Case Modding

23. Juli 2014 16:09; Akt: 23.07.2014 17:17 Print

Wenn aus dem Computer ein Ferrari-Motor wird

von Jan Graber - Sie gehen in den Baumarkt statt zum PC-Händler: Case Modder verwandeln ihre PCs in alles, was nicht nach herkömmlicher Kiste aussieht. Wir suchen die schönsten Schweizer Casemods.

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Kraftwerk: Dieser PC ist einem Ferrari-V12-Motor nachempfunden. Die Vergasereinlässe blinken in der richtigen Zündreihenfolge. Terminatrice? Das ist keine morbide Schaufensterpuppe, sondern ein laufender PC. Auch böse: 2013 kopierte ein Casemodder die Idee eines Terminators und steckte ihm den PC in den Brustkasten. Kopfrechner: Auch dieser Alienschädel kann mit Bits und Bytes umgehen. Kein Käse, sondern ein funktionierender PC. Blubbernd: Offensichtlich kann ein Computer auch unter Wasser laufen, wie auch ... ... dieses Bild zeigt. Einstürzende Neubauten. Mobiler Computer: Diese Kiste im Retrodesign lässt sich zusammenpacken und mitnehmen. Moderne Architektur: Auch Designer und Künstler bauen spannende Casemods. Dieser PC läuft heiss: Ein in einen Weber-Grill eingebauter Computer im Fussballdesign. Bekannter Held: Diese Kreation ist dem Spiel «Portal» nachempfunden. Läuft wie auf Schienen: In diesem PC kommen Bits und Bytes zum Zug. Knochenarbeit: Ein PC als Gruselkabinett. Ruf mal an: Nicht nur PCs, sondern auch Mobiltelefone werden durch die Bastlermangel gedreht. PCs schleppen war gestern: Dieser Computer fährt von selbst zur nächsten LAN-Party. Round and round and round: Looping Louie heisst diese Kreation. Bewegliche PCs gehören zum letzten Schrei der Casemodder. Zuckerkuchenhaus: Die neue Heimat des Sackboys (oben) aus «Little Big Planet» ist ein PC. En miniature: Ein Casemodder hat eine Modellwelt in seinen PC eingebaut. Buchstäblich: Mit diesem Werk verschwinden Bücher selbst dann nicht, wenn nur noch digitale Literatur gelesen wird. Kein Schrott: Animationsfilmheld Wall-E als Computer.

Zum Thema
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Sie sind die Blickfänge von LAN-Partys, Gamemessen und anderen Treffen, an dem Computer-Technikfans aufeinandertreffen: Computer, die nicht aussehen wie herkömmliche Kisten, sondern wie ein Bierfässchen, Terminator oder ein Ferrari-Motor. Es handelt sich um sogenannte Casemods (engl. case=Gehäuse, mod=Veränderung) und Casecons. Letzteres stammt vom englischen Wort «construction» ab und bezeichnet den kompletten Neubau eines funktionierenden PCs, ohne auf ein bestehendes Gehäuse zurückzugreifen.

Casemodding hat seinen Ursprung in den LAN-Partys Ende der Neunzigerjahre, an denen sich Hunderte Gamer zu Matches trafen. Die PCs, die die Gamer zu den Turnieren schleppten, waren nicht nur schwer, sondern sahen auch alle gleich aus: einheitlich grau. «Wer sich damals ein paar blinkende LEDs einbaute, war bereits ein Star», sagt Michael Wegner, Case Modder der ersten Stunde und Gründer der Deutschen Casemod Meisterschaft (DCMM).

Vom Teenie bis zum Opa

Mit ein paar LEDs allein war es freilich bald nicht mehr getan und die Erfindungen wurden verrückter. Um die schwere Kiste nicht schleppen zu müssen, baute sich ein Case Modder den PC zum Beispiel in einen Autoreifen ein – und rollte ihn bequem an die LAN-Party. Bald tauchten weitere, selbstfahrende PCs auf.

Heute sind nicht mehr alle Casemodder Gamer. «Die Szene in Deutschland, Österreich und der Schweiz besteht aus drei- bis fünftausend aktiven Moddern», sagt Wegner. Darunter befinden sich ebenso Technikfreaks wie Künstler, Tischler oder Industriedesigner. Casemodding ist auch keine Frage des Alters: Vom Teenager bis zum Opa bastle jede Altersgruppe an Computern – manchmal alle drei Generationen zusammen. Halt wird auch nicht vor Mobiltelefonen, Radios und anderen Geräten gemacht. «Das Durchschnittsalter beträgt 32 Jahre», sagt Wegner.

Der PC im Käselaib

Die verrückten Kisten blieben auch den herkömmlichen PC-Herstellern nicht verborgen – unterdessen sind PCs im Einheitsgrau weitgehend verschwunden. Stattdessen stehen sie in geschliffenem Alu, lackiertem Schwarz oder einem anderen stylischen Design unter und auf dem Tisch. Hersteller wie Alienware oder Asus bieten fixfertige, formveränderte Game-PCs an und der Markt mit vorgefertigten Mod-Teilen blüht.

Einen richtigen Casemodder treffe man indessen nicht im PC-Laden, sondern im Baumarkt an, weiss Wegner. Durchschnittlich stecken 350 Arbeitsstunden in einer Kreation. Eine besondere Casecon kann aber durchaus auch zwei Jahre dauern. Dabei unterstützt sich die Community gegenseitig, gibt Tipps und nimmt an den sogenannten Worklogs teil: den Dokumentationen, die Schritt um Schritt das Entstehen einer Konstruktion aufzeigen – wie die PC-Architektur zum Beispiel in ein Möbelstück oder in einen Webergrill verpflanzt wird oder die Technik in einem Käselaib verschwindet.

Für die Show

«Casemodder haben eine gesunde Selbstironie», sagt der Gründer der DCMM. Der letzte Schrei seien «Cases on the Move»: PCs mit beweglichen Teilen, die sich während des Betriebs entfalten. «Der Unterhaltungswert rückt in den Vordergrund», sagt Wegner. Am Ende gehe es auch darum, mit den Kreationen eine Show zu machen und die Anerkennung für eine gelungene Casecon oder einen Casemod einzuholen. «Man schafft sich ein kleines Denkmal», schliesst Wegner.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sori am 23.07.2014 18:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Wasser, sondern

    das auf den Bildern ist kein Wasser, sondern Öl. leitet nämlich nicht.

    einklappen einklappen
  • Michael Klein am 24.07.2014 09:56 Report Diesen Beitrag melden

    Super !

    Herrlich das es noch solche Bastler gibt !

  • MrGamer am 24.07.2014 16:02 Report Diesen Beitrag melden

    Will den echten Motor

    Bin zwar Gamer und PC-Freak. Aber ich hätte lieber einen echten Ferrari-Motor als ein Gehäuse, das danach aussieht. Und wenn ein Lambo-Motor in einen Fiat 500 passt, sollte ein Ferrar-Motor in meinem Punto doch kein Problem sein. ;)

Die neusten Leser-Kommentare

  • MrGamer am 24.07.2014 16:02 Report Diesen Beitrag melden

    Will den echten Motor

    Bin zwar Gamer und PC-Freak. Aber ich hätte lieber einen echten Ferrari-Motor als ein Gehäuse, das danach aussieht. Und wenn ein Lambo-Motor in einen Fiat 500 passt, sollte ein Ferrar-Motor in meinem Punto doch kein Problem sein. ;)

  • Chris am 24.07.2014 12:55 Report Diesen Beitrag melden

    Die meisten von den Büchsen...

    ... würden durch einen Einbrecher übersehen werden (sofern diese nicht zu laut sind)

  • Michael Klein am 24.07.2014 09:56 Report Diesen Beitrag melden

    Super !

    Herrlich das es noch solche Bastler gibt !

  • Sori am 23.07.2014 18:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Wasser, sondern

    das auf den Bildern ist kein Wasser, sondern Öl. leitet nämlich nicht.

    • Klugscheisser am 23.07.2014 20:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Wasser leitet auch nicht

      Seit wann leitet Wasser?

    • Tom B. am 23.07.2014 21:19 Report Diesen Beitrag melden

      doch Wasser

      Das ist destilliertes Wasser, das leitet ebenfalls nicht.

    • Modder N00b am 23.07.2014 23:02 Report Diesen Beitrag melden

      @Sori: Destilliertes Wasser, steht ja

      Auf dem Behälter links vom wassergekühlten Rechner steht "destilliertes Wasser". Das gibt nicht die gleiche Sauerei wie Öl. Denn kaputt gehen Komponenten auch in Flüssigkeiten. Das Wechseln wird dann zu einer üblen (und leider öfters auch mal stinkenden) Angelegenheit.

    • sori am 24.07.2014 00:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Oups

      Ich bin selbst häufig in Foren unterwegs die mit besagtem (Casemodding) zu tun haben. wird häufig ein spezielles Öl verwendet.

    • stromy am 24.07.2014 05:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      hahhahaa, guter witz

      Ehm hallo? Seid ihr nicht zur Schule ? Seit wann leitet wasser nicht? Dann setzt euch doxh beim nächsten gewitter in den see. Dann könnt ihr es ja selber erfahren ...

    • Das Brot am 24.07.2014 09:26 Report Diesen Beitrag melden

      Destilliertes Wasser...

      ... leitet nicht. - Hätte man im Mittel-/Oberstufen-Chemieunterricht aufgepasst wüsste man das ;) - Aber ja, denselben Mod gibts auch oft mit Öl.

    • Jerome O. am 24.07.2014 10:51 Report Diesen Beitrag melden

      Studiere...

      Destilliertes Wasser ist eine eher ungünstige Wahl: Verschmutzungen führen zu Ionen im Wasser, welche die Leitfähigkeit wiederherstellen! Kannst also reinspucken und das Teil kriegt nen Kurzschluss. Ausserdem wird kein pflanzliches Öl, sondern Mineralöl verwendet: Stinkt also nicht! Einzig mühsam ist die Reinigung der Komponenten bei einem Ausbau.

    • Garrett am 24.07.2014 11:40 Report Diesen Beitrag melden

      Für Overklocking nicht mehr gebräuchlich

      Erstens handelt es (wie einige bereits festgestellt haben) wirklich um Wasser. Hierbei kann destilliertes Wasser verwendet werden, ist aber nicht optimal. Mehrfach demineralisiertes Wasser eignet sich besser, optimal wäre natürlich Reinstwasser. Solche Kühlverfahren wurden schon vor vielen Jahren eingesetzt, beispielsweise wenn versucht wurde gezielt PC-Komponenten zu übertakten. Diese Methode ist sehr viel günstiger und einfacher zu handhaben als Stickstoffkühlungen. Aufgrund alternativer Technologien stellt diese Form der Wasserkühlung heute nur noch ein Blickfang dar.

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