28. Mai 2008 13:43; Akt: 28.05.2008 15:50 Print

Porno-Alarm auf dem Handy

von Manuel Bühlmann - «Grosse Brüste bei jungen Teens»: Nachrichten dieser Art tauchen seit Wochen auf dem Handy der 20-Minuten-Online-Leserin S.L. auf. Wer die Spams öffnet, läuft Gefahr, in die Kostenfalle zu tappen.

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S.L. (Name der Red. bekannt) wird seit ein paar Wochen mit Porno-Spams zugedeckt. «Ich habe mich weder bei einem entsprechenden Dienst angemeldet, noch habe ich mein Handy je benutzt, um im Internet zu surfen», versichert S.L. gegenüber 20 Minuten Online. Klickt man auf die angefügten Links, öffnet der Browser eine bebilderte Webpage, mit eindeutigem Inhalt. Wer sich die Mühe nimmt, ganz nach unten zu scrollen, findet in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen die folgenden Informationen: «Willkommen im WAP Sparclub, wir bieten immer aktuelle Inhalte auf Erotik- und Non-Erotik-Basis. Der Zugang erfolgt via Download auf diese WAP-Seite, es entstehen SMS-Kosten sowie die normalen Betreiberdownloadgebühren. Es entsteht eine max. Clubgebühr von (3 CHF/Tag) in Form eines WAP-Links.»

Da die benötigte Datenmenge für Bilder sehr hoch ist, steigen die «normalen Betreiberdownloadgebühren» innert kürzester Zeit in schwindelerregende Höhen. Bei Orange kostet der Download von einem Megabyte satte 15 Franken. Sunrise- und Swisscom-Kunden bezahlen zehn Franken. So kann der Ausflug auf die Schmuddelseiten schnell ins Geld gehen.

Woher kommen die Porno-Spams?

Wer hinter den angepriesenen Sex-Fotos steht, ist auf den ersten Blick nicht klar, da kein Absender angezeigt wird. Recherchen von 20 Minuten Online haben jedoch ergeben, dass der internationale Mobile Service Provider Dimoco mit Sitz in Österreich das technische Knowhow für den Versand der Porno-Spams auf das Handy von S.L. bereitstellt.

In wessen Auftrag die SMS verschickt werden, wollte die Dame von der in den AGBs aufgeführten Hotline auf Anfrage aber nicht verraten. Wer jedoch die Handy-Nummer und die des Absenders nennen könne, würde umgehend aus der Liste gelöscht. Da im Fall von S.L. der Absender nicht ersichtlich sei, könne sie halt auch nichts machen. Weiter steht in den AGBs geschrieben: «Der Dienst kann jederzeit mit STOP an die Service Mehrwertnummer gestoppt werden» - ziemlich nutzlos, da nirgends eine Mehrwertnummer angegeben wird.

Niemand will verantwortlich sein

«Unseriöse Firmen, die SMS ohne Erlaubnis an ihre Kunden versenden, können den Markt für innovative Ideen und Kampagnen zerstören», sorgte sich Dimoco-Geschäftsführer Gerald Tauchner ums Image des Mediums SMS in einen Interview vom Juli 2004 und versicherte: «Keiner wird mit Werbe-SMS bombardiert, nur wer es ausdrücklich wünscht, bekommt die mobilen Informationen.» Dass Dimoco jetzt selbst mit dem Versenden von Handy-Spams in Verbindung gebracht wird, will nicht so recht ins Bild passen.

Die Dimoco-Medienverantwortliche Margit Anglmaier stellt klar: «Wir sind die Schnittstelle zwischen dem Business-Kunden, der den Dienst betreibt und dem jeweiligen Netzbetreiber. Wir gehen davon aus, dass unser Kunde sich an die jeweiligen Gesetzgebungen hält», und fügt hinzu: «Wir sind Vermittlungszentrale zwischen dem Diensteanbieter und dem Netzbetreiber. Der Endkunde muss um ein SMS zu erhalten dem Content-Anbieter zuvor seine Einwilligung gegeben haben. Wir stellen lediglich die Netzanbindung zur Verfügung.» Im konkreten Fall von S.L. will Dimoco möglichst schnell Licht ins Dunkle bringen: «Wir sind sehr bemüht, den vorliegenden Fall so schnell wie möglich aufzuklären», beteuert Anglmaier.

Das Versenden von Spam ist ausdrücklich verboten

Der Mobilfunknetz-Betreiber Orange versucht seine Kunden so gut wie möglich vor Handy-Spam zu schützen: «Orange hat kein Interesse daran, ihre Kundinnen und Kunden durch eingehende Spam-Nachrichten zu verärgern. Leider ist es uns aber nicht möglich, die Inhalte solcher Nachrichten zu überprüfen», erklärt Therese Wenger, Medienverantwortliche bei Orange, gegenüber 20 Minuten Online und ergänzt: «Orange verkauft keine Telefonnummern an Dritte und verbietet in ihren Verträgen mit Drittanbietern von Content das Versenden von Spam ausdrücklich.»

Opfern von Handy-Spam stehen auf den Internet-Seiten der Netzbetreiber entsprechende Meldeformulare zur Verfügung: «Falls jemand trotzdem eine Spam-Nachricht erhält, empfehlen wir, uns dies mittels eines Formulars auf unserer Webseite zu melden, damit wir beim Absender intervenieren und ihm allenfalls den Zugriff auf das Orange Netz verweigern können», so Wenger. Wenn dies auch nichts nützt, bleibt Betroffenen noch die Möglichkeit, bei der Polizei eine offizielle Beschwerde gegen den Absender zu beantragen.

Werden auch Sie auf Ihrem Handy mit Spam zugedeckt? Mailen Sie uns Ihre Erfahrungen an feedback@20minuten.ch