Gesichtserkennung

09. März 2020 15:44; Akt: 09.03.2020 16:25 Print

«Mit dem Gesicht findet die App alles über dich»

Recherche-Tool für Behörden und ein Spielzeug für Milliardäre: Die App Clearview sorgt für Schlagzeilen. Das musst du darüber wissen.

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«Es ist erschreckend», sagte der Schauspieler Ashton Kutcher im letzten September in einem Video auf Youtube. «Ich habe eine Art Beta-App auf dem Handy, damit kann ich von allen herausfinden, wie sie heissen, wer sie sind und bei welchen sozialen Netzwerken sie sind», sagt er. Es dürfte sich um die Gesichtserkennungs-App Clearview handeln, wie die «New York Times» schreibt. Kutcher könnte als möglicher Investor Zugriff auf das Tool erhalten haben. Gewiss ist dies nicht: Der Schauspieler hat den Artikel bisher nicht kommentiert.

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Auch weitere Investoren sollen Zugriff auf die App erhalten haben. So soll der Milliardär John Catsimatidis Clearview genutzt haben, um in einem Lebensmittelgeschäft, das ihm gehört, die Kunden zu überwachen. Auch soll er mit der App in einem Restaurant einen Mann identifizieren haben – es war das Date seiner Tochter. «Ich wollte sicher sein, dass er kein Scharlatan ist», sagt Catsimatidis zur «NYT».

Tests mit Behörden

In weiteren Fälle wurde die App offenbar genutzt, um auf Partys anzugeben. Die Entwickler des Tools hatten allerdings stets versichert, dass nur Strafverfolgungsbehörden es nutzen dürften. «Die Fälle zeigen erneut, dass Überwachungstechnik missbraucht werden kann», schreibt die «Süddeutsche Zeitung» dazu.

Hinter der App steckt die Firma Clearview AI. Das Start-up wurde 2017 in New York vom Australier Hoan Ton-That gegründet. Die Firma ist umstritten. Anfang 2020 wurde publik, dass Clearview rund drei Milliarden Fotos gespeichert hat. Als Quellen für die Bilddatenbank dienten unter anderem öffentlich zugängliche Fotos bei Facebook und Youtube. Daraus wurde die Identifizierung von Personen mithilfe des Gesichts entwickelt. Rund 600 Behörden sollen den Dienst getestet haben. Aktuell soll Clearview bis zu 3000 Kunden weltweit zählen.

Wie mächtig ist Clearview?

Ist Clearview ein allumfassendes Überwachungstool? «Was Clearview bietet, ist eigentlich nicht spektakulär», erklärt Martin Steiger, Anwalt für Recht im digitalen Raum. Schaue man sich das Angebot nüchtern an, so handle es sich einfach um eine Rückwärtssuche von Bildern, die im Internet öffentlich zugänglich seien, sagt Steiger. Grundsätzlich wäre ein solches Tool auch bei uns legal: Die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) schützt nicht vor Gesichts- und Personen-Suchmaschinen.

Der Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte (EDÖB) hat mittlerweile ein Auskunfts- und Löschbegehren in den USA eingereicht. «Der EDÖB geht davon aus, dass die Anbieter von Clearview bei der Beschaffung von Gesichtsdaten die Persönlichkeit der betroffenen Personen in der Schweiz wie auch die Nutzungsbedingungen von sozialen Plattformen verletzen», heisst es vom Bund. Der EDÖB rät Nutzern von sozialen Netzwerken, in den Einstellungen unter anderem den Zugang von Fotomaterial für Suchmaschinen zu unterbinden.

(tob)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • kritisch8 am 09.03.2020 16:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hmm..

    Wir werden leider erst erkennen was die ganze Digitalisierung bedeutet, wen es schon viel zu spät ist. Uns wird es momentan noch als Innovativ und praktisch verkauft, nur was dahinter steckt wird die breite Bevölkerung erst in ein paar Jahren spühren. Nur weiter so

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  • Manu am 09.03.2020 15:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geld regiert die Welt

    Krank. Den Reichen gehört die Welt.

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  • Lardo am 09.03.2020 15:54 Report Diesen Beitrag melden

    Steiger irrt sich

    Es ist keine Rückwärtssuche von Bildern. Es geht darum von jemandem ohne Einverständnis ein Foto mit dem Handy zu machen und dann alles über ihn heraus zu finden. Legal wärs nur wenn man erst ein Foto im Internet von jemandem findet aber das ist nicht der Sinn der App und wird so auch nicht von Behörden eingesetzt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Frido am 10.03.2020 12:52 Report Diesen Beitrag melden

    Herold & John

    Rees wird sich freuen das er endlich darf los legen und Finch wird ihm dabei helfen...

  • ;) am 10.03.2020 08:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Falsch

    Die Fälle zeigen erneut, dass Überwachungstechnik missbraucht werden kann». Stimmt so nicht. Sollte heissen: "Die Fälle zeigen erneut, dass Überwachungstechnik missbraucht wird"

  • Sunny am 10.03.2020 08:38 Report Diesen Beitrag melden

    Personensuchmaschine

    Sowas habe ich selber 2017 programmiert als Bachelorarbeit. Ich hatte über 100'000 ZürcherInnen gespeichert und konnte sie auf der Strasse identifizieren. Aus Datenschutzrechtlichen Gründen habe ich sogar eine Anfrage von SRF für eine Reportage abgesagt und das Tool nie veröffentlicht.

  • Rônin am 10.03.2020 06:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alles hat zwei Seiten

    Kommt immer darauf an wie es genutzt wird.

    • 1234 am 10.03.2020 12:45 Report Diesen Beitrag melden

      @Ronin

      Es wird immer missbraucht. Entweder wird das System abgekauft, oder ohne wissen kopiert (ja auf den PC eines Programmieres kommt man immer wenn er Internet hat) oder es wird entwendet. Nicht ist sicher heutzutage.

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  • EHS am 10.03.2020 04:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Safety first

    Was doch nicht alles getan wird, nur um unsere Sicherheit zu erhöhen.