Trotz Freisprechanlage

15. Dezember 2011 18:27; Akt: 15.12.2011 18:27 Print

Telefonieren im Auto soll verboten werden

Egal, wie man im Auto telefoniert, es lenkt ab und ist deshalb gefährlich. Die US-Behörde für Verkehrssicherheit will jegliches Telefonieren im Auto verbieten.

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Laut einer neuen US-Studie ist das Telefonieren mit Freisprechanlage ebenso gefährlich, wie das Handy direkt ans Ohr zu halten (Bild: Keystone)

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Nicht allein die fehlende Hand am Lenkrad macht das Risiko aus, sondern die fehlende Konzentration aufs Fahren: Freisprecheinrichtungen für den Mobilfunk im Auto sind nach Ansicht von Experten ebenso gefährlich, wie das Handy einfach ans Ohr zu halten. Deshalb hat die US-Verkehrssicherheitsbehörde NTSB jetzt empfohlen, auch das Telefonieren über Freisprechanlagen beim Fahren zu verbieten.

«Nicht wo Ihre Hände sind, sondern wo Ihr Hirn ist, zählt», fasst NTSB-Sprecherin Deborah Hersman zusammen. «Es gibt zahlreiche Belege, dass Telefongespräche - ob mit Hörer in der Hand oder mit freien Händen - das Fahren beeinträchtigen und das Risiko für einen Unfall erhöhen», erklärt Anne McCartt vom unabhängigen Verkehrsforschungsinstitut IIHS in Arlington im Staat Virginia.

Jim Hedlund, der für die US-Behörden rund 300 Studien auswertete, kann keinen einzigen Bericht nennen, der bei Freisprecheinrichtungen ein geringeres Risiko gefunden hätte. Auch eine ähnliche Analyse für die schwedische Regierung kam kürzlich zu dem gleichen Ergebnis: Es gebe keinen Hinweis darauf, dass freies Telefonieren weniger gefährlich sei als das Telefon am Ohr.

Andere Wahrnehmung bei den Autofahrern

Laut zwei gross angelegten Studien aus Kanada und Australien war die Wahrscheinlichkeit für einen Unfall vierfach höher, wenn der Fahrer telefonierte. Dabei gab es keinen Unterschied, auf welche Weise das Telefonat geführt wurde.

Die Wahrnehmung bei den Autofahrern selbst ist indes eine andere. Von rund 6000 befragten Fahrern stuften es 40 Prozent als nicht unsicher ein, über Freisprecheinrichtung zu telefonieren. Das Mobiltelefon in der Hand erachteten hingegen weniger als 12 Prozent als ungefährlich.

Marcel Just von der Carnegie-Mellon-Universität in Pittsburgh findet das nicht überraschend. Die Fahrer spürten nicht, dass die Unterhaltung Kräfte binde, meint der Mitautor einer Studie aus dem Jahr 2008, in der Telefonieren während der Fahrt per Kernspinaufnahmen beobachtet wurde. Die Teilnehmer des Versuchs steuerten ihr Auto in einem Fahrtsimulator, während ein Magnetresonanztomograph ihre Hirnaktivitäten aufzeichnete. Im Gegensatz zu den Fahrern, die nicht in ein Gespräch verwickelt waren, setzten die mit Knopf im Ohr telefonierenden Probanden 37 Prozent ihres Gehirns weniger ein.

Selbst wenn ein Fahrer versuche, die Konversation auszublenden, werde das Sprachzentrum im Hirn aktiv, sagt Just. «Wenn jemand in Ihrer Muttersprache spricht, kann man das nicht per Willensentscheidung nicht hören», erklärt er. «Es geht einfach durch.»

(ap)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Roman Gmür am 16.12.2011 07:54 Report Diesen Beitrag melden

    freudige Nachricht

    ja, endlich! schade nur, dass es nicht konsequent durchgesetzt wird. Schon jetzt interessiert es die Polizei nicht, wenn jemad das Handy am Ohr hat. Mit oder ohne Freisprechanlage fahren die Autolenker schlimmer als alkoholisierte Verkehrsteilnehmer. Zudem finde ich es eine Zumutung, wenn ich aus einem fahrenden Auto angerufen werde und nur die hälfte verstehe, weil die Qualitöt so schlecht und der Lärm so laut ist. Wer unbedingt telefonieren will, soll anhalten.

  • Tibi am 15.12.2011 20:00 Report Diesen Beitrag melden

    Falsche Lösung

    Also ich hätte es lieber, wenn die Frau auf dem Nachbarssitz ein rede verbot bekämme ;) muahhhh

  • Chris D. am 15.12.2011 23:50 Report Diesen Beitrag melden

    Nur meine Meinung

    Das Problem beim Telefonieren ist nicht das Sprechen. Sondern die Eigenheit des Menschen sich den/die Telefon-gesprächspartner(in) im Geiste vorzustellen weil sie nicht gegenwärtig ist. Bei einem/einer Mitfahrer(in) entfällt das, kann aber schon Ansatzweise nachgewiesen werden wenn die Person hinten mitfährt anstatt auf dem Beifahrersitz. Dort gibt es dafür aber die kurzen Blicke des Fahrers Richtung Beifahrersitz. Das ist auch schon eine Ablenkung. Das zeigt doch, dass Auto fahren nicht so einfach ist wie man meinen könnte. Wir sind eben nicht dafür gemacht. Also Individualverkehr verbieten.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Beat Pfister am 16.12.2011 17:38 Report Diesen Beitrag melden

    Alter Hut...

    Das ist doch ein ganz alter Hut... Gab doch schon vor Jahren diese Studien.. Rausgefunden hat man damals schon, dass das Gespräch ablenkt und nicht das Halten des Gerätes... Und das der Beifahrer weniger ablenkt als der Telefongesprächspartner hat man auch damals schon erkannt. Ganz einfach: Der Beifahrer hat auch Augen und geht unterbewusst auf heikle Situationen ein in dem er ruhig wird. Die meisten auf jeden Fall.. ;-)

  • Roman Gmür am 16.12.2011 07:54 Report Diesen Beitrag melden

    freudige Nachricht

    ja, endlich! schade nur, dass es nicht konsequent durchgesetzt wird. Schon jetzt interessiert es die Polizei nicht, wenn jemad das Handy am Ohr hat. Mit oder ohne Freisprechanlage fahren die Autolenker schlimmer als alkoholisierte Verkehrsteilnehmer. Zudem finde ich es eine Zumutung, wenn ich aus einem fahrenden Auto angerufen werde und nur die hälfte verstehe, weil die Qualitöt so schlecht und der Lärm so laut ist. Wer unbedingt telefonieren will, soll anhalten.

  • Peter Silie am 16.12.2011 07:41 Report Diesen Beitrag melden

    Beste Idee seit langem....

    Diese telefoniererei lenkt viel zu fest vom Verkehr ab. So ein Verbot ist begrüssenswert, ist aber auch durchzusetzen und die Busse soll mindestens CHF 300.- betragen, so dass es auch richtig weh tut.

  • Mc Donald am 16.12.2011 07:35 Report Diesen Beitrag melden

    Auch Rauchen ....

    Rauchen müsste deshalb wohl auch verboten werden. Es lenkt ab, beeinträchtigt die volle Funktion der Zigarette haltenden Hand und birgt die Gefahr von kurzer Blindflugstrecke, wenn der Rauch mal ins Auge gerät. Und in dem Moment wo der Autofahrer den Stummel aus dem Fenster wirft, ist mit der Aufmerksamkeit eh vorbei. Wieviele Zigaretten sind schon während der Fahrt runtergefallen und haben deswegen zu Unfällen geführt? Essen und Musik, auch die Nachrichten im Radio lenken genauso ab. Und die Fussgängerin im Minirock und und und....man sollte das Autofahren verbieten.

  • Peter Muller am 16.12.2011 07:30 Report Diesen Beitrag melden

    Hier ist ein Verbot richtig

    Tja die Erfahrungswerte zeigen leider eine nur negative Bilanz. Darum lernen daraus und konsequent verbieten. Die Bussen müssen greiffen ab Fr. 500 und höher und auch kontrolliert werden sonst bringts nichts. Wer telefonieren will kann rechts ranfahren und stoppen oder später zurückrufen. Wer das nicht fertig bringt soll blechen.