Rechenzentrum

22. April 2019 19:02; Akt: 24.04.2019 08:38 Print

«90 Prozent des Internet-Traffics läuft über uns»

Als Nutzer bekommt man wenig davon mit, was nötig ist, damit Internetdienste funktionieren. Ein Besuch in einem der wichtigsten Rechenzentren der Schweiz.

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Der Schweizer Geschäftsführer von Equinix, Roger Semprini, erzählt beim Besuch von 20 Minuten, dass der grösste Teil des Schweizer Internetverkehrs durch eines der Rechenzentren des Unternehmens läuft. Von aussen sieht das Rechenzentrum aus wie eine ganz normale Industriehalle. Nur wer auf die Details achtet, bemerkt einige Unterschiede. So ist das ganze Gebäude leicht erhöht gebaut, damit es bei einer allfälligen Flut dennoch trocken bleibt. Auch gibt es auf dem Gelände verschiedene Überwachungskameras, damit niemand unbemerkt das Gebäude betreten kann. Auch im Innern wird Sicherheit grossgeschrieben. Nur mit einem Badge allein kommt man im Gebäude nicht weit. Der Zutritt wird zusätzlich unter anderem mit Handscannern gesichert. Besucher und Mitarbeiter müssen zudem spezielle Sicherheitsschleusen passieren. Drinnen stehen hunderte solcher Racks. Darin befinden sich etwa Server und Festplatten. Jeder Kunde erhält seinen eigenen Platz und liefert auch das Equipment dafür selber an. Unter anderem gehören Streaming-Anbieter, Cloud-Dienstleister und soziale Netzwerke zu den Kunden von Equinix, ... ... aber auch Banken und kleinere und mittlere Unternehmen. Grössere Kunden können sich auch gleich einen eigenen Raum im Rechenzentrum mieten. Equinix selbst bietet nur die Infrastruktur sowie die Konnektivität an und sorgt für die nötigen Sicherheitsmassnahmen. Unter anderem betreibt das Unternehmen weitere Rechenzentren in Zürich und in Genf. Die Standorte sind untereinander mit speziellen Glasfaser-Kabeln verbunden, so dass Daten in einem hohen Tempo übertragen werden können. Die Kabel werden im Rechenzentrum getrennt geführt und es gibt eine klare Einteilung. Rot steht für Netzwerkkabel und gelb für Glasfaserkabel. Auch im Gebäude selbst und in den technischen Räumen gibt es überall Kameras, sodass Unbefugte nichts verändern können oder falls dies passieren würde, dass es Beweise gibt. Kontrolliert und gesteuert wird die Sicherheit des gesamten Gebäudes über diesen sogenannten Control Room. Auch die Temperatur muss in einem Rechenzentrum stimmen. Im Bild sind spezielle Systeme zu sehen, die den Raum konstant auf 22 Grad runterkühlen. Die Wärme wird dann über Leitungen nach draussen geleitet und kann entweichen. Die Energiezufuhr ist ebenfalls mehrfach abgesichert. Falls der Strom einmal ausfallen würde, könnte der Betrieb mit Dieselgeneratoren für mehrere Tage sichergestellt werden. Weil die Nachfrage anhält, baut Equinix das Rechenzentrum nun aus. Im vorderen Teil ist das bisherige Gebäude zu sehen, im Hintergrund ein Teil des Neubaus. Dieser wird etappenweise fertiggestellt. Schlussendlich wird das Rechenzentrum in der Nähe von Zürich das grösste im Kanton und vielleicht sogar das grösste der Schweiz sein.

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Schon beim Zutritt wird klar, dass Sicherheit hier ein wichtiges Thema ist. Nur wer angemeldet ist, darf überhaupt hinein. Und jede Person, die das Gebäude betreten möchte, muss die ID abgeben und erhält sie erst beim Verlassen des Geländes wieder zurück. Das trifft für die Mitarbeiter zu, die ihren Ausweis erst am Ende des Arbeitstages zurückbekommen.

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Die Massnahmen sind nicht grundlos. In dem unscheinbaren Industriegebäude unweit der Stadt Zürich befindet sich eines der Rechenzentren von Equinix. Die Firma ist in der breiten Bevölkerung wohl eher unbekannt. Dennoch haben die meisten Schweizer – wohl ohne es zu wissen – bereits mit ihren Diensten zu tun gehabt.

Rückgrat der Digitalisierung

«Über 90 Prozent des Schweizer Internetverkehrs läuft durch eines unserer Rechenzentren», sagt Roger Semprini, Geschäftsführer Schweiz von Equinix. Kein Wunder, denn zu den Kunden der Firma gehören unter anderem bekannte Streaming-Anbieter, Cloud-Dienstleister und soziale Netzwerke. Zu den Kunden zählen auch Schweizer Firmen wie etwa Stadler Rail.

