Top-Level-Domains

05. Februar 2014 22:38; Akt: 05.02.2014 22:41 Print

«180'000 Dollar Gebühren sind ein Hindernis»

Seit Mittwoch kann man Internet-Domains mit neuen Adress-Endungen registrieren lassen. 20 Minuten hat mit Wolfram Schmidt, CEO der Registrierungsstelle Switchplus, gesprochen.

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Die globale Internetverwaltung ICANN hat am 5. Februar 2014 die ersten von insgesamt 1930 neuen Internet-Adress-Endungen freigegeben. (Bild: Wikipedia/Montage)

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Ab sofort können Nutzer Internetadressen innerhalb neuer zielspezifischer Domänen registrieren. Wolfram Schmidt, Geschäftsführer der Schweizer Registrierungsstelle Switchplus AG, spricht über den Bewerbungsprozess, Risiken im Zusammenhang mit Domain-Endungen und darüber, wer von den neuen Top-Level-Domains profitiert.

Herr Schmidt, wird es einen Ansturm auf die neuen, ab dem 5. Februar verfügbaren Domain-Registrierungen geben?
Es wird anfangs ein grosses Interesse für sehr attraktive Domains wie z. B. «.swiss», «.singles» oder «mountain.bike» geben. Das Volumen wird sich allerdings auf die ca. 1000 neuen Domain-Endungen verteilen und damit pro Endung nicht so gross sein.

Für wen ist die Erweiterung vor allem sinnvoll?
Geschäftlich sehr interessant sind vor allem sogenannte Restricted Domains, d. h. Domain-Endungen, die man nur registrieren kann, wenn man dazu qualifiziert ist. Das wird voraussichtlich für Endungen wie «.med» (Ärzte) und «.swiss» (Schweizer Bezug) gelten. Diese Endungen werden dem Website-Besucher klar anzeigen, dass er auf einer qualifizierten Website für diesen Bereich ist. Interessant sind die neuen Endungen auch für Geschäfte, die nicht mehr ihre Wunschdomain erhalten haben, da sie bereits vergeben war. Jetzt bieten sich hier neue Chancen. Schliesslich profitiert die Domain-Industrie von mehr Verkäufen. Die Industrie schätzt, dass sich die Anzahl Domains bis in ein paar Jahren verdoppeln wird.

Macht die Erweiterung für private Nutzer überhaupt Sinn?
Wenn ich eine Party veranstalte und dazu eine Website machen möchte, ist die Domain «havefun.party» einprägsamer als «havefun-party.ch». Für verschiedene Freizeitaktivitäten kann die Domain-Endung bereits eine Indikation geben, wofür die Website steht, und ist deshalb attraktiver – auch für Private.

Kann auch ein Privater ohne Weiteres die Schaffung einer neuen Top-Level-Domain (TLD) beantragen?
Die Bewerbungsrunde bei der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) für neue TLDs ist bereits geschlossen. Es ist allerdings möglich, dass in ein paar Jahren wieder eine neue Runde eröffnet wird. Allerdings waren die Bewerbungsgebühren von 180'000 Dollar bereits schon dieses Mal ein Hindernis für Private.

Wie kann man mit den neuen TLDs für mehr Traffic sorgen?
Heute weiss man noch nicht, wie Google die neuen TLDs berücksichtigen wird. Das wird sicher eine grosse Rolle beim Traffic spielen. Allerdings kann man heute schon annehmen, dass ein Webseitenbesucher es schätzen wird, wenn er an der Domain-Endung schon sieht, um welchen Inhalt es sich auf der Website handelt.

Aufgrund der Ausweitung der TLDs wird es für Internet-Nutzer nahezu unmöglich, die Herkunft einer Website zu eruieren. Haben illegale und betrügerische Webseitenbetreiber dadurch nicht einen enormen Vorteil, da sie sich noch besser in der Anonymität des Internets verstecken können?
Schon heute sind die persönlichen Daten von Domain-Inhabern im Whois öffentlich einsehbar. Das wird auch bei den neuen TLDs so sein. Ich gehe im Gegenteil davon aus, dass durch die Einführung von Restricted Domains mehr Kontrolle und damit weniger Betrugsmöglichkeiten im Internet bestehen werden.

Werden lokale Nutzer bei der Vergabe neuer Domains bevorzugt berücksichtigt, oder gilt für alle das Prinzip «Wer zuerst kommt, mahlt zuerst»?
Die verantwortliche Registry entscheidet, wer eine Domain registrieren darf. Dabei gibt es öffentliche und Restricted Domains und solche, die ein Unternehmen nur für sich und seine Kunden verwendet (z.B. «.google»). Bei den öffentlichen Domains gibt es zunächst die Sunrise-Phase, bei der Markeninhaber mit einer Eintragung im Trademark Clearinghouse ihre entsprechende Domain registrieren können (z.B. «switchplus.domains»). Dann folgt optional eine Landrush-Phase, bei der die Registry Domains entweder meistbietend versteigern lässt oder über ein Early-Access-Verfahren zu höheren Preisen verkauft. Mit dem Start der Public Registration gilt das «First come, first served»-Prinzip.

Wie läuft eine Domain-Vergabe konkret ab?
In der Schweiz kann man über Switchplus als einzigen Anbieter seit November die Domains der neuen TLD vormerken lassen. Diese Vormerkungen können beginnend mit dem Launch der ersten TLD am 5. Februar in Registrierungsanträge für Domains gewandelt werden, und Switchplus versucht diese dann gleich beim Start der Public Registration über einen Direktzugriff bei der Registry zu registrieren. Ist die Registrierung erfolgreich, wird dem Kunden die Abonnementsgebühr für den Domain-Namen für das erste Jahr in Rechnung gestellt. War sie nicht erfolgreich, hat der Kunde keinerlei Kosten zu tragen. Der Switchplus-Service ist für alle Kunden kostenlos. Bei den Restricted Domains definiert die Registry das Zulassungsverfahren. Das ist zum heutigen Zeitpunkt z. B. für «.zuerich» oder «.swiss» noch nicht bekannt. Bei den Domains von Unternehmen bestimmt das Unternehmen, wie es seine Domains vergibt, zum Beispiel könnte jeder Kunde als Identifikation oder als Speicherplatz für seine abonnierten Dienste eine entsprechende Domain vom Unternehmen erhalten, um die Dienstleistungen besser und in einem geschlossenen Umfeld zu verwalten.

(pst)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Patrick am 05.02.2014 23:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wer gibt noch domain namen ein???

    was nicht auf Google gefunden das wird nicht angesurft... so einfach ist das... mir egal was für eine domain hinter der information die ich brauche steht...

    einklappen einklappen
  • de ruedi am 05.02.2014 23:28 Report Diesen Beitrag melden

    ICANN

    die frage ist doch, für was die ICANN soviel geld will... :/

  • hans fritz am 06.02.2014 01:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Herr

    Ein Internet für Reiche. Tolle Zukunft!

Die neusten Leser-Kommentare

  • sascha am 07.02.2014 13:01 Report Diesen Beitrag melden

    Gesicht zeigen!

    ich würde lieber gerne das gesicht der person sehen, der sich so enorm ohne arbeit zu leisten so abzokkt.$ her mit dem gesicht!

  • Kurt am 06.02.2014 15:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Switchplus nicht registrierungs behörde

    Die behörde heisst switch, switchplus ist ein provider der inhaber von switch. Das ist ein riesen unterschied

  • stützliwösch am 06.02.2014 13:39 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht hinderlich sonder Lächerlich

    Da können nur noch Grossfirmen, die sowieso schon alle kleineren in der Hand und so das Monopol über alle haben. ..wie auch ein solche Summe für diese lächerlichen Zusätze, naja...aber die können sich das ja leisten!! 2 Klassen Gesellschaft geht nun auch in der Ditgitalen Welt !! priiiimaaa....

  • Kevin am 06.02.2014 09:19 Report Diesen Beitrag melden

    Ähm...

    "180'000 Dollar stellen ein Hindenis dar für Private." Ach nee? So locker mal 180'000 damit bei der Website .party am Ende steht.. Kauf ich mir jede Woche eine neue!

    • Fabian Kaiser am 06.02.2014 14:00 Report Diesen Beitrag melden

      Bewerbungs-, nicht Registrierungskosten

      Es geht um die Bewerbung einer "neuen" Domainendung. Nicht um die Registrierungskosen. Dadurch, dass Party bewilligt wurde bezahlst du einen normalen Betrag um eine .party-Website zu erstellen (zwischen 29.- und 99.- soviel ich weiss).

    • Nivek am 06.02.2014 15:35 Report Diesen Beitrag melden

      neue tld kosten 180'000

      kevins.party wird nicht 180'000 kosten, die wird sich der private kevin leisten können, aber wenn du party.kevin haben willst und deswegen die tld kevin brauchst, sieht das anders aus...

    • Marc Meier am 06.02.2014 16:55 Report Diesen Beitrag melden

      Falsch verstanden

      *Ähm* lesen Sie bitte den Artikel noch einmal. Die 180'ooo bezahlen Sie, wenn Sie eine komplett neue Endung beantragen möchten. Nicht wenn Sie eine Adresse von einer existierenden Endung kaufen...

    • Christian Zumbrunnen am 07.02.2014 22:41 Report Diesen Beitrag melden

      ähm...

      eine Domain mit .party wird nicht (viel) mehr kosten als die anderen neuen Top Level Domains. Es kostete den (bzw. die) Registrar(e) 180'000$ um sich für als Anbieter dieser Domain zu bewerben. Und übrigens: Es soll sich bei .party um eine auf Party-Organisatoren und dergleichen beschränkte Domain handeln. Nicht jeder kann eine haben ;-). Aber soweit ich das weiss, ist noch nicht klar, wer die Domain erhalten wird.

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  • hans fritz am 06.02.2014 01:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Herr

    Ein Internet für Reiche. Tolle Zukunft!