den Krieg gehen», sagt Abdullahi. «Je mehr sie sich damit beschäftigen, desto müder werden sie und desto mehr ignorieren sie die Gewalt.»

Besonders beliebt sind zwar die Videospiel-Läden, in denen die Kinder gegen Geld spielen können, einige wenige Eltern haben aber auch ein Spielsystem für zuhause gekauft. Muse Haji, ein Vater von sechs Kindern, hat eines angeschafft. «Für uns war es eine Entscheidung zwischen einem kleineren und einem grösseren Übel», sagt Haji. «Es ist besser, dass meine Kinder zuhause bleiben und spielen, statt radikalisiert und als lebende Bomben missbraucht zu werden. Wir haben vor allem nicht gewalttätige Spiele, Rennspiele, Fussball und einige Lernspiele.»

«Spiele als Lebensretter»

Wie alle Kinder dieser Generation seinen auch seine von Technik fasziniert, sagt Haji. Das sei eine positive Veränderung im Vergleich zur Vergangenheit, als sich Kinder mehr für Waffen und den Krieg interessierten.

Der 15-jährige Ali Abdi erklärt, er sei von der Al-Shabab ausgebildet worden, um zu kämpfen. Nach einem Besuch bei seiner Mutter habe diese ihn nicht mehr weggelassen. Sein Bruder eröffnete einen Spieleladen und dort verbringt Abdi jetzt seine Zeit. Er will auch wieder zur Schule gehen, wenn die Islamisten nicht länger an den Schulen versuchen, ihre Kämpfer zu rekrutieren. «Viele meiner Freunde sind unglücklich», sagt Abdi. «Sie haben an Gewalt teilgenommen. Einige sind gestorben. Andere tragen Waffen. In gewisser Weise haben Videospiele mir das Leben gerettet.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • GEIZ TEIST am 08.05.2012 10:49 Report Diesen Beitrag melden

    KOMPLEXER

    es scheint als sei das thema videospiele wesentlich komplexer. die einen nutzen sie um zu "üben" (anders breivik) die andern um abzuschalten (otto normalverbraucher) manche werden süchtig danach (WOW spieler) und solche wie abdi die sagen es habe ihr leben gerettet. immer dasselbe. es ist immer der mensch selbst der schlussendlich entscheidet für was er etwas gebraucht/missbraucht zitat: Entscheidung zwischen einem kleineren und einem grösseren Übel», sagt Haji. «Es ist besser, dass meine Kinder zuhause bleiben und spielen, statt radikalisiert und als lebende Bomben missbraucht zu werden

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Die neusten Leser-Kommentare

  • GEIZ TEIST am 08.05.2012 10:49 Report Diesen Beitrag melden

    KOMPLEXER

    es scheint als sei das thema videospiele wesentlich komplexer. die einen nutzen sie um zu "üben" (anders breivik) die andern um abzuschalten (otto normalverbraucher) manche werden süchtig danach (WOW spieler) und solche wie abdi die sagen es habe ihr leben gerettet. immer dasselbe. es ist immer der mensch selbst der schlussendlich entscheidet für was er etwas gebraucht/missbraucht zitat: Entscheidung zwischen einem kleineren und einem grösseren Übel», sagt Haji. «Es ist besser, dass meine Kinder zuhause bleiben und spielen, statt radikalisiert und als lebende Bomben missbraucht zu werden

    • wayner am 08.05.2012 11:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      ...

      Sorry aber zeig mir mal wie man mit nem Game Krieg üben kann. Höchstens wie man taktisch einen Krieg gewinnen kann aber es ist schon ein Unterschied ob man ne Maus oder ne Waffe in der Hand hat.

    • Peter schnepf am 08.05.2012 11:26 Report Diesen Beitrag melden

      nichts ist beständig im wandel der zeit

      naja...man kann aus jedem Mist eine wissenschaft machen... negatives sagte man früher über den TV, davor die Bücher, davor Gesichtenerzähler.... Hauptsache, man kann dann Unsummen in Studien stecken, die sagen was wir eh schon wissen: NICHTS.Weil immer etwas fehlt für ein schlüssiges Bild, somit kann nat. auch weiter"geforscht" werden :) ist Schade, denn psychisch labile und/oder gemobbte Personen töten trotzdem, die andern spielen locker weiter :) Shooter 4 Life, RPG 4 Ever :-) Nichts ist wahr - Alles ist erlaubt (AC 1 - bestes Gamezitat ever und beschreibt die Menschen zu gut

    • Endirioss am 08.05.2012 11:39 Report Diesen Beitrag melden

      nicht ganz so komplex

      Ich finde es witzig das es immernoch Leute gibt die nach Vorurteilen in der Gaming-Community Leben... du Widersprichst dir übrigens selber, einerseits sagst du das es auf den Menschen der spielt drauf ankommt andererseits steckst du jeden WoW-Spieler in den Sucht-Topf. Übrigens geht mir die "sollten-Gewalt-Spiele-verboten-werden"-Diskussion langsam ziemlich auf den Nerv. Wenn Spiele in denen Gewalt gezeigt wird, verboten werden sollten genau so Paintball etc. verboten werden da man da doch ein viel besseres Gefühl von einer Waffe in der Hand erhält...

    • S.w. am 08.05.2012 11:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Modern Warfare 2

      Breivik spielte Cod um angeblich zu üben aber in der Realität steuerst du dich nicht mit einem Controller Und das macht seine Aussage komplett sinnlos. Dazu kannst du in Cod nicht auf Zivilisten schiessen sondern nur auf Soldaten die ebenfalls bewaffnet sind.

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