Umstrittene Dashcams

03. Juli 2013 18:52; Akt: 03.07.2013 19:35 Print

«Auto-Kameras verstossen gegen den Datenschutz»

von Oliver Wietlisbach - Autofahrer filmen mit Dashcams andere Autofahrer. Was in Russland Volkssport ist, wird auch bei uns populärer. Doch mit Kameras hinter der Windschutzscheibe Polizei zu spielen, ist heikel.

Der alltägliche Irrsinn auf Russlands Strassen (Quelle: YouTube/animalnewyork)
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Kamera aufs Armaturenbrett montiert, und los geht die Filmerei. Spätestens seit dem Meteoriteneinschlag in Russland, der Anfang 2013 von Dutzenden Auto-Kameras festgehalten worden ist, sind Dashboard-Kameras auch bei uns ein Begriff. Der Elektronikhändler Digitec bestätigt, dass «die Nachfrage bis anhin gering, jedoch stark steigend» ist. Kunden seien vor allem Privatpersonen und Autogaragen, heisst es beim Online-Händler Brack. Doch sind diese Gadgets, die wie Navigationsgeräte an der Windschutzscheibe oder auf dem Armaturenbrett befestigt sind, bei uns erlaubt?

Verboten - oder doch nicht?

Ein klares Nein kommt aus dem Büro des obersten Datenschützer des Landes, Hanspeter Thür. Zwar seien Dashcams an sich nicht verboten, «das Filmen von Menschen und Nummernschildern, sofern sie erkennbar sind, widerspricht jedoch dem Datenschutz», sagt Mediensprecherin Eliane Schmid. Gefilmte Personen müssten wissen, dass sie aufgenommen werden und ihr Einverständnis geben. Diese Voraussetzungen seien bei Aufnahmen aus dem Auto heraus nicht gegeben. Dabei spiele es auch keine Rolle, ob man das Video nur für private Zwecke nutze oder auf YouTube veröffentliche. Ausgenommen von dieser Regel ist die Polizei, die im Bedarfsfall mit der Auto-Kamera auf die Pirsch gehen darf.

Thomas Rohrbach vom Bundesamt für Strassen (ASTRA) widerspricht: «Aus Sicht des Strassenverkehrsrechts ist gegen Dashcams nichts einzuwenden, sofern die Kamera das Sichtfeld des Lenkers nicht einschränkt und er die Kamera während der Fahrt nicht bedient.» Der Einsatz von Dashcams ist umstritten: «Auf jeden Fall verboten ist es, mit Auto-Kameras Polizei zu spielen, um andere Verkehrsteilnehmer anzuschwärzen», sagt der Zürcher Staatsanwalt und Verkehrsexperte Jürg Boll. Die Verkehrssicherheit obliege alleine der Polizei und nicht Privaten, so Boll.

Aufnahme kann gegen Filmer genutzt werden

Auf Russlands Strassen gilt vielerorts das Recht des Stärkeren, entsprechend häufig kracht es im Strassenverkehr. Viele Automobilisten versuchen daher mit Dashcams ihre Unschuld zu beweisen. Dies sei ein zweischneidiges Schwert, findet Boll. Die Videoaufzeichnungen könnten auch gegen den Filmer genutzt werden, falls dieser selbst einen Unfall baut. Bei uns muss ein Dashcam-Nutzer die Kamera auf jeden Fall herausgeben, sofern er von der Polizei oder der Staatsanwaltschaft dazu aufgefordert wird.

Videobeweis vor Gericht

Staatsanwalt Boll bestätigt, dass Filmaufnahmen mit Smartphones in der Schweiz bereits in mehreren Fällen vor Gericht als Beweismittel zugelassen wurden. Ein Fall mit einer Auto-Kamera sei ihm aber nicht bekannt. Die Mediensprecherin des Eidgenössischen Datenschützers gibt zu bedenken, dass Dashcam-Aufnahmen vor Gericht nicht zwingend als Beweismittel akzeptiert werden. «Alleine der Richter entscheidet, ob ein Videobeweis zugelassen wird.»

Fest steht: Auto-Kameras sind in der Schweiz noch wenig verbreitet, aber auf dem Vormarsch. Auch den Versicherungen fehlen daher Erfahrungswerte mit Dashcam-Aufnahmen. «Ob eine Dashcam nützlich ist oder nicht, können wir nicht final beurteilen, da uns hierfür genaue Zahlen fehlen», heisst es bei AXA Winterthur. Im Einzelfall könne eine Dashcam wichtige Hinweise für den Unfallhergang liefern, Crash Recorder würden allerdings umfassendere Daten liefern.

Dashcams filmen Meteoriteneinschlag in Russland

Quelle: YouTube/bugvision

Auto-Kamera filmt Flugzeugabsturz in Afghanistan

Quelle: YouTube/TAREK3691

Mitarbeit: Felix Raymann

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Toby Suter am 04.07.2013 15:58 Report Diesen Beitrag melden

    Ich habe eine montiert, seit mir einer

    retour mit Vollgas auf das Auto darauf ist (März 13)und im April 13 ein Velofahrer bei Rot beinahe auf der Haube gelandet ist. Das letztere kostet unter Umständen unschuldig das Billett weil es Diskussionen gibt. Das lasse ich mir nicht gefallen. Künftig gibt's keine Diskussionen mehr! Kann es nur empfehlen, die Datenschutz Diskussionen sind ein Witz, Google und co sind weit schlimmer. Meine Daten werden nur bei Unfall verwertet. Auch stört es nicht hinter dem Innenspiegel.

  • Peter B. am 04.07.2013 00:07 Report Diesen Beitrag melden

    Jaja der Datenschutz

    "das Filmen von Menschen und Nummernschildern, sofern sie erkennbar sind, widerspricht jedoch dem Datenschutz" oder anders gesagt, jeder der ein Foto, oder ein Video macht, auf dem Personen drauf sind, muss VOR der Aufnahme jede einzelne Person schriftlich um Erlaubnis bitten. Na dann mal viel Spass am nächsten Open Air...

  • Buschauffeur In SO am 04.07.2013 02:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sicherheit?

    Ich lade den Datenschützer gerne ein für eine Woche meinen Job zu übernehmen!! Chauffeur im ÖV. Der hätte eine Glatze von all den Verkehrsraudis. Aber nur die angeschriebenen dürfen!! Da fahren ja alle soooo korrekt?!? Warte auf die Google-Brille und freue mich dass bald alle Fz im ÖV Speicher haben ob der Blinker gestellt war oder nicht! Aber wahrscheinlich kommt da auch wieder ein das geht nicht,das "Opfer" wird nicht geschützt!! Hurra die Schule brennt und wir haben Löschpapier:-))

Die neusten Leser-Kommentare

  • Toby Suter am 04.07.2013 15:58 Report Diesen Beitrag melden

    Ich habe eine montiert, seit mir einer

    retour mit Vollgas auf das Auto darauf ist (März 13)und im April 13 ein Velofahrer bei Rot beinahe auf der Haube gelandet ist. Das letztere kostet unter Umständen unschuldig das Billett weil es Diskussionen gibt. Das lasse ich mir nicht gefallen. Künftig gibt's keine Diskussionen mehr! Kann es nur empfehlen, die Datenschutz Diskussionen sind ein Witz, Google und co sind weit schlimmer. Meine Daten werden nur bei Unfall verwertet. Auch stört es nicht hinter dem Innenspiegel.

  • Buschauffeur In SO am 04.07.2013 02:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sicherheit?

    Ich lade den Datenschützer gerne ein für eine Woche meinen Job zu übernehmen!! Chauffeur im ÖV. Der hätte eine Glatze von all den Verkehrsraudis. Aber nur die angeschriebenen dürfen!! Da fahren ja alle soooo korrekt?!? Warte auf die Google-Brille und freue mich dass bald alle Fz im ÖV Speicher haben ob der Blinker gestellt war oder nicht! Aber wahrscheinlich kommt da auch wieder ein das geht nicht,das "Opfer" wird nicht geschützt!! Hurra die Schule brennt und wir haben Löschpapier:-))

  • Mr Been am 04.07.2013 01:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Staatsangestellte gegen alle

    Wie wird das enden? Etwa so: Ein paar verrückte Staatsangestellte dürfen alles und die Leute nichts bzw werden zum Spielball der Staats-Willkürherrschaft.

  • Stephan am 04.07.2013 01:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Crash Cam

    Es gibt doch schon solche Crash Kameras die man ins Auto einbauen lassen kann.

  • Peter B. am 04.07.2013 00:07 Report Diesen Beitrag melden

    Jaja der Datenschutz

    "das Filmen von Menschen und Nummernschildern, sofern sie erkennbar sind, widerspricht jedoch dem Datenschutz" oder anders gesagt, jeder der ein Foto, oder ein Video macht, auf dem Personen drauf sind, muss VOR der Aufnahme jede einzelne Person schriftlich um Erlaubnis bitten. Na dann mal viel Spass am nächsten Open Air...