21. April 2005 04:57; Akt: 20.04.2005 21:35 Print

Handycap

Mobiltelefone werden immer komplizierter. Viele Funktionen sind schwierig handzuhaben oder ganz einfach unbrauchbar. Hilfe bieten Internet-Foren, die virtuellen Klagemauern für Technik-Frustrierte.

Fehler gesehen?

Elektronische Kleingeräte wie Handys oder PDAs ermöglichen es uns, unterwegs zu arbeiten, Daten und Dokumente immer dabeizuhaben, Digital-Fotos direkt aus dem Drucker zu zaubern und vieles mehr. Wehe aber, wenn das Gerät nicht wie gewünscht funktioniert: Nach mehrmaligem Ausprobieren gibt man auf und nutzt fortan nur noch die Grundfunktionen. Umfragen zeigen immer wieder, dass die allermeisten Handy-Benutzer mit ihren Alleskönner-Geräten praktisch nur telefonieren und SMS versenden. Es ist wohl nicht übertrieben, wenn man behauptet, dass wir durchschnittlich nur rund 15% unseres Handy-Potenzials nutzen.

Abgesehen davon, dass viele Funktionen völlig überflüssig sind, werden sie oft nicht genutzt, weil sie derart kompliziert sind und selbst mit Hilfe von erfahrenen Freunden, Bedienungsanleitungen oder Helpdesks nicht zum Laufen gebracht werden können. Aller Unvollkommenheit zum Trotz verkaufen sich multifunktionale Handys mit allerlei Schnickschnack wie TV, Videotelefonie, eingebauten MP3-Playern, E-Mail-Funktion, WLAN oder GPS bestens. Solche Zusatzfunktionen müssen beim ersten oder zweiten Anlauf funktionieren – wenns nicht gleich klappt, lässt man solche Anwendungen als Handy-Normalverbraucher links liegen. Die Folge davon: brachliegende High-Tech-Anwendungen.

Was tun, wenns klemmt? In Internet-Foren kann man sich zu jedem erdenklichen Problem kostenlose Hilfe holen. Füttert man die Suchmaschine mit Stichworten seines Problems oder dem genauen Wortlaut der Fehlermeldung sowie der Angabe des Gerätetyps, landet man mit grosser Wahrscheinlichkeit in einem Forum, in dem genau das quälende Problem diskutiert wird. Leider sind diese Foren nicht immer hilfreich: Wenn etwa ein Handy-User um Hilfe bei der Bluetooth-Verbindung zu seinem PC bittet, scharen sich zahlreiche Gleichgesinnte um seinen Forum-Eintrag und bekunden, sie hätten genau das gleiche Problem – aber leider auch keinen Lösungsvorschlag.

Nicht immer liegt das Problem jedoch im Unvermögen der Benutzer begründet. Viele Handys haben Defekte, und oft wird erst nach zahlreichen Versuchen klar, dass die Software fehlerhaft ist, das Display streikt oder eine andere Funktionsstörung vorliegt. Einige Features wiederum lassen sich nicht nutzen, weil zwar das Handy die neueste Technik beherrscht, diese aber von den Netzbetreibern schlicht noch gar nicht eingeführt worden sind.

Beispielsweise werden seit über einem Jahr Handys mit Push-to-Talk-Funktion verkauft – nutzen können diese Walkie-Talkie-Imitation jedoch nur die Allerwenigsten: nämlich Orange-Kunden mit einem Geschäftsabo, die eines von zwei dazu passenden Handy-Modellen besitzen. Ähnlich werden UMTS-Telefone verkauft, die ohne einen entsprechenden Dienst (Vodafone) praktisch keine Vorteile gegenüber einem herkömmlichen Handy bieten.


Defekte Handys
Gemäss einer Untersuchung der Stiftung Warentest sind defekte Handys keine Seltenheit. Spitzenreiter sind der Klassiker Nokia 8210, das in 73% aller Fälle mit einem defekten Display ausgeliefert wurde, das Business-Handy Siemens ME 45, das grosse Defizite bei Software und Empfang aufweist, und das Nokia 3310, das einen sehr schlechten Akku besitzt.

Kurse und Seminare
Wer mit seinem Handy nicht zurechtkommt, kann bei verschiedenen Anbietern Kurse und Seminare belegen. Weitere Infos findet man un-
ter www.handy-world.ch, www.swisscom.com, www.siemens.ch. Ausserdem bieten die meisten Handy-Hersteller auf ihren Webseiten Fragesammlungen (FAQ) an, deren Antworten Klarheit schaffen können. Bei www.nokia.ch gibts beispielsweise unter der Rubrik Helpline allgemeine Tipps und Tricks für Handys aller Marken.

Reparaturen
Ist das Handy kaputt, gibt es nur noch den Weg zur Garantiestelle der Herstellers oder zu einem Reparatur-Anbieter. Unter www.handyclinic.ch können Geräte von Motorola, Siemens, Nokia, Sony Ericsson und Samsung zur Reparatur angemeldet werden.


Felix Raymann