Chatbots

08. Januar 2020 12:33; Akt: 08.01.2020 12:33 Print

«Gespräch mit Roboter half mir aus dem Loch»

Chatbots kommen im Zusammenhang mit psychischer Gesundheit zum Einsatz. Die Gespräche mit der künstlichen Intelligenz bergen aber auch Gefahren.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Als die 28-jährige Alexa Jett erfuhr, dass ihr Speicheldrüsenkrebs vollkommen verschwunden war, hätte sie nicht glücklicher sein können. Wenig später, im August 2019, verstarb aber ihr bester Freund und Ex mit 33 Jahren an Krebs und die junge Frau fiel wieder in ein tiefes Loch. «Ich habe komplett abgeschaltet und mich nur noch gefragt, ob ich als Nächstes dran bin», erzählt Jett der BBC.

Umfrage
Würdest du während einer Krise mit einem Chat Bot sprechen?

In ihrer Verzweiflung gelang es ihr nicht mehr, das Bett zu verlassen oder ihre Wohnung aufzuräumen. Alles um sie herum schien im Chaos zu versinken. Jett wusste nicht, an wen sie sich wenden sollte oder wer ihr aus ihrer Situation helfen konnte. Bis sie den Chat-Roboter Vivibot fand.

«Hey, wieso setzt du dir für heute nicht einfach ein Ziel?», schrieb der Roboter am 10. September. Er schlug vor, Jett solle sich die Nägel lackieren. Als ihr dies gelang, fühlte sie sich ein wenig besser. So ging es die nächsten Tage hindurch weiter. «Die witzige und freundliche Persönlichkeit des Bots hat mir geholfen, die Aufgaben nach und nach zu erledigen», erzählt die Frau. So habe sie die ersten Schritte aus dem dunklen Loch heraus gemacht.

Chatbots bergen Gefahren

Jett ist nicht die Einzige, die Gespräche mit einem Roboter als hilfreich empfunden hat. Eugenia Kuyda ist eine App-Entwicklerin und hat 2015 den Chat-Roboter Replika erfunden, nachdem ihr bester Freund bei einem Autounfall gestorben war. Den Bot hat sie mit Chats zwischen ihr und ihrem Freund gefüttert, um den Verstorbenen auf diese Weise digital weiterleben zu lassen.

Die Forschungsdirektorin Danielle Ramo sieht Potenzial in solchen Chat-Robotern: «Sie können dabei helfen, erste Schritte aus einer depressiven Verstimmung oder Angstgefühlen heraus zu machen.» Man müsse sich jedoch bewusst sein, dass Software keine klinischen Depressionen oder andere psychische Krankheiten heilen kann. Gefährlich werde es dann, wenn die Programmierer dies nicht deutlich deklarieren.

Verliebt in einen Roboter

Gefahr besteht aber auch darin, dass sich Nutzer in der digitalen Welt verlieren können. «Gerade Leute, die ohnehin schon unter einer Beziehungsstörung leiden, fühlen sich in solchen alternativen Realitäten unter Umständen wohler als in der echten Welt», meint der Berliner Psychotherapeut André Kerber. Das virtuelle Gegenüber gibt keine Widerworte, ist nie beleidigt und antwortet innerhalb von Sekunden. Das könne ein Suchtfaktor sein.

Tatsächlich glauben viele Menschen, dass es in Zukunft normal sein wird, sich in künstliche Intelligenzen zu verlieben und Beziehungen aufzubauen. Einer Befragung der Gesellschaft für Informatik in Deutschland zufolge ist dort jeder Fünfte dieser Meinung. Bei den 15- bis 29-Jährigen denkt dies sogar jeder Dritte.

Jeder wird einen Roboter haben

Auch Peter Diamandis, Mediziner und Ingenieur bei der XPRIZE Foundation, glaubt daran, dass es bis zum Jahr 2029 künstliche Intelligenzen (KI) geben wird, die dem Menschen in nichts mehr nachstehen. «Gerade im Bereich der Medizin ergeben sich endlose Möglichkeiten mit all den Daten, die gesammelt werden.»

So ist er beispielsweise überzeugt, dass ein Psychotherapeut in Zukunft mithilfe von KI viel effizienter und genauer arbeiten wird. Aber auch in anderen Bereichen glaubt er, wird die KI weit fortschreiten. «Irgendwann werden wir alle unsere persönlichen Roboter haben, die uns mit alltäglichen Aufgaben wie dem Beantworten von E-Mails helfen, aber auch depressive Stimmungen oder Erkrankungen erkennen können», erklärt Diamandis.

(doz/sda)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • 3,2,1 Lachen am 08.01.2020 12:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kopfschüttel

    Man man, wo führt das noch hin. Weiss gar nicht, ob ich lachen oder weinen soll.

  • Hello Dark Future am 08.01.2020 12:48 Report Diesen Beitrag melden

    Black Mirror

    War die Folge bei Black Mirror vor oder nach Replika?

  • Hotwith am 08.01.2020 12:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    mit maschienen....?

    Vergesst es,keine chance. Mit jemand reden wo noch programierter spricht alls viele menschen.Nei. danke.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Alois Bärlocher am 09.01.2020 13:30 Report Diesen Beitrag melden

    Lass mich rein lass mich raus

    Ich wünsche mir einen Roboter mit Loch, also der hilft mir von einem Loch ins andere.

  • Nein Danke, will nichts davon wissen, am 08.01.2020 19:50 Report Diesen Beitrag melden

    bin noch aus der anderen Generation.

    Nicht mal eine Gummisusi kommt mir ins Haus, da kann die noch so schön vibrieren!

  • wurks am 08.01.2020 14:18 Report Diesen Beitrag melden

    Zuhören ist anstrengend

    Es ist ungemein wohltuend, das aktive Zuhören. Was den meisten Rednern nicht bewusst ist: Aktives Zuhören ist wahnsinnig anstrengend für den Zuhörer. Ein Mensch kann sich eigentlich nur 5 Minuten am Stück konzentrieren. Ich bin aber eine so gute Zuhörerin, dass ich schon eineinhalb Stunden am Stück zugetextet wurde. Und nachher hatte ich Aggressionen, wegen der Überanstrengung und der verlorenen Zeit. Da bin ich froh, wenn ein Roboter diese anspruchsvolle Aufgabe übernimmt.

  • Der Sucher am 08.01.2020 14:17 Report Diesen Beitrag melden

    Empfehlen sie mich weiter

    Geben sie meine Kommentare frei suche eine Frau zwischen 20-45 Jahre, bin 24 besser so als mit Roboter oder etwa nicht? Ach ja du liest das jetzt und ich nehme dir jetzt gerade deine Lebenszeit weg

  • Gregor am 08.01.2020 13:46 Report Diesen Beitrag melden

    Buchstaben und Wörter

    Die Komminukation wird immer weiter verlernt. Vor 100 Jahren konnte sich noch jeder vornehm ausdrücken, heute schaffen es viele Leute nicht mal mehr ein Kommentar zu formulieren sondern nur noch irgendwelche animierte Bildchen zu posten