Homosexualität in Games

19. September 2011 08:16; Akt: 19.09.2011 10:25 Print

Wenn Elfen-Krieger knutschen

von Jan Graber - Sabbernde Aliens, erotische Elfen und muskelbepackte Zwerge: Die Welt der Videospiele ist brutal, sexy und kunterbunt. Nur eines ist sie kaum: schwul.

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Das Gameuniversum ist bevölkert von muskelbepackten Haudegen und leicht bekleideten Amazonen mit langen Beinen und üppigen Kurven. Übersexualisierte Fantasiegestalten, die sich durch Welten schlagen, die von ebenso virilen Figuren bewohnt werden. Doch auf offizielle Homosexualität trifft man so selten wie im Vatikan.

Zum einen liege dies an der Natur der Spiele, sagt der Psychologe und Konfliktforscher Allan Guggenbühl: «Bei Spielen handelt es sich mehrheitlich um Helden-Epen, moderne Märchen, in welchen die sexuelle Orientierung in den Hintergrund tritt.» Andererseits sind die Mehrzahl der Spieler Jugendliche. Die Suche der Jungen nach der eigenen geschlechtlichen Identität äussert sich laut Guggenbühl in einer Unsicherheit, die sich durch eine Homophobie ausdrücke. Schimpfworte wie «Schwuler» oder «Lesbe» werden besonders oft gebraucht.

Die Game-Industrie ist sich dessen bewusst und hat bisher weitgehend auf die Integration von homosexuellen Spielcharakteren verzichtet – niemand stösst freiwillig die eigene Klientel vor den Kopf. Dennoch scheinen sich die Zeichen der Zeit zu ändern: In den letzten zehn Jahren haben zunehmend Figuren Eingang ins Spieluniversum gefunden, denen entweder eine klare gleichgeschlechtliche Ausrichtung zugeschrieben werden kann, oder die dem Spieler die Möglichkeit lassen, frei über deren sexuelle Präferenz zu entscheiden.

Einzug der Homosexuellen

Vor allem das amerikanische Spielentwicklerstudio Bioware hat in Games wie «Dragon Age: Origins» (2009), «Dragon Age II» (2011) und «Mass Effect 2» (2010) in letzter Zeit für Aufsehen gesorgt. Während in «Mass Effect 2» eine gleichgeschlechtliche Beziehung eingegangen werden konnte, sofern die Hauptfigur weiblich war, erlaubten die «Dragon Age»-Titel auch Beziehungen zwischen Männern.

Bioware war indessen nicht das ersten Studio, das Homosexualität mit ins Spiel brachte. Bereits 1987 wurde im Prügelspiel «Street Fighter» eine Figur namens Zangief eingeführt: ein behaarter Muskelberg mit Schnauz und Bart und kurzem Höschen – eine Figur, die in der homosexuellen Szene als «Bär» bezeichnet wird.

Frühe Exemplare

Wie bei «Street Fighter» wurden von der sogenannten Gaymerszene (von engl. gay, homosexuell) weitere Spielfiguren als mögliche Homo- und Transsexuelle enttarnt, zum Beispiel die Figur Flea aus «Chrono Trigger» (1995), Cybil Bennett aus «Silent Hill» (1999) oder sogar das Mischwesen Birdo aus der «Mario»-Reihe. Enttarnt werden sie vor allem über Verhalten und Kleiderstil, der sogenannten Codierung. Dabei handelt es sich um Zeichen, die von der homosexuellen Szene als Winks mit dem Zaunpfahl interpretiert werden – ganz ähnlich, wie sie in Untersuchungen auch schon im Zusammenhang mit Hollywoodfilmen erkannt worden sind.

Explizite Darstellung

Offen zutage trat Homosexualität indessen 1996 im Spiel «SimCopter», ein Game aus der Schmiede des legendären Entwicklers Will Wright. In «SimCopter» waren muskulöse Männer zu beobachten, die sich küssten. Aus der Feder des Gamedesigners stammte zudem das erfolgreichste Game für PCs überhaupt: «The Sims» (2002). Das Spiel erlaubt gleichgeschlechtliche Beziehungen und ermöglicht, zwei Männer ins Bett zu stecken und sie ein Kind adoptieren zu lassen. «Das Spiel versteht ich als einer der ersten Fürsprecher für gleichgeschlechtliche Heirat und Adoption», sagte Gaygamers.net-Gründer Flynn DeMarco in einem Interview mit AfterElton.com.

Seitdem sind vermehrt homosexuelle Figuren in Erscheinung getreten, sei als überdrehte transsexuelle Figur Makoto im Spiel «Enchanted Arms» 2006, als schwuler Wrestler Joachim im Prügelspiel «Shadow Hearts 2» (siehe auch Video) oder als Gay Tony in «Grand Theft Auto» (2009).

Wandel der Werte

Der Paradigmenwechsel hat laut Psychologe Guggenbühl mit dem Wertewandel zu tun: Die Gesellschaft habe einen grössere Toleranz entwickelt. Auch Jugendliche seien nicht per se gegen Homosexuelle, bekundeten aber Mühe mit der Homoerotik.

Dass Homosexuelle zunehmend die Videospielwelt bevölkern, dürfte aber auch am demographischen Wandel des Gamepublikums liegen: Erwachsene Spieler bilden für die Gameentwickler einen immer wichtigeren Markt. Seien es Games wie «Fahrenheit» (2009), ebenfalls mit einer homosexuellen Figur oder die eingangs erwähnten Titel der Wegbereiter Bioware – es kommen zunehmend Spiele heraus, die nicht für Kinder und Jugendliche gedacht sind. Darin spielt Sexualität naturgegeben eine wichtigere Rolle. Zudem schliessen sich Homosexuelle mittlerweile in Communities wie Gaygamers.net zusammen und bilden eine Lobby.

Noch nicht am Ziel

Die Hoffnung in BioWare dürfte indessen bald einen Dämpfer erhalten: Im kommenden «Star Wars: The Old Republic» wird man laut Entwicklerstudio vergeblich nach gleichgeschlechtlichen Beziehungen suchen – Worte wie «schwul» oder «lesbisch» würden im Star-Wars-Universum nicht existieren, lautet die Erklärung.

Überhaupt ist noch längst nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen im Spieluniversum. Wer sich beispielsweise ein einem Xbox-Live-Chat als homosexuell outet, sieht sich schnell Beleidigungen übelster Art ausgesetzt. Was allerdings eher ein Zeichen davon ist, dass sich in den Chats vor allem Jugendliche tummeln, für die Homophobie ein Mittel zur Selbstfindung ist.

Wrestling der Männer: Gameszene aus «Shadow Hearts 2» mit Joachim als Held

Quelle: YouTube.com

Wundern über Kanji aus «Persona 4»

Quelle: YouTube.com

Frauen, die sich lieben: «Mass Effect 2»

Quelle: YouTube.com

Lesbische Liebe in «Dragon Age II»

Quelle: YouTube.com

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Döme am 19.09.2011 09:56 Report Diesen Beitrag melden

    Na und

    Ach komm hört doch auf wo liegt das Problem?? Jeder soll das tun was er will. Wenns einem nicht gefällt lass es. Im Spiel ists ja einfach, spiels einfach nicht.

  • michi am 19.09.2011 13:06 Report Diesen Beitrag melden

    TBOGT

    The Ballad of Gay Tony war, gerade wegen der Charaktere, einer der besten Teile der GTA Reihe, wenn nicht sogar der Beste.

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  • patrick h. am 19.09.2011 09:46 Report Diesen Beitrag melden

    nicht ganz richtig

    @20min auch wenn ihr meine comments nicht mehr freischaltet, stephen reid community manager von star wars the old republic hat in einem offiziellen statement ganz klar gesagt, dass "same gender romances" zwar nicht beim start verfügbar sein werden aber später dazu kommen um das spiel nicht weiter zu verzögern da viel dialoge nötig sind um es stimmig einzubauen. desweiteren steht im artikel bei fahrenheit 2009 in klammer, das spiel wurde aber 2005 veröffentlicht (in der box stimmts)

Die neusten Leser-Kommentare

  • Darti am 25.10.2011 07:40 Report Diesen Beitrag melden

    Doch möglich

    "Im kommenden «Star Wars: The Old Republic» wird man laut Entwicklerstudio vergeblich nach gleichgeschlechtlichen Beziehungen suche" Stimmt so nicht ganz, laut Publisher BioWare, wird es doch möglich sein, mit den Crew Mitgliedern eine Beziehung ein zugehen, Ob nund Hetero oder Homo, liegt beim Spieler selbst.

  • Toni H. am 20.09.2011 11:01 Report Diesen Beitrag melden

    Weiter so ... und bitte ohne Klischees

    Finde ich eine tolle Option die das Spielgefühl realistisch erweitert. Besonders gut, wenn das - wie in Dragon Age 2 zum Beispiel - klischeefrei (!) möglich ist... Mehr Einsatz dieser Möglichkeit, liebe Spielindustrie. Die Wahl liegt ja immer noch beim Gamer und seinen Präferenzen, also kein Grund sich aufzuregen ...

    • Trapattoni am 21.09.2011 13:32 Report Diesen Beitrag melden

      Freude herrscht!

      jemand der denkt beim lesen! Sogar die Erkenntnis das die Wahl ja dem Gamer überlassen wird ist da! Ein zum Artikel passender, sachkundiger Kommentar der sich sehen lässt. weiter so Toni H.

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  • Migi am 19.09.2011 21:06 Report Diesen Beitrag melden

    Lausig recherchiert

    Habt ihr diese Spiele überhaupt gespielt? Bridget ist kein Mädchen und ist nicht trans- oder homosexuell. Genausowenig ist das bei Kanji aus Persona4 der Fall. Meine Güte, informiert euch doch etwas, bevor ihr Falschinformationen verbreitet. Immerhin ist das nur ein Artikel über Games und keine realen Leute sind betroffen. Bin mal gespannt, ob diese Kritik durchgelassen wird.

    • cherry am 11.10.2011 16:34 Report Diesen Beitrag melden

      antwort

      1. Bridget ist ein Frauenname u 2. welcher typ trägt kleider?????????? bzw wurde das nicht von den programmieren bestätigt? ;)

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  • B.Bruecklmayer Adliswil am 19.09.2011 20:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Leisure Suit Larry

    Sex in games ? Da kommt mir doch immer wieder der gute, alte " Leisure Suit Larry" in den Sinn .. Gröhl

    • A.Villiers am 07.10.2011 22:35 Report Diesen Beitrag melden

      eegaaal

      Der war der hammer lach*

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  • nurmalso am 19.09.2011 16:05 Report Diesen Beitrag melden

    Genreabhängig

    In den allermeisten Spielen wird Sexualität komplett ausgeklammert, sowohl die gleich- als auch die gemischtgeschlechtliche. Rollenspiele sind da im allgemeinen weiter als Actiontitel (Gay Tony ist nicht mehr als eine Ansammlung von Schwulenklischees). Ich hätte rein gar nichts gegen mehr homesexuelle Protagonisten einzuwenden, das alte "Held rettet Prinzessin" ödet auf Dauer nur noch an. Interessanterweise gelten ähnliche Einschränkungen auch für die Filmindustrie, oder kennt jemand einen schwulen Helden in einem Actionfilm?

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