Das Unternehmen agiert weltweit. Equinix ist der mit Abstand grösste Anbieter in diesem Bereich und mehr als doppelt so gross wie der nächste Konkurrent, sagt Semprini. Insgesamt gibt es über 200 Equinix-Rechenzentren, darunter auch an Standorten wie Zürich und Genf. Die Digitalisierung wird also unter anderem durch die Infrastruktur der Firma erst ermöglicht.

Redundante Architektur

Entsprechend müssen die Server und Daten, die sich in den hunderten Racks innerhalb des Gebäudes befinden, auch sehr gut gesichert werden. Einerseits wird die Temperatur in den Räumen konstant auf etwa 22 Grad gehalten, damit die Computer effizient arbeiten können. Dies wird über spezielle Kühlsysteme erreicht.

Ausserdem muss die Stromzufuhr gegen potentielle Aussetzer geschützt werden. Deshalb übernehmen kurzfristig Batterien die Energiezufuhr, falls der Strom einmal ausfallen sollte. Dauert ein Ausfall länger, werden spezielle Diesel-Generatoren eingesetzt. Vor Ort wird genug Kraftstoff gelagert, um die Stromversorgung rund 160 Stunden lang überbrücken zu können.

Der Ausbau läuft

Die Firma Equinix stellt den Kunden nicht die komplette Technik, sondern nur den Platz in ihren Rechenzentren und die dazugehörige Infrastruktur zur Verfügung. Für die Computer und das Equipment in den einzelnen Racks, beziehungsweise in den gemieteten Räumen, sind die Kunden selbst verantwortlich. Equinix hat weder physisch noch elektronisch Zugriff darauf.

Weil die Nachfrage nach den Dienstleistungen von Equinix stetig steigt, ist das Unternehmen nun dabei, das Rechenzentrum in der Nähe von Zürich stark auszubauen. Am Ende wird es über eine Fläche von 7500 Quadratmetern verfügen und somit das grösste im Kanton und vielleicht sogar in der Schweiz sein. Bereits im Frühling soll der erste neue Teil fertiggestellt sein.

(swe)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • BigData am 22.04.2019 19:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gratiswerbung

    Ehm ist dies nun ein News-Artikel eine Publireportage oder einfach nur Werbung?

    einklappen einklappen
  • Franz B am 22.04.2019 19:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Standard

    Von solchen Rechenzentren gibt es jede Menge in der Schweiz. Da ist nichts besonderes daran. Und die 90% sollte er einmal mit Facts belegen .

    einklappen einklappen
  • Ihre Dudeigkeit am 22.04.2019 20:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ähwaa...

    Naja 90% des CH Internet Traffics...?? Da sind entweder d Schreiberling oder dem Hr. CEO so richtig die Pferde durchgebrannt. Die restlichen 10% werden dann aid die anderen 30+ Data center verteilt?? Echt jetzt?

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • fake news oder was? am 27.04.2019 20:11 Report Diesen Beitrag melden

    90 %, echt jetzt?

    bitte um Klar-/Richtigstellung...

  • Ruuter am 24.04.2019 20:46 Report Diesen Beitrag melden

    Staat muss eingreifen

    90% wären fast schon ein Monopol. Das darf nicht sein! Der Staat muss durchgreifen. Was ist, wenn diese 'Equinix' im Nullkommanix weg ist wegen Konkurs oder Erdbeben? Ist dann 90% des Schweizer Internets tot? Der Staat sollte für Krisenzeiten - und als Monopolisten-Kontrolle - selber eine Internetzentrale haben/anbieten.

    • nicht / wichtig am 30.04.2019 10:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Ruuter

      Es ist wahrscheinlicher das du vom Blitz getroffen wirst, als dass Equinix konkurs geht

    einklappen einklappen
  • René am 24.04.2019 16:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erschreckend

    Also wennn die 90% stimmen, macht mir das massiv mehr Bauchschmerzen in Sachen Too-Big-To-Fail, als die UBS, welche wohl einfacher und risikoloser substituiert werden könnte. Ob sich unsere Regierung dessen bewusst ist??

  • Herr Max Bünzli bei CISCO am 23.04.2019 16:06 Report Diesen Beitrag melden

    genau

    und der Rest die 10% genau läuft über das Bügeleisen

  • Langeweile am 23.04.2019 12:12 Report Diesen Beitrag melden

    Diskussionen wie bei 5G

    Viele experten auch hier. Nimmt mich wunder vieviele neue Gesetze Regelungen und verbote auch hier verlangt werden.