Sperre für Gamer

09. Oktober 2019 17:07; Akt: 09.10.2019 17:07 Print

«Befreit Hongkong!»-Aussage mit bösen Folgen

Für eine politische Äusserung hat ein E-Sportler aus Hongkong eine Sperre von einem Jahr erhalten. Das hat eine Hate-Welle ausgelöst.

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Ng Wai «Blitzchung» Chung spielt in der weltweit höchsten Liga des Sammelkartenspiels «Hearthstone». Der E-Sportler gehört zu den absoluten Topspielern. Nun hat er abseits des Games für Gesprächsstoff gesorgt. Nach einem Turnier äusserte er sich mit Atemmaske und Skibrille verhüllt in einem taiwanischen Stream: «Befreit Hongkong, die Revolution unserer Zeit.»

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Die zwei anwesenden Interviewer versteckten sich währenddessen unter ihrem Tisch. Direkt nach seiner Aussage wurde Werbung eingeblendet, wie Heise.de schreibt. Der Auftritt hatte Konsequenzen. Blitzchung wurde vom «Hearthstone»-Entwickler Blizzard Entertainment für ein Jahr gesperrt. Zudem wurden ihm Preisgelder in Höhe von rund 16'000 Franken aberkannt, wie Spiegel.de erklärte.

Fristlose Kündigung

Blizzard Entertainment hat nach der Aktion weitere Schritte unternommen. Die Aufzeichnung wurde von der Streamingplattform Twitch gelöscht. Die US-Firma hat den beiden Interviewern zudem fristlos gekündigt.

Blizzard sei offenbar besorgt über mögliche Auswirkungen auf seine chinesischen Geschäftsinteressen, schreibt der Tech-Blog Theverge.com. Viele Spieler werfen Blizzard nun vor, dass sie wirtschaftliche Interessen in China über die freie Meinungsäusserung stellen.

In einem offiziellen Statement erklärte Blizzard, dass Blitzchung gegen die Turnierregeln verstossen habe. Diese würden Teilnehmern verbieten, «den Ruf von Blizzard zu schädigen oder einen Teil der Öffentlichkeit zu beleidigen». Er bereue nicht, dass er sich geäussert habe, erklärt Chung bei IGN.com. «Ich habe die Entscheidung von Blizzard erwartet. Ich denke, dass es unfair ist, aber ich respektiere die Entscheidung», sagte er.

«Befreit Hongkong!» – Aussage mit Folgen

Solidaritätswelle für Chung

Der Fall hat eine Hate-Welle gegen Entwickler Blizzard ausgelöst. Im Internet rufen Spieler nun zum Boykott der Firma auf. Auf Reddit kündigten «Hearthstone»-Spieler an, ihr Konto zu deaktivieren. Ein US-Team hat aus Solidarität während eines Livestreams ein «Free Honkong, boycott Blizzard»-Schild in die Kamera gezeigt. Worauf der offizielle Stream allerdings abrupt umschaltete.

Andauernde Proteste

Seit Monaten gehen Demonstranten in Hongkong auf die Strasse. Hunderttausende protestieren gegen zunehmende Einflussnahme der chinesischen Regierung aus China. Auslöser der Proteste war eine umstrittene Gesetzesvorlage, die die Auslieferung an China ermöglicht. Hongkong war früher eine britische Kolonie. 1997 ging sie wieder an China über. In Hongkong leben knapp 7,5 Millionen Menschen.

(tob)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Grün(d)er am 09.10.2019 17:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bedenklich

    So weit ist unsere "Meinungsfreiheit" inzwischen...

  • Vorname/Name am 09.10.2019 22:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Right to speak up

    Also die Folgen für Blizzard sind momentan wesentlich schlimmer... #BoycottBlizzard

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  • EMMM am 09.10.2019 19:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    China Logik

    Alles muss Überwacht Kontrolliert und, Zensiert um die Staatsordnung zu erzwingen. Ja China ist ein entwicklungs Land, und muss noch viel dazulernen, um sowohl mit der Bevölkerung als auch in Staatliche ebene zu Harmonisieren. Wenn China eine Weltmacht werden will, dann werden sie an mehrere Meinung ethnien etc, scheitern weil das Etablierte System nicht allgegenwärtig ist, und muss am ende, durch Anpassungsfähigere Regierungssystem ersetzt werden. Denn eine erzwungene Wille, erschafft neue Probleme, und untergräbt die Glaubwürdigkeit im Interesse des Volkes oder Internationale ebene zu Handeln. Wer klug Handelt, kann auch trotz wiederstand einen Kompromis finden. Aber es ist letztendlich, bis dahin ein langer weg.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Manu am 10.10.2019 23:10 Report Diesen Beitrag melden

    Fakten

    1. Es gibt Turnierregeln, er hat dagegen verstossen. 2. Keine Politik im Sport. 3. Wenn Activision Blizzard sämtliche westlichen Kunden verliert, China ist wichtiger. Da rollt der Dollar. 4. Ich als Gamer muss sagen, dieser Kindergarten wegen dem berechtigten Bann ist kommende Woche vorbei.

  • Robert S am 10.10.2019 13:23 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Wunder

    Kein Wunder, denn Blizzards gehört teilweise den Chinesen (Tencent) und wie jeder chinesische Konzern werden diese auch durch die Regierungsbehörden kontrolliert die im Verwaltungsrat solcher Firmen sitzen...

  • Avenarius am 10.10.2019 13:21 Report Diesen Beitrag melden

    Gamer sind keine Sportler

    Nur weil die Game-Industrie (nennt sich selber so) euch zu Sportlern wegen dem Image raufstufen möchte, seid ihr E-Gamer noch lange keine Sportler. Finger stundenlang vor der Glotze bewegen ist kein Sport. Geht mal richtig Schwitzen :-)

    • Sebi am 10.10.2019 14:00 Report Diesen Beitrag melden

      Am Thema vorbei

      Und das hat jetzt genau WAS mit dem Thema zu tun? Nebenbei ist Schach ebenfalls ein anerkannter Sport, seit Jahrzehnten.. und die bewegen sich definitiv noch weniger!

    • Philoswiss am 10.10.2019 15:51 Report Diesen Beitrag melden

      @Avenarius

      Unter Sport geht alles was in einem sportlichen Wettkampf ausgetragen werden kann. Auch Kirschkern-Weitspucken. Zudem ist das Gehirn der grösste Kalorienverbrenner im Körper. E-Sport vordert viel Gehirnleistung, würden sie mal ein intensives Spiel spielen, wüssten sie das ihnen danach der Kopf glüht. Und Sebi hats schon gesagt: Total am Thema vorbei.

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  • garr am 10.10.2019 12:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was denn sonst

    Ist schon logisch der Entscheid von Blizzard. Die schauen aufs Geld und wenn Sie den ganzen Chinamarkt verlieren ist das viel schlimmer als die jetzt einzelnen boykotierenden Leute.

    • Sebi am 10.10.2019 14:01 Report Diesen Beitrag melden

      Glaube nicht das China reicht

      Asia/Pacific bringt Blizzard momentan rund 12% von ihrem Umsatz. Ob das ausreicht? Ich denke sie haben schon in der Vergangenheit oft komische Entscheidungen getroffen und wo es früher mal hiess "Gamer first", steht heute "Money first". Leider gibt es die alte Marke Blizzard seit Activision nicht mehr...

    • Flash Gordon am 10.10.2019 20:03 Report Diesen Beitrag melden

      @garr

      Der Backlash ist gewaltig laut US Medien haben selbst schon Angestellte in den USA gekündigt. Da kommt noch mehr.

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  • jay jay am 10.10.2019 08:26 Report Diesen Beitrag melden

    blizzard

    politische aussagen haben an e-sport wettkämpfen nichts verloren.