Swisscom-Blackout

12. Februar 2020 13:06; Akt: 12.02.2020 13:12 Print

«Der erneute Ausfall ist erschreckend»

Bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr sind die Notrufsysteme der Schweiz grossflächig ausgefallen. Ein Telekom-Experte fordert nun konkrete Lösungen.

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Rund einen Monat ist es her, seit die Swisscom den ersten Grossausfall des Jahres melden musste. Auch die Notruf-nummern waren damals betroffen. Nun kam es in der Nacht auf Mittwoch zu einem erneuten Ausfall. Wieder waren die Notrufzentralen nicht erreichbar. Dies sei erschreckend, findet Ralf Beyeler, Telekom-Experte bei Moneyland.

«Natürlich kann es bei jeder Technologie hin und wieder zu Ausfällen kommen. Beunruhigend ist aber, dass es bei der Swisscom nun schon wieder passiert ist», so Beyeler. Im heutigen Zeitalter sei es nicht mehr vertretbar, dass sich die Notfallzentralen auf nur einen Anbieter verlassen müssten. «Es ist an der Zeit, dass sich die Politik eine grundsätzliche Frage stellt: Wie stellen wir sicher, dass die Notrufzentralen immer erreichbar sind?»

«Das kann nicht die Lösung sein»

Eine mögliche Lösung ist laut Beyeler ein sogenannt redundantes System. Dabei würden die Leitungen bei einem Ausfall automatisch auf einen Drittanbieter umgeleitet. «Dies funktioniert bei der Notrufnummer 112 bereits. Hat ein Provider einen Ausfall oder befindet man sich in einem Funkloch seines Hauptanbieters, kann ein Notruf auch über ein konkurrenzierendes Netz abgesetzt werden», erklärt Beyeler.

Das bringt aber nur etwas, wenn auch die Verbindung vom entsprechenden Provider zur Notrufzentrale funktioniert. Da aber die Notrufzentralen nur über das Swisscom-Netz mit dem restlichen Netz verbunden sind und nicht etwa auch über Sunrise oder Salt, konnten auch über 112 abgehende Anrufe ihr Ziel wegen des Swisscom-Ausfalls nicht erreichen.

«Zwar haben die lokalen Behörden wie beispielsweise die Kantonspolizei Zürich über Twitter Handynummern angegeben, die im Notfall gewählt werden können, das kann aber natürlich nicht die Lösung sein», so Beyeler.

Direkt zum Polizeiposten

Mit Problemen der Alarmierung beschäftigt sich auch das Bundesamt für Bevölkerungsschutz (Babs). Mediensprecher Andreas Bucher erklärt, wie man sich während eines solchen Ausfalls in einem Notfall verhalten sollte: «Einige kantonale Behörden geben jeweils via die Website Alert.swiss und die App Alertswiss alternative Handynummern bekannt. Fallen diese auch aus, geht man bei einem Notfall am besten direkt und persönlich auf den nächsten Polizei- oder Feuerwehrposten.» Dies setzt natürlich voraus, dass die betroffene Person dazu noch in der Lage ist und die Zeit nicht allzu sehr drängt.

Käme es während eines solchen Ausfalls zu einem grösseren Notfall, von dem viele Bürger betroffen sind, würden ausserdem die krisenresistenten Systeme wie Radio und Sirenen zum Einsatz kommen. «Einige Kantone haben auch sogenannte Notfalltreffpunkte eingerichtet, die aufgesucht werden können», so Bucher. Das Babs sei aber daran, zusammen mit dem Bakom abzuklären, wie man die Notrufsysteme in Zukunft resistenter machen kann.

Auch die Swisscom will für die Zukunft Lösungen suchen: «Wir schauen das Problem mit den Notruforganisationen an und überprüfen gemeinsam mit ihnen ihre alternative Erreichbarkeiten. Wir sind in engem Austausch mit den Behörden und Organisationen und bedauern den Ausfall ausserordentlich», heisst es auf Anfrage.

(doz)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Korporal Blatter am 12.02.2020 14:51 Report Diesen Beitrag melden

    Es war ein grosser Fehler

    Telefon komplett auf Internet zu wechseln. Analoger Funk hat im Kriesenfall riesen Vorteile, gilt auch für Rundfunk. Im Kriegsfall kann man unsere Handys vergessen.

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  • Marco am 12.02.2020 14:59 Report Diesen Beitrag melden

    willkommen im digitalen Zeitalter

    Leider eine Folge der Digitalisierung. Zumindest für Notrufe hätte man vielleicht die alten Analogverbindungen nicht einfach überstürzt aufgeben sollen...

  • Heidi am 12.02.2020 14:03 Report Diesen Beitrag melden

    Ohne Netz keine Notfallnummer

    Ha ha auf Twitter seien Nummern veröffentlich worden. Bei mir gabs aber gar kein Internet mehr, wie hätte ich da auf Twitter kommen können? Komischerweise funktionierte als einziges das watsup. Kann mir das jemand erklären?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Fail am 20.02.2020 03:30 Report Diesen Beitrag melden

    Jaja

    So ist Swisscom zur letztem Nummer im Schweizer Telekommarkt abgestiegen.

  • Susanne aus Bern am 19.02.2020 23:46 Report Diesen Beitrag melden

    Es gibt bessere Lösung von neuen Firmen

    Der Fehler der Swisscom ist auf die falschen Protokolle zu setzen! Swisscom nutzt noch fast vollständig über 20 jährige unsichere SIP- und unzuverlässiges UDP- Protokolle. Solche veralteten Lösungen könnten seit 7 Jahren auf zuverlässige und verschlüsselte Protokolle umgebaut werden. Ich nutze die OpusTel App einer innovativen KMU auf dem Handy mit SIPS, SRTP, TLS und zusätzlichen Mechanismen zur Ausfallsicherheit.

  • Roland S. am 19.02.2020 17:59 Report Diesen Beitrag melden

    Privatiesierungs wahn

    Das passiert eben wenn man Dienstleistungsbetriebe teils oder ganz privatisiert. Selber Schuld , es zählt dann eben nur noch das Geld und nicht mehr die Leistung. Dasselbe wird nun bald beim Strom passieren. Netze werden nicht mehr Unterhalten und veralten, Kurzschlüsse lassen dann grüssen.

  • H. Bösch am 16.02.2020 11:11 Report Diesen Beitrag melden

    Cyber-Angriffe?

    Das könnten auch Cyber-Angriffe von einem Mitbewerber sein! Komisch, dass dieses Thema nicht aufgegriffen wird.

  • Wilhelm Kunz am 14.02.2020 22:05 Report Diesen Beitrag melden

    Alternativlösungen sind wichtig

    Es gibt verschiedene Alternativen zu Swisscom: Sunrise 4G Internet Zugang oder Salt 4G Internet Zugang. Dann zwei unabhängige VoIP Anbieter wie OpusTel und Sipcall und die Verfügbarkeit wird wesentlich verbessert. Weiter braucht es vermehrt Akkus und Inverter um die Telefone und das Internet auch bei Strom Blackouts nutzen zu können. In vielen Ländern ist beides üblich, da einzelne Anbieter noch schlechtere Verfügbarkeit aufweisen. Ein Anbieter ist kein Anbieter. Auch deshalb haben wir den Telefonmarkt liberalisiert und nun einige Alternativen